Montag, 25. Mai 2015

Aushilfs-BuZ Beim Vivawest

Nach dem sehr schönen Sparkassen Marathon Westmünsterland in Coesfeld ( http://www.laufen-in-dortmund.de/stories/2015/coesfeld.htm ) war dann in der kurzen Arbeitswoche bis zum Feiertag wieder faulenzen....ähm Regeneration angesagt. Dienstags beim Bunert-Training stand der "Läufer-Biathlon" auf dem Programm. 6 Runden an der 6-Seen-Platte von je rund 800 Metern, dazwischen 5 Maoam-Bonbons in Schuhkartons  und je Fehlwurf eine 50-Meter-Strafrunde zusätzlich, so lautet die duchaus spaßvolle Aufgabe. Ich beließ es beim Marathon-Renntempo vom Samstag und trabte das Ganze relativ locker ab, was natürlich bedeutete, dass ein "Wettkampfspaß" nicht so recht aufkommen wollte. Dafür dann die Information von Trainerin Sabine an Claudia, dass Sie ihren Job als BuZ beim Vivawest-Halbmarathon am Sonntag für die 2 h- Ballons haben könne. Claudia nahm natürlich gerne an und wie es der Teufel wollte bot mir Martin seinen Startplatz an, den er bei Marc Böhmes Weihnachtsverlosung gewonnen hatte. Also konnte ich auch gratis dabei sein und beschloss, die 2h-BuZler dann zu unterstützen, denn es würde sicherlich bei dieser beliebten "Schwellenzeit"eine große Truppe werden.
Somit war das Sonntag dann auch mal gerettet, die HM-Strecke des Vivawest waren wir in diesem Zusammenhang noch nicht gelaufen und der Nordsternpark sowie der Zollverein locken mit schönen Erinnerungen an vergangene Laufveranstaltungen.
Blieb der Vatertag, an dem ich mit Claudia die "Rheinbrückenrunde" lief. Bei schöner Sonne und kühlem Wind über die A42-Brücke, danach den Rheindamm entlang Richtung Ruhrort. Mit einem Blick auf die orange Bramme zur Linken und grausigem Gesang von einer Party auf der Mühlenweide zur Rechten (war das Vatertags-Karaoke oder meinte der das ernst?) wurde der Rhein das zweite Mal gequert. Claudia bekam Durst, blöderweise hatten wir für eine zweistündige Tour nichts zu trinken mitgenommen. Geld hatten wir auch nicht - wann kommen endlich die Zahlungssysteme per Hand flächendeckend zum Einsatz? Na ja, dann eben "trocken" weiter am schöneren linken Rheinufer zurück bis nach Baerl und durch den Wald zurück. Am Lohheider See, knapp einen Kilometer vor dem Ende, bekam Claudia einen Krampf in der Rückenmuskulatur und wir brachen ab. Den letzten Kilometer gingen wir dann nach Hause, etwas über zwanzig Kikometer waren ja gelaufen. Das war dann wohl mal wider das klassische Versorgungsproblem. Waren wir ja selbst schuld.
Samstag hatte ich mir mit unseren Freunden Marco und Kim eine RTF-Tour vorgenommen. Alternativtraining stand also auf dem Plan. Schwelm war vielleicht nicht die richtige Wahl, denn 1000 Höhenmeter bin ich erstens nicht gewohnt und bringen mir zweitens auch gar nix für die eine Triathlon-Kurzdistanz, die ich Anfang Juni in Gladbeck vorhabe. Zumal ich beim bergabfahren ein eher vorsichtiger Typ bin, denn wenn ich die Straße nicht einsehen kann, schneide ich keine Kurven mit Tempo 50. Ob die anderen alle lebensmüde sind? Die Landschaft rund um die Bevertalsperre war jedenfalls ein Traum, aber gelaufen wäre die Strecke schöner gewesen.
Am Sonntag dann der Vivawest-Halbmarathon. 2013 waren Claudia und ich den schon einmal in 4 Stunden als Training für Biel komplett gelaufen. Wir hatten abgesprochen, dass Claudia mit Ihrer BuZ-Kollegin, die wir vorher noch nicht kannten, vorne exakt die Pace laufen sollte und ich so ab Kilometer 13/14 mich etwwas nach hinten fallen lasse und aufpasse, dass keine Lücken entstehen und möglichst viele bei unserer Gruppe bleiben können.
Am Start bereits das erste Problem, denn man hatte alle Nachmelder in den letzten Startblock eingereiht, unabhängig von ihrem potenziellen Tempo. Ich hatte also Mühe, den Ordner zu überzeugen, mich gemeinsam mit meiner Frau in den Block zu lassen. So dauerte es auch so 3-4 Kilometer, ehe sich eine Traube hinter dem Ballon gebildet hatte, die erkennbar aus Läuferinnen und Läufern bestand, die zwei Stunden laufen wollten. Die Stimmung hier im Grenzbereich GE/E war überschaubar, man hatte es kaum geschafft, die Anwohner in nennenswerter Zahl in dieser frühen Morgenstunde vor die Türe zu bekommen. Ein Frühstückstisch vor dem Haus, das war es. Schade. Da hatte Coesfeld das doch ganz anders hinbekommen.
Die Zechhe und Kokerei Zollverein hat ja immer etwas besonderes, die Sonne schien und die Industriekulisse zeigte sich von der besten Seite. Frank war zu uns aufgelaufen, wir kennen uns von Facebook und er hatte beschlossen, bei unserer Gruppe zu bleiben. Mit netten Gesprächen und einigen Scherzen vergingen die Kilometer, hinterm Zollverein ging es auf der alten Erzbahntrasse Richtung Gelsenkirchen. Latent bergauf. Und hier fingen die ersten an zu kämpfen. Unsere Pace stimmte relativ genau, darin war sowohl eine GPS-Ungenauigkeit als auch ein Puffer von 25 Sekunden eingebaut. Das ist auf dieser welligen Strecke nicht ganz einfach einzuhalten.
Johanna und Jana mühten sich ebenfalls, dran zu bleiben, ber es fiel ihnen erkennbar nicht mehr leicht. Ich ging immer wieder ans Ende der Gruppe und mühte mich, die nun deutlich entstehenden Lücken "zuzulaufen". Die Trasse ist schön zu laufen auf glattem Asphalt, aber leider völlig Zuschauerfrei und - wie gesagt - immer in leichtem Anstieg. Ich war ja nicht als BuZ zu erkennen, so hörte ich mir oft an, ob ich nicht gefordert sei, weil ich hier so Scherze machte und das wenige Publikum versuchte anzustacheln. Dann war die Trasse geschafft, ich versuchte, die Gruppe mit der Aussicht auf die gute Stimmung im Nordsternpark aufzuheitern. Leider wusste ich auch, dass es nach einem kurzen Stück gleich wieder einsam werden würde und zunächst einen schönen Anstieg zum Park hinauf gehen würde. Jetzt war es schon ein Einsammeln einzelner Läufer. Zwei Frauen von Adler Langlauf Bottrop mühten sich über die Strecke, zumindest die eine. Ich bemühte mich, die beiden zu motivieren. "Noch 4 Kilometer, kommt!""Wir sind gut in der Zeit". Ich leib an den Kilometerschildern stehen und sagte den vorbeilaufenden, wieviel sie vor der Plan-Durchlaufzeit wären. Ich kann das natürlich immer nur für die sagen, die auch nahe bei uns gestartet waren, aber wer hinter uns losgelaufen wwar, hatte eh noch mehr Puffer. Die anderen kannst Du als BuZ nicht steuern. "Noch drei Kilometer, Tempo halten jetzt!", "Nicht langsamer werden, Ihr ärgert Euch eine ganze Woche dafür, dass es jetzt eine kurze Zeit nicht viel besser geht! Das ist ein Sch***-Deal!" Das schien zu überzeugen. Man muss hier aufpassen, wen man noch antreibt, denn wer wirklich am Ende ist, der schaffte es keine 2 oder drei Kilometer mehr. Hier in GE-Heßler warauch nichts los auf der Straße. Ruhr-Marathon hin oder her, wer es nicht ansatzweise bei der dritten Veranstaltung schafft, die Anwohner ein wenig zu mobilisieren, der hat eigentlich keinen Marathon verdient. Man sollte über eine andere Strecke nachdenken.
Ich motivierte einen einsamen Moderator unter einem einsamen Runnerspoint-Pavillion, unsere kleine "Restantentruppe" ein wenig zu motivieren. Claudia und ihre Kollegin waren so 200 Meter vor uns, ab noch in Sichtweite. Und wir waren noch knapp in der Zeit.
Jetzt wurde ich langsam härter in meinen Ansprachen. Die Läufer hier hatten alle keinen Kopf mehr für schöne Zieleinlaufvisionen. "Los, langsamer ist genauso Sch****, dauert nur länger" ranzte ich Kandidaten an. "Wenn ich das schaffe, darf ich Dich mal drücken, ja?" fragte eine Läuferin, die ich sichtlich abmühte. Ich bot allen an, am letzte V-Punkt Getränke zu bringen und rängte gleichzeitig zur Eile. Dann bogen wir das vorletzte Mal ab. Nur noch gut ein Kilometer. Es würde eng. Ich ließ mich immer wieder fallen, es ging hier noch um 4 oder 5 Leute. Wen man hier verloren hat, der schafft es nicht mehr in unserer Nettozeit. Links standen Leute am Straßenrand, ein Läufer lag dort. Ein anderer kümmerte sich um ihn, zwei weitere standen dabei. Das sah recht professionell aus. Die Läuferin bei mir zögerte und sah nach links. "Weiter, weiter. Der Mann ist versorgt, ihr könnt hier nichts tun!" sagte ich während gerade die Polizei dazu kam. In wenigen Minuten würde die Ambulanz da sein. Eine Menschentraube würde keinem helfen, so hart sich das hier mit Sicherheit anhörte."Los, los,los, es wird eng"Jetzt schrie ich die nachkommenden schon an. Eine letzte Unterführung mit Anstieg, dann endlich links um die Kurve. Noch 45 Sekunden! Wie weit war es genau hinter der Kurve? Ich wusste es nicht. Also trieb ich die beiden Läuferinnen neben mir an. Es war nicht weit. gut 200 Meter. Dann war es geschafft. 1:59:47 h zeigte meine Uhr.
Fast eine Punktlandung und für die mit mir hereinkommenden hieß das, die zwei Stunden waren geschafft.

