Montag, 23. Mai 2022

 2. Etappe Riesenbecker Sixdays

Zunächst einmal beginnt der Tag mit einem schönen gemeinsamen Frühstüch mit unserem Teil-#teamillegal hier am Nassen Dreieck. Nein, der Tag beginnt mit FRÜHSTÜCK und nicht mit NASSEN DREIECKEN. Das ist eine geografische Bezeichnung. Der zweite Tag nötigt auch mir Respekt ab, es ist eine "landschaftlich reizvolle", also brettharte Etappe, wo ich in den vergangenen Jahren immer Boden verloren hatte, den ich mir mühsam wieder heranlaufen musste. Berge hoch sind nunmal nicht so meins.

Bein Frühstück ist alles entspannt, gemütlich schauen wir danach gemei sam den Film der ersten Etappe, dann geht es schon wieder los. Ich wollte mir hier keinen Stress machen und mache ihn auch nicht, aber zumindest in die vordere Hälfte hoffe ich schon zu kommen, wenn mein Rücken weiter mitspielt.Bisher tut er es. Aber heute kommen die Trails und die Höhenmeter, vor allem bergab. Ich mache Silke und Stephan mit Anspielungen auf die "Waldkapelle", den "Hexenpfad" und das "Himmelreich" etwas wibbelig, aber das ist ja auch witzig gemeint. ich weiß ja, dass die beiden das drauf haben. #teamillegalis halt. 

Wieder die üblichen Startprocedere, gut, die Urinale in der Grunschule hängen etwas tief an der Wand, wer länger hat ist klar im Vorteil. Dann gejht es los. Ich weiß, das ich heute langsamer sein werde als beim Prolog. Trotzdem fühlt sich der erste Kilometer irgendwie schwer an. Geht hier nämlich ganz leicht bergauf, so, dass man es nicht sieht. Aber ich bin ja auch zu schnell. Also schnell locker werden und ohne Blick auf die Uhr Wohlfühltempo erreichen. Schaffe ich, als es hinter Ölnmühle und A30 links ab geht. Ein herrlicher Weg in der Sonne, vorbei an blühenden Wasweissichvongestrüpp, sah jedenfalls schön aus. Langsam groove ich mich ein, lohnt aber nicht, denn der erste Anstieg droht. Sofort den Marschhschritt aufgenommen. Zunächst führt der weg in dunklem Wald über eine steiler werden de Straße hoch, überall Zuschauer - alles Sado-Maso-Anhänger, warum stehenm die sonst immer an den Steilstücken?

Hinter dem Waldrand endlich wieder Sonne, dafür aber besteht der Weg aus sandigen Treckerspuren. Sonne, Sand - fast wie Urlaub. Nur anstrengender. ich marschiere noch immer, lass die anderen ruhig vorbei, meine Stunde schlägt später. Ein Mitläufer bedankt sich, weil er sich aufgrund der ausgefallenen Vorbereitungsläufe nur anhand meiner Videos mental auf die Etappen vorbereitet hat. Schön zu hören, wenn meine Machwerke mit gebündeltem Halbwissen für andere hilfreich sein können. Kaum oben , kommt uns die angekündigte Feuerwehr am Waldweg entgegen. Schon da habe ich schnell wieder mein Tempo, bergab an den Südhang des Teuto läuft es dann richtig gut und ich überhole viele wieder, die während meiner "Marscheinheit" an mir vorbei sind. Das lange Stück hinter dem ersten VP bis Brochterbeck mag ich. Nur leicht wellig, dafür mit wechselnden Sonnen- und Schattenabschnitten und teilweise traunhafte Aussichten ins flache Münsterland, welches sich hier südlich dem Teuto-Ausläufer anschließt. Auch eine Gruppe Kühe zeigt Interesse ins Video zu kommen, so dich wie sie sich am Stacheldraht zu Weg drängen. Nochmal fame werden, bevor es via Rheda-Wiedenbrück in die Kühltheke bei Edeka geht. Dann Brochterbeck. Wegen mir hätten die die Kircheenglocken nicht bimmeln lassen müssen, aber sie erinnern mich daran, dass gleich der legendäre Anstieg zur Waldkapelle folgt. Kurz überlege ich, allerdings mehr im Spaß, ob ich Michael Brinkmanns Empfehlung der Eisdiele hier folgen soll, dann fällt mir aber ein, dass ich mein Portemonnaie vergessen habe und laufe weiter. Ist auch besser so. Die Hooligans vom SV Dickenberg stehen am Bahnübergang der Museumsbahn und machen ordentlich Betrieb, ich hatte ja noch auf Pyrotechnik gehofft, aber die bleibt aus. Trotzdem ein geiler Haufen, die Leute vom Berg. Dann geht es den Berg hochj, der mir mindestens 3 "Alte Schweden" entlockt. Einen Altobbelli obendrauf. Schön stramm hoch. Ich bewundere und bemitleide die, die hier noch hochlaufen zugleich. Ich wär alle. Aber marschieren kann ich deutlich unter 8er Pace, da verliere ich nicht allzuviel. Über Felsen - das "hockernde Weib" kann nicht weit sein geht es das letzte Stück zur Namensgeberin des Anstiegts, der Waldkapelle. Wobei "hockendes Weib" nicht etwa eine Mitläuferin mit Harndrang sondern eine bekannte Felösformation ist. allerdings wohl inzwischen Kopflos, was bei Frauen aber nicht so ungewöhnlich sein soll. 

Der Herrmannsweg ist erreicht. Hier laufe ich wieder ein super Tempo und sammle wieder einige "Bergziegen" ein. Der kluge Ultra geht am Berg, aber ist ja nicht jeder ist ja Ultra hier. Der Wald hier berauscht mich, es gibt tolle Lichteffekte durch die einstrahlende Sonne, aber auch genügend Schatten. Gefühlt bin ich fast da. Ein letztes Gel, dann endet der Wald bereits und der kurze Restanstieg nach Tecklenburg liegt vor mir. Ich laufe den entgegen meiner sonstigen Angewohnheit hoch und bin einfach nur happy. Happy, dass ich hier so gut in meinem Wohlfühltempo unterwegs sein darf. Auf, dass das noch lange anhalte. Dann die nächste Legende, der Hexenpfad. Steil hinab den Bergkegel, auf dessen Spitze die Grafenstadt Tecklenburg thront. Stufen, ordentliches Gefälle, Steine, Wurzeln, alles was Läufer für einen gepflegten Stunt braucht. Ich kann den veremeiden, hoffe, dass meine lädierten Bandscheiben mir das nicht später übel nehmen und bin bereits unten. Am Bahnhof der Museumsbahn steht ein alter T1 mit geteilter Frontscheibe, dann bin ich schon auf dem locker amsteigenden Waldweg vorbei an Haus Marck, wo einst die Vorverhandlungen zum Westfälischen Frieden stattfanden. Ich sehe es leider nicht, zu dicht ist das Grünzeug und anhalten mag ich nicht. Ich habe meinen westfälischen Frieden mit mir gemacht und bin bsiher sehr zufrieden. Dann noch flugst zwischen den Königsteichen mit Blick auf die Seerosenblätter durch, die Empfehlung Michael Brinkmanns, reinzuspringen möchte ich aber eher nicht befolgen. Zuviel Grün obenauf. Dann der Trampelpfad zu "Himmelreich", ein Straßennname, der Programm ist. Denn bevor man ins Himmelreich kommt, muss man bekanntlich durchs Fegefeuer. Das wartet in Form des elenden Anstiegs auf uns, der die fiese Eigenschaft hat, auch noch flacher zu werden, so dass man echt in die Überlegung kommt, wieder anzulaufen, bevor er dann doch wieder steiler wird. Früher als gedacht bittet man mich bereits von der Strecke nach rechts auf den Parkplatz, was waren das noch für Zeiten, als es ein Stück weiter noch weiter hoch zur Freilichtbühne ging? Egal, der neue Zieleinlauf ist auch schön. Eng, dunkel, gesäumt von Publikum geht es durch den Volksbank-Bogen natürlich leicht hinauf ins Ziel. Einfach nur toll, was die Teutos hier alles auf die Beine stellen. Mit einer 1:53 war ich bestens unterwegs, ein schönes Zielfoto von Silke zeigt mir das am späten Abend noch. Danke. 

