Sonntag, 17. April 2016

Vor den Schatten großer Ereignisse


Das Training geht weiter. Nach dem schönen "Rund um Rheinberg" belohnte mich das Wetter am Montag wieder mit einem herrlich sonnigen und relativ warmem Abend. Trotz des vollen Bauchs nach dem Abendessen - langsam gewöhne ich mich daran - ging es gut los. Bei km 1 musste ich kurz geschäftlich an den Baum, zwei andere mir unbekannte Läufer überholten und ich konnte die beiden als Bremse nutzen. Man kam ins Gespräch was man so läuft. Sagt der eine zu dem anderen: "Es gibt wirklich solche Leute, die laufen hier ganz normal rum!" Wir mussten alle drei lachen. Als ich mich bei km 6 am Waldsee von ihnen verabschiedet hatte, muss mich die untergehende Sonne und das Gezwitscher der Vögel wohl besonders motiviert haben.


Jedenfalls war ich plötzlich bei einer 4 vor der Pace. Das wollte ich nun nicht riskieren. Ich hörte in meinen Oberschenkel hinein, denn es lief so gut. Nein, nein, bremsen und vernünftig bleiben. Wenn jetzt etwas passiert, sind Sixdays und TTdR gefährdet. Und ich muss froh sein, wieder so schnell so gut im Training zu sein. Am Ende standen 11 km im Schnitt von 5:34 auf dem Tacho, so war es gut und genug Kilometer waren es auch. Dienstag wie immer nur Stabi-Training mit der Ausdauerschule. Mittwoch dann mal wieder nach dem Abendessen los. Wie gesagt, langsam gewöhnt sich mein voller Magen. Nach etwas mehr als einem km bemerkte ich Schritte von hinten, die schnell aufholten. Es war Michael, früherer Fußballkollege und natürlich auch Läufer. Sonst wäre er ja in diesem Moment nicht da. Wir beschlossen, zusammen weiter zu laufen und ich musste von Kapstadt und dem TOM berichten. Wenn man so quatscht, wird man irgendwie immer schneller. Egal, dachte ich. Es stand eh 40 Minuten GAT 2 auf dem Plan, auch wenn ich kein Tempo machen wollte. Solange die 5 vor der Pace steht, sollte es gehen. Es ging auch. Nach 9 Kilometern - Michael hatte 10, denn er wohnt etwa 500 m weiter - standen 9 Kilometer im 5er Schnitt zu Buche. Trainingsplan des Schleifers ja fast eingehalten. Aber es ging mir gut. Nur halt jetzt nicht übermütig werden und morgen dann mal deutlich langsamer.


Donnerstag stand das erste Training des neuen Sommerlaufkurses der Ausdauerschule by Bunert an. Die beliebten "Laufspiele", Lauf ABC und irgendwelche Ausfallschritte , dazu komische Fangen-Spiele und so etwas. Das wollte ich meiner Muskulatur nicht antun, denn schnelle und unüberlegte Übungen können zum Verhängnis werden, wenn man auf gereizte Nervenstränge achten muss. Ich wollte mich mit Lauffreund Werner auf die 10 Kilometer-Runde hier an der Sechs-Seen-Platte in Duisburg machen, während die anderen ihre "Laufspiele" absolvierten. Werner läuft am Sonntag in Hamburg den Marathon und will Trainerin Sigrid unter 4 Stunden ziehen. Wir sind beide zwei Jahre zuvor in Hamburg gelaufen (http://alt.laufen-in-dortmund.de/stories/2014/hh.htm - Ein harte Kampf in Hamburg), kennen Strecke und deren Tücken. Werner will langsamer angfangen, dann schneller und am Ende wieder ewas langsamer werden Greif-Light-Taktik sozusagen. Ich bin skeptisch, ob es das Richtige ist. Aber Werner ist auch ein erfahrener Marathoni, er und Sigrid, der ich es wirklich wünsche, die 4h zu unterbieten, werden es schon richten. Wir laufen abseits der ausgeschilderten 10er Runde, ich selbst hätte mich wohl verlaufen, aber Werner kennt sich bestens aus. Wir haben genau 10 km auf der Uhr, fast exakt in Werners geplantem Marathon-Renntempo für Hamburg. Mit vielen Guten Wünschen an die "Hamburger" verabschieden wir uns, auch Freund Marco hat sich ja noch kurzfristig einen Startplatz besorgt und ich mahne zur Besonnenheit, denn die Riesenbecker Sixdays sind nur zwei Wochen nach dem Marathon am Sonntag.
Freitag nimmt Claudia mir die Entscheidung ab, ob ich am Nachmittag noch laufen gehen soll. Denn sie hat die Winterreifen von Schwiegermutter geholt, wo wir sie über den Winter einlagern. Also an zwei Fahrzeugen Reifen wechseln statt laufen. Dafür holte mich die Post wieder ins Läuferland zurück. Die Startunterlagen der Riesenbecker Sixdays waren gekommen! Startnummer, Transponder (je einen Einwegtransponder für zwei Tage), Rennzeitung mit Teilnehmerliste, in der auch ich mit zwei Fotos der letzten Veranstaltung abgebildet bin. Streckenbeschreibung.
Ich lese das alles, obwohl ich es kenne. Wir waren ja schon 4 mal da. Aber es nimmt mich sofort in Beschlag. Diese Veranstaltung werde ich wohl nicht mehr los. Ich finde das ganz toll, was Michael Brinkmann und sein Team da über zwei Jahre hineg immer auf die Beine stellt. So ein Etappenrennen ist halt nicht nur ein Wettkampf. Auch wenn ich dieses Mal nur mit gebremstem Schaum laufen kann. Ich habe einmal geschrieben "Ich lebe diesen Lauf", das war 2012, als ich dort mein bestes Ergebnis erzielen konnte. So ist es wohl. Das wird mir zu Hause auf der Couch wieder klar.
Für den Wochenendlauf war ich etwas unschlüssig. Irgendwie juckte es mich in den Füßen, einen der ausgefallenen Trainingsläufe zur TTdR "nachzuholen". So überlegte ich ernsthaft, am Samstag ganz früh zum Baldeneysee hin zu laufen, von uns eine Strecke von 34 Kilometern. Zusammen mit den geplanten 28-30 dort hätte ich einen schönen langen Trainingslauf. Claudia überzeugte mmich davon, es sein zu lassen und vorsichtig zu sein. In Iserlohn am Seilersee wollten wir in der nächsten Woche 100 in der Nacht laufen, zwei solche Wochen hintereinander könnten gefährlich für meinen Oberschenkel werden. Nach reiflicher Überlegung verwarf ich den Plan. Es erscheint mir etwas verwegen, mit drei Marathonläufen, zwei 56-Kilometer-veranstaltungen und einmal 100 km die 230 Kilometer an zu gehen, aber rettet mich da ein 64-Kilometer Training? Oder ist die Gefahr größer, sich "was weg zu holen"? Ich setze auf meine Grundfitness, meine mentale Stärke und die Erfahrung und lasse es sein. Pfingstsonntag weiß ich mehr. Es ist wie es ist. Also diese Woche "nur" 75 Kilometer, nächste wieder deutlich über hundert. Bei den Sixdays dann nochmal 130 in 6 Tagen. Das wars dann mit Training.
Samstag steht ein Schuhtest am Baldeneysee beim Lauftreff von Marc Boehme's Laufsport Bunert Essen an. Der finnische Hersteller Karhu will zurück in den Markt, die Marke gab es wohl in den 80ern bereits. Das erste Paar ist mir zu hart in der Sohle, das zweite fühlt sich nach den Testschritten besser an. Also ab damit auf die erste Runde. Wir unterhalten uns nett mit einer Läuferin der WAZ, die im Zuge der Vorberichterstattung des Essener Firmenlaufs hier einmal mitläuft.

Das Modell, welches ich getestet habe, lief sich über 14 km gut und unauffällig, war relativ leicht. Leider waren nur sehr wenige Größen da, so dass meiner doch eher 1/2 Größe zu klein war. Die Schuhe sind etwas fester in der Dämpfung, geben dafür gewisse Stabilität, was auf langen Strecken nicht unbedingt von Nachteil sein muss.Die Sohle war für wechselnde Beläge geeignet, vielleicht nicht gerade für Hardcore Trails. Bin Wiese, Matsch und Schotte neben dem üblichen Asphalt gelaufen. Kann mir durchaus vorstellen, auch eine längere Strecke damit zu laufen. Design war durch aus in Ordnung, wobei mir das mit dem Großen Bärenkopf an der Seite deutlich besser gefallen hat, der kleine Plastikbär wirkt auf mich eher billig. Ich bin jetzt aber ein eher schlechter Schuhtester, weil meine Füße relativ unproblematisch sind. Gerne würde ich das Modell mal über lange Distanzen testen.
Die erste Runde Baldeneysee war somit recht schnell um, ein halbe Dose finnisches Bier vom Schuhtester getrunken, schon ging es weiter. Da leider nur noch Andreas, Frank und Michael die zweite Runde mit uns laufen wollten, die aber nicht warten wollten, bis Claudia den Testbericht ausgefüllt hatte, ging es weiter. Wir wollten wieder aufholen und wurden immer schneller. Da die drei auch schneller als in 6er Pace unterwegs waren, bedeutete dies für uns 4-5 Kilometer deutlich schnelleres Tempo, in der Spitze durchaus bei 5:10-15 pro Kilometer. Kurz vor der "Holzbrücke" die eigentlich eine Stahlbrücke ist, wegen Ihres Laufbelags aus Holzbohlen aber so genannt wird,hatten wir sie eingeholt und setzten die Runde bei deutlich reduziertem Tempo fort. Unsere Begleiter waren deutlich mitgenommener, Andreas musste einige Kilometer vor dem Ziel auf "Gehen" umschalten. Am Kettwiger Wehr, wo man wegen der Treppen aus dem Rythmus kommt, war auch Michael am Ende. Nach 28 Kilometern - immerhin sein längster Lauf - geht auch er den letzten Kilometer. Mit Frank kommen wir am Auto an. Nicht fertig, aber durchaus gefordert. 29 Kilometer in 5:43er Pace mit einigen schnelleren Zwischenkilometern fanden wir beide ganz ordentlich.

Sonntag blieben dann noch 16 Kilometer. Doch zuerst wollten wir unsere Lauffreunde im Netz und TV beim Hamburg-Marathon zu verfolgen. Die Runde danach führte uns auf dem weitest möglichen Weg um Lohheider See und Waldsee, vorbei an kurzen Schauern und zum Ende in die Sonne. Eine schöne Laufwoche geht zu Ende. Und das Ende der vier wettkampflosen Wochen zwischen Kapstadt und dem Seilersee .Das nächste Wochenende dort wird stressig, aber auch schön. Und dann kommen schon fast die Risenbecker Sixdays. Bloß von dem Megading danach ablenken. Bis bald. 
Ach ja, Freund Marco hat heute in Hamburg beim Marathon seine PB um 7 Minuten verbessert. Drei Wochen nach dem Ultra in Kapstadt. Zwei Wochen vor den Sixdays, die ich mit ihm gemeinsam laufen will. Er ist gut drauf. 