Die Gruppe zerstreute sich schnell an die gut bestückten Verpflegungsstände. Einige bedankten sich noch bei mir. Es ist ein schönes Gefühl, anderen geholfen zu haben, Ihre Ziele zu erreichen. Auch Johanne und Jan hatten es geschafft.  Wir treffen traditionell viele Bekannte im Ziel und machten uns dann in dem guten Gefühl nach Hause, unseren Job ordentlich erledigt zu haben.

Dann schrieb Frank. Der Läufer, den wir gesehen hatten, war tot!

Donnerstag, 14. Mai 2015

"Dabei"

Nur ein kurzer Blog zur Nachlese des 3./4. Mai 2015:

Am Sonntag Abend verdichteten sich die Anzeichen. Die ersten "dabei" und "ich auch" schreckten aus dem Tal gehört hatte. atort-Schlummer. Was das bedeutete? Jens Vieler hat die Mails verschickt. Der Uneingeweihte wird jetzt fragen, wie ein Jens der aus der Schweiz E-Mails verschickt eine ganze Läufergemeinde in eine Aufregung versetzen kann.

Ich hätte es bis vor gut einem Jahr auch nicht geglaubt, aber dieser Lauf zog mich in seinen Bann, seit ich von ihm das erste Mal hörte. So richtig ins Bewusstsein kam er mir 2012 während eines langen Trainingslaufs. Da fand die TTdR "Zero" statt, also mit Zero Verpflegung, Zero Organisation und so weiter und ich traf auf Alois, der den Lauf gerade beendet hatte sowie Jens, der seine Läufer an der Orange erwartete.

Mein Interesse war geweckt und ich googelte nach, kam dann zu der Übereugung, dass einfach so anmelden ja doch nicht geht und die Jahre zogen ins Land. In Biel, nach meinem ersten hunderter, ein weiterer Plausch mit Jens. Die Ultra-Welt hatte Claudia und mich in den Bann gezogen. Daher beschlossen wir, wenn wir schon nicht so weit laufen wollten - konnten - durften, uns zumindest an der Organistaion zu beteiligen. Darüber konntet Ihr ja bereits im Mai 2014 in diesem Blog lesen. Aber wer bei Start und Ziel so richtig hilft und fast bis zum Ende am Ziel die Stellung hält, der weiß, dass er dort beim nächsten Mal mitlaufen muss. Für mich war das seit Mai 2014 klar.
Aber zu diesem Lauf musst Du eingeladen werden. Und Jens lädt verantwortungsvoll nur den ein, von dem er überzeugt ist, dass er es schaffen kann. Ist er das?

Un nun, an jenem ersten Sonntag im Mai nun die Mails. Wir erhielten noch keine, aber Jens hatte ja geschrieben, dass es bei fast 300 Mails dauern könne. Die Spannung stieg dennoch, denn sicher sein kann man sich ja nie.
Dann war es soweit. Im Büro erreichte mich am Montag Vormittag die erlösende Nachricht von Claudia. Wir waren dabei. Über die Volle Distanz. 230 Kilometer von Winterberg zurück nach Hause. Was tun wir da?

Nun, ich denke nichts unüberlegtes... . Ich hatte das schon mit Jens während unseres 130-Kilometer-24-Stunden-Laufs am Seilersee besprochen. Wir bauen kontinuierlich auf. 2013 100 km in Biel, 2014 erst K78 in Davos, der durchaus mit einem Hunderter gleichzusetzen ist. Dann 105 km beim Traildorado. Nun 130 Kilometer am Seilersee, im August hoffentlich 100 Meilen beim Mauerweglauf in Berlin. Und dann die TorTour? Es hört sich so logisch und einfach an, aber jeder, der auch nur in Ruhe darüber nachdenkt, wird begreifen, dass dies ein zunächst unmöglich erscheinendes Unterfangen sein könnte.

Wir wollen es angehen. Und bereits am Abend begann ich, unsere Crews zusammen zu trommeln. Viele hatten sich bereits im Vorfeld angeboten. Dafür sind wir Euch allen sehr dankbar. Wir bieten nur Ruhm und Ehre, eine schlaflose Nacht, vielleicht auch 2 1/2  und die Freude an einem gemeinsamen Projekt. Und trotzdem sagten alle zu. Jetzt wird geplant. Und gelaufen. Wer ernsthaft noch Teil unseres Projektes werden möchte, sende mir eine Mail. Wir haben für jeden Verwendung! Und wenn es zur Vertretung bei Jens Vieler für unsere ausfallende Hilfe ist. Am Start und im Ziel werden immer Bürokräfte mit Übersicht gebraucht......

Damit ich am 16.5.2015 das metallische Klingen höre, wenn meine Hand auf kalten, orange lackierten Stahl schlägt.