Claudia kommet auch kurz nach den zwei Stunden herein und hat die Strecke auch sehr gut verkraftet. Auch Silke und Stephan hatten Spaß unterwegs, wenngleich sie aufgrund des Fotostopps an den Königsteichen ein Posthörnchen leider vorbeilassen mussten. 

Ein superschöner Lauftag im idyllischen tecklenburger Land war es geworden, hier, auf der wohl schönsten, aber auch anstrengendsten Etappe der Sixdays.

Sonntag, 22. Mai 2022

Riesenbecker Sixdays Tag 1

Start der Sixdays oder aiuch -"Coming Home"

Kennt Ihr das auch? Man kommt zu einer Veranstaltung zurück, bei der man einst Erfolge gefeiert hat (was unsereins Wald- und Wiesenläufer und Feierabend-Kenianer so "Erfolg nennen kann"), bei der man Niederlagen eingesteckt und sich gefreut, getrauert und.....einfach gelebt hat? 2018 Hatten Claudia und ich die Sixdays erstmallig seit unserem Start hier 2008 ausgelassen, weil wir die "Bergischen 5" laufen wollten, ein Ultra-Etappenlauf im Bergischen Land, so waren sie auch 2020 nicht in der Planung. Als die Welt und das Leben sich veränderten, das Land in Angst- und Panik verfiel und alles, was uns Läufern lieb und teuer war, ausfiel. 2021 meldeten wir dann auf Initiative unserer Mitläufer aus 2016 Marco und Kim nach, dann wieder die Enttäuschung. Nun endlich sind wir wieder da, nun mit Silke und Stephan als Sixdays-Debütanten. 


Viele alte Bekannte auf dem Dahlfsen-Platz, die wir freudig begrüßten. Beruhig, dass die alle auch genau wie wir älter geworden sind. Man weiß, wie die Abläufe sind, Taschen packen, Bustransfer, Briefing von Race Director Michael Brinkmann im Bus, Ankunft am Start. Dann die sich langsam steigernde Spannungsmusik....I will survive - Strong enough - Played alive. Bekannte und gewohnt Rituale und auch in mir steigt die Spannung, ob ich will oder nicht. Keine Nervosität, ich habe seit meinem ersten Auftritt hier 2008 vieles gemacht, was es im Laufen so gibt. Claudia und ich sind 100er gelaufen, Hundertmeiler, gar die 230 km der TorTour de Ruhr. "So'n Hunderter geht ja eigentlich immer" ist keine Arroganz, es kann stimmen. All das, was wir ehrfürchtig bei unserem ersten Start hier auf den Shirts der Teilnehmenden bewundert hatten, haben wir für uns möglich gemacht. Und doch berührt mich diese Veranstaltung mehr als viele andere, außer vielleicht jener Pfings-Wahnsinn von Winterberg nach Duisburg, der sich TorTour de Ruhr nennt.

Dann laufen wir, die Hauptstraße hinunter, am Rand steht Martina, die ich von früheren Teilnahmen kenne und die offensichtlich nicht dabei ist, dann in die Wiesen und Felder. Wind von hinten und von der Seite. Ich laufe auf Wolfgang von Marathon Ibbenbühren auf, auch ein Begleiter aller unserer Sixdays. "Wir sind zu schnell". Stimmt, 5:10er Pace. "Ich will nur 6er Pace". Etwas flotter wollte ich schon, also weiter. Hinten zu starten hat was, man läuft von Gruppe zu Gruppe auf. Ich bremse mich in etwa bei 5:15 ein, ob ich das halten kann, weiss ich noch nicht. Es ist mir auch nicht mehr so wichtig. Ich fühle mich im Tempo wohl. Seit Sommer 2020 hatte ich mit diversen Problemen zu kämpfen, erst angerissenes Innenband im Knie nach Sturz beim Wandern, dann meldete sich 2021 mein Bandscheibenvorfall aus 2002 zurück, wegen dem ich überhaupt mit dem Laufen angefangen hatte. Richtig im Training erst wieder seit Mitte März nach langer Pause, da sollte man defensiv laufen. 5:15 ist nicht gerade defensiv für meinen Zustand, aber ich fühle mich wohl. Und das soll es doch. Spaß machen. Schon sind wir am Kanal, gegenüber sind die schnellen Läufer (sorry, gendern tue ich nicht, falls Läuferinnen dabei waren, sind sie mit gemeint). Erkennen kann ich ohne Brille sowieso keinen, man wird halt nicht jünger. Immer wieder feuern uns Menschen an, besonders am Kanal sind die Vereine aus der Umgebung aufgereiht und machen Betrieb. 10 km in 52 Minuten, es ist nicht mehr weit bis zur Bergwertung. Hier war ich 2014 schon fertig mit der Welt und musste meine Ambitionen, 2012 nochmal zu verbessern, früh streichen. Gehört auch dazu. Dann das alte Fachwerkhaus, an dem es unweigerlich rechts ab und zudem langsam aber zunehmend hoch geht. Ich quäle mich ein wenig über den sandigen Feldweg, der kluge Ultra geht am Berg. Mache ich dann auch. Stramm hoch marschiert, ich bin schneller oben als ich dachte. Einige hatten mich überholt, die meisten würde ich bergab wieder einsammeln, das war früher immer so. Aber ist es noch wie früher? Ich brettere bergab. Der Weg kommt mir wesentlich besser vor als vor sechs Jahren, also laufen lassen. Dann die Groner Allee, lange geradeaus in die City. Die Pflicht ist getan, nun kam die Kür. Bis auf einen sammle ich tatsächlich alle wieder ein. Die Strecke ist etwas länger, man gönnt uns noch rund 800 m ansteigende Fußgängerzone zum Neumarkt. Dann das Ziel. 5er Pace geht am Ende, ohne zu sprinten. Denn das sollte man hier besser unterlassen, es war ja nur der Prolog. Michael sagt uns alle an, er moderiert wieder prächtig. Gegenseitiges Abklatschen im Ziel, dann ist auch Claudia da. Auch rechtflott. Auch sie hatte viele kleine Verletzungsproblemchen und ist erst seit Frühjahr wieder auf "dem aufsteigenden Ast". Silke und Stephan finishen zusammen, weit genug vor dem neuen Zielschluss von 2:30. 