Sonntag, 10. April 2016

Von Südafrika zu "Rund um Rheinberg"

Kapstadt ist gelaufen. Darüber bin ich natürlich sehr glücklich. Einmal, dass ich es überhaupt laufen konnte, wobei hier die Betonung auf "laufen" liegt. Denn es wäre ja auch denkbar gewesen, dass sich die Verletzung zurück gemeldet hätte und ich dann gehend und eventuell sogar noch unter Schmerzen soeben noch das Ziel im Zeitlimit hätte erreichen können. So war es nicht, ich konnte normal laufen mit etwas Achtsamkeit bergab. Den kompletten Bericht könnt Ihr ja unter http://laufen-in-dortmund.de/two-oceans-marathon-kapstadt-rainbow-nation-comes-alive lesen. Es lohnt sich, mehr über diesen wundervollen Lauf in diesem wundervollen Land zu erfahren.

Damit war aber auch klar, dass jetzt das TorTour-Training weiter gehen muss. Denn das Jahr hat nach dem soeben erlebten touristischen Highlight ja auch noch eine sportliche Perspektive. Ich habe noch Zeit bis zum 15.5. und bereits zwei 60-Kilometer-Einheiten verpasst, nämlich den 6-h-Lauf Münster und den Trainingslauf an der Ruhr Ende Februar. jetzt darf man nicht den Fehler machen, und das Versäumte "nachholen" wollen, denn Training kann man nicht nachholen. Es ist wie es ist und nun zu viel zu wollen könnte fatal werden, denn einen neuen verletzungstechnischen Rückschlag würde ich mir nicht mehr erlauben können.

Der "Ausfall" aus dem Monat März, erst am Ende ging es wieder

Was plane ich also? Nun, die Woche nach Kapstadt und Ostern habe ich noch Urlaub. Die wurde dergestalt genutzt, dass ich mich langsam wieder ans regelmäßige Laufen gewöhne. Tempo ist absolut tabu, nur was locker geht, wird gelaufen. Ostermontag ließ ich meine Claudia noch alleine auf die Runde gehen, ab Dienstag war ich wieder für eine 10-Kilometer-Runde dabei. Nach drei Tagen war am Freitag ein Tag pause, ehe am Samstag beim Lauftreff von Laufsport Bunert Essen die erste längere "Kante" in Form von 30 + km anstehen sollte. Verging die erste langsame Runde mit einigen Bekannten und unterhaltsamen Gesprächen noch wie im Flug, so zog sich die zweite Runde relativ zäh dahin, als ich mit Claudia unterwegs war. So ganz viel hat man nach zwei komplett gemeinsam verbrachten Urlaubswochen eben nicht mehr zu erzählen. Zudem hatten wir nichts zu trinken mitgenommen, der halbe Pappbecher Dextro, den Mark Böhme ja immer gerne zur Verfügung stellt, war wohl für 30+ bei Sonnenschein doch etwas wenig. Aber so ist es jetzt halt, trainieren wir halt den Körper, mit wenig auszukommen. Am Ende waren es dann nach zwei Runden knapp 34,5 Kilometer in einem Tempo von 5:53 pro Minute, etwas zu schnell obendrein also. Mit dem netten Lauf bei erneut schönem Sonnenschein um das Binsheimer Feld am Sonntag endete die erste richtige Trainingswoche mit gut 78 Kilometern und einem langen Lauf. Das ist mir eigentlich zu wenig, aber ich möchte auch nicht zu schnell zu viel machen. Vorsicht halt.

In der letzten Woche dann eine etwas andere Planung. Sven hatte in den Trainingsplan schon 6 Einheiten eingepflegt. Über die Umfänge kann man streiten, aber uns ist eh klar, dass wir das Ultratraining nicht nach Trainingsplan der Ausdauerschule absolvieren können. Daher werde ich ab nun auch auf die Veröffentlichung der Pläne verzichten und nur noch das "Ist" abbilden. Dafür ist Ultra zu speziell, das soll hier auch keine Kritik an der Ausdauerschule sein. Ultras wissen, wovon wir reden. Auf den Two Oceans hatte ich mich, solange ich fit war, optimal mit gezieltem Aufbau einer gewissen Grundgeschwindigkeit über längere Distanzen vorbereitet. Jetzt geht es ans Kilometer sammeln und den Körper an Belastungen zu gewöhnen.
Also ging es am Montag abend erstmal alleine los. Da man am ersten Tag nach 2 1/2 Wochen Urlaub selten pünktlich aus dem Büro kommt, startete ich gleich nach dem Abendessen. Mit vollem Bauch läuft sich nicht gut, aber auch das will ja trainiert werden und es lief dafür relativ gut. Bei angenehmen Temperaturen von 17 Grad, eine herrlichen Sonnenuntergang lief es sich auch um diese Zeit hervorragend. Es ist toll, wenn auf einer spiegelglatten
Abendstimmung am Lohheider See
Wasseroberfläche sich das Licht in der Dämmerung minütlich völlig verändert, wenn das Abendrot ein magisches Glühen an die Stämme der Bäume zaubert, zwischen denen das Wasser und der sich darin spiegelnde Himmel zu sehen ist. Was schert da Tempo oder irgendetwas? Einfach mal laufen lassen und sich freuen, dass es geht. Eien Stunde mit vollem Bauch in 5:32er PAce ist ja auch nicht sooo schlecht. Dienstag lies ich das Laufen aus, mit dem Stabi-Training am Abend in Duisburg ist mir das zu eng. Dafür ging es am Mittwoch wieder alleine los, die ersten Meter schien es zu regnen zu beginnen, also ließ ich mir noch schnell meine Regenjacke geben. Um dann fest zu stellen, dass es aufhörte und das Ding im Gund zu warm war. Egal, es hielt wenigstens den kräftigen Gegenwind ab, der mir auf der gewählten Feldrunde besonders entgegen blies. Dank des Gegenwindes ging es noch deutlich flotter als am Montag, denn man versucht ja immer, dagegen an zu kämpfen. Das Tempo von 5:16 konnte ich aber eine Stunde lang gut halten. Ist zwar im Grunde zu schnell, beruhigt aber dergestalt, dass die Grundgeschwindigkeit nicht ganz weg ist.
Donnerstag war noch trainingsfrei, und wie wir in der Vorwoche dann mal am Lauftreff vom Runnerspoint im Forum Mülheim mit Marcus Kintzel teilgenommen hatten,

ging es nun zum Lauftreff von Laufsport Bunert Duisburg und Karsten Kruck. Gab es in der Vorwoche bei Marcus einen Salomon-Schuhtest, so stand hier Adidas Pure Boost im Testangebot. Aber da es ein Frauenschuh ist, war ich raus aus der Nummer. So'n bisschen war ich eh raus, denn da ich beim Einpacken meiner Sporttasche Laufhose mit Oberteil verwechselt hatte und dies erst beim Umziehen im Büro bemerkte, als Claudia schon unterwegs war, ging es halt klassisch im Trainingsanzug los. Na ja, mit 6er Pace sollte es gehen. Nach Hinweg durch den Duisburger Wald ging es einmal um die Regattabahn, wo wir noch auf Werner, Svenja und Marinja trafen, die zu üblicher Trainingszeit zusammen ihre Intervalle absolvierten. Deutlich entspannter ging es bei uns zu, mit lockeren Gesprächen kamen aber auch wir auf gut 10,5 Kilometer. Für Samstag hatten wir einen langen Lauf geplant, da nichts in der Gegend stattfand und uns "Rund um Solingen" für meine Verletzung mit den vielen Bergabpassagen zu gefährlich ist, schrieb ich einfach einmal einen Trainingslauf "Rund um Rheinberg" aus. Einmal unsere Stadt zu umrunden, erschien mir eine gute Strecke und Vermessungen auf Gpsies ergaben ca. 57 Kilometer. Uns war klar, dass auf meine Ausschreibung nur eine Woche vorher bei dem Alternativprogramm an diesem Wochenende nicht viele melden würden. Einige Laufkolleginnen oder -kollegen müssen halt auch am Samstag arbeiten. Das ist sehr schade, aber wir möchten einfach den Sonntag in aller Ruhe verbringen, nicht zu früh aufstehen müssen und vor allem nicht gleich nach der Rückkehr von solch einem langen Lauf die Arbeitswoche vor der Brust haben. Wir würden in jedem Fall laufen, auch zu zweit. Yvy und Henning wollten uns zumindest auf einer Teilstrecke begleiten, kurzfristig kam auch noch Alois dazu. So konnten wir bei herrlichem Wetter pünktlich um 10 Uhr in Orsoy am Rheinufer starten.
Start zu Fünft
Um und durch den großen Orsoyer Rheinbogen ging es nach Rheinberg, das über die historischen Wallanlagen umlaufen wurde. Kurz vor den Solvay-Werken ging es entlang der Fossa Eugenia Richtung Ossenberg wieder an den Rheindeich. Wir hatten viel Spaß unterwegs, zwischen Schafherden, gerissenen Enten und wunderschöner Natur im Rheinbogen. Kurz hinter Ossenberg verabschiedeten sich Yvy und Henning und Claudia, Alois und ich setzten unseren Weg alleine fort. Über Wallach, Niederwallach und Wesel-Büderich orientierten wir uns dann am Salzbergwerk vorbei wieder Richtung Westen und Borth. Hier müssen wir leider durch den Ort, denn echte Umgehungsfeldwege gibt es hier nicht.
Naturschutzgebiet Orsoyer Rheinbogen

Verdientes Hefeweizen mit Alois und Claudia in Orsoy
Den Schlenker zum Bergwerk verpasste ich vorher, denn im strahlenden Sonnenschein war mein Handy-Display kaum zu lesen. Borth wurde rasch durchlaufen, dann über den Alpener Ortsteil Drüpt über die alte Römerstraße nach Millingen. dieser Streckenteil war gerade nicht so schön. Über Alpsray ging es dann auf Kamp-Lintforter Stadtgebiet, um die Müllverbrennung Asdonkshof herum, ehe es dann an der Grenze zu Moers am "Kohlenhuck" wieder grüner und ländlicher wird. AN einem kurzen Straßenstück wurden wir fast noch Zeugen oder gar Opfer eines übermütigen Rasers, der auf der Rad- und gehweglosen Straße fast doppelt so schnell wie erlaubt unterwegs war und in der Doppelkurve direkt vor uns beinahe die Beherrschung über sein Fahrzeug verloren hätte. Es trudelte bereits, er konnte es aber gerade noch abfangen. Uns wäre nur der Hechtspung in den Straßengraben geblieben, der junge Raser wäre sich mehrfach überschlagend in den Feldern gelandet. Alois, der hinter mir und vor Claudia lief, war bereits drauf und dran, mit Claudia unterm Arm in den Straßengraben zu hechten. So ein Idiot. Wenn die sich nur selbst zerlegen, sei es drum. Aber wäre Gegenverkehr gekommen oder hätte er uns mitgenommen.....lassen wir das. Tempo 50 gilt da nicht umsonst. Auf den Schreck bogen wir dann mal in Vierbaum wieder Richtung Lohheider See ab. Unsere Idee, am Biergarten im alten Kreisbahnhof uns ein Weizen zu gönnen, erwies sich als undurchführbar, denn bei schönstem Wetter hatte der am Samstag Nachmittag zu. Er scheint es ja nicht nötig zu haben, Spaziergänger waren genug unterwegs. Unser Bier bekamen wir dann im Ziel in Orsoy. Insgesamt hatten wir drei dann 56 Kilometer absolviert, ein wenig kürzer als geplant, aber genug für uns. Mit Alois war es sehr unterhaltsam, die Chemie zwischen uns dreien stimmte einfach. Auch wenn ich immer das Gefühl habe, Alois zu unterfordern. Die gelaufene Pace lag bei 6:06, was für diese Strecke durchaus achtbar ist. Sonntag liefen wir dann noch 12,5 km umd Wald- und Lohheider See aus, wieder Glück mit sonnigem Wetter.
Im Grund läuft das Training ja wieder. knapp 110 km in dieser Woche sind ganz ordentlich, die 56 km konnten ich ohne große Schwierigkeiten absolvieren, ich hätte durchaus weiter laufen können. Und das bei Dauersonne, nur Wasser und einer Salztablette, einem Dextro-Riegel, ein paar Gummibärchen und einem Tütchen Trockenobst aus Südafrika. Dafür haute das Weizen umso mehr rein, das merkte ich auf dem 2 Kilometer langen Weg zurück zu unserer Wohnung. Der Lauf Rund um Rheinberg schreit jedenfalls einmal nach Wiederholung, die Strecke ist nun erkundet und kann mit kleinen Variationen beibehalten werden.
Jetzt eine zwei Wochen regelmäßig trainieren, vielleicht am Wochenende zwei nicht ganz so lange Läufe, dann taucht bereits der 24h-Lauf am Seilersee am Horizont auf.
Ich freue mich erst einmal, dass ich wieder Umfänge laufen kann, das beschwerdefrei. Ich werde nichts riskieren und jetzt irgendwelche Experimente mit Tempo oder zu großen Umfängen machen.
Die TorTour werde ich jetzt schaffen. Egal, wie lange ich dafür brauche.