Sonntag, 3. Mai 2015

Herz-Kreislauf im UNESCO Weltkurturerbe Zeche Zollverein

1. Mai 2015:


Es gibt mal wieder einen Charity-Lauf – dieses Mal in Essen. Es geht darum, Geld für die Förderung der Bewegung von Kindern zu sammeln unter anderem um späteren Erkrankungen der Gefäße und des Herz-Kreislaufsystems vorzubeugen. Jörg Bunert mit seiner Athletik-Marketing GmbH hatte sich in die sportliche Organisation eingebraucht und so warb er bereits in Andalusien während des Trainingslagers vehement  bei uns für diesen Lauf. Für mich war klar, dass ich mitmachen würde, wenngleich ich nach dem 24-Stunden-Projekt am Seilersee keine Ambitionen hatte. Ein 5 Kilometer-Lauf geht ja immer, auf den hatte ich im Trainingslager sogar mal Lust, denn im Gegensatz zum kaum langsameren 10er ist der wenigstens schnell vorbei. Claudia war da erheblich lustloser, sie mag diese „Sprintdistanzen“ unterhalb der 15 Kilometer ja überhaupt nicht .
Natürlich schrieb ich den Lauf auch in unserer Betriebssportgemeinschaft aus und zu meiner Überraschung meldeten sich tatsächlich ein Pärchen, die starten wollten. Somit waren wir von der BSG schon mal zu dritt, ich meldete also am letzten Tag der Online-Meldung den 5 Kilometer-Lauf an.
Foto:Catfun.de


Es bahnte sich ohnehin ein großes Bunert-Treffen an, das Wetter versprach ganz ordentlich zu werden und an die Kulisse des Weltkulturerbes Zollverein hatte ich eigentlich nur positive Erinnerungen. Zunächst führte uns der letzte Karstadt-Halbmarathon 2009 durch die historische Stätte. Ebenfalls 2009, zwei Monate später hatten wir dort bei der damaligen Run&Rock-Serie bei glühender Hitze einen recht guten 10,54 Kilometer Viertelmarathon absolvieren wollen, leider war die Strecke mit 9,6 Kilometern dann etwas zu kurz, was meine damalige Top-Zeit von 42 Minuten erklärte. Bereits da war ich von der tollen Kulisse tief beeindruckt. Zurück kehrten wir beim Vivawest 2013 mit einem tollen Durchlauf und dann natürlich im Herbst beim Speed of light-Projekt, wo wir so manchen Trainingsabend und die unvergessliche Performance am 4.10.2013 am Standort verbracht hatten. Mit diesen schönen Erinnerungen im Gepäck machten wir uns am „Tag der Arbeit“ auf nach Essen. Meine Frau hatte sich dann am Morgen noch zur Nachmeldung entschieden, sie wollte für Kim die Pace machen. Ich war untypisch gut gelaunt, hatte nach 4 Tagen Pause und den 100-Meter-Intervallen am Vorabend beim Bunert-Training, die ich wohlweislich nach 12 von 20 eingestellt hatte.
Was sollte auch passieren, ich wollte loslaufen, als wenn es um die Bestzeit ginge und war neugierig, wann ich einbrechen würde. Seit 2012 in Alpen hatte ich keinen schnellen 5er mehr versucht, höchstens als Staffel in der Schalke-Arena. Die zwanzig Minuten sollten irgendwann einmal fallen, aber das schien mir nur fünf Tage nach dem Seilersee doch etwas vermessen.
Angekommen in Essen fanden wir alles gut ausgeschildert, auch Claudias Nachmeldung bei Bärbel Bunert klappte reibungslos. Einziges Hindernis waren die vielen eintreffenden Lauffreude, die begrüßt werden wollten. Wenn ich daran denke, dass wir 2009 in Essen kaum einen Menschen kannten – eine Wahnsinnsentwicklung.
Foto:Catfun.de
Claudia lief mit Kim auch die 5, auf 10 hatten die beiden auch keine Lust. Heike suchte jemanden zum gemeinsamen Einlaufen, ich opferte mich einmal und wir trabten die kleinere erste Runde ab. Dabei bekamen wir bereits einen ersten Eindruck von diesem Streckenteil, der eine kleine Steigung bereit hielt, die durch dir zwei 90-Grad kurven zu Beginn und am Ende ordentlich Pace kosten würde. Wir gabelten noch Marius auf, der sich auch aufwärmte.
Foto:Catfun.de


 Dann ging es schon in die Startaufstellung, irgendwie wollte keiner nach vorne und ruck zuck standen Marco, Marius, Sascha (der einzige, der da zu Recht stand) und Heike in der  ersten Reihe. Ein paar Späße mit Jörg Bunert, der mir einreden wollte, dass ich das gewinnen könne, dann zählte Moderator Andreas Menz schon den Countdown herunter. Los geht es. Ich sehe zu, schnell nach 50 Metern um die erste enge Kurve zu kommen und merke, dass ich sofort langsamer werden muss. Marco und Marius sind vor mir, Sascha auch. 
Foto:Catfun.de

Und Marco und Marius sind ziemlich nah an Sascha dran. Wir sind auf dem Ehrenhof genannten Vorplatz, ich muss Tempo rausnehmen sonst sterbe ich hier gleich einen unehrenvollen Tod. Marco und Marius scheinen wahnsinnig zu sein, aber ich werde sie mir später holen. Zwei oder drei Läufer gehen vorbei, ich lasse sie gewähren. Schon ist der erste Kilometer um. Wir sind nun vor dem Kokerei-Gelände, dorthin werden wir aber erst in der zweiten längeren Runde gelangen. 3:49 für den ersten Kilometer, viel zu schnell und ich bremse nun merklich ab. Noch zwei Läufer kommen an mir vorbei, auch Irek ist dabei. Der ist auch gut drauf im Moment, den halte ich hier nicht. Marius und Marco sind etwa 100 Meter vor mir, Sascha und weitere sind nicht  mehr zu sehen. Schon sind wir wieder am Start.
1.Runde beendet, Kilometer 1,7! Foto:Catfun.de

 „Thomas Kühnen – für den ist das hier eine echte Sprintstrecke. Er ist sonst auf den Marathon- und Ultrastrecken zu Hause“ kündigt Andreas mich an. Wie recht er doch hat. Die vielen Zuschauer verbreiten eine tolle Stimmung für uns Läufer. Wieder laufe ich vor dem Förderturm mit dem Frakturschriftzug  „Zollverein“ vorbei. Kilometer 2 war mit 4:11 deutlich langsamer, Schnitt 4 Minuten. Ich beschließe, einfach nicht mehr auf die Uhr zu gucken, denn die Hälfte habe ich ja schon. Nicht auszudenken, wenn das hier ein 10er wäre! Jetzt einen Kilometer Konsolidieren und dann mal sehen, was noch geht. Irgendwie habe ich mich aber jetzt eingelaufen. Marco und Marius kommen näher, von hinten kommt schon länger keiner mehr. So vorne mit zu laufen ist seltsam, denn man schwimmt nicht in einer Masse mit, sondern muss selbst entscheiden, was man tut. Mit dem Rennausgang habe ich nichts zu tun, aber die Altersklasse könnte gut aussehen. Ich will jetzt kämpfen.  Ich bin jetzt in der Kokerei Zollverein, viele rostige Rohrsysteme über unseren Köpfen, die Gebäude des Architekten Fritz Schupp und  Martin Kremmer aus den frühen 30er Jahren. Kilometer 3 ist erledigt, die Zeit will ich nicht wissen, denn ich fühle mich wieder ganz gut. Gerade noch einmal rechtzeitig abgebremst, das war kurz vor dem Ende der Veranstaltung nach dem flotten ersten Kilometer! Über die Hauptachse der Kokerei geht es durch das Gebäude auf den Weg auf dessen Rückseite. Der ist neu asphaltiert, jeweils ein Schotterstreifen daneben. Herrliche Laufbedingungen herrschen hier. Als wir den Weg 2009 in umgekehrter Richtung bei Run & Rock gelaufen waren, war es ein besserer Trampelpfad.  An Marco bin ich dran. Der ist hinter Marius zurückgefallen. Ich gehe kommentarlos vorbei, um etwas zu sagen oder ihn mit zu ziehen fehlt mir die Luft. „Dein Schuh ist offen!“ Höre ich von ihm von hinten, es ist mir zunächst egal. Meine Schritte bei dem Tempo sind so groß, dass ich nicht Gefahr laufe, auf die Schnürsenkel zu treten. Ich habe Marius, auch er hat nicht mehr den Schritt, mit zu halten. Dann blicke ich an meinem Fuß hinab. Der Knoten unter der Schleife löst sich auch und daran ist eine der beiden Zeitmessschleifen befestigt.  Ich muss ihn zu binden, denn ich weiß nicht, ob mit nur einem Chip am anderen Fuß meine Zeit erfasst werden kann. Also anhalten, Schleife binden, hoch und weiter. Marius ist wieder vorbei, Marco noch nicht. Ich hole mir Marius ein zweites Mal. Hätten die beiden Mal mit mir gebremst, sie würden mich jetzt locker abhängen. Aber die Körner, die zu Beginn verbrannt sind, bekommst Du nicht mehr wieder. Kilometer 4, noch 1000 Meter. Kein Blick mehr zur Uhr, einfach laufen was das Zeug hält. Ich bin auf den Gleisen Richtung Kohlenwäsche und sehe schon wieder den Doppelbock des Förderturms, neben dem das Ziel sich befindet. Die beiden Läufer vor mir sind etwa gleich schnell, die kriege ich nicht mehr. Die Schienen, zwischen denen mit verdichtetem Schotter Wege angelegt sind, führen scheinbar endlos geradeaus, dann endlich die Linkskurve. Jetzt bin ich wieder auf der kleinen Runde, ich mobilisiere die letzten Kräfte.
Foto:Catfun.de