Das war er, der erste Tag, der Prolog. Der Wiedereinstieg in die Legende für mich. Ich bin emotional berührt, nicht wie vor vier Wochen in Hamburg, aber dennochlässt mich das tolle Event hier nicht kalt.

Ein leckeres Eis in der Eisdiele direkt am Ziel, dann geht es wieder in unser Appartement am Nassen Dreieck. Regenerieren. Wie stand so schön auf dem Shirt der Dickenberger? "Morgen wirds härter".

Freitag, 16. März 2018

Zypern - Insel, wo die Götter Trainingslager machen.....

Damit wir uns nicht umstellen mussten ging dann mal gleich nach der ersten Nacht der Wecker um halb sieben in der Früh. Denn wenn die erste Trainingseinheit um 10 Uhr angesetzt ist, sollte das opulente Aldiana-Frühstück vom Büffet etwas Zeit zum sacken haben. Mein Trainingsplan verhieß einiges an Umfängen, wobei ich für mich schon entschieden hatte, nicht alles in vollem Umfang mit zu machen. Denn mit hohen Umfängen und hoher Intensität hatte ich ja vor zwei Jahren eher schlechte Erfahrungen gemacht und mir eine meiner eher seltenen Verletzungen eingefangen.  Der Trainingsplan sah 4 Gruppen vor, ein Wechsel innerhalb der Gruppen war jederzeit problemlos möglich.

Ich begann dann gleich mal beim Fahrtspiel in der schnellen Gruppe. Da die Strecken von den Trainern auch nur via Internet geplant werden konnten, waren wir alle gespannt auf das, was uns erwartete. Und wir finden Straßen, auf denen fast nichts los war sowie erstaunlich gute Feldwege, die durch eine landwirtschaftlich bearbeitete grüne Gegend mit einigen Hügeln führte. Den ersten steilen felsigen Anstieg ging ich dann mal, hatte aber schnell wieder zur Gruppe aufgeschlossen. Die ersten 8 Kilometer bei zunächst ungewohnten 25 Grad in der Sonne blieb der Schnitt bei einer Pace von deutlich über 5, als wir dann am Ende die Asphaltstraße erreichten und es etwas bergab gegangen war, hatte ich Tempo aufgenommen und konnte die letzten 4 Kilometer mühelos unter 5er Pace "dahinschweben" . Es tat so gut, mal nur im Tanktop und in Shorts unterwegs sein zu dürfen nach der Kälte am Samstag, da kann man schon etwas euphorisch werden. Auf eine kleine 4 Kilometer Ergänzungsrunde mit den ganz schnellen Sascha, Wolfgang, Andreas und Trainer Roman verzichtete ich dann aber. Vor dem Mittagessen schob ich dann mit Claudia, Marco, Kim und Trainerin Sigrid noch eine Schwimmrunde von nicht ganz 1000 m ein. Das Meer war so schön ruhig, dass es in herrlich klarem Wasser wirklich gut lief, wenn man sich einmal ohne Neo in die mit 18 Grad doch recht frischen Fluten gewagt hatte. Das Mittagsbuffet wurde diziliniert bescheiden nur angefräst, den Lauf am Nachmittag mit knapp 9 Kilometern in 5:30er Pace konnte ich nach den 3 Stunden Pause ruhig absolvieren. Ich wunderte mich schon, dass der Ultra am Samstag so wenige Spuren hinterlassen zu haben schien. 
Zurück vom Lauf ging es noch in den Gymnstikraum zum Stabi-Training, nach diesen 30 Minten dannnhieß es im Grunde schnell auf's Zimmer, Duschen, Anziehen und ab 19:00 Uhr Abendessen. Wir bemühten uns stets, das Niveau an den 8er Rundtischen möglichst flach zu halten, was uns auch ganz gut gelang. Wer mit Bunert fährt, sollte hart im Nehmen und gut im Austeilen sein. Spaß gibt es jedenfalls genug. Ich will die geneigten Leser jetzt nicht mit unseren Lästerorgien am Rande der Tanzfläche mit einem Ouzo oder sonstigem Kaltgetränk in der Hand langweilen, es wiederholt sich ja jeden Tag aufs Neue. Sport-Puristen mögen jetzt anmerken, dass gewisse Trainingseffekte von eben jenem Ouzo / Gin-Tonic oder was auch immer sofort wieder zerstört würden. Ich denke, für meinen Zweck, Umfänge zu steigern und gewisse Grundgeschwindigkeiten zu trainieren. sollte es gehen. Man betrinkt sich ja nicht, obwohl das den Anblick mancher Gestalten auf der Tanzfläche wesentlich leichter zu ertragen verhelfen würden. 
Am zweiten Tag stand ein 90 Minuten Lauf an, nach dem Frühstück lagen wir noch ein wenig mit Marco und Kim am Pool. Trainer Roman ging herum und erläuterte, dass es heute in Gruppe eins etwas flotter werden würde. Damit war für mich der "Downgrade" in Gruppe zwei beschlossen, ich wollte es ja nicht übertreiben. Also ging es mit Marc als Trainer und gemeinsam mit Claudia und unserem "Pflegekind" Yvy los. Hier standen nur 75 Minuten auf dem Plan, Marc war aber gerne bereit, mit uns noch eine kleine Runde dran zu hängen. Da wir heute in Gruppe zwei die Runde der Gruppe 1 vom Vortag liefern, kannte ich die Strecke und konnte die schöne Runde  Mal genießen, einschließlich des trailigen Anstieges zu Beginn.