Sonntag, 13. März 2016

Zu früh gefreut.....oder das harte Kommissbrot von Münster


Es gibt das Wort Katastrophe, dass mir im Zusammenhang mit meiner Verletzung nun mehrfach über die Lippen gekommen ist. Das Wort ist natürlich völlig überzogen, es impliziert Tod, Vernichtung, Zerstörung und unermessliches Leid, den dauerhaften Verlust von Leben, Eigentum oder Gesundheit. Eine Katastrophe ist das, was sich in Syrien und an unseren Grenzen abspielt. Nicht die Verletzung, die einen daran hindern könnte, im Rahmen einer nicht ganz billigen Reise einen unvergesslichen Lauf am anderen Ende der Welt zu verpassen. Damit möchte ich zunächst einmal relativieren, wir benutzen oft vergleiche, die hinken. Ich habe eine intakte Familie mit zwei wunderbaren Töchtern, zu denen das Verhältnis immer in Ordnung ist und war. Ich bin im 25. Jahr mit einer tollen Frau verheiratet, mit der ich inzwischen schon über die Hälfte dieser Zeit ein wundervolles Hobby teile, das sicherlich auch unsere Beziehung bereichert hat und es immer noch tut. Ich habe einen relativ sicheren Job mit einem guten Einkommen, dass uns einen gewissen Lebensstandard ermöglicht und für unsere Töchter gute Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Zukunft zu schaffen erlaubt. Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger. Aber auch ich lebe in einer Welt, die sich immer rasanter verändert. Anspruchsvolle Führungsaufgaben im Job, mehr hierfür nötige Energie, die fehlende Perspektive, dass alles wieder so wird wie noch vor ein paar Jahren lassen auch  mich nicht unberührt. Zumal ich in einem Alter bin, wo gemeinhin die gefürchtete "Midlife-Crisis" lauert. Wo viele Beziehungen zerbrechen, viele berufliche Wege eine entscheidende Wendung in die eine oder andere Richtung erhalten. Bei mir hat sie eine unerwartete Wendung in eine Richtung genommen, die Spaß macht, monetär leider wenig Zugewinn bringt, aber ungleich mehr Energie absaugt, als dies noch vor zwei Jahren der Fall war. Umso wichtiger wird für mich das Laufen. Es gibt mir Ruhe und Ausgeglichenheit, es gibt mit Struktur, es gibt unserer Beziehung einen festen Kitt. Und in diesem Bereich haben wir große Ziele. Das eine ist bald gekommen. Unsere um ein halbes Jahr vorgezogene Silberhochzeitsreise nach Kapstadt mit dem Two Oceans Marathon über 56 km. Eine Traumreise in ein interessantes Land, nicht ganz billig und für uns neben der New York Tour vor drei Jahren etwas, was man sich nicht alle Tage leisten kann. Diese wesentliche Säule meines Lebens, zu der ich das Laufen seit nunmehr fast 13 Jahren zähle, hat nun Risse bekommen. Wer kann einem da die Angst absprechen, dass das gesamte Gebäude welche zeigen könnte? Es wäre eine persönliche Katastrophe, und da ist das relativierte Wort wieder. Aber darf ich mich beschweren, wenn ich dies wundervolle relativ sorgenfreie Leben nun seit 13 fast verletzungsfreien Jahren führen durfte und nun halt einmal etwas zur Unzeit dazwischen kommen könnte?
Aber berichte ich erst einmal der Reihe nach, ehe ich ins Philosophieren abgleite.
Meine Verletzung von der Winterlaufsserie erschien auskuriert, ich hatte wieder langsam mit dem Training begonnen und dies auch - für mich langsam - steigern können. Am letzten Montag, nach dem 13-Kilometer-Lauf in einer Pace von 4:39 mit einzelnen 500-Meter-Abschnitten in einer Pace um die 4:10 wähnte ich mich wieder voll im Soll. Es lief super, auch wenn ich euphorisch anstelle GAT 1 mit 500-m--GAT 2-Abschnitten das ganze mal auf GAT2/3 unabsichtlich erhöht hatte, zumindest von der Pace her. Aber ist es nicht herrlich, wenn es wieder läuft? Mittwoch unspektakuläre 40 Minuten, leider zu schnell und nur wieder gebremst, dass ich einen walkenden früheren Fußballkollegen am See traf und den dann die letzten 2 Kilometer stramm marschierend begleitete. Dann kam der Donnerstag, das Training der Ausdauerschule mit auf dem Plan stehendem Läuferbiathlon. Läuferbiathlon heißt, eine 1,1 Kilometer lange Runde um die MSV-Arena zu laufen und hinter der Haupttribüne am "Schießstand" 5 MAOAM-Bonbons aus 2-3 Meter Entfernung in Schuhkartons zu werfen. Pro Fehlwurf steht dann eine Strafrunde von 50-60 Metern auf dem Programm, das ganze dann insgesamt vier Mal Laufen, also drei Mal dazwischen werfen. Los ging es mit Mark und Peter lief ich gleich vorne weg, wobei ich mit Mark gleich bremsen wollte, denn zu schnell sollte es noch nicht sein. Zumindest schafften wir es, nicht schneller als 4:10er Pace zu laufen. Das ging die erste Runde gut, dann verwarf ich einmal, musste auf die Strafrunde und war alleine, denn Mark und Peter waren fehlerfrei geblieben. Alleine fällt das Bremsen schwerer, unbewusst will man die in der Ferne laufenden Kollegen wieder einholen. Also war ich wohl etwas schneller, ohne sie einzuholen. Das zweite Werfen ging fehlerfrei, ich ging zum dritten mal auf die 1100 m - Runde. Nach wenigen hundert Metern war es soweit. Erst wieder dieses "Muskelkater-Gefühl" im linken Oberschenkel, dann spürte ich den Nerv und der Muskel begann, zu zu machen. Ich blieb sofort stehen, dehnte und merkte beim Gehen, dass es wieder da war. Claudia kam vorbeigelaufen und sah sofort, was los war, sie schickte mich gleich zum Auto und nach Hause. Ich hatte nur etwa dreihundert Meter zu gehen und sortierte sofort meine Gedanken. Vier Punkte stellte ich im Geiste auf:
1. Es hatte sich nicht so schlimm angefühlt wie vor drei Wochen, ich hatte sofort aufgehört und musste nicht 7 Kilometer zu Ende laufen.
2. Bis zum Two Oceans waren es noch 16 Tage, ich hatte 9 Tage gebraucht, bis ich wieder zu laufen beginnen konnte und konnte am 16. Tag wieder die 13 Kilometer beschwerdefrei in 4:39er Pace laufen. Das wäre das Äußerste, was ich in Kapstadt abschnittsweise laufen müsste.
3. Samstag in Münster beim 6h-Lauf würde ich ohnehin ganz langsam laufen wollen, das hatte nach der Winterlaufserie am Sonntag ja auch noch geklappt.
4.Zur Not könnte ich in Kapstadt auch mit einer 5er oder gar 5:30er Pace leben.
Auf der Rückfahrt nach Hause dachte ich dann schon einmal, was ich noch tun könnte. Bis zum Abflug hatte ich Kassenpatient noch 4 Arbeitstage, allzu viele Fehlzeiten könnte ich mir davon im Büro aufgrund der vielen Arbeit nicht leisten. Ich wollte mal den Physio anrufen, wo ich vor 14 Tagen gewesen war.
Als Claudia nach Hause kam, hatte ich schon geduscht. Ich schaute noch ein wenig Fußball, schlief dabei ein und vermied so sinnlose Gedankenspiele. Leider erinnerte mich das Muskelkatergefühl beim Aufstehen gleich an das Malheur vom Vorabend und entsprechend gelaunt muss ich wohl im Büro erschienen sein. Meine Serviceassistentin merkte mir das gleich an, wir sprachen kurz darüber und dabei kam dann heraus, dass Ihr Cousin ein Orthopäde und Sportmediziner ist und sie versprach, mir umgehend einen Termin zu besorgen. Das klappte aufgrund seiner Abwesenheit leider nicht mehr am Freitag, aber am Montag darf ich zum Ende der Sprechstunde kommen. Ich soll meine Laufschuhe und wenn es geht eine Video-Laufanalyse mitbringen. Immerhin, er soll als Sportmediziner durchaus Laufaffin sein. Dafür bin ich schon mal sehr dankbar, so eine Möglichkeit ist leider nicht mehr selbstverständlich. Ich solle keine Wunderdinge erwarten - tue ich auch nicht - aber er täte, was er könne. Ich habe ja leider keinen Arzt meines Vertrauens, denn wenn man nie etwas hat, hat man auch keinen Arzt, zu dem man Vertrauen fassen kann. Mein alter Hausarzt, der hätte was in die Wege geleitet. Aber der lebt leider nicht mehr und war auch schon seit Jahren in Rente. Und der Physio war natürlich leider gerade zwei Wochen im Urlaub. Es sei ihm gegönnt, hilft aber im Moment nicht weiter.
Gut, dass der Tag schnell mit viel Arbeit um ging, am Abend hieß es schon Tasche packen für Münster. Der 6h-Lauf stand an, zu dem wir es erstmalig schaffen würden, waren wir doch in den letzten Jahren immer im Trainingslager gewesen, wenn der in einer der vielen Kasernen in Münster stattfand.
Ich hatte mich jetzt sortiert, gehen ging gegen Abend schon wieder sehr gut, vielleicht könnte ich ja ganz langsam loslaufen und es würde sich sukzessive bessern. Ich packte also ganz normal die Tasche, dann ging es um halb sieben am Samstag ins schöne Münster. Die Sonne ging über einem eisblauen Himmel auf. Leider verschwand diese bei der letzten Ausfahrt vor Münster hinter dichten Wolken. Das sollte ein Menetekel für den Rest des Tages werden, in jeder Beziehung.
Der 6h-Lauf 2016 fand in der Speicherstadt statt, Das ehemalige Heeresverpflegungsamt wurde 1936-39 für die damalige Wehrmacht errichtet, eine Hauptzweck war die Großbäckerei, in der uns ein opulentes Frühstücksbüffet erwartete. Christian Pflühgler hattte sich als Organisator wieder einmal selbst übertroffen. Hier wurden einst die Kommissbrote für die Norddeutschen Wehrmachtseinheiten gebacken, später für die britische Rheinarmee, deren Soldaten hier nach den ersten 1000 Jahren einrückten und bis in die 90er Jahre bleiben. Wir bekamen natürlich (noch) kein Kommissbrot sondern leckere Brötchen in verschiedenen Sorten. Inzwischen ist das Gelände ein Bürokomplex und Gewerbegebiet, der geschlossene Baucharakter und die Architektur ergeben ein tolles Ambiente.
Leider ergibt die von Eisenbahnschienen - Brot und Getreide sollte direkt an den Speichern an bzw. ausgeliefert werden können - ein eher suboptimales Geläuf. Ich war aber mental auf Laufen eingestellt und freute mich mit Claudia über viele Freunde und Bekannte, die wir bereits beim Frühstück trafen. Die Verletzung hatte ich fast verdrängt, als wir gegen 10 Uhr mit über 400 weiteren in der doch leider schneidenden Kälte in der Startaufstellung standen. Ich reihte mich recht weit hinten ein und wollte ganz langsam auf die etwa 2,2 km lange Runde um die Speichergebäude gehen. Los ging es, ich hatte keine Wahl, es musste hier zunächst langsam gelaufen werden.