 Den schon höre ich Andreas Moderieren, sehe Zuschauer an den Zäunen rechts und links. Rechtskurve, Linkskurve, Zielgerade. Noch vierzig oder fünfzig Meter, dann bin ich da. Ein Blick auf die Uhr: 20:07 Min. steht da.
 Unglaublich. „Jaaaa!“ schreie ich und setze mich gleich auf meine vier Buchstaben. Ich bin völlig alle und kann es kaum glauben, dass es noch so eine Zeit geworden ist. Das wären 25 Sekunden unter meiner bisherigen Bestzeit aus Alpen 2012. Marius und Marco sind auch im Ziel, wir gratulieren uns und gehen auf die Wiese. Marco legt sich erst mal hin. Ich bin hin und weg und kann es nicht glauben, auch als Karsten Kruck mir sagt, die Strecke sei etwas zu kurz. Das ist mir egal, selbst wenn es 120 Meter waren, für die hätte ich keine 25 Sekunden mehr gebraucht in meinem Endspurttempo Darum geht es heute auch gar nicht. Ich war in der Lage, nach den 131 fünf Tage zuvor und dem enttäuschenden Marathon in Wien vor drei Wochen hier eine Bestzeit auf der Sprintstrecke zu laufen. Physisch wie Psychisch. Und ich hatte auch noch Spaß dabei, auf der sonst ungeliebten Kurzstrecke. Das ist gut für den Kopf, ich kann also auch noch schnell. Ja, ich weiß: Das Teilnehmerfeld war insgesamt nicht stark, die Strecke vielleicht etwas zu kurz. Aber ich will ja nicht in offizielle Ranglisten. Ich will Spaß am Sport. Und den hatte ich! Ist das nicht das wichtigste?

Erledigt und glücklich im Ziel Foto:Catfun.de

Der Verpflegungsstand war super gut bestückt. Frisches Obst mit extrem leckeren Äpfeln, Streuselkuchen, diverse Getränke standen ausreichend zur Verfügung.  Dann kam auch Claudia mit Kim ins Ziel, etwas über 26 Minuten und eine tolle neue Bestzeit für Kim, die von Claudia ins Ziel getrieben wurde. Für Marco war es natürlich auch eine Bestzeit, aber er ist am Ende halt ziemlich eingegangen und ihm war auch klar, welchen Blödsinn er da auf den ersten zwei Kilometern gemacht hatte.
Anfeuren beim 10er

Karin als fleißige Helderin - Dankeschön!
Claudia treibt Kim ins Ziel  Foto:Catfun,de
Auch beim anschließenden Zehner, den wir als Zuschauer verfolgten, wurden tolle Zeiten gelaufen, auch wenn hier die Strecke ein klein wenig zu kurz gewesen sein sollte. Alles in allem eine Top-Veranstaltung, die mit insgesamt 750 Teilnehmern für eine Premiere im Laufreichen Mai sehr gut besucht war. Das Wetter spielte toll mit, alles klappte reibungslos und fast alle waren gut gelaunt und hatten Spaß. Die Strecke ist, bis auf die kleine Steigung, durchaus als schnell zu bezeichnen, wenn es nicht zu voll wird. Und der Nachzielbereich könnte ebenso gut bei Regen in die Halle verlegt werden, wo die Startunterlagen ausgegeben worden waren. Der Industriepark bot eine tolle Kulisse, irgendwie haben diese Industrieruinen etwas. Auch wenn man sich nicht vorstellen mag, dass hier einmal tausende von Menschen Lohn und Brot fanden, sozial abgesichert und anständig entlohnt für schwere Arbeit. Auch daran kann man am 1.Mai in unserer "Geiz-ist-geil-Dienstleistungswirtschaft" einmal denken.
unsere Lichtinstallation bei "Speed-of-Light" 2013, gleich neben dem Ziel
Nicht nur tolle Erinnerungen an vergangene Laufevents, auch die Architektur und eben das „Ruhrgebietsgefühl“, von dem ich mich als Niederrheiner ja auch ein wenig zugehörig fühlen darf. Auch mein Großvater diente als Heizer auf Kohlezügen der Zeche Rheinpreussen…
Ich denke, 2016 werden wir bei der 2. Auflage dabei sein. Und das kann ich dem Leser auch empfehlen. Es wird sich lohnen – auch für den guten Zweck!


Fotos:

Danke an Wolfgang Steeg 


für die tollen Bilder! Dort findet Ihr noch mehr.

Freitag, 1. Mai 2015

Jetzt ist Ultra.....

Eintauchen in die Welt des Ultralaufes - über unvorstellbare 100 Meilen im August zu den völlig weit entfernten 231 km bei der TTdR 2016, welche ich mir vorgenommen habe. Das hatte ich ab Kilometer 25 in Wien mental bereits vollzogen und das wollte ich nun konsequent fortführen. Aber was heißt das? Nun ja, erst einmal ist ja nach der Belastung des Marathon Regeneration angesagt. Erst in Wien noch zwei Mal zwei Kilometer den Streak mit Claudia gelaufen, dann am Donnerstag der erste Trainingstermin bei Bunert im Sommerkurs. Laufspiele - das heißt ein wenig Lauf ABC mit wenigen Kilometern, genau das Richtige im Moment. Letzten Samstag wollte ich es dann wissen: Während Claudia schon wieder 17 Kilometer unter die Schuhe nahm, beließ ich es bei 6 Kilometern. Die ließ ich einfach laufen, kam in einer 4:36er Pace heim und hatte ein wenig Wien-Frust weggelaufen. Das Tempo war also noch nicht weg!
Es ist ja immer schwer, nach so einem Marathon die Füße ruhig zu halten. Besonders, wenn man halt keinen Erfolg hatte, auf dem sich gut ausruhen lässt. Die Trainer wissen das und schreiben ja gerne mal Alternativsport auf den Trainingsplan. Marco und Kim hatten da eine Idee, am Sonntag danach an einer RTF-Tour teilzunehmen und sich so schon einmal auf den Gladbecker Triathlon einzustimmen, der für uns im Juni ansteht. Selbst meine Claudia ließ sich von Freundin Kim überreden, sie auf der kleinen 42-Kilometer-Runde zu begleiten. Anschließend ließen wir den sonnigen, aber kühlen Sonntag bei Freunden mit viel Kuchen in der Sonne ausklingen.

Die nächsten Tage machten sich allerdings dann schon meine Oberschenkel bemerkbar, die ungewohnte Belastung auf dem Rad forderte offensichtlich auch ihren Tribut. Vielleicht hätte es die 42 km-Runde ja auch getan? Aber dafür auf's Rad?

Training am Donnerstag dann mit der Ausdauerschule. 8 x 500 Meter standen auf dem Plan. "Ich werde die schnelle Gruppe jetzt mal auf links drehen" verabschiedete sich Schleifer-Sven mit uns armen Würstchen ab in den Wald um die sechs Seen. Ich wollte eigentlich bei einer 4er Pace Schluss machen, aber man kennt ja diese gruppendynamischen Prozesse. Am Ende waren es dann doch immer so um die 3:40-3:45, die letzte sogar in 3:32er Pace und die Frage, wie sinnvoll das für den anstehenden Ultra am Wochenende sein würde, stellte sich mir deutlich.