Mit fast 14 Kilometern einschließlich Ergänzungsschleife am Ende und einer Pace von unter 6 trotz der Höhenmeter war die Runde durchaus nicht anspruchslos und ich war froh, dass ich es hatte ruhiger angehen lassen. Am Nachmittag stand keine weitere Laufeinheit an, sondern ein Athletik-Stationstraining auf dem Fußballfeld, anschließend Stabi- und Blackroll-Training. Ich entschied mich für ein erstes Koppeltraining, denn am Vorabend hatte ich ich zum Spinning aus dem Aldiana-Club-Angebot angemeldet und wollte direkt vorher wieder knapp 1000 m schwimmen. Stabi konnte ich auch zuhause, Freiwasser-Koppeln geht da erst mal noch nicht. Heute war es deutlich windiger und es gab im vergleich zum Vortag einen ordentlichen Seegang. Ich schaffte dennoch gut 1000 m in 26 Minuten, war aber ziemlich ausgekühlt danach. Im starken Wind schlotterte ich ein wenig zum Spinning-Bereich, einem offenen, überdachten, aber windgeschützen Vorraum zum Gymnastikbereich. Die blonde Animateuse machte das Spinning sehr gut, die Musik war auch ordentlich und meine Oberschenkel wurden ordentlich gefordert, während Claudia einen Raum weiter sich über die Gymnastikmatte beugte. Das mit der Schwimmmöglichkeit gefiel mir hier sehr gut, dass hatte in eiskaltem Pool und eiskaltem Meer in Andalusien gefehlt. 18 Grad Meer ist jetzt nicht gerade Badewannentemperatur, aber bei strammem Schwimmen durchaus auszuhalten. Und mit Blick auf das Event auf Rügen beim 70.3 im September kann es ja nicht schaden, Schwimmen im Meer zu trainieren. 
Am Abend stand ein Vortrag von Cheftrainer Roman über "Laufstil" in der Bibliothek an. Lustig waren die beiden Hotelgäste der AK 80, die sich zwnglos dazugesellten und ganz fasziniert den Worten unseres Diplom-Sportwissenschaftlers zu Abdruck und Abrollbewegung folgten. Der Scherz zur "Traininggruppe 5" machte schnell die Runde. Na ja, Wissen schadet ja such im hohen Alter nichts. 
Nach dem Abendessen stand "90er-Jahre Party" an der Poolbar an. Nun ja, auch wenn die Musik zunächst eher 80er Style war, war es dennoch ganz ordentlich. Dennoch muss man sich immer wieder wundern, wie so eine DJane sich eher selbst verwirklichen, als die gerade aufgekommene Stimmung auf der Tanzfläche mal am köcheln halten muss. Na ja, man war ja nicht nur zum Vergnügen da. 
War der Trainingsplan bisher eher Moderat - die gefürchteten Bergansprints des zweiten Tages von Andalusien fehlten hier völlig - ging es am Mittwoch richtig los. Standen erst 10 x 800 m auf dem Plan, wurde dies aus profanem Grunde auf 12 x 600 m geändert. Es gab eine schöne, flach asphaltierte Nebenstraße , die war leider nur etwas über 600 Meter lang. Und am Ende eines Vollgas-Intervalls auf eine Schotterpiste mit einigen Schlaglöchern zu laufen, wäre keine gute Idee für ein verletzungsfreies Trainingslager gewesen. 
Ich begab mich wieder in Gruppe 2, denn absolutes Vollgas wollte ich vermeiden. ich kenne das, in Gruppe 1 müsste ich mich ranhalten, um dabei zu bleiben. Ich würde das schaffen, aber dann wäre ich wieder unter Vollbelastung. Und da meine rechte Hüfte beim Aufstehen nach jedem Sitzen bereits leichte Probleme machte, wollte ich das lieber nicht riskieren. Unsere Strecke lag auf einer Anhöhe, vom Meer weg wehte der starke Wind von hinten. Aber in Gegenrichtung blies er uns richtig schön von vorne an. Aber Gegenwind formt ja bekanntlich den Charakter. Und irgendwie war die gefühlt stehende warme Luft auf dem Hinweg ja auch suboptimal.
Ich beließ es bei einer Pace zwischen 4:00 und 4:10, wenige Intervalle zum Ende gingen knapp unter 4er Pace. Ich war angestrengt, aber nicht kaputt. Das wollte ich erreichen. Am Ende kamen mit An- und Abmarsch auch fast 14 Kilometer zusammen, davon ja gut die Hälfte in anspruchsvoller Pace. Am Ende der Einheiten versammelten wir uns am "kalten Pool", ausgerüstet mit einer Vanillemilch und einer Limo von der Pool-Bar. Und einige Male sprangen wir mit Laufhose in den Pool , um ein paar Züge zu schwimmen. Auch hier war die Temperatur mit ca. 18 Grad nach dem Sport in der Sonne gut auszuhalten, der zweite Pool hatte mit etwa 25 Grad durchaus angenehme Planschtemperatur. So ließ sich der freie Nachmittag angehen.
Diethelm und ich hatten uns bereits zum Beachvolleyball-Angebot des Aldiana-Clubs entschieden, Rainer aus Dortmund machte auch mit. Es machte in Bunter Runde mit insgesamt 4 Mannschaften richtig Spaß, durch den Sand zu hechten und die Bälle über das Netz zu baggern. Nebenan auf dem Fußballfeld hatten sich einige von uns mit einem Fußball versammelt, nach gut 90 Minuten Volleyball gingen Diethelm - früher durchaus ein sehr guter Fußballer auf Landesliganiveau - und ich gucken. Schnell waren wir überzeugt, eine Runde 3 gegen 4 auf kleine Tore mit zu kicken. 
Ein wenig skeptisch war ich schon, ich hatte seit meinem Abschiedsturnier im Sommer 2009 nicht mehr vor den Ball getreten. Davor lagen 30 Jahre intensiver Fußballtätigkeit als Spieler und Jugendtrainer. Es machte dennoch riesig Spaß und meine Verletzungsangst erwies sich als unbegründet. Das Niveau blieb jedoch auf "Standfußball" und der "FC Bunert" scheint mir kein nachhatiges Erfolgsmmodell für die Zukunft zu sein.
 
Auch diejenigen, die eine Mountainbiketour in der Umgebung veranstaltet hatten, kamen beeindruckt von schönen Strecken und tollen Ausblicken wieder zurück. 

Das Schöne hier ist halt - alles kann , nichts muss. 

Vom weiteren Programm berichte ich in wenigen Tagen, erst einmal morgen den Kölntrail mit 80 km bei Minustemperaturen und Schnee hinter mich bringen. Brrrr....

Montag, 12. März 2018

Ab ins Trainingslager nach dem Welveraner Hammer

In den letzten Jahren hatte ich immer täglich Berichte per Videoblog aus den Trainingslagern in Portugal und Andalusien gesendet. In diesem Jahr habe ich das bewusst nicht getan. Denn fr mich geht es in diesem Trainingslager nur um hohe Umfänge und gute Erholung. Die absoluten Tempospitzen will und kann ich nicht mitgehen, denn bei den Umfängen seit Anfang Dezember muss ich mich entscheiden ob ich Tempo oder Strecke möchte. Und im Sinne von Claudias TorTour de Ruhr-Vorbereitung ist Strecke halt wichtiger. Und mir ist das gemeinsame Laufen auch generell wichtiger, als immer nur verbissen meinen Zeiten hinterher zu laufen.  Also, was soll ich jeden Tag erzählen? Locker mitgelaufen, gut gegessen, Spaß gehabt? Da reicht auch ein Gesamtbericht, den ich hier gerne zum Besten gebe.