Etwa ein Läufer pro 4 Meter Laufstrecke mussten sich halt erst einmal verteilen, was aber erfahrungsgemäß recht schnell geht. Ich lief locker los, spürte aber sofort wieder den "Muskelkater" im linken Bein. Während ich mit Frank Sommerkamp, dem Laufbekloppten aus der Ecke, wo die Riesenbecker Sixdays stattfinden, quatschte, merkte ich aber schnell, dass sich auch der auslösende Nerv wieder meldete. Das war es. Während Frank von dannen ziehen musste, war ich raus. Nach gerade 1500 Metern langsamster Pace. Jetzt stieg plötzlich Panik in mir hoch. 14 Tage bis zum Lauf, auf den ich ich seit über zwei Jahren gefreut hatte. Auch der wichtige Trainingslauf für die TorTour - dahin. Wirre Gedanken schwirrten in mir und meine so logischen Punkte 1-4 vom Donnerstag schienen sich in Panik aufzulösen. Nur eines war klar: Für heute war hier Ende. Dennoch ging ich die letzten 500 Meter und überschritt einmal die Zählmatte, damit war ich zumindest gelistet und war Teilnehmer an diesem Weltrekordlauf mit der höchsten Teilnehmerzahl eines 6h-Laufes. Irgendwie war ich nun mental völlig leer. Ich hielt es nicht an der Laufstrecke aus und ging sofort durch die Backhalle zu meinem Auto, um mir etwas über zu ziehen. Eine Erkältung brauchte ich nicht noch dazu, wenn es am Donnerstag schon nach Südafrika ginge.
Mir fielen die Hinweise auf den Massagedienst im Keller auf. Stimmt, den hatte ich beim Toilettenbesuch bereits gesehen. Vielleicht kann das ja schon mal helfen. Für einen angemessenen Obolus konnte man sich hier physiotherapeutisch behandeln lassen. Ich fragte an und konnte als erster Kunde auf der Bank Platz nehmen. Gute 20 Minuten nahm sich ein Physio Zeit, stellte zumindest keinen tastbaren Schaden am Muskel fest und massierte alles wieder locker. Ich überlegte, was ich  nun hier 5 1/2 Stunden machen sollte. Es ist mehr als bitter, innerhalb von zwei Wochen bereits die zweite Laufveranstaltung nur als Zuschauer verfolgen zu müssen. Ich hatte überlegt, in die Stadt zu fahren und nach ein paar Besorgungen für den Urlaub Ausschau zu halten, aber da ich feststellen musste, dass ich mein Portemonnaie zu Hause gelassen hatte, hatte sich das ohne Geld und Karte schnell erledigt. Gut, dass ich in Claudias Geldbörse genug für den Massagedienst fand, Bargeld ist bei uns nämlich immer recht knapp. Das Muskelkatergefühl war trotz Massage nicht weg. Ich hätte heulen können. Was, wenn ich in Kapstadt nicht würde laufen können? Das würde mich wirklich herunterziehen, hätte auch Auswirkungen auf alle Bereiche meines Lebens. Es wäre ein riesiges Stück mentale Arbeit nötig, so etwas zu verarbeiten. Das klingt jetzt in Verbindung zum ersten Abschnitt wieder überzogen, aber wie gesagt: Es geht hier um die manchmal gar nicht so kleinen persönlichen Dramen, die die fragile Work-Life-Balance zum abkippen bringen können. Das ging nicht, Ablenkung musste her. Den ganzen Tag nur anderen beim Laufen zu zu sehen, ist irgendwie Höchststrafe für mich. Ich ging erst einmal eine Runde auf die Suche, nach schönen Fotomotiven. Am Start kam Claudia an, als sie mich im Trainingsanzug sah, wusste sie natürlich sofort, was los war.
Wir umarmten uns kurz, dann schickte ich sie wieder auf die Strecke. Auch ohen große Worte waren es diese drei Sekunden, die mir wieder Energie gaben. DA weißt Du, was ein Mensch in Deinem Leben für Dich bedeutet.
Es war schneidend kalt, die Wolken hatten die Sonne komplett im Griff. Aber dennoch bot die Architektonische Schönheit, die gelungene Symbiose aus Zweckarchitektur der 30er Jahre mit modernen Umbauten aus Glas- und Metallelementen eine Fülle an interessanten Perspektiven.
Es tat einerseits gut, wenn mich fast jeder dritte Läufer fragte, was denn los sei und im Vorbeilaufen sein Bedauern ausdrückte oder aufmunternde Worte fand. Aber irgendwie war das jetzt nicht gut für mich. Nachdem ich die Runde beendet hatte, bot ich mich kurz im Verpflegungszelt zur Hilfe an, aber hier bleiben die Läufer stehen und man kam ins Gespräch. Das war noch schlimmer für mich. Ich hätte hier gerne geholfen, verabschiedete mich aber aus diesem Grunde.
In der Kantine gegenüber der Backhalle wärmte sich gerade Cora mit Ihrer kleinen Tochter und Regina auf. Ich gesllte mich dazu und Cora erzählte von Ihrem Neuseeland-Aufenthalt, von dem sie mit Jesko erst am Montag zurückgekehrt waren. Dazu war das süße Kinderlächeln der Kleinen das, was ich nun brauchte. Wir begannen dann, die "Pokale" - kleine Kommissbrote aus Salzteig - mit Schildern zu bekleben, denn das hatte Christian nur noch zum Teil geschafft. Was für eine Arbeit! Eine Tolle Idee, im Akkord und zu sechst schafften wir das Bekleben mit Aufklebern, Plastikschildchen und Heißklebepistole schneller als gedacht und ich konnte mich weiter nützlich machen. Die Gespräche dabei drehten sich mal nicht um das Laufen, das tat auch mal gut.
Als ich wieder raus ging, waren schon fast vier Stunden vorbei. Ich machte nochmal Fotorunden, unterhielt mich mit dem Moderator und freute mich, wie locker Claudia trotz des harten Geläufes immer noch ihre Runden drehte. Dann waren noch die Sandsäckchen zu sortieren, mit denen die Läufer und Läuferinnen(schreckliche Formulieren, sie trieft so vor scheinheiliger "political correchtness"), ach nee, andersherum ja, die letzte Teilrunde bis zur Schlusssirene Markierten. Dann war es vorbei. Claudia hatte über 61 Kilometer geschafft und damit eine neue PB im 6h-Lauf aufgestellt. Eine gute Nachricht. Ich reichte Ihr gleich die warme Jacke an, damit auch sie sich nicht erkälten mag. Ein tolles Nudelbüffet in der Backhalle verkürzte uns die Wartezeit auf die Siegerehrung. Ich hatte Christian nochmal die Fotos auf einen Stick gespielt, sie sollten allen Läufern zur Verfügung gestellt werden können. Auch dort nochmal ein Tiefschlag für mich, denn mit 120 Kilometern hätten wir die Ehepaarwertung gewonnen. Bei Claudias 61 und einer ähnlichen Leistung von mir, die unter normalen Umständen drin gewesen wäre, hätte wir die schöne Plexiglasbrücke mit dem Vorhängeschloss in Empfang nehmen dürfen, die erstmals hier vergeben wurde. Ein gemeinsamer Titel, könnte es schöneres geben? Aber das mit mir und den Pokalen hatte ja schon in Bertlich nicht funktioniert, es soll wohl irgendwie nicht sein. Pokalallergie oder so, nun ja, zumindest bekam ich ja eines der schönen Kommisbrote als Erinnerung an diese für mich sehr schwierige Veranstaltung. Hartes Brot halt....
So hatte ich den Tag einigermaßen überstanden. Dennoch kommen natürlich gerade jetzt immer wieder die Angst machenden Gedanken. Ich brauche dringend die  nun folgende Auszeit in Südafrika, freuue mich riesig auf das Land und die Reise mit unseren Freunden. Ich will dort nicht den Zweifler geben, nicht anderen die Stimmung verhageln, weil es bei  mir vielleicht wirklich nicht laufen sollte. Man darf einerseits keinen Plan B haben, weil man sich ja auf Plan A fokussieren soll. Aber was, wenn es nicht klappt?
Zuhause beschloss ich, mit Mecki den letzten Joker zu ziehen un ihn anzuschreiben. Mecki war unser Teamchef beim fast legendären 24h-Lauf im Stadion Rote Erde, wo ich 2011 und 2012 die Kontakte in die Ultra-Welt geknüpft hatte. Er ist als Physio für die LGO Dortmund tätig, genießt als "Kneter" einen schon legendären Ruf. Ich weiß, dass er unzählige Läufer kennt und viel um die Ohren hat, aber ich wollte jeden Joker nutzen, den ich noch aus dem Stapel ziehen konnte. Vielleicht könnte er mir helfen. Heute Morgen dann hatte er mir auch tatsächlich geantwortet, wir haben telefoniert und allein die relativ klare Telefondiagnose - bei allen Vorbehalten - hat mir neue Energie gegeben und Mut gemacht. Ich habe auch bei ihm noch einen Termin in Dortmund - hier schreibe ich diesen Namen sogar - bekommen. Ich erhielt einige Anweisungen für die Blackroll und die Verabredung, am Montag nach dem Arztbesuch zu telefonieren. Ich hoffe nun, dass sich dieses Licht am Ende des Tunnels nicht als der entgegenkommende Zug erweisen wird. Nein, ich gehe davon aus. Die Zeit in Kapstadt ist mir jetzt egal, jedes Training bis dahin ist passé, aber damit kann ich gut leben, aber danach muss ja weitergehen. Das Projekt TTdR steht nur 6 Wochen später an. Sich in Kapstadt für diesen Traum kaputt zu laufen würde bedeuten, den nächsten zu zerstören. Auch dieses Projekt hat die Einmaligkeit, etwas gemeinsam erstmals erreichen zu können. Ich mag mir die Leere nicht vorstellen, wenn das auch ausfallen würden. Aber vielleicht muss ich mich auf so eine Entscheidung einstellen.
Komme ich also mit diesen nachdenklich-optimistischen Tönen auf den Beginn dieses etwas längeren Artikels zurück. Ja, Katastrophe ist etwas ganz anderes, als in Südafrika nicht laufen zu können. Zumal ich vermutlich nicht der einzige in der Reisegruppe sein würde. Unvergessliche Eindrücke würden mir erhalten bleiben, ich würde mir Mühe geben, die Gruppe nicht durch Miesepeterei herunter zu ziehen. Das geht nur mit dem unerschütterlichen Glauben, dass es klappen wird.
Alles andere überdenke ich morgen. Oder übermorgen. Lassen wir die Kirche also im Dorf.
Wie gesagt, 13 fast verletzungsfreie Jahre sind ein Grund für Dankbarkeit. Und eine Reise nach Südafrika ist kein Grund zum Jammern. Halten wir also die Ohren steif. Und nochmal: Vielen vielen Dank allen, die mir alles Gute wünschen. Ich weiß das wirklich zu schätzen und denke auch, dass das ja irgendwem auffallen muss, der das dann regeln wird. Die unerwartete Hilfe, die mir schon widerfährt, werte ich als Zeichen.