Samstag ging es dann kurz nach acht Uhr los Richtung Iserlohn. Wir hatten von Organisator Bernd Nuß umfangreiche Informationen einschließlich einen Parkausweis für den speziellen Ultra-Parkplatz direkt an der Strecke erhalten. Da diese vor Ort auch kontrolliert wurden, fanden wir gut zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn auch noch einen Parkplatz. Dort trafen wir gleich Jens, den Tortour-Organisator. Der riet uns, am Sportsplatz anstatt hier auf den Wiesen direkt an der Strecke unser Lager zu errichten. Dort kämen nur Läufer hin während hier am Parkplatz ja öffentliches Gelände sei. Klang logisch, also Klamotten zum Sportplatz geschleppt. Unser neues 4-Mann-Zelt hatte ich erst einmal im Wohnzimmer aufgebaut, dennoch bekamen wir es wieder schnell aufgestellt. Gut, dass es trocken blieb, denn der Wetterbericht verhieß nichts Gutes für die nächsten 24 Stunden.
Unser Domizil

Organisation und Startnummernausgabe klappten perfekt und ohne Wartezeiten, wir tranken mit unseren Zeltnachbarn, zwei Ultra-Debütanten aus dem Raum Koblenz, erst einmal einen Kaffee und waren sofort in das gesellige Völkchen der Ultra-Läufer wieder eingetaucht.

Ich möchte hier jetzt gar nicht auf den Lauf eingehen, den könnt Ihr in meinem Video ganz gut nach verfolgen, wie ich denke.
https://www.youtube.com/watch?v=nEeIdCfnkX0

Eher einmal die Fragen stellen: Was machen wir hier? Wie sinnvoll ist ein 24-Stunden-Lauf auf einen kleinen Rundkurs?

Zunächst ist so ein Stunden-Lauf ja auch ein geselliges Event, alleine schon das Zusammentreffen mit vielen Gleichgesinnten . Wenn Du einen Marathon auf einer großen Runde mit 50 Teilnehmern läufst, bist Du recht schnell allein. Das ist hier anders. Es lässt sich gar nicht vermeiden, immer wieder neben anderen Läufern her zu laufen, dann unterhält man sich und findet ganz unterschiedliche Dinge, die man gemeinsam hat oder die einen unterscheiden. Das liegt im Wesentlichen am Tempo, denn je länger die Strecke, desto eher kann man sich beim Laufen noch unterhalten.

Für uns war es eine wichtige Standortbestimmung vor dem 100-Meilen-Lauf in Berlin im August. Könne wir das wirklich? Was kommt nach den 100 Kilometern, die wir beide ja schon zwei Mal absoviert hatten. Wie ernährt man sich, reicht die Verpflegung des Veranstalters aus? Welche Ruhepausen machen Sinn? Das waren die Fragen, die ich mir selbst heute beantworten wollte und meiner Claudia ging es wohl ähnlich.
Mit Günter unterwegs

Die ersten Stunden lief ich mit Günter und Arno, zwei Laufbekannten mit nicht ganz so weiter Anreise. Zu Anfang auch mit Jens, der hier tatsächlich auch 24 Stunden laufen wollte. Da ich beim Start gefilmt hatte, waren Henning, Yvy und Claudia irgendwie weg. Ich lief ja mit Arno und Günter, tatsächlich ergab es sich, dass wir uns die ganzen ersten sechs Stunden nicht getroffen haben. Lag wohl am annähernd gleichen Tempo. Mir ging es bereits nach drei Stunden nicht mehr so gut, meine Zehen begannen an den verstärkten Kappen meiner Glide Boost ATR anzustoßen und ich wechselte bereits da zum neuen Ultra Boost. Damit hörte das Drücken am Zeh sofort auf. Erste Sache richtig gemacht. Meine Ernährung sollte sich zunächst einmal nur auf die angebotenen Sachen beschränken, ich trank sofort Iso statt Wasser, um einem erneuten Krampfproblem vorzubeugen, dazu ein wenig Salzgebäck in jeder zweiten Runde. Krämpfe hatte ich keine, wohl aber ziemlich schwere Oberschenkelrückseiten. Die 80-Kilometer Rennrad und die 500-Meter Intervalle aus den letzten Tagen waren am "Anstieg" dann doch deutlicher und deutlicher zu spüren.

So war ich froh, dass die sechst Stunden und damit der erste Teil des Wettbewerbs endlich rum waren, ich zog mir eine Jacke über und ging noch eine Runde, in der Hoffnung, Claudia zu finden, wenn Sie mit Yvy auf deren "Vermessung" wartete. Aber Yvy wartete alleine. In Goldfolie gewickelt. Die gab es vom Sanitäter. Auch ein toller Service für frierende Läufer. Danach gingen wir trafen wir am Verpflegungsstand endlich Claudia und es ging gemeinsam zum Nudeln essen. Ich hatte mit trockene Sachen angezogen und eigentlich eine zweistündige Pause eingeplant, etwa wie beim Traildorado. Aber Claudia hatte keie Ruhe, sie wollte weiter. Nachdem wir Yvy und Henning nach Yvys Siegerehrung - sie hatte den 3. Platz in der Gesamtwertung der 6-h-Konkurrenz belegt,
Ich hätte mich jetzt erst einmal eine halbe Stunde hingelegt, aber da Claudia weiter wollte, blieb mir keine Wahl. Wir hatten jetzt knapp 55 Kilometer, zwanzig sollten es noch werden. Dann ein wenig hinlegen und schlafen und ab 2 Uhr durch die tiefste Nacht wieder weiter bis zum Frühstück. So langsam gingen die Kilometer schwerer, aber wir drehten nun gemeinsam Runde um Runde. Kurz vor zehn hatten wir die 75 Kilometer und beschlossen, uns hinzulegen.
73 Mal daran vorbeigelaufen!