Los ging es schon am Samstag, den 3.3. für Yvy, Claudia und mich mit dem "Prolog", dem Welveraner Hammer. Unserem 100 km Trainingslauf rund um die 20 Dörfer von Welver und die Hammer Marathonroute. Das hieß Freitag Nachmittag alle Sachen für die Woche auf Zypern gepackt zu haben, um am Samstag um 3:30 Uhr aufzustehen, um 4:30 Uhr nach Welver zu fahren und um 6:00 Uhr dort den Lauf zu starten. Mit etwas Glück würden wir um 20:30 Uhr wieder im Ziel sein, um 22 Uhr wieder daheim, ehe um 2:30 Uhr am Sonntag Morgen der Wecker klingelt und wir um 3:30 Uhr Richtung Flughafen müssen. Schlaf wird da eher überbewertet.
Als ich am Samstag aus dem Fenster sah, war alles weiß. Schneefall hatte eingesetzt, so fuhren wir etwas langsamer über verschneite Autobahnen die knapp 110 km nach Welver zu Start. Mit einigen wenigen Wahnsinnigen, kurzfristige Absagen hatten das Teilnehmerfeld dezimiert, ging es los. Franks Video veranschaulicht gut, was das bei Minustemperaturen auf uns zu kam.



Nun ja, ich will es kurz zusammenfassen, da es über die spektakuläre Landschaften rechts und links der Strecke nicht allzu viel zu berichten gibt, zu Beginn war es ja obendrein noch dunkel. Es lief sich im eiskalten Wind nicht gerade rund an, denn die Muskulatur hatte kaum Gelegenheit, warm zu werden. Ich hatte eine längere Shorts über meine Lauftight gezogen, oben herum 4 Schichten und Handschuhe mit Fäustlingsüberzug. Dennoch spürte ich nach dem ersten VP, den Franks liebe Töchter für uns den ganzen Tag durch alle 10 km ab km 19 im Auto organisiert hatten, meine Finger kaum noch. Claudia ging es ähnlich. Sprechen war angesicht eingefrorenen gesichtsmuskulatur auch nicht so einfach. Aber wir kämpften uns in ganz ansehnlichem Tempo vorwärts. Bei Claudia hatte sich die Muskulatur irgendwie völlig verspannt, so dass wir bereits bei Kilometer 25 daran dachten, einfach die Welveraner Marathon-Runde zum Ende zu laufen und es dabei zu belassen. 42 - 63 - 42 an drei Wochenenden wären ja auch ganz ordentlich, ehe wir uns hier für das Trainingslager völlig außer Gefecht setzen würden. Etwa bei Kilometer 38 galt es sich zu entscheiden. Claudia und Yvy entschieden, die 50 km noch voll zu machen. Da würde man im Zweifel vom Bahnhof Hamm mit dem Zug zurück nach Welver fahren können, diese Option würde sich bei Kilometer 75 noch einmal wiederholen. Ich überließ ihr die Entscheidung. Natürlich ließen wir auch diese Option verstreichen, einigten uns aber mit bei allen dreien völlig verzogener Muskulatur und unrundem Laufstil, bei Kiometer 69 an der Kanalbrücke das Fototeam Hamm zu bitten, uns nach Welver zurück zu bringen. Danke noch einmal dafür. Es war uns dann doch lieber, als eventuell im Trainingslager nicht vernünftig trainieren zu können. Wo wir uns doch so auf die Sonne und die angesagten 20 Grad gefreut haben.... . Wäre die Woche nichts gewesen, hätten wir es wohl durchgezogen und auch gekonnt. So aber siegte ausnahmsweise einmal die Vernunft. 

Erstaunlicherweise taten die 4 Stunden Schlaf besser als gedacht, am Sonntag in der Früh ging es sowohl Claudia und mir als auch Yvy ganz gut für die absolvierten 69 Kilometer. 
Zu allem Überfluss ging mein Auto mit einem Federbruch auf der Rückfahrt noch kaputt, so dass ich es am Samstag abend noch vor die Werkstatt stellen musste, wo es die Woche über repariert werden konnte. Aber auch das bekamen wir noch organisiert, wir waren ja gegen 17:30 ungeplant früh zu Hause gewesen. 

Der Hohn und Spott für uns "Abbrecher" hielt sich am Flughafen in Grenzen. Die Gruppe bestand in diesem Jahr aus rund 50 Personen, ungewöhnlich viele neue Gesichter. Die galt es, nicht durch unsere verückten Laufumfänge an der Richtigkeit der Veranstaltung zweifeln zu lassen. 

Der Flieger hatte dann gleich mal 90 Minuten Verspätung, was dazu führen würde, dass wir erst nach dem Mittagsbuffet im Club Aldiana eintreffen würden. Na ja, ein paar Gramm weniger zunehmen kann ja nichts schaden. 

Angekommen freuten wir uns über große Zimmer mit seitlichem Meerblick und eine tolle, gepflegte Anlage. Im Gegensatz zu Andalusien war ein Pool sogar beheizt und damit beschwimmbar, der andere dank des wärmeren Wetters nicht ganz so kalt und ebenfalls - sagen wir benutzbar. 


Mit einem kleinen Erkundungsläufchen am Abend entlang der Steilküste wurden wir zum Abendbuffet entlassen. Man hatte für die Gruppen - auch Skater waren hier im Trainingslager - in einem separaten Saal. Mit einigen Kalorien mehr ausgestattet ging es noch an die Poolbar, einige tanzten noch ein wenig zur Musik auf der Außentanzfläche, ich probierte das zypriotische Bier, befand es für übelste Plörre und gönnte mir einen Ouzo. Man soll ja besser bei den landestypischen Getränken bleiben. Trotz unserer Schlafdefizite fanden wir erst gegen 23:30 Uhr in Bett. Das Trainingslager hatte begonnen - in jeder Beziehung....






Sonntag, 25. Februar 2018

Von Bertlich zum Grüngürtel

Langsam wird es ernst, das muss es ja auch, denn allmählich werden die Umfänge am Stück länger. Liefen wir nach dem Veedels Verzäll mit seinen 46 Kilometern vor drei Wochen das Wochenende danach mit einigen Lauffreunden aus der Ausdauerschule noch 33 km mit einigen Höhenmetern als längste Distanz, so stand in der letzten Woche der Marathon in Bertlich und nur 6 Tage später der Grüngürtelultra G1 in Köln auf dem Plan.

Meine Fußballervorbereitung war beendet, somit die Tempoeinheiten in der Woche auch wieder auf die zwei mit der Ausdauerschule reduziert. Die Tempoeinheiten klappen bei mir weiterhin erstaunlich gut, auch wenn ich oft mit gebremster Pace beginne. Es gelingt mir jedoch meist im weiteren Verlauf, doch wieder zu den vorderen Läufern aufzuschließen. So schlecht können die langen KAnten also für mein Allgemeinbefinden ja nicht sein. Vor dem Sonntagsmarathon in Bertlich liefen wir am Freitag wegen des schönen Wettern eine kleine Seerunde mit 6 km bei uns um den Lohheider See, am Samstag dann mit Andreas und Simone durch unser Laufrevier und hinauf auf die Halde Rheinpreussen zum Geleucht, ehe es am Sonntag ins legendäre Herten-Bertlich zum Marathon ging.