Nkosi sikelel’ iAfrika

Montag, 7. März 2016

Er ist wieder da...

Die Ruhewoche neigt sich dem Ende entgegen. Und pünktlich wird das bisher trockene Winterwetter wieder schmuddelig. Ich bin 9 Tage nicht gelaufen, so lange am Stück habe ich schon ein paar Jahre keine Pause gemacht. Und es hat mir erstaunlich wenig ausgemacht. Klar, es juckte in den Füßen, insbesondere am Sonntag, als Claudia beim Testlauf für die TorTour de Ruhr unterwegs war. Es war zwar kalt, dennoch war das Wetter herrlich. Was sollte ich da den ganzen Tag? Ich bin halt mit dem Auto mit gefahren, habe damit gleich mal den Taschentransport für die Lauf erledigt und habe mich als Fotograf und Kameramann für diesen Vidoebericht betätigt. 
Das lenkt ab.Meine muskulären Probleme schienen erledigt, aber dann wollte ich nicht zu früh wieder einsteigen, sondern bewusst die zu Beginn vorgenommene Pause einhalten, um gerade im Zusammenhang mit der anstehenden Kapstadt-Reise nichts zu riskieren. Was ist passiert? Nichts. Ich lebe noch. Es fehlte etwas. Gut, dass im Büro genug Arbeit war, dann bleibt man eben ein wenig länger.
Jedenfalls war es nun Mittwoch, ich machte früh Dienstschluss und war um 16:45 Uhr pünktlich zu Hause. Nur eine Runde um den See.“Wenn es gut läuft, hänge ich noch eine Waldrunde dran“. „Lass es lieber!“ mahnte Claudia mich zur Vorsicht und mit diesen Worten im Ohr trabte ich dann mal los auf meine Hausrunde. Ich musste mein Tempo regelmäßig zügeln, horchte natürlich immer wieder in meinen linken Oberschenkel. Realistisch betrachtet war da aber nichts. Meine Hüfte merkte ich ein wenig, dass schien aber eher vom Rücken zu kommen und könnte daran gelegen haben, dass ich eben diese Laufpause gemacht hatte. Meine Bandscheibe ist neunmal vorgeschädigt und deshalb hatte ich ja damals mit dem regelmäßigen Laufen überhaupt angefangen. Ich schaffte es, mir die extra Waldrunde zu verkneifen, was aber auch daran gelegen haben könnte, dass es beim Abzweig gerade einmal kurz, aber heftig schauerte.

Ich sollte zufrieden sein, mit einer Pace von 5:15 war ich 6 Kilometer gelaufen.Und objektiv betrachtet auch beschwerdefrei.
Donnerstag Abend wieder das Training mit der Ausdauerschule, 4 x 5 Minuten GAT 2-3 standen auf dem Plan und ich nahm mir vor, nicht mit der schnellen, sondern nur mit der mittleren Tempogruppe zu laufen. Gerade beim Tempo war es ja passiert und damit sollte ich langsam anfangen. In diesem Kurs wird die mittlere Gruppe aber von Schleifer-Sven geleitet, das sollte mal wieder für Qualität bürgen. Schon das Warmhäusern war relativ zügig, dann würden für die ersten 5 Minuten so 5er Pace ausgerufen, was mir ja entgegen gekommen wäre. De facto würde es dann eine 4:40er Pace. Die ging ganz gut, die nächsten beiden sollten wir dann auf Geheiß des Schleifers etwas zügiger angehen. Die ersten zwei Drittel bleib ich bei der durchaus schnellen Gruppe, danach setzte ich mich ein wenig nach vorne ab. 4:20er Pace. Lief auch ordentlich, ich spürte keine nennenswerten Beschwerden.
Im dritten Intervall ging es dann richtig zur Sache, mit einer Pace von 4:09 war ich nach diesen 5 Minuten nur 20 Meter vor den nächsten der Gruppe. So groß waren die Unterschiede nicht.Claudia musste zwischendurch ein wenig raus nehmen, denn sie hatte Probleme an Achillessehne und Wade. Was aber nach den 57 km am Sonntag durchaus mal möglich sein könnte.
Auch zu Hause auf der Couch spürte ich nicht, dass sich ein Rückschlag eingestellt haben könnte. Noch ein wenig Blackroll nachgearbeitet, dann ging ich relativ zufrieden ins Bett.
Für den Freitag entschied ich mich, dass 50-Minuten-GAT 1 Training noch einmal auszusetzen, denn am Samstag wollten wir „Afrikaner“, also die Kapstadt-Fahrer, mit einigen noch die Oefte-Spezial-Bergrunde mit einer Runde Baldeneysee laufen.
Samstag geht es also dann um 10 Uhr zum See. Andreas und Simone wollten die Seerunde vor uns laufen, dass war uns definitiv zu früh. Marc Boehme war schon auf dem Weg ins Trainingslager nach Andalusien, wo wir auch die letzten beiden Jahre eine wunderschöne Woche verbracht hatten. Dieses Jahr fällt es ja „leider“ Kapstadt zum Opfer. Seine Frau Anja ist da und teilt die Tempogruppen ein. Ich biete dann noch dazu die „Bergruppe“ an und zwei unbekannte Lauftreffteilnehmer  schließen sich uns ebenfalls an. Dann ziehen wir los über das Stauwehr Richtung Kettwig, wo uns der zwei Kilometer lange Anstieg erwartet.
Es läuft bei mir relativ gut, was mir bestätigt, dass ich in der Laufpause nicht viel verloren habe.
Die Oefte-Spezial-Runde hat es wirklich in sich, denn man ist irgendwie bis kurz vor Schluss nie „oben“. Es geht permanent hoch und runter, darunter einige durchaus anspruchsvoll Steigngen. Wir hatten ausgemacht, am Ende einer jeden Steigung aufeinander zu warten und das klappte auch recht gut. Am Ende zeigte unsere Laufreff-Mitläuferin noch einen neuen, schönen Weg den Berg entlang hinunter nach Kettwig.
Wir beschlossen, die Seerunde ausfallen zu lassen. Es kam zunächst von Claudia und Yvy, aber Marco und ich hatten nichts dagegen. Die Steigungen reichten mir und da ich noch relativ beschwerdefrei war, wollte ich es nicht drauf ankommen lassen.
Im Fußball sagt man, dass man genau so langen zum fit werden braucht, wie auch die Verletzungspause gedauert hat. Fasse ich mich also in Geduld.
Mit guten und lockeren 10 Kilometern komme ich in der ersten Woche nun wieder auf 48 Kilometer. Ich denke, für den Einstieg reicht das. Ab Montag läuft der Trainingsplan wieder, beim Two Oceans werde ich dann sehen, wie es läuft. Am anderen Ende der Welt….

Montag, 22. Februar 2016

Der Körper nimmt sich Ruhe

Nach dem Bertlich-Wochenende sollte die kommende Woche mit 40-50 Kilometern ja eine etwas ruhigere werden.
Aber meine wöchentliche "Bergwertung" auf Halde Rheinpreußen musste trotz nur 50 Minuten Laufzeit laut Plan sein. Das schaffe ich von daheim nicht, denn es sind knapp 5,5 Kilometer bis zur langen Rampe auf die Halde. Also fuhr ich mit dem Wagen bis zum Baerler Sportplatz und lief von da aus los. Zunächst traf ich noch einen meiner früheren Fussballer, die ich auf jenem Sportplatz als F-Jugend-Trainer mal zur Meisterschaft gecoacht hatte. er kam mit seiner Freundin aus dem Wald vom Laufen, auch er startete am Samstag bei der Winterlaufserie. Wir wechseln ein paar Worte, dann mache ich ich auf den Weg in den Sonnenuntergang. Zu den Jungs habe ich immer noch irgendwie ein besonderes Verhältnis und das wird immer so bleiben. Das war im Jahr unserer Hochzeit und ist somit fast 25 Jahre her. Das Licht ist herrlich, wenn die letzten Sonnenstrahlen durch die Bäume scheinen. Es lief wieder so zwischen 4:40 und 4:50 von alleine, trotz Marathon am Sonntag. Auch die Rampe zur Halde mit den gut 60 Höhenmetern meisterte ich unter 6er Pace. Das ging jetzt mal wirklich immer besser. Es war ein Wettlauf gegen den Sonnenuntergang, vor der letzten Kurve mit dem letzten fiesen Anstieg bot sich ein Anblick wie das Cover von "Brothers in Arms" von den Dire Straits. Rosa Wolken vor hellblauem Himmel, nur die Gitarre fehlte. Während "Now the sun's gone to hell - And the moon's riding high - Let me bid you farewell - Every man has to die" vor meinem geistgen MP3-Player abgespielt wurde, erreichte ich das Geleucht und machte mich heute ohne Fotostopp wieder auf den Weg hinab, denn das tolle Licht war ebenso schnell wieder weg, wie ich es erblickt hatte.
Zurück am Auto war ich erst bei 42 Minuten, also bog ich noch für ein paar Runden auf den Sportplatz meines Heimatvereins. Eine Jugendmannschaft, so 10-12jährige, trainierten auf dem satten Grün, ich lief außen herum auf der recht ordentlichen Aschenbahn. Und wie durch ein Wunder, ich lief gefühlt genauso locker weiter wie bisher, hatte ich einen Bahnkilometer in 4:16er Pace absolviert. Auch der nächsten gebremste Kilometer wurde noch eine 4:22. Das fiel auf der Bahn irgendwie leicht. Weiß der Teufel, wie so etwas kann.
Zweite Wocheneinheit: 2 x 1000 beim Training der Ausdauerschule. Ich hatte Lust, die mal ein wenig Gas zu geben. Da ich ja beide Läufe laufen wollte, konnte ich jetzt eh nicht unterscheiden, on 7,5er oder 15er Renntempo. Also los. Die ersten 1000 in 4:10. Schneller als 15er PB, vielleicht im Bereich meines 15er Potenzials. Ging doch. Der zweite viel mir leichter, ich blieb an Michael und Mathias dran, überholte Michael sogar am Ende. 3:55. Gute Pace. Aber die auch nur auf 5 Kilometer laufen? Kann ich mir im Moment nur sehr schwer vorstellen.
Freitag dann mal Pause. Samstag meine beiden Läufe bei der Winterlaufserie, darüber kann man hier mehr lesen. http://laufenindortmund.de/zu-besuch-bei-der-winterlaufserie/

Nun hatte ich den Salat. Eine Verletzung, etwas, was ich seit meinen Sprunggelenksproblemen 2014 nicht mehr hatte. Mir war sofort klar, dass ich kein Risiko eingehen durfte. Denn Kapstadt, unsere vorgezogene Silberhochzeitsreise, darf ebensowenig gefährdet werden wie die TorTour.