Das geht beim Mauerweglauf so natürlich nicht.Oder höchstens auf einer Parkbank, wenn dar Radbegleiter ne Decke dabei hat(guter Ansatz, wieder was gelernt!). Mit Schlafen war leider nix. So schön es war, dass auf dem Sportplatz keine Nichtläufer an die Zelte kamen, so hall brannte leider die Nacht durch das Flutlicht von allen sechs Masten. Und die Live Band spielte noch eine Stunde, danach der DJ noch eine halbe, ehe der Sound direkt hinter unserem Zelt dann verstummte. Dann war es fast Mitternacht - und Jens hatte Geburtstag. Da Jens nun mal bekannt ist wie ein bunter Hund, viel die Gratulationsrunde entsprechend groß und geräuschvoll aus. Also beschlossen wir, um ein Uhr wieder weiter zu laufen. Eine kurze Gratulationsvisite bei Jens - den angebotenen Huge verschmähten wir sicherheitshalber - und es ging weiter durch die Nacht, Der See war nun traumhaft schön beleuchtet, dennoch lagen 4 1/2  Stunden vor uns, die wir leider recht schnell nur noch marschierend zurücklegen konnten.
Nachts, wenn alles schläft....
Wir packten uns die 25 Kilometer, die wir schaffen wollten, in handliche kleine 5-Kilometer Päckchen, die wir eines nach dem anderen abarbeiteten. Dabei ging es uns beiden ganz gut, wir überholten marschierend sogar einzelne laufende Mitstreiter. Geschwindigkeit ist ja so etwas von relativ.... Dennoch freut man sich, wenn man dann endlich die 100 Kilometer voll hat und sich noch einmal hinlegen darf. Auch wenn es bis zum Frühstück um sieben nicht lange ist, die Pausen bisher hatten gut getan und für Claudias Knie wurde es Zeit. Diesmal war es bedeutend ruhiger und wir schliefen schnell für eine Stunde ein. Wach wurden wir mit dem Gedanken, ab halb sieben bis zum Frühstück noch einmal zwei Runden zu machen, aber der auf unser Zelt prasselnde Regen ließ uns noch 15 Minuten liegen bleiben, ehe wir uns zum Frühstück fertig machten. Minimalziel 100 km war erreicht, nach dem Frühstück blieben 4 1/2 Stunden für die von mir angepeilten 30 Kilometer. Das sollte gehen. Und es ging wieder wirklich gut. Na ja, gut heißt halt eine Pace von über 7 Minuten, aber wir liefen. Und die anderen waren mit wenigen Ausnahmen auch nicht schneller. Wieder mit den bewährten 5-Kilometer-Päckchen arbeiteten wir uns vor. Die 110 km kamen gefühlt recht fix, dann wurde es zäher. Den "Berg" gingen wir jetzt immer, auch die kleineren Anstiege. Claudias Knie schmerzte wider zunehmend, jetzt leider auch im Gehen. Aber wir zogen Runde um Runde um den See.
Hier fand mittlerweile der "Walkind dead" statt, vile schlurften und schleppten sich in seltsam verkrümmten Körperhaltungen oder in leicht humpelndem Schritt um das Wasser, wir hingegen bekamen von vielen gesagt, wie gut wir noch aussähen. Muss am Schönheitsschlaf von einer guten Stunde gelegen haben.
Uns, mir immer mehr als Claudia, war jedoch klar, dass die 130 heute möglich sein würden und die fehlenden 30 in Berlin dann auch noch irgendwie gehen sollten.
Und dann war es soweit. Kurz vor den 125 konnte Claudia nur noch gehen, wir verabredeten, dass ich weiterlaufen solle, denn gehen wären mir nun schwerer gefallen. Ich hatte irgendwie den "flow" gefunden, jenen rätselhaften Zustand beim Ultralauf, wo zwar alles mögliche weh tut, aber die Beine ihre nun lang genug einstudierte Laufbewegung von alleine ableisten und kaum noch Antrieb aus der Schaltzentrale unterm Pony beötigen. Das wollte ich ausnutzen. Immerhin schaffte ich eine Pace von 7:35. Das ist eigentlich zum kaputtlachen, aber nach 125 km lachst Du da nicht mehr drüber. Höchstens irre. Ich bekam das Fähnchen mit dem 125er Aufdruck und dementsprechend euphorisiert konnte ich nochmal ein "Höllentempo" vorlegen. So kam es mir vor, diese weitere Runde zum "Triple-Marathon". Das sind bekanntlich 3 Marathondistanzen, innerhalt von 23 Stunden ganz ordentlich, wie ich fand. Mir schien, als flog ich über die Strecke, begleitet von diversen Glückwünschen der überholten Mitläufer, die  mein Fähnchen sahen. Pieep - mein Garmin holte mich mit Kilometer 126 auf den Boden der Tatsachen zurück: Ich war mit stolzer 6:14er Pace über die Strecke "geflogen", es war mir fast vorgekommen wie mein Marathon-Renntempo aus der ersten Hälfte in Wien. Aber so ist das, alles ist halt relativ. Entschlossen, die Runde zum Triple noch zu laufen, drehte ich das Tempo wieder auf die "normalen" 7:20 pro Kilometer herunter. Dann war der Triple geschafft, wieder eine Fahne. Und noch eine gute Stunde für 3,5 Kilometer. Das schaffe ich. Irgendwann ging ich, mich nett mit einem Mitläufer - oder war es ein Wiedergänger (Achtung - Wortwitz!) unterhaltend und ich hatte die 130. Noch gut 800 Meter bis zum Zelt, dann die Klappstühle aufgestellt und hin gesetzt. Endlich! Nicht mehr aufstehen müssen, das Messrad würde in einer viertel Stunde losrollen.
Claudia kam dann auch und setzte sich auf ihren Stuhl, der einen Meter weiter in Laufrichtung stand. Und überholte mich damit noch, denn auch ihr war noch dieselbe Rundenzahl gelungen. Das hat sie verdient, denn für eine Frau ist die Leistung immer höher zu bewerten.
mit Claudia und Ricarda Bethke

Mein Dank gilt hier wirklich den Organisatoren um Bernd Nuß, die hier bereits zum achten Male eine solch magische Nacht auf die Beine gestellt haben. Irgendwas macht das Ultra-Laufen mit einem, irgendetwas, was nur der verstehen wird, der deutlich mehr als den Marathon und durch die Nacht gelaufen ist. Jeder Wunsch wurde einem von den Augen abgelesen, eine Top-Verpflegung lag bereit und viele viele ehrenamtliche Helfer, teilweise Jugendliche, haben sich für uns grenzdebile Individuen die Nacht um die Ohren gehauen. Ganz dickes Lob. Aber auch für den einmaligen Sportsgeist, der auf solchen Veranstaltungen herrscht. Es gibt kein Konkurrenzdenken, nur ein wundervolles Miteinander. Man hilft sich, man lobt sich, man gratuliert sich und man leidet auch einfach gemeinsam, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Entweder Du läufst, Du gehst oder Du hörst auf. So einfach kann der Sport sein.

Ach ja, Jens hat die 100 Meilen geschafft, mit heftigsten Schmerzen und zueletzt im Schneckentempo hat er es durchgezogen. Und dann aufgehört. Obwohl noch Zeit war. Auch das ist Größe und Vernunft. Günter hat die 100 Meilen auch geschafft.

Wir wissen nun, dass wir die 100 Meilen in Berlin schaffen können. Können, nicht müssen. Denn auch 31 Restkilometer können noch weit sein.....

Freitag, 17. April 2015

Nach dem Fiasko

"The Image has gone only you and I
 It means nothing to me
This means nothing to me

Oh, Vienna..."

Wer kennt diese Zeilen noch? Midge Ure sang sie 1981 und das trifft es ziemlich genau. Wobei ich mit "You and I" natürlich nicht meine geliebte Claudia meine, sondern "Die Bestzeit und ich". Es ist mir fast egal. Ich habe eine neue Seite kennengelernt, die die Niederlage als unabwendbar akzeptiert. Es war so wie es war - nachlesen könnt Ihr es bald  unter http://www.laufen-in-dortmund.de/stories/2015/wien.htm.
Und in dem Moment, wo es vorbei war, habe ich nicht damit gehadert. Sondern ich habe nach vorne geblickt und versucht, das Beste daraus zu machen. Ich hatte seit dem 1. Dezember hart trainiert. Ich bin oft bereits im Dunklen nach stressigem Arbeitstag mit Stirnlampe allein in den Wald und habe im Nieselregen Tempowechselläufe absolviert. Ich habe mich durch Endbeschleunigungen bei langen Läufen gequält, selbst durch zwei ungeliebte 10er-Wettkämpfe. Alles umsonst? Nein, nichts im Leben ist umsonst. Ich habe mir eine gute Form antrainiert, die mir bei meinen kommenden Aufgaben helfen wird. Und die sind gewaltig. 100 Meilen von Berlin! 
So sehe ich es. Ich habe gekämpft bis es physisch nicht mehr ging, mir dann sofort unterwegs ein neues Ziel setzen können, welches ich auch erreicht habe. Unter 3:30 h. Viele wären froh, überhaupt einmal diese Zeit laufen zu können. Ich habe gelernt, dass es immer irgendwie weiter geht. Das ist für jeden Ultra unerlässlich. Und ich habe durch meinen disziplinierten Trainingsplan eine ebensolche disziplinierte Arbeitsweise in schwierigen beruflichen Aufgaben selbstbewusst bewältigen können und werde sie weiter bewältigen. Immer einen Kilometer nach dem anderen, zwei zugleich gehen nicht.  Das alles ist weder umsonst noch vergebens. Und vielleicht habe ich auch einige Leser meines Blogs motiviert, eine Aufgabe anzugehen. 

Nein, das Laufleben ist zu schön, um Trübsal zu blasen. Wir haben danach noch einen schönen Abend mit einem Ungetüm von Wiener Schnitzel erlebt, danach noch zwei schöne und anstrengende Tage in Wien verbracht. Allein dafür war Wien die Reise wert.
Vielleicht kann ich es darum so gut akzeptieren. Und es ist ja nicht für alle Zeiten vorbei. Es gibt ja noch Frankfurt.....
Jetzt freue ich mich, endlich einmal am Seilersee den berühmten 24-Stunden-Lauf machen zu können, ich freue mich auf meine Aufgabe als BuZ beim heimischen Rhein-Ruhr-Marathon und hoffe sehr, eine Einladung zur TorTour zu erhalten. Der Mauerweglauf im August ist ein erstes goßes Ziel auf dem Weg dahin, auf ähnlich historischer Strecke. Den werde ich schaffen, denn es geht ja immer irgendwie weiter. Mental bin ich in den letzten Monaten stärker geworden. Dafür danke ich dem Laufsport, ohne den ich nicht gewusst hätte, wie ich durch die stressige Zeit gekommen wären. 
Was sind da schon 20 Minuten?