Bertlich, das bedeutet oft Wind, Schmuddelwetter und eine, sagen wir einmal landschaftlich gleichförmige Strecke. Beim Marathon sind drei Runden zu laufen. Claudia und Yvy wollten die "6" vor der Pace stehen haben, ich wollte mit Martin wie bereits in Kevelaer eine weitere Annäherung an das 100er-Renntempo erreichen. Das wäre 5:45, um unter 4 Stunden zu bleiben gestanden wir uns eine 5:40 zu.
Erstaunlicherweise meinte es das Wetter sehr gut mit uns. Starhlender Sonnenschein und für Bertlicher Verhältnisse unheimliche Windstille empfingen uns. Zu Martin und mir gesellten sich zunächst Uwe aus der verbotenen Stadt und Günter aus Soest, wir hielten das anfängliche überholt werden gut aus und erzählten uns gut durch die erste Runde. Die Pace war immer noch einige Sekunden zu schnell, aber im vertretbaren Rahmen. Fanden Martin und ich, bei Günter und Uwe schienen sich erste Zweifel breit zu machen.

Die zweite Runde kann man sich ja schon schönreden, indem man sich sagt, dass man ja jetzt an jedem passierten Punkt nur noch einmal vorbei muss. So blieb auch hier das Tempo näher an 5:30 als an den anvisierten 5:40. Im Vergleich zu Kevelaer immerhin ein Fortschritt von 10-15 Sekunden zu diesem Zeitpunkt. Für Uwe schien es gegen Ende der Runde zäher zu werden. In der vierten wollte er eine Gehpause einlegen und war damit bei km 30 aus der Gruppe. Günter folgte leider zwei Kilometer später, so dass Martin und ich alleine auf die letzten 10 Kilometer gingen. Prompt wurden wir schneller. Die Gruppen vor uns trugen nicht zur Entschleunigung bei, so was nennt man wohl angeborenen Jagdinstinkt. Das Problem dabei war nicht, dass wir es nicht konnten. Wir fühlten uns beide noch fit wie ein Laufschuh. "Ups, 5:17" - etwas zu schnell, bemerkten wir so manches Mal. Die Vier Stunden würden wir deutlich unterschreiten. Am letzten VP überholten wir den letzten vor uns sichtbaren Läufer, als dieser im folgenden Kilometer dann doch noch einmal auf 50 m heran gelaufen war, packte mich irgendwie der Ehrgeiz, obwohl es ja im Grunde völlig egal ist. Die letzten Zwei Kilometer beschleunigten wir dann mal auf unter 5er Pace, damit hatte sich das mit dem heran laufen schnell erledigt.
Im Ziel wren wir bei schönem Wetter nicht übermäßig geschafft. Claudia und Yvy kamen in 4:16 h ins Ziel.

Bei zurückgelegtem Kuchen, Pommes und Kaffee (tolle Zusammenstellung) beschlossen wir im Atrium mit vielen Gleichgesinnten einen schönen Trainingssonntag, ich gleube, das ist es was Bertlich dann doch immer wieder zum Erlebnis macht. Ach ja, natürlich brachten Claudia, Yvy und Sabine wieder das T-Shirt des "Mannschaftssiegers Marathon der Frauen" mit nach Hause. Bertlich halt.

Am Montag danach standen dann 400-Meter-Intervalle auuf dem Plan. Regeneration nach einem Marathon unter 4 Stunden steht meine ich anders im Lehrbuch. Aber bezahlt ist bezahlt. Leider mussten die Intervalle anstatt im Stadion auf der dunklen Inlinerbahn stattfinden, da der Schleifer den Stadionschlüssel vergessen hatte. Ich begann etwas verhalten, war am Ende aber auch wieder mit 91 Sekunden keine 10 Sekunden langsamer als bei Vollast. Dafür sortierte ich mich dann bei den 7 x 800 m am Donnerstag in die mittlere Gruppe ein, man kennt das ja sonst. Somit waren es dann auch nur 6 x 800 m und hier konnte ich das Tempo tatsächlich ruhiger gestalten. Es waren ja keine 36 Stunden mehr bis zum Grüngürtelultra in Köln. Und der findet halt nur 6 Tage nach einem Marathon unter 4 Stunden statt. Darüber gibt es aber einen extra Bericht auf www.laufen-in-Dortmund.de .


Montag, 12. Februar 2018

Läufer trifft Fußballer

Immer wieder kommt es einmal vor, dass mich alte Wegbegleiter aus meiner aktiven Fußballerzeit, die jetzt auch schon im 9.Jahr beendet ist, nochmal zurück ins Boot holen wollen. Natürlich nicht zum kicken, das war schon damals angesichts meiner begrenzten Fähigkeiten nicht die beste Idee. Aber zu Laufen muss so ein Ultrasportler wie ich doch taugen. So denken sich das die Fußballtrainer, zumeist von Natur aus selbst lauffaul und wohl wissend, dass ein vorweg laufender Trainer die beste Vorbildfunktion für die Jungs hat.
Was antwortet man nun auf so eine Anfrage?
"Hallo Thomas, könntest du meine Jungs so richtig fit machen ? Lg😊"
Die Frage an sich ist ja schon ein Anspruch, denn jemanden, der es nicht ist, in wenigen Einheiten "richtig fit" zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. So fiel dann erst einmal meine Antwort aus:
"Auf Deine Frage: Nein, das kann ich grundsätzlich nicht. Ich kann eventuell ein wenig Anleitung geben und einige (Teil-)Einheiten machen, die die Jungs mental weiterbringen und kurzfristig dazu bringen werden, an die konditionellen Grenzen zu gehen. Um sie richtig fit zu machen brauche ich sechs Wochen lang drei Stunden pro Woche und die Zeit haben wir beide wahrscheinlich nicht. Aber wir können ja einmal gemeinsam überlegen, was für uns beide Sinn machen könnte und was sich zeitlich unterbringen lässt".