Für Sonntag hatten wir uns zur "Wildschweinrunde" am Duisburger Kaiserberg verabredet. Sollte ich mitlaufen? Nach dem Aufstehen ging es zunächst ganz gut, es fühlte sich an wie starker Muskelkater im hinteren Oberschenkel, aber nur noch punktuell. Weg war es nicht. Aber die langsame Pace um die 6:30 gingen ganz gut. Es wurde nicht schlimmer. Ich versuchte noch ein paar Übungen, die KIm mir auf der Gymnastikmatte zeigte.  Ich tippte ja immer noch auf einen gereizten Ischias. Montag würde ich zum Physio in der Nähe meines Büros gehen und das mal abchecken lassen, Für solche Sachen halte ich mehr von einem Physio als von einem Hausarzt.
Aber die Tatsache, dass der stechende Schmerz durch den ganzen Muskel schon einem Muskelkaterartigem Gefühl Platz gemacht hatte, gibt mir die Zuversicht, dass es sich schnell wieder regeln wird.
Montag dann beim Physio, er nhm sich eine halbe Stunde Zeit. Probierte alles intensiv durch und schloss dann den Ischias weitgehend aus. Er ertastet eine wahrscheinliche Muskelverletzung ziemlich tief im Muskel. "7-10 Tage, dann sollte es wieder gehen". Das nehme ich jetzt erstaunlich emotionslos hin. Der Two Oceans in Kapstadt darf nicht gefährdet werden. Ich habe jetzt eine erreichbare fachliche Prognose und eine Empfehlung, wie ich diese einw enig mit therapeiren kann. Mehr kann ich jetzt objektiv nicht tun. Die Pause kostet mich in der gefühlt sehr guten Form gar nichts. Ich trainiere ja nicht auf ein kurzes Spitzentempo. Die Ruhe könnte sogar produktiv sein. Und so ganz war ich mit dem für kommenden Sonntag geplanten Trainingslauf auf der Ruhr-Strecke ja nicht einverstanden, ich wollte mir das Erlebnis der Strecke und des Zieleinlaufes eigentlich nicht vorwegnehmen. Ich brauche diesen Lauf für den Kopf nicht, es folgt noch der 6h-Lauf Münster. Bis dahin ist Zeit. Und Kapstadt mit 56 flott ersetzen 70 ruhig. Ich mache mir keine Sorgen. Das bringt nichts.
Ob ich noch so ruhig bin, wenn sich bis nächste Woche um diese Zeit nichts getan hat, weiß ich nicht. Aber darüber will ich dann nachdenken.

Sonntag, 14. Februar 2016

Tempowoche mit Abschlussmarathon in Bertlich

Nach den 144 Kilometern von Mittwoch bis Freitag in der letzten Woche war erste einmal Erhohlung angesagt. Rosenmontag war arbeits- und lauffrei, Dienstag gab es wieder unser Stabi-Training der Ausdauerschule by bunert. Das Wetter zeigt sich nach wie vor von seiner besten Seite, Sturm und Regen, dazu um die 5-6 Grad. Das fieseste Laufwetter, das ich kenne. Es macht in diesem Winter wirklich keinen Spaß.
Mittwoch stand dann 35 Minuten Tempo auf dem Plan, dazu zwei Mal 10 Minuten Ein- und Auslaufen. Leider kam ich nicht so früh aus dem Büro, wie erwartet und so war mir schon fast kler, dass die Einheit etwas kürzer ausfallen würde. Es hatte fast den ganzen Tag geregnet, entsprechend matschig würden die Wege werden. Als ich nach Hause kam, hatte es kurz aufgehört und damit meine kurzen Anflüge von "Ich lass das heute mit Blick auf die intensive letzte Woche einfach ausfallen"-Ausreden schnell wieder verdrängt. Ja, so was habe ich öfters, wenn ich in der Woche nach Hause kommen. Das ist aber immer sofort weg, wenn ich erst einmal unterwegs bin. Ich glaube, wenn ich mit dem Finger schnippen und umgezogen vom Schreibtisch vor meine Türe gebeamt werden könnte, hätte ich dieses Problem nicht. Aber ich bin dem fast nie erlegen! Genau, als ich wieder loslief, war die Regenpause vorbei. Dann gab ich also mal schon nach zwei Minuten Einlaufen Gas. Zeit sparen ja, aber nicht beim Tempoabschnitt. Der Wind kam natürlich zu Beginn gleich mal von vorne und am See war es natürlich maschig ohne Ende.Immerhin war ich beim zweiten Kilometer schon gegen den Wind bei einer 4:39er Pace. Mit Rückenwind reichte es sogar dreimal zu einer Pace unter 4:30. Es lief im Grunde ganz gut, wenn man bedenkt, dass modderige und pfützenübersähte Schotterwege Pace kosten. Die große Runde um den Lohheider See und den benachbarten See über die Baggerstraße st etwa 8,5 Kilometer, es würden also keine 55 Minuten werden. Egal bei dem Wetter. Als der Regen von hinten und von der Seite kam, war es gleich nicht mehr so schlimm und am Ende stand eine Pace von 4:39, einschließlich 2 Minuten Einlaufen und 1,5 Kilometer Auslaufen. Ich durfte zufrieden sein.
Donnerstag wieder das Training mit der Ausdauerschule by bunert, 10 x 400 m standen auf dem Programm. Da wir "Afrikaaner" alle in Sonntag in Bertlich beim Marathon am Start sein wollen, der traditionellen Kapstadt-Vorbereitungs-Veranstaltung bei Touren der Ausdauerschule, allerdings nur in GAT-2-Tempo. Das entspricht eigentlich dem Marathon-Renntempo und wäre für 400m jetzt keine Hexerei, aber ich kenne ja die Trainingsgruppe mit ihren gruppendynamischen Prozessen. Wie durch ein Wunder war es am Abend trocken, aber kühl. Nach kurzem Einlaufen an der Regattabahn ging es an die klassische Intervallstrecke Bertaalle, der Straße hinter der Gegentribüne der MSV-Arena. Der sperrige Sponsorenname uns seine unseligen Abkürzungen kommt mir so schwer aus der Feder, ich glaube, ich bleibe bei "Wedau-Stadion". 400 Meter sind, als eine gerade vor einem, relativ lang, ist man unterwegs, relativiert es sich dann doch wieder. Aber als Gerade fehlen die Orientierungspunkte wie Kurven, die einen die Strecke in handliche Abschnitte unterteilen lassen. Ich bemühte mich dann mal, die 4:20er Pace im ersten Intervall nicht zu unterschreiten, was ja schon mehr als Marathon-Renntempo sein würde. Damit musste ich den vorletzten Platz in der Gruppe aushalten, aber in dieser Hinsicht habe ich ein durchaus dickes Fell. 102 Sekunden, geht also. 200 Meter traben, dann zurück. Es fällt noch leicht, ich kann mich dabei unterhalten. 98 Sekunden. Nr. 3. "Schon fast ein Drittel". Während alles wieder lostürmt als gäbe es kein Morgen, laufe ich wieder gefühlt kontrolliert. 95 Sekunden. Nr. 4 genauso schnell, Nr. 5 "Halbzeit",Nr. 6 und Nr. 7 m die 91 Sekunden. Es wird schneller, aber jetzt bin ich gut "drin" und habe nicht das Gefühl, am absoluten Anschlag zu laufen. Nr. 8 und Nr. 9 schon 88 Sekunden, der letzte dann mit Endspurt in 80 Sekunden. Es war ein schönes Training, eben nicht ganz am Anschlag, aber schon anspruchsvoll im Gesamttempo.  Leider verheißen die Wetterprognosen für Sonntag in Bertlich nichts Gutes. 2 Grad und Dauerregen ist jetzt nicht das, was ich mir unter Laufwetter vorstelle. Aber es hilft ja nix.
Freitag ist es jedenfalls noch einmal trocken. Und sogar zeitweise sonnig, so stelle ich mir schönes Laufwetter vor. 70 Minuten GAT 1 stehen ebenso auf dem Plan wie meine wöchentliche Bergeinheit, also bleibt nur die Strecke zur Halde Rheinpreußen. Ich möchte nicht groß auf die Uhr sehen und ein gefühltes Bertlich-Marathontempo laufen. Das ist ja da schon wieder so eine Sache. Vor Kevelaer hatte ich auch nicht gedacht, dass ich so leicht eine 3:28 wurde laufen können. Aber dann ging es relativ einfach, windig war es da auch. Aber sonst halt schön. Also im Kopf die 5er Pace programmiert und los. Auf den Ohren Musik, eine Musikmixmaschine aus dem Internet, wo man bestimmte Musikarten zeitweise herunterladen kann, aber nicht weiß, was wann kommt. Vorbei am Lohheider See, auf die lange Orsoyer Alle die 5 Kilometer bis zur langen Haldenrampe auf der Moerser Seite meines "Hausberges". Gefühlt gebremst bergan merke ich oben aber doch, dass ich auf den 1,2 Kilometern bergan durchaus schneller werde. Bergab wird es immer schneller, ich nehme den relativ geraden Weg zurück und merke aber, dass der zu kurz sein wird. Also noch den Schlenker am Ostufer des Waldsees zum Baerler Sportplatz mitgenommen,
Waldsee DU-Baerl/Moers mit Halde Rheinpreußen und Geleucht.
wo ich mit wunderschönen Blicken auf Sonne, Wolken Halde und See belohnt wurde. Kurz vor dem Sportplatz werde ich mit einem fast vergessenen Song belohnt, der mich irgendwie schwungvoll weiterlaufen lässt. Barry White "You're my first, my last, my everything". Schöner Rhytmus, ein toller Song mit der unvergleichlichen Stimme von Barry. Zuhause waren es dann 14,3 Kilometer in 4:49er Pace, trotz Haldenanstieg. Und zum Ende bekomme ich Carly Simon mit "Nobody does it better" auf die Ohren. Fühle mich ein wenig gebauchpinselt. Gefühlt lief es sehr gut, also sollte es 10 Sekunden langsamer am Sonntag gehen. Es geht ja auch ein wenig um die relativ einmalige Chance, einmal die Mannschaftswertung mit zu gewinnen. Normalerweise sind Trainer Roman und Sven gesetzt, die wollen 4-4:15er Pace laufen und können das mit Sicherheit auch. Na ja, Roman läuft halt seinen ersten Marathon, schaun mer mal.... ;) . Dahinter sollte Carsten kommen, der eine Marathon-PB so um die 3:05 aufzuweisen hat, aber auch lange nicht so viele gelaufen ist. Aber ich weiß nicht, was er so raushauen will. Wenn er mit mir startet, kommt es am Ende drauf an, wer es noch mit auf das Mannschafts-Treppchen schafft. Zumindest werden wir gemeinsam mit zumindest einer Zeit unter 3:30 helfen, dass die Ausdauerschule by bunert da hin kommt. Die Gelegenheit ist selten genug.....packen wir es an.
Wenn es funktioniert, wir die Woche knapp 75 Kilomter, davon 70 5er Pace oder schneller gewesen sein. Nächste Woche dann ruhiger, bevor es danach wieder Kilometerintensiv wird.