Sonntag, 5. April 2015

Die Messe ist gelesen.....

107 Laufeinheiten mit insgesamt 1153,24 Trainings- und Wettkampfkilometern. Meine Wien-Vorbereitung neigt sich dem Ende entgegen - und das wird auch höchste Zeit. Eine Vorbereitung im Winter ist nie ganz einfach, Regen im Sommer ist auch unangenehm, aber bei 3 Grad über Null hat das doch eine andere Qualität. Gut, dass ich bei solchem Wetter relatv wenige Einheiten absolvieren musste. Ich hatte Glück mit dem Wetter, denn auch eine längere Schnee- oder Frostphase war ausgeblieben. Auch war ich relativ schmerz- und verletzungsfrei durch diese Zeit gekommen, abgesehen von der Erkältung in der vorletzten Woche hatten mich auch die Bazillen in Ruhe gelassen. Das ist schon mal ein Grund, dankbar zu sein, denn genug anderen Leuten geht es nicht so gut.

Nach meinem Sturmlauf am Dienstag standen am Mittwoch relativ entspannte 40 Minuten an, die ich in knapp 4:40er Pace absolvieren konnte. Donnerstag fuhr ich dann mit Claudia zum Afterwork-Run bei Bunert Duisburg, denn unsere Ausdauerschule macht um Ostern meist zwei Wochen Pause, so auch in diesem Jahr. Und was soll man sonst am Donnerstagabend machen?

Dank des kursfreien Abends in der Ausdauerschule war das After-Work-Run bei Bunert Duisburg sehr gut besucht, ich verkniff mir das Mitlaufen mit der schnellen Truppe, da für mich zwar 70 Minuten auf dem Plan standen, ich in der Gruppe hier aber schlecht die 2 x 3 Kilometer im Marathonrenntempo einbauen konnte und blieb somit bei der 6er-Pace Gruppe, um die Einheit der 70 Minuten am Samstag am Baldeneysee nachzuholen. Unter der Führung von Riccarda Schlimnat ging unser buntes Trüppchen durch den Duisburger Wald Richtung Bissingheim, Wedau und entlang der Regattabahn zurück, mit interessanten Gesprächen einmal mit anderen Leuten als den "üblichen Verdächtigen". Eine gelungene wöchentliche Aktion von Laufsport-Bunert Duisburg. Die anschließend von Karsten angebotene Fanta/Hörnertee verschmähten wir dankend, ehe es mit Yvonne, Christian, Marco und Kim und natürlich Claudia auf den 2 Kilometer langen Heimweg zu Marco und Kim ging, wo wir uns getroffen und unsere Klamotten samt Auto deponiert hatten.

Karfreitag war dann für mich nicht nur Tanz- sondern auch Laufverbot, die Pausen im Plan sollte ich nun auch ernst nehmen.  Mann, war das langweilig....

Samstag dann die letzte ernsthafte Einheit des Trainingsplans, die 70 Minuten mit 2 x 3 Kilometern MRT in 4:30er Pace. Marc teilte die Gruppen ein, beginnend mit 7er Pace und kleiner Wendepunktstrecke, über 6er, 5:30er bis zu 4:45er Pace. Ich schloss mich den 5:30ern an, d.h. ich machte die Pace und konnte mich somit schon mal in genereller Tempodisziplin. Das klappte ganz gut, wobei Anfangs ja immer alle zu schnell loslaufen wollen. Mit netten Unterhaltungen über unsere weiteren Pläne ging es in Richtung der Brücke zu dem Ort mit den drei Tiernamen - Ku(h)-pferd-reh. Ich war etwas erstaunt, dass den alten Wortwitz keiner der Essener um mich herum kannte. Als es dann zu Hardenbergufer herunter gig, setzte ich mich ab und lief meine ersten 3 Kilometer im MRT. Das Hardenbergufer ist hier eine fast perfekte Simulation, denn guter, ebener Asphaltuntergrund ähnelt natürlich dem Hauptstreckenbelag eines jeden großen Stadtmarathons. Ich fing wie immer euphorisch zu schnell an, ließ dann aber bewusst etwas nach. 4:25 und 4:26 lautete meine Pace auf den ersten beiden Kilometern....klar zu schnell. Das sollte in Wien nicht passieren, denn es geht dort auf den ersten 18 ,6 Kilometern 44,2 Höhenmeter mit maximal 0,4% Steigung hoch. Das ist nicht besonders viel, in Hamburg hast Du das auf den ersten 5 Kilometern, aber halt latent. Und da man da fit ist, merkt man nicht, wie man die Körner verbrennt, die später fehlen, wenn man da überpaced.  Aber 4-5 Sekunden wäre deutlich überpaced. Während ich darüber nachdenke, überhole ich gerade die 6er-Pace Gruppe, die den See eine Brücke früher überquert hatte und mein GARMIN läutet wenige Meter danach das Ende des 3.Kilometers ein. 4:28, schon besser. Ich drehte und trabte meiner "Einheit" wieder entgegen, die sich offensichtlich etwas hatten anstecken lassen und mal wieder zu schnell unterwegs gewesen waren. Vorbei an der Fritten-Schmiede, wo es lecker nach ranzigem Frittierfett roch, ging es auf den zweiten Teilabschnitt des Hardenbergufers. Schon konnte ich die Villa Hügel rechts oben auf den Höhenzügen in der Sonne strahlen sehen. Dann ging es ins zweite Intervall. Ich hoffte, das Ufer bis zum Stauwehr würde ausreichen für noch einmal 3 Kilometer. 4:28 der erste, na bitte. Das ist soeben noch in der Toleranz. 4:25 dann leider wieder der zweite und es wurde klar, dass das Ufer nicht reichen würde, denn das Wehr war bedrohlich nahe. Also noch ein Stück am Wehr vorbei und dann umgedreht, meine 5:30er-Truppe kam mir entgegen, dann war der letzte Kilometer im gegenwind leider mit völlig überpaceten 4:20 erledigt. Ich fühlte mich dennoch gut und trabte ganz langsam über das Wehr und den Uferweg zurück zum Regattaturm, wo Marc mit seinet 4:45er-Truppe schin wartete und Regenerations-Drink von Dextro und Schoko-Ostereier anbot. Ein schöne und liebe Idee von Marc.

An dieser Stelle nochmal ein ganz großes Lob an die Lauftreffs der Bunert-Kette. Man läuft ja sowieso, also warum das nicht koordinieren? Man lernt immer wieder neue Leute kennen und findet Trainingspartner für fast jede Einheit. Zudem gibt es meist etwas zu trinken oder gar ein T-Shirt einen Schuhtest. Natürlich dient das der Kundenbindung und letztlich dem Verkauf, aber was solls? Man kauft ja sowieso seine Ausrüstung, warum also nicht auch dort, wo man so ein Programm angeboten bekommt? Was den Service angeht: Marc Böhme von Laufsport Bunert Essen hat mir meine ON Cloudsurfer anstandslos neu bestellt und umgetauscht, als die nach kaum 100 Kilometern defekt waren. Das ist nicht selbstverständlich, ich empfinde das als tollen Service. Natürlich laufe ich auch das eine oder andere Trainingsutensil beim Discounter, es geht finanziell ja gar nicht anders. Aber Schuhe und mein Wettkampfoutfit kommt dann doch eher vom Dealer meines Vertrauens.

Ich fühlte mich irgendwie rundherum gut, denn die zwei mal drei Kilometer war ich fast wie von alleine im MRT gelaufen. Ich hatte dieses Gefühl, bremsen zu sollen und nicht, das Tempo halten zu müssen. So war es in Frankfurt im Oktober 2012, als ich meine damalige PB um fast 9 Minuten pulverisiert hatte. So war es nicht in Hamburg 2014. Irgendwie habe ich die tiefe Überzeugung, dass es in diesem Jahr gut wird.....warten wir's ab.

