Sonntag, 18. Dezember 2016

Laterne, Laterne, ich glaubte ich seh Sterne......


Die zweite Trainingswoche - ich war Neugierig, wie sich die Höhenmeter beim Glühweinlauf am Montagabend auf der Tartanbahn auswirken würden. Das Programm war wie immer noch offen, nur wussten wir, dass Schleifer-Sven persönlich an diesem Abend das Training leiten würde. Roman gilt ja gemeinhin als der etwas "nettere" während des Trainings, Sven hat seinen Beinamen "Schleifer" von mir ja damals nicht zufällig erhalten. Wie immer zog ich mich im Büro um und fuhr direkt in den Sportpark. Es war mal wieder gefühlt kälter als auf dem Autothermometer angezeigt, aber mir würde schon warm werden. Nach dem Aufwärmen rund um das Stadion, welches mir nach 10 Stunden Sitzen im Büro immer noch etwas schwer fiel, ging es dann ins LA-Stadion auf die Bahn. Da wir nicht auskühlen sollten, hatte Sven in seiner fürsorglichen Art ein besonders abgestimmtes Programm für uns: 5 km am Stück, immer im Wechsel 200 m 5-Kilometer-Wettkampftempo, dann 200 m im Halbmarathon-Renntempo. Ich überschlug mal im Kopf und komme in meinem Trainingszustand so auf 4:10er Pace bzw. 4:30er für den HM. Schon ging es los, über 12 1/2 Runden. Thomas und Ralf blieben bei mir, Thomas stellte sich als "Zählwerk" zur Verfügung. Mir blieb die Rolle des Tempokontrolleurs. Mark und Martin würde ich nicht halten, dass war klar. Wir begannen in der Kurve, so dass jede Tempoverschärfung dann ebenfalls zunächst in der Kurve stattfand. Da war ich scheinbar zu schnell beim HM-Renntempo, denn wir mussten uns immer ein wenig bremsen. 4:15-4:17er Pace war eindeutig zu schnell, auch wenn die Kontrolle via GPS auf der Bahn immer ein wenig schwierig ist.Es wurde mächtig anstrengend, klar, wenn die "Erholung" unter 4:30 auf den Kilometer liegt.Aber unsere Dreiergruppe blieb zusammen und am Ende waren wir mit einer Zeit von 21:50 Min für 5 km tatsächlich nur etwa 1:30 Minuten langsamer als meine 5er Bestzeit.  Am Ende konnten wir knapp vermeiden, dass Mark und Martin uns überrundeten.Ich merke aber wieder einmal, dass für mich eigentlich die erste Hälfte die schwierigere war. Einmal im Tempo, konnte ich die Wechsel eigentlich ganz gut absolvieren. Nicht so gut war mal wieder die einsame Runde um den See und durch den Wald. Diesmal mit Musik auf einem Ohr, das machte es nicht ganz so langweilig. Doof war, dass ich im Wald aif der schnurgeraden Orsoyer Allee einen entgegenkommenden Radfahrer hatte, der eine Super-Blendleuchte in Betrieb hatte und der bestimmt 3 Minuten einfach nicht näher zu kommen schien. Als wir uns dann endlich begenet waren, sah ich erst mal wenig. Auf der Buchenallee dann, die zum Baerler Sportplatz führt, blendeten dann die eingeschalteten Flutlicht-Strahler. Dafür konnte ich dann drei Runden auf der Aschenbahn drehen und dem Jugendtraining auf dem Rasen in der Mitte zusehen. Erstaunlicherweise werde ich dort auf der Bahn immer deutlich schneller, ohne es zu merken. 4:20er Pace auf dem Kilometer gingen scheinbar mühelos, während ich mich danach im Wald wieder mit einer 4:50er Pace abmühte. Am Ende ergaben gut zwölf Kilometer in 57 Minuten eine Pace von 4:47, damit konnte ich in der Dunkelheit durchaus zufrieden sein.
Donnerstag beim Training der Ausdauerschule standen dann "Laternenläufe" auf dem Plan. Das hatten wir noch nie gemacht und das das irgendeine Schweinerei werden würde, war mir eigentlich auch klar.
Das es aber so übel kommen würde...na ja, übertreibe ich mal nicht. Teilnehmer am Lichterlauf werden wissen, dass rund um die Regattabahn Laternen im Abstand von ca. 50 Metern stehen, die uns Läufern das Training auch im Winter ermöglichen. Unser Auftrag lautete nun, 40 Minuten lang immer zwischen Vollsprint und extrem langsamem Trab zu wechseln. Also alle 50 Meter. Es geht hier um die Beschleunigung. Baute ja irgendwie auf das Bahntraining auf. Schon ging es los. Der Schleifer achtete darauf, dass wir wirklich langsam wurden auf den Erhohlungsstrecken. Dennoch können sich 40 Minuten ziemlich ziehen und auch wenn im Schnitt nur eine Pace von gut 5:10 dabei herauskam, waren wir alle ziemlich am Ende. Das Tempo hätte man leichter haben können. Auch hier zeigte sich aber wieder einmal der Wert einer guten Trainingsgruppe. So etwas alleine.....nein danke.
Ich beherrsche mich jetzt an dieser Stelle aber, mich für das Programm bei Schleifer-Sven zu bedanken. Hole ich im Erfolgsfall in Rotterdam nach, versprochen!
Folgerichtig war dann Freitag bei uns Ruhetag und auch am Samstag stand nur der entspannte "längere" Lauf mit der Ausdauerschule statt.
In diesem Jahr nahe bei uns im Landschaftspark DU-Nord. Einige kennen den Lauf hier ja von diversen Veranstaltungen, seinerzeit die Run'n'Rock-Serie, die es leider nicht mehr gibt. Dann der Osterbunny-Run oder zuletzt die Halloween-Run-Veranstaltungen, hier bildet die Industrieruine immer eine stimmungsvolle Kulisse. Zwei Kurzweilige Runden um die 6 km in lockerer 5er Pace, zuletzt etwas foltter, gingen ganz gut aus den Füßen. Auch die beiden Aussichtsberge wurden mitgenommen. Danach gab es noch ein wenig Weihnachtsversorgung und die übliche guten Wünsche für die Feiertage, obwohl...vielleicht sieht man sich ja noch am Heiligmorgen am Baldeneysee, wenn Marc Böhme's Lauftreff von Laufsport Bunert Essen dann seinen Weihnachtslauf veranstaltet.
Dafür suche ich gerade. Claudia und ich sollen nämlich am 24.12. einen 29 km Tempowechsellauf absolvieren. Um den tatsächlich am 24. zu machen, müssten wir in Essen bereits eine Runde vorlaufen, also bereits gegen 8:30 Uhr dort starten. 7 Uhr aufstehen am Heiligabend ist jetzt nicht so unser Ding, zumal es ja dann eine etwa 10-Minütige Unterbrechung geben würde, die den Sinn des Ganzen ja dann schon wieder in Frage stellt. Also wollen wir den Lauf am 23. absolvieren. Auch das ist nicht optimal, da ja am Donnerstag abend 400-Meter-Intervalle auf dem Plan stehen. Aber gut, man kann nicht alles haben. Ich habe jetzt mal einen Facebook-Aufruf gestartet, vielleicht findet sich ja jemand, der auch schon frei hat und seinen langen Lauf auch noch vor den Festtagen unterbringen muss.
Claudia kann eventuell mit Yvy laufen. alleine sind solche Tempowechsel halt immer etwas langweilig.
Fazit nach den ersten beiden Trainingswochen mit Bahntraining am Montag: Ja, es ist stressig, zwei Abende direkt von der Arbeit zum Lauftraining zu müssen, der Abend danach ist auch zumeist gelaufen. Aber für Claudia ja auch, das ergänzt sich ja gut. Daher bin ich auch froh, dass sie das diesen Winter auch einmal mitmacht. Man kann sich doch wieder ganz anders austauschen, als wenn sie ohne Zeitambitionen nur "auf Strecke" macht.
Allen Lesern zunächst mal schöne Weihnachtsfeiertage, schönes Laufequipment unterm Baum und diverse Einheiten zum Gänsebratenvernichten auf den Plänen. Melde mich wieder zwischen den Jahren.