Bertlich

Ja, so denken sich das die Martinsgänse im Oktober. Aber der Reihe nach. Gut gelaunt fanden wir uns in Bertlich ein, meldeten uns an und freuten uns, dass der angekündigte Dauerregen zunächst nur ein leichtes Nieseln war. Allmählich trudelten unsere Freunde und Kollegen von der Ausdauerschule ein, aber natürlich auch viele andere Freunde und Bekannte.
Diesmal sind wir schlau und kaufen unseren Kuchen vorher, die netten Damen hinterm Tresen packen den dann ein und stellen den weg. Oft bekommen nämlich die zuletzt eintreffenden nichts mehr, weil die Kurzstreckenstarter über 5,7,5,10,15 und HM alles weg gegessen haben. Sven hat sogar mein Compresssport-Fuktionsshirt dabei, welches ich zum Bedrucken mit dem Ausdauerschulen-Logo weggegeben hatte. Es sieht gut aus, ich wechsle dann gleich nochmal das Shirt. Was trägt man bei 2-4 Grad und angesagtem Dauerregen? Ich Frierpitter entschied mich für mein Adidas Powerstripes-Shirt, welches durch den Zug der Gummibänder in Rücken und Rumpfbereich die Muskulatur unter Spannung hält und ein "Zusammenfallen" erschwert. Darüber das Kipsta-Langarmshirt, dann das Lauftop. Das Ding von Compresssport ist genial, wie ich bereits beim bergischen Wupperlauf testen konnte. Es hält nass wie trocken warm und hat ringsum Taschen für Gels.
Beim Marathon oder Triathlon Gold wert. Kurze Hose ist beim Wettkampf für mich selbstverständlich. So gewandet ging es an den Start. Wir schaffen gerade noch das Gruppenfoto, dann fällt der Startschuss eine Minute zu früh. Los geht es. Ich laufe zunächst mit Carsten, wie es geplant war. Die Strecke besteht aus drei Runden zu je 14 Kilometern und hat einige Höhenmeter, auch wenn die großen Steigungen fehlen. Carsten und ich bremsen uns gegenseitig, denn das hohe Anfangstempo unserer Trainer Roman und Sven, die hier gleich vorweg laufen, zog erstmal mit. Darf es aber nicht. Die wollen unter drei Stunden rein. Wir pendeln uns so um die 4:50 ein, sind aber immer zu schnell. Carsten setzt sich mit einer Gruppe nach vorne ab, ich unterhalte mich mit Franz, einem älteren, routinierten Marathonläufer. Der Mann hat viel zu berichten und so gehen die Kilometer wie im Flug dahin. Ich habe einen Riesenrespekt vor diesem Läufer, der mit Mitte 60 noch diese Pace für einen Marathon "so zwischendurch" auf die Straße bringt. Als Carsten eine "Baumpause" macht, haben wir ihn wieder und laufen weiter gemeinsam. Seine bisherige Gruppe ist jetzt so 50 Meter vor uns. Wir bremsen mal wieder gegenseitig und freuen uns, dass die erste Runde schon vorbei ist. Mein erstes Gel haben ich getrunken, ich fühle mich super. Es rollt, wie der Läufer sagt. Wir werden nicht mehr überholt, wundern uns aber durchaus, wie viele des durchaus übersichtlichen Startfeldes vor uns laufen. Wer startet bei dem vorhergesagten Wetter spontan in Bertlich zum Marathon? Ernsthafte Marathonläufer eher nicht, denn im Training für einen Marathon trainiert man keinen Marathon. Bleiben die "Jäger und Sammler", aber so viele so schnell? Unter 5er Pace ist ja kein Kindergeburtstag, um mal im Jargon der TorTour zu bleiben. Ultras, aber so viele? Egal, wir laufen als Training für Kapstadt und Plätze sind Schall und Rauch. Ich bin neugierig, wie Carsten in seinem guten Trainingszustand die dritte Runde verpacken würde. Wenn wir aber zusammen blieben, würden wir auch gemeinsam einlaufen und es dem Zufall überlassen, wer denn mit Roman und Sven den Platz im Team Bunert 1 auf dem Treppchen "gewinnen" würde. Was ist ein Treppchenplatz in Bertlich? Im Grunde nichts, aber als Mann meiner Leistungsklasse ist es extrem schwer, überhaupt irgendwo einmal auf das Treppchen zu kommen und irgendeinen blöden, billigen und hässlichen Pokal zu gewinnen. Unsere Vitrine ist voll, aber mit den Trophäen meiner Claudia. Größtenteils aber nicht mit vergleichbar stärkeren Leistungen errungen, sondern aufgrund der Situation in der W 45. Claudia ist eine tolle Läuferin und ich gönne ihr jeden Titel, ich freue mich, als wenn ich ihn errungen hätte. Aber irgendwann hätte man halt auch mal gerne einen. Und wenn der erste Mannschaftsplatz durch zwei "Sub-3-Stunden" quasi gebucht ist, will ich gerne gewisse Anstrengung unternehmen, um dann mal die Gelegenheit zu nutzen, auch wenn mein Beitrag dazu dann der geringste sei. Ich bin aber auch froh, dass ich mit Carsten ernste Konkurrenz habe, denn dann wäre dieser Titel auch etwas wert. Während wir erneut den Real-Markt sehen, über dessen Parkplatz wir zum Ende der 2.Runde kämen, trank ich mein zweites Gel. Eiskalt war es geworden wie auch die Temperaturen scheinbar weiter abgenommen hatten.  Und mein Verdauungstrakt murrte mit einem Male heftig. Leichte Krampfanfälle hatte ich ignoriert, aber nun kamen stechende Schmerzen und ein größerer Druck auf den Hosenboden. Es ging ganz schnell, da vorne war das Vereinsheim, wo man schnell mal auf die einzige Toilette der Strecke konnte. 14 Kilometer mit zusammengekniffenen Pobacken und Rumoren im Gedärm? Nein. Carsten wollte "langsam" weiter laufen, aber wir beide wussten, dass unser gemeinsames Rennen damit gelaufen war. Der Streckenposten forderte mich mehrfach auf "Rechts,rechts" zu laufen. Nein, ich biege mit den Worten "Toilette" und dem Geschmunzel der Zuschauer geradeaus in die Keramik-Abteilung. Ich verließ die Strecke bei 2:15:28 h, deutlich erleichtert kehrte ich bei 2:16:59 auf diese zurück. 91 Sekunden. Man kann das jetzt durchaus für eine respektable Leistung halten, aber Jan Fitschen war 2013 in Berlin deutlich schneller. Aber sein Dixi stand ja auch direkt am Streckenrand. Egal, 90 Sekunden auf 14 Kilometer hieße 6-7 Sekunden jeden Kilometer schneller als Carsten absolvieren zu müssen. Wenn er nicht wirklich einbricht, und danach sah es nicht aus, keine Chance, wollte ich mich nicht für die nächsten zwei Trainingswochen abschießen. Dann soll er halt in Team 1, damit konnte ich jetzt leben. Ersparte es uns doch die unweigerlich in dieser Runde aufgekommene Diskussion. Ich holte Franz wieder ein, wir wollten zunächst den Rest dann halt wieder gemeinsam laufen. Aber kurz darauf musste er kurz austreten, damit hatte sich das wieder erledigt, denn noch mehr Zeit wollte ich jetzt nicht verlieren. Es lief gut, mein Tempo blieb konstant zwischen 4:45 und 4:55, je nach Neigungswinkel der Straßen. Der Regen wurde jetzt stärker, aber es war ja nicht mehr weit. Ich überholte, wurde aber ganz am hinteren Ende der Strecke auch nochmal von einem Pärchen überholt. Für eine Frau wirklich ordentlich. "Endbeschleunigung?" fragte ich. "Genau!" Was auch sonst, hatte ich beim 30er letztes Jahr auch gemacht. Das Tempo der beiden, 4:35er Pace, war mir zu schnell, also ließ ich sie ziehen. Ca. 100 m vor mir war ein weiterer Läufer in roter Jacke, an dem konnte ich mich gut orientieren. Ich kam nicht näher, er nicht weg. Gut so. Etwa zwei Kilometer vor dem Ziel meinte ich, die rote Mütze und die nackten Waden von Carsten in einer kleinen Gruppe erspähen zu können. Ich war mir nicht sicher, denn ohne meine Brille ist meine Weitsicht so gut wie die eines Maulwurfs. Aber das war zu weit, es waren locker 4-500 m. Jetzt ein Spurt, die Kraft hätte ich. Nein, wenn ich ihn auf der Laufbahn erreichen würde, wäre ich platt und er würde anziehen. Das könnte ich dann nicht mehr parieren. Und früher würde ich ihn nicht einholen können. Also ließ mich die Gedanken und lief meinen Stiefel herunter,  Der war mit einer 4:35er Pace für km 41 gar nicht so übel. Ich lief an meinem Auto vorbei, hielt kurz an, um meine Kamera aus dem Kofferraum zu holen. Kostete so 5-8 Sekunden, aber das war jetzt egal. Ich lief auf die Platzanlage und verzichtete auf den Endspurt. Der macht nur fertig für das kommende Training.
3:26:45 hieß die offizielle Zeit, 31 Sekunden hinter Karsten. 60 Sekunden hatte ich aufholen können auf den letzten 14 Kilometern. Egal, wir freuten uns gemeinsam, wie es sich gehört. Schnell gingen wir zur Sporthalle, um uns etwas Trockenes über zu ziehen. Dort trafen wir Trainer Sven. Die beiden waren knapp unter 3 Stunden im Ziel, für Roman war es am Ende seines ersten Marathons wohl hart. Aber Schleifer-Sven hat ihn ins Ziel getrieben, das hätte ich gerne gesehen.
Dann beginnt das Warten auf die anderen. Henning und Andreas kommen in 3:57, damit ist Team 2 und vermutlich Platz 2 der Teamwertung auch komplett(so war es dann auch). Mit mir, Henning und Andreas. Für die zwei auch eine gute Zeit! Aber wo waren Claudia und Yvy? Oli Witzke hatte mir bereits Fotos gezeigt, die er am VP von denen gemacht hatte. Aber wenn sie jetzt nicht kamen, gab es scheinbar Probleme. Ungefähr bei 4:10 sahen wir sie die lange Straße zum Sportplatz hinunter laufen. 4:12.26 für die beiden, aber Claudia sah nicht gut aus. Die letzte Runde war eine Qual, ihr Magen muckte, wohl wegen eiskalten Gels und wollte keine Getränke bei sich behalten. Aber sie haben sich durchgekämpft, Yvy ist dabei geblieben und hat sie diesmal rein gezogen.