Dienstag, 31. März 2015

Mit Niklas durch die Heide

Kennt Ihr das? Die Generalprobe ist geglückt und man versinkt in einer gewissen Selbstzufriedenheit, man möchte am liebsten gar nichts mehr machen bis zum Tag X. So etwas in der Art überkam mich am Sonntag gemeinsam mit meinem Muskelkater in den Waden, der ein Zechen dafür war, dass mein Fahrgestell mir den Lauf am Samstag doch ein wenig übel genommen hatte. Nun ja, der Sonntag bestach bereits beim ersten Blick aus dem Fenster mit heftigen Windböen und kurzen Starkregenatacken, keine besondere Motivation also, meine 30 Minuten regenerativ zu absolvieren. Das sind dann so die Momente, wo ich mir das sonst so verachtete Laufband in meine Wohnung wünsche. Hab ich nicht, es schüttete im Laufe des Tages immer stärker und mein durch den LAuf vom Vortag belastetes Immunsystem könnte mir die kleine Seerunde mit einem fetten Erkältungsrückfall heimzahlen. Also ließ ich meine Claudia ihren Streak alleine laufen und schwang mich zur Vorberichterstattung des Länderspiel-Knallers in Georgien nach langer Zeit mal wieder auf mein Spinnig-Rad im Schlafzimmer. Mit einer Auffahrt auf den Col du Galibier - leider im Nebel - auf dem Laptop vor meinem Lenker ging es 30 Minuten lang ganz gut, das Laktat sollte auch damit und ohne Erkältungsgefahr aus meinen Waden verschwinden. Warum war ich nur schneller als der Radler im Video? Ach ja, ich hatte ja den Widerstand nicht so stramm eingestellt, sollte ja nur REG werden.
Montag morgen noch kurz ins Büro, meinen Osterurlaub einläuten und danach kurz mit meinen Mädels zum Shoppen nach Essen. Danach studierte ich den Trainingplan, den ich von Trainer Roman für die Zeit des Kurses nach der agbeschlossenen WLS erhalten hatte und stutzte mächtig. Er unterschied sich wesentlich von meinem Wien-Plan, der ja noch zwei Wochen lief. Oder war es eine Reaktion auf den ursprünglich ja nicht so geplanten schnellen HM am Samstag? Seht selbst:
Ursprungsplan diese Woche

Der neue und vom Trainer wieder verworfene Plan - den Donnerstag fand ich vor dem Marathon grenzwerteg....

Ich schrieb dann mal vorsichtshalber den Trainer an, damit hatte sich das Training für den Montag auch erledigt und ich beschloss, es am Dienstagvormittag zu absolvieren. Was macht man auch sonst im Urlaub? Leider hörte ich bereits kurz vor oder besser während des Aufwachens Niklas an den Rolläden rütteln und den Regen plätschern. Das ist nicht der Freund meiner Tochter sondern das Orkantief, welches uns gestern angedroh worden war. Schlechte Wetterprognosen stimmen ja leider meistens.  Egal, heute würde gelaufen werden, weitere Schlampereien im Trainingsplan gehen auch 13 Tage vor dem Tag X nicht! Ich dachte mich die weitgehend baumfreie Runde durch die Vierbaumer Heide aus, wohl wissend, dass diese extrem windanfällig ist, aber zumindest kann mir da unterwegs höchstens der Himmel auf den Kopf fallen. Auffällig mit Neon-Regenjacke und Cap gekleidet. Ich lief so los, dass ich den Gegenwind gleich zu Beginn genießen durfte. Über wirtschaftswege zwischen vereinzelten Gehöften vorbei stemmt ich mich mal frontal, mal seitlich gegen den Wind. Besonders seitliche Böen erwiesen sich als tückisch, vor allem, wenn sie während der Flugphase einsetzen. Teilweise lief ich mit erheblicher Seitenneigung, muss ziemlich lustig ausgesehen haben. Weniger lustig ist, dass dir die Sturmböen beim einatmen fast die Luft wegbläst. Es ist gar nicht so einfach, wenn man gegen den entstehenden Unterdruck die Luft einsaugt. An einer größeren Straße sah ich bereits von weitem die Bescherung, ein hölzernes Buswartehäuschen lag komplett aus der Verankerung gerissen auf der Straße. Von dem Häuschen hätte ich auch nicht gerammt werden wollen. Trotz gefühlt lockerem Lauf fällt die Pace niemals unter 5:15, auch wenn es einem gegen die Böen so vorkommt. Vorbei an vereinzelten höheren Bäumen linse ich schon ängstlich nach oben. Kann man es sehen, wenn sich ein dickerer Ast löst? Ich denke, dass von vorne aus dem Gegenwind kommendes "Fallgut" aufgrund der Sichtbarkeit nicht so gefährlich ist als von hinten kommendes.Denke ich jedoch über mein Lauftempo und mein Befinden nach, dann geht es mir wunderbar. Ich laufe so locker vor mich hin, wie es einem REG/GAT 1 Lauf entspricht und mein Puls befindet sich absolut im grünen Bereich. Werde ich mein großes Ziel erreichen, den Vienna City Marathon unter 3 Stunden und 10 Minuten zu finishen? Was, wenn da auch solche Verhältnisse herrschen? Dann würde der abgesagt, Du Blödmann. Und dann würde ich beim Sparkassen-Marathon am 9.Mai einen neuen Versuch starten und den Seilersee zum Abseilersee werden lassen, basta! Ich fühle mich psychisch absolut auf der Höhe und dieser wunderbare Lauf durch die tobenden Elemente bestärkt mich in einem gewissen Gefühl der unbesiegbarkeit. Kennt Ihr solche Momente? Es ist keine Arroganz, es ist eine tiefe Überzeugung, dass es in diesem Jahr klappen wird, gespeist vom uhrwerkgleichen gelaufenen Halbmarathon am Samstag und dem guten Gefühl und der guten Pace heute. Durch die Wege zwischen den frisch umgepflügten Felder, zwischen deren Furchen teilweise braunes Wasser in Sturm hin und her schwappt weht der Wind nun von schräg hinten und so wird es vorläufig bleiben. Die Pace steigt automatisch unter 5 Min/km. Aber es geht mühelos. Ich plane die weitere Runde und will durch Budberg nach Eversael laufen, immer den Radweg an der wenig befahrenen Landstraße entlang. Dort weht es richtig von hinten und ich habe richtig Spaß.

Die Flugphase verlängert sich fast um das doppelte, so fühlt es sich zumindest an, und die Pace geht auf 4:38 hinauf. In Eversael, einem einsamen Dorf im Orsoyer Rheinbogen angekommen, wird es etwas ruhiger. Am ehemaligen Dorfgasthof biege ich wieder ab in den Seitenwind. Hier hatten Claudia und ich vor 24 Jahren unsere Hochzeit gefeiert, inzwischen ist er nur noch für Veranstaltungen buchbar. Sofort merkt man den Seitenwin wieder unangenehm beim einatmen, aber zumindest bleibt es auf meiner Rund trocken. Einen Abzweig zur einer möglichen Alternativroute lasse ich aus, weil, dort doch mehr Bäume stehen, als ich erwartet hatte. Dann  eben über den Radweg der Landstraße Budberg-Orsoy zurück! Und dort habe ich nochmal richtig Spaß beim Segeln. Ich breite meine Arme in der Flugphase aus und lache mich kaputt, während der Sturm mich bis auf unter 4 Min/Km  beschleunigt, ohne dass mein Puls wesentlich ansteigt. Natürlich nur während einzelner Böen, aber das ist hier auf der baumlosen Ebene des Niederrheins echt spaßig. Witzigerweise erreiche ich genau nach den veranschlagten 80 Minuten unsere Hauseinfahrt. Ich habe Glück gehabt, nichts auf den Kopf bekommen zu haben, habe es aber auch nicht herausgefordert. Jedes Restrisiko kann man im Leben nicht vermeiden. Und meine Psyche ist stabiler denn je. ICH WERDE ES SCHAFFEN.