Samstag, 17. Dezember 2016

Rotterdam 2017 - es geht los


Das ist er dann. Mein Trainingsplan und was daraus im wahren Leben geworden ist. Es begann am Montag mit unserem ersten Bahntraining bei eisigen Temperaturen. Für die Premiere in Duisburg waren wir mit etwa zwanzig Teilnehmern eine durchaus große Gruppe. Nach Aufwärmen rund um die MSV-Arena ging es ins Leichtathletik-Stadion, das man ja von den Zieleinläufen der Duisburger Winterlaufserie kennt. Trainer Roman Schulte-Zurhausen hatte für uns je drei Mal 1000/400/200 m ausgewählt, jeweils durch 200 m Traben unterbrochen, ansonsten am Stück durch. Das Laufen über die in einer Kurve vollständig mit Frost überzogene Tartanbahn ging überraschend gut. Man hatte immer einen Läufer zur Orientierung in der Nähe, irgendwie will man dann auch immer Gas geben. Die 1000er gingen so zwischen 4:08 und 4:02, die 400er in 87-81 Sekunden, die 200er dann in 37/36/34 Sekunden. Alles knapp an der Kotzgrenze und dick angezogen. Auch Claudia hat es super durchgezogen, und es hat sogar Spaß gemacht, als es einmal begonnen hatte. Bin gespannt, wie es weitergeht.
Dienstag dann alleine unterwegs, mit Stirnlampe zu 50 Minuten GAT 1 um den Lohheider See und über die beiden Hauptachsen des Baerler Busches. Fand ich mal wieder schwierig, bei Kälte und Dunkelheit war ich froh, halbwegs ein Tempo halten zu können. Es fiel mir auch nicht unbedingt leicht, aber das lag wohl sowohl an der Kälte als auch am Bahntraining vom Vorabend. Am Donnerstag zog sich der letzte Termin im Büro zu lange hin, ich wäre viel zu spät zum Kursauftakttraining der Ausdauerschule an die Regattabahn gekommen. Aufgrund unserer geplanten Wochenendaktivitäten wollte ich ohnehin den 80 Minuten Tempowechsellauf auf den Freitag Nachmittag vorziehen