Auf dieser Basis nahm ich dann mal meine Erfahrungen aus dem Training der Ausdauerschule und den bisherigen Erfahrungen mit Fußballern. Was ist hier wichtig?
Zunächst wusste ich, da der Freund meiner Tochter und ein Ex-Freund meiner anderen Tochter in der Mannschaft spielen, dass es sich herumsprechen würde, dass da so ein Marathon- oder Ultraläufer käme. Entsprechende Befürchtungen würden sich in der Mannschaft ausbreiten und gegebenfalls die Motivation sinken lassen. Denn grundsätzlich läuft der Fußballer nicht gerne ohne Ball am Fuß.
Meist wird in Vorbereitungen reines Lauftraining veranstaltet, d.h. jeder läuft eine mehr oder weniger lange Runde so schnell er kann. Das führt dazu, dass einige konditionsstarke Spieler sich schnell absetzen, die schwächeren Speiler zunächst versuchen, dran zu bleiben und am Ende hoffnungslos demotiviert hinterherhecheln. Jetzt ist eine gleichbleibende oder gar sinkende Belastung nicht unbedingt Sportartspezifisch, was den Fußball angeht. Denn dort ist gefragt, auf Kreisliganiveau eine Distanz von 7-9 Kilometern innerhalb von 90 Minuten in stark wechselnden Tempi abzuleisten. Vom Vollsprint bis zum zügigen Dauerlauf und langsamen Trab ist alles dabei, immer wieder unterbrochen von Standzeiten. Da man in 6 oder 7 Einheiten nicht die Grundlage komplett legen kann, heißt es für mich zunächst, die aktive Erholung zu trainieren. Weiterhin kann man das trainieren, was man gemeinhin als Tempohärte bezeichnet. Nämlich im Grenzbereich der Leistungsfähigkeit den letzten Schritt mehr zu machen als der Gegenspieler.
Wir kamen überein, am 2. Trainingstag nach der kurzen Winterpause zu beginnen und dann drei Wochen lang zwei Mal die Woche eine Trainingseinheit von 45-60 Minuten zu geben.
Zunächst war da der wichtige Traingsauftakt. Nach dem Motto, dass man nie eine zweite Chance hat, einen guten ersten Eindruck zu machen, hieß es für mich, hier nicht zu übertreiben und die ersten Befürchtugen zu zerstreuen.
Claudia kam mit, ich hatte eine Runde durch die Vierbaumer Heide direkt vom Sportgelände aus geplant. Erst einmal hieß es "langsam laufen", damit eben nicht die Stärkeren losliefen wie sie konnten. 6er Pace maximal, nach 1,5 km erste Dehnpause. Danach zogen wir jeweils über 500 m einmal das Tempo an. Beginnend mit 5:20er Pace, danach wieder 500 m locker, dann 5er Pace, zuletzt angesagte 4:15 und die dann als Abschlussüberrascheng über 1000 m, das eigene Sportgelände wieder vor Augen. So haben die kaum gemerkt, dass sie 8 Kilometer gelaufen waren, was durch aus einem Fußballspiel entspricht und ich konnte eine erste Einschätzung des Leistungsstandes  vornehmen. Und die war durchaus positiv.
Dienstag ging es dann richtig los. Da es bei uns relativ wenige verkehrsfreie beleuchtete Strecken gibt, hatte ich mich für die Halde Rheinpreussen entschieden, die ja durch das "Geleucht" im oberen Teil gut ausgeleuchtet ist. Hier ließ ich 4 x 3 x 100 m bergan. Zunächst sollten es 3x3x150 m werden, aber oben angekommen merkte ich, dass die rote Hangbeleuchtung nicht vollständig brannte und somit nur etwa 100 m ausgeleuchtet waren. Aber man ist ja flexibel. Auch hier zogen alle super mit, die schnellen Belastungen leicht bergan wechselten mit langsamem Trab zurück, dann wieder in die Belastung. Freitags auf einer Feldwegrunde um den Platz setzte ich auf 2-2-2-2 Minuten Temposteigerungen mit zwei Minuten Erholungstrab dazwischen. Hier war es zwar dunkel, aber der Trainer fuhr mit dem Auro hinterher und leuchtete ein wenig aus. Im Trab sammelte sich die Gruppe immer wieder. Die letzten zwei Minuten konnte sich die Spitze auf zuletzt unter 4er Pace steigern, ein Zeichen für eine bereits hier gute Konstitution. Eine Einheit, die Tempoausdauer und schnelle Erholungskapazität fördern sollte. Am Ende waren es 8 Kilometer in 5er Pace Gesamtschnitt, eine sehr gute Leistung der Mannschaft. Dienstags trafen wir uns wieder an der Halde, hier stand auf welligem Rundkurs am Geleucht 1 Minute Vollgas, 30 Sekunden Trab, 30 Sekunden Vollgas, 1 Minute Trab auf dem Plan. Das ganze etwa 20 Minuten lang, das hört sich nicht viel an, ist aber auf dem profilierten Kurs durchaus nicht "ohne". Am Ende wollte die Truppe noch ein  Foto am Geleucht machen, dazu sprinteten sie freiwillig noch einmal 200 m bergauf. Ein Zeichen, dass sie doch noch etwas Spaß an der Sache gefunden hatten.
Die Freitagseinheit hatten wir wegen eines Vorbereitungsspiels des Teams auf den Donnerstag vorgezogen. Ich hatte auf einem beleuchteten Weg hinter unserem Lebensmittelmarkt 8 x 400 m mit 100 m Trabpause angesetzt. Mit Blinkarmbändern markierte ich Start, Ziel und Hälfte des Kurses auf der glatt asphaltierten Piste. Da es doch nur 360 m waren, erhöhte ich einfach mal auf 10 x. Hier merkte man schnell, dass 400m eine durchaus anspruchsvolle Distanz ist. Aber auch ich hatte zu kämpfen, um an der Spitze dranbleiben zu können. Im letzten Intervall entwickelten einige einen erstaunlichen Ehrgeiz, aber auch die hinteren zogen noch sehr gut mit. Eine sehr fordernde Einheit, einen Tag vor einem Freundschaftsspiel.
Dienstags ging es dann erstmals an diesem Tage nicht auf die Halde, sondern einfach mal auf Nebenstraßen "durchs Dorf". "Laternenläufe" über gut 25 Minuten, immer wieder einen Straßenlaternenabstand Vollgas und dann einen Abstand Erholung. Die Schwierigkeit liegt hier in den ständigen Wiederholungen des schnellen Antritts und den kurzen Erholungspausen. Auch diese Übung ist für mich sehr Sportartenspezifisch, fordert sie doch genau das, was Sonntags auf dem Platz auch gefragt ist. Zum Schluss der Runde gab es dann das beliebte "Läuferbiathlon". Auf dem Kunstrasenfeld vor der Werbebande drei Schuhkartons, hier waren von der Seitenauslinie 4 Bonbons hinein zu werfen. Pro Fehlwurf eine Runde um den 16er als Strafrunde. Es standen 5 Runden um die weitläufige Sportanlage und den Parkplatz an, jede etwa 1000 m lang. Dann 2 x liegend und 2 x stehend werfen. Es entwickelte sich tatsächlich ein spannender und lustiger Wettkampf, an dessen Ende die meisten etwa 6 Kilometer gelaufen waren und auch noch gewissen Spaß dabei hatten.
Biathlonstadion im Scania-Sportpark, Budberg
Am Ende gab es in der Kabine ein nettes Dankeschön, dass ich in dieser Form nicht erwartet hatte.
Die drei Wochen haben mir schon Spaß gemacht, ich hoffe nun dass die Mannschaft ihre Tabellenführung bis zum Saisonende verteidigen kann.
Für mich war es die bisher beste Laufvorbereitung, da eine stets gute Beteiligung und ein hohes Engagement erreicht wurde. Eine Bestätigung, dass Überraschung und Abwechselung im Programm und auch in den Trainingsorten das Laufen ein wenig interessanter machen kann.