Claudia mit Yvy im Ziel
Eine Leistung, die mit Platz 1 in der Mannschaftswertung belohnt wurde. Komplettiert von Linda, die ihren ersten Marathon nach der Geburt ihres Kindes im August in tollen 4:28 absolvieren konnte. Auch das eine ganz stramme Leistung, mit der sie aber nicht alleine war. Auch die Frau unseres Trainers hatte das hinbekommen. Chapeau! Baby und Sport passen scheinbar gut zusammen.
Was mich dann aber am meisten geärgert hat, war, dass der Sieger der M 45 nur 1 Minute vor mir im Ziel war. Ich hatte 91 Sekunden auf der Toilette verloren. Wann habe ich einmal die Chance, die M 45 zu gewinnen? Und auch noch einen Pokal zu bekommen? Das ist das Einzige, was den Schatten auf diesen schönen Lauftag wirft. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr ärgert mich das. Das mag man jetzt kleingeistig finden , aber auf einen AK-Sieg kann man nicht hin laufen. Man weiß ja nie, wer da in Sichtweite noch die eigene AK vertritt. Vielleicht hätte der Läufer sich ja nicht überholen lassen und den Kampf angenommen? Man weiß es nicht, es bleibt Theorie. Und die Gelegenheiten sind so selten, dass ich diese heute halt gerne einmal genutzt und meinen ersten wertlosen, billigen Plastikpokal errungen hätte. Albern, nicht? Viele wären froh, wenn sie meine Zeit überhaupt einmal laufen könnten. Und noch 2010 wäre das nahe an meiner PB gewesen. Und mit der Zeit bin ich auch super zufrieden. Mein schnellster Marathon 2016, noch schneller als Kevelaer bei schlechteren Bedingungen und fast 270 Höhenmetern. Ich sollte mich mit dieser Leistung bescheiden.

Samstag, 13. Februar 2016

Lange Kanten und Hügel - Trainingslager "Daheim" Teil 2


Es ist Freitag morgen. Wir fahren nach Duisburg, um Trainingskollegen Marco abzuholen und zum Duisburger Stadtwald zu fahren. Hier, am Sportplatz der TuRa 88 treffen wir uns im Sommer, wenn hügelige Trainingseinheiten anstehen.
Anstiege in Duisburger Stadtwald


Wir wollen diese Runde mit einigen wenigen Höhenmetern doppelt laufen und ich habe irgendwie nicht auf dem Schirm, dass es keine 10 Kilometer pro Runde sind. Das Training am Vorabend mit 3 x 15 Minuten anspruchsvollem Tempo hatte ich ordentlich in den Beinen, dazu kam ein prasselnder Regen. Alles andere als gute Voraussetzungen zum Laufen, wie ich fand. Aber Egal, plan ist Plan. Marco wurde nicht müde zu erwähnen, dass es laut Wetter-App ja gleich aufhören solle, seit wir durch den matschigen Waldboden begannen, uns die kleineren und größeren Anstiege des Kaiserbergs zu erschließen. Mein Beine fühlten sich irgendwie wie Betonstützen an, während wir versuchten, den Laufschritt auch bei den langgezogenen Steigungen beizubehalten. Der Matsch am Boden machte die An- und Abstiege nicht leichter und irgendwie wollte sich bei mir der Spaß nicht so richtig einstellen. Dabei ist die Strecke im Grunde wunderschön. Bäche, ein kleiner See, die alte Klöckner-Villa Haus Hartenfels im Spukschlösschen-Look . Aber nass und kalt ist eine doofe Kombination.
Geschafft - am Parkplatz TuRa 88
Haus Hartenfels - frühere Klöckner-Villa
Hatten wir überlegt, die kleine 5,3-Kilometer-Runde am Ende noch dran zu hängen, um auf über 20 zu kommen, haben wir es gegen Mitte der zweiten Runde gleich wieder verworfen. Am Ende waren es neben extrem schlammigen Schuhen "nur" 18,5 Kilometer mit knapp 300 Höhenmetern. War das jetzt ein Dämpfer in meiner Trainingseuphorie oder nur eine normale Müdigkeit nach dem intensiven Donnerstag vom fast 35 Kilometern? Den Rest des Tages verbrachten wir weitgehend in Ruhe auf dem Sofa.
Am Samstag geht es dann schon wieder weiter. Um 10 Uhr ist steht der Lauftreff von Laufsport Bunert Essen am Baldeneysee an, diesmal jedoch wieder alternativ. Die "Afrikaaner" (unsere Mitreisenden nach Kapstadt) wollten unter Führung von Trainer Sven die "Oefte-Spezial"-Runde laufen, ca. 22 Kilometern mit noch mehr Höhenmetern, als das klassische "Oefte" mit seinem langen, flachen Rückweg an der Ruhr von Kettwig nach Werden. Außer uns "Afrikaanern" hatten sich noch einige dazu gesellt und so starteten wir gleich Richtung Werden und 2-Kilometer-Erstanstieg. Den brachte ich ganz gut und ruhig hinter mich, mit 5:47 und 5:52 per Kilometer blieb ich deutlich unter 6er Pace. Das konsequente Hügellaufen scheint sich auszuzahlen. Leider war es das noch nicht mit Anstieg. Es ging noch mehrfach 100 Höhenmeter hinab und wieder hinauf, das ganze in schöner Gegend zwischen Essen, Velbert und Heiligenhaus. Ganz besonders freute es mich für Hendrik, der nach einer im Dezember plötzlich nötigen Knie-OP seinen ersten Lauf über 10 Kilometer mit relativ wenig Problemen absolvieren konnte. Er will Kapstadt versuchen, ich drücke beide Daumen und bin optimistisch, dass es klappt. Die erste langgezonene Steigung absolviere ich ruhig, aber gleichmäßig. Zunächst hatten sich sogar Claudia und Yvy an die Spitze des Feldes gesetzt, später liessen sie sich von mir, Karsten und einigen anderen überholen. Oben it die Gruppe schnell wieder zusammen, für uns reicht es noch für ein kleines Foto.
Mit Claudia, Yvy und Werner am Ende der ersten Steigung
Ich spreche mit Sven und Werner, der vor zwei Jahren bereits dort war, über die Streckenbeschaffenheit des Two Oceans, mit Andreas und Karsten über mentale Einstellung, während es immer hoch und runter geht. Das Tempo ist für die gemischte Gruppe relativ hoch, aber die Strecke, die für uns ab hier Neuland ist, erweist sich als sehr schön. Freien Blick auf die Kirchtürme von Velbert und Heiligenhaus, man wähnt sich irgendwo im Urlaub und nicht im Ruhrgebiet. Am Ende wartet noch einmal eine richtig kurze, knackige Steigung auf uns, bevor wir direkt an der Ruhrbrücke wieder "unten" in Werden ankommen. Wir traben zurück zum Auto und hatten trotz der über 500 Höhenmeter auf knapp 23 Kilometern einen Schnitt von unter 6 Minuten erlaufen, obwohl wir als Gruppe relativ gut zusammen geblieben waren. Claudia, Yvy und ich wollten noch eine kleine 14 Kilometer Baldeneyseerunde dranhängen und machten fleißig Reklame. Aber nur Werner und Markus mochten uns noch begleiten, wobei die beiden eigentlich an der Ruhrbrücke wieder umdrehen und somit um knapp 3 Kilometer abkürzen wollten. Claudia hatte sich in den "Bergen" wohl ein paar Rückenprobleme erlaufen, sie drehte vernünftigerweise mit Yvy recht rasch wieder um. Morgen stand ja noch ein Marathon an. Werner ließ sich nicht überreden, aber Markus begleitete mich dann noch auf dem Rückweg entlang des Hardenberg-Ufers. DAs Tempo halten wir weiter relativ konstant, über das Wehr geht es dann auf kürzestem Wege zurück und insgesamt 36 km sind geschafft. Am Parkplatz fanden wir dann Yvy und Claudia im Kofferraum meines Autos, gut unterhalten von Werner. Da hätte er auch mitlaufen können.....
Kofferraum-Sit-In von Claudia und Yvy
Sonntag wurde es unmenschlich. Da meine Frau sich auf meinen eingebauten Wecker verlassen und denselben elektronischen wohl nicht eingeschaltet hatte, wachte ich um 5:50(!!) auf und es hieß sofort aufstehen. Denn Hans Urbaniak hatt ja für 8:00 Uhr in den Süden der verbotenen Stadt mit dem DO-Kennzeichen zum 2. RATS-Marathon geladen. Noch fast im Finstern kamen wir um zwanzig vor Acht dort an und waren überascht, wieviele Laufkolleginnen und -kollegen ebenfalls von der präsenilen Bettflucht befallen waren, und sich in dieser unchristlichen Stunde auf den Marathon vorbereiteten.
Sonntags 8 Uhr in Deutschland.....
Das Wetter verhieß mal wieder nichts gutes, es regnete, seit wir in Duisburg den Rhein überquert hatten, hörte aber fast pünktlich zum Start erst einmal auf. Hügelig durch die Wälder ging es zunächst durch die berühmte Bittermark Richtung Süd-Osten. Meine Beine fühlten sich trotz der bereits gelaufenen 100 Kilometer seit Mittwoch gut an. Mit netten Gesprächen mit Heiko und den Ultra-Philosophen Markus und Betty vergingen die Kilometer wie im Fluge und es blieb sogar trocken. Ein kurzer Halt an den Quellen der Emscher in Holzwickede, die ich auch noch nie gesehen hatte und die bei uns gegenüber bei Dinslaken in den Rhein mündet, in der alten Version sogar noch näher bei Walsum.
Emscherquellhof
(Wäre auch mal eine Interessante Laufstrecke, wie ich finde....). Entlang des Flusses ging es zurück gen Westen, unterwegs dann endlich einmal kurz vom versprochenen Regen eingeholt, der sich jedoch nur als kurzer Schauer erwies. Danach blieb es wie durch ein Wunder trocken, dem Prognosen zum Trotze. Durch das schöne Aplerbeck kamen wir dann zum legendären Schauplatz des LiDoMa III, dem "Monte Phönix". Ein künstlich aufgeschütteter Berg aus dem Aushun des künstlich angelegten Phönixsees in Hörde. Der Aufstieg im starken Wind erwies sich nicht als Vergnügen, unglaublich, wie ich das seinerzeit 10 Mal so flott hinbekommen hatte. Von oben hat man einen schönen Blick über die verbotenen Stadt und kann mit etwas Mühe sogar die hässlichen gelben Angelruten übersehen, die die Wellblechbaracke am Fersehturm zusammenhalten.
Monte Phönix mit Blick auf Lü
Den halben See umrundet ging es dann über das Gelände des Hüttenwerks Phönix-West, wo einst die legendäre Trailrun-WM stattfand, zurück entlang des Rombergparks zurück zum Augustinum, unserem Parkplatz.



Wer gedacht hatte, er sei schon da, sah sich geäuscht, denn zur Vervollständigung des Marathons ging es noch einmal rund um die Altenwohnstätte durch den Wald.
Natürlich war ich froh, angekommen zu sein. Aber letzlich hätte ich das Ganze gefühlt auch noch einmal zurück laufen können. Das Tempo war moderat, an die Steigungen schien ich mich gewöhnt zu haben.


Auch Claudia hatte mit einem ABC-Wärmepflaster versehen die Marathon-Runde wieder ohne größere Beschwerden absolvieren können und wirkte genauso fit. Ein Fazit aus fast 144 Kilometern in nur 5 Tagen mit erheblichen Höhenmetern in den letzten drei Tagen: Bis auf den Freitag fühlte ich mich jedes Mal gut und frisch, zum Ende jeder Einheit hätte ich gut weiterlaufen können. Meine Form scheint auf dem richtigen Weg und unser Trainingskonzept in Ansprache mit unseren Trainern von der Ausdauerschule, den Schwerpunkt weniger bei den Kilometern als eher beim Erhalt einer gewissen Grundgeschwindigkeit zu belassen, scheint zu funktionieren. Natürlich ist es bis Mitte Mai noch ein weiter Weg, aber bis jetzt scheint es ein guter zu sein.