Vielleicht bleibt ja von den Jungs irgendwann mal nach der Fußballerkarriere auch mal beim Laufen hängen....

Donnerstag, 8. Februar 2018

Da ist er wieder - 2018

So, lange habe ich nichts mehr geschrieben. Genau gesagt, den ganzen Januar. Viel Arbeit, viel Training, das Jahr ist gefühlt schon wieder halb 'rum. Es hat sich ein wenig etwas geändert in meiner Saisonplanung. Da ich ja am 1. Weihnachtstag so einen unsäglichen Geburtstag mit einer "0" hinten dran hatte, hat meine liebste Claudia mich mit einem besonderen Geschenk wirklich überrascht: Der Challenge Roth. Was soll ich sagen, es war in der Anfangszeit meiner Triathlon-Versuche Mitte der 90er Jahre ein ganz ganz ferner Traum von mir, einen Ironman zu finishen. Damals war Roth ja noch "der" Ironman Deutschland. Dann hatte ich ja 2013 einmal in Köln eine Langdistanz absolviert, die mich aber irgendwie nicht geflasht hatte. Zu wenig Atmosphäre, ein völlig ideenloser unspektakulärer Zieleinlauf. Ich hatte immer gesagt, wenn noch einmal Langdistanz, dann Roth.

Und meine Claudia hat es tatsächlich geschafft, mit in den berühmten 10 Minuten, bevor der ausgebucht war, einen Startplatz für mich zu ergattern.
Damit sind meine Ziele geändert, ich möchte in Roth möglichst gut abschneiden, dass heißt, dass ich nicht auf die Freiwassersaison warten kann. Da meine Frau ja schwimmtechnisch mehr Nachholbedarf hat als ich, geht es also konsequent seit dem 3.1. jeden Mittwoch um 7 Uhr vor der Arbeit eine Stunde gemeinsam ins Hallenbad, Bahnen ziehen und den Schwimmstil auf ein Niveau bringen, dass mir zumindest eine Zeit so um die 1:30 für die 3,8 km erlauben wird.
Das haben wir bisher konsequent durchgezogen, mit den Zeiten bin ich noch nicht so zufrieden, aber 2000 m gehen schon ganz gut so in 50-52 Minuten. Claudia muss ja für unsere Halbdistanz auf Rügen auch trainieren, gemeinsam kann man sich halt besser aufraffen.
Dazu kommt nun Claudias TorTour-Training. Die Crew haben wir organisiert und alles soweit geplant. Nun heißt es, trainieren.
Leichsinnigerweise hatte ich mir auch noch den Job des Lauftrainers in der Fußballmannschaft meines Schwiegersohnkandidaten für die Saisonvorbereitung andrehen lassen. Das hatte ich aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit diversen Fussballmannschaften unterschätzt. Die Jungs sind wirklich gut drauf, so dass ich bei meinen Tempoeinheiten wirklich alles geben muss, um vorweg laufen zu können. Da sich unser Bahntraining am Montag ohnehin nicht so gut mit den langen Dingern am Wochenende verträgt, war da halt Tempo drosseln angesagt.

Was also sind unsere Pläne und Ziele?

Über allem steht erst einmal, Claudia heil durch die volle TorTour de Ruhr zu bringen. Das sind 230 km und wer lange laufen will muss halt in erster Linie lange laufen und nicht schnell. Grundsätzlich hilft eine höhere Grundgeschwindigkeit, auch so eine Sache schneller und besser hinter sich zu bringen. Darum nehmen wir ja weiter am Bahntraining teil und ebenso am Training der Ausdauerschule am Donnerstag. Zum Einen habe ich dann meine Wochen-Trainingseinheiten im Finstern in Gesellschaft und unter Beleuchtung absolviert, statt allein mit meiner Stirnlampe auf meinen Hausstrecken. Zum Anderen macht man mehr, als man alleine machen würde. Thema ist hier halt der Erhalt der Grundgeschwindigkeit und wenn ich am Tage nach einem Ultra-Training mit 58,5 km die 6 x 800 m zumindest in 5er Pace mache, tue ich noch etwas dafür und mache mich nicht kaputt.
Ich möchte erst einmal mit Claudia gemeinsam für die TorTour trainieren, damit baue ich für mich auch den Grundlagenbereich enorm aus, den ich für Roth benötige. Als "Abfallprodukt" dieser Vorbereitung - ich selbst nehme ja an der TorTour nicht aktiv teil - möchte ich den WHEW 100 Anfang Mai mit einer neuen Bestzeit über 100 km bewältigen, am liebsten dann gleich unter 10 Stunden. Das wäre 12 Minuten schneller als bei meinem Ultra-Debüt 2013 in Biel und eine Pace von 5:45, verpflegungspausen eingerechnet.

Was tue ich dafür?

Hatten wir im Dezember also zunächst einmal den monatlichen Gesamtumfang deutlich erhöht (bei mir 390 km) und bereits 3 Marathonläufe eingestreut, starteten wir im neuen Jahr gleich wieder in Kevelaer mit einem Marathon.  Danach ein Wochenende mit 21 + 36,


dann Samstags hügelige 32 km in Oefte und Sonntags "nur" knapp 15. Der "doppelte Herrmannslauf" über 63 km, den wir am letzten Januar-Sonntag machen wollten, fiel leider aus. Kurzerhand luden Claudia und ich zum Ultralauf "Rund um Rheinberg" ein, den wir mit einer erstaunlichen Anzahl Spontanverrückter dann auch mit 58,5 km ersatzweise realisierten. Am letzten Wochenende dann der geplante Trainingsultra beim Veedels Verzäll auf dem Kölnpfad, wieder mit super vielen netten Leuten und auf einer Strecke, die wir von unseren beiden Kölnpfad-Versuchen nur bei Dunkelheit kannten und die somit bei Licht betrachtet ganz neue Ansichten bot.

Jetzt geht es in den Februar mit den Highlights Marathon in Bertlich, Grüngürtel-Ultra in Köln über 63 km sowie Anfang März vor dem Trainingslager auf Zypern noch dem "Welveraner Hammer" 100 km-Trainingslauf. Dazwischen kommen einzelne Tempoeinheiten, aber nur noch wenige unter "Volllast". Spaß habe ich in jedem Falle an meinem aktuellen Programm.

Zu meinen Erfahrungen mit der morgen endenden Fußballervorbereitung schreibe ich dann beim nächsten Mal. Dauert nicht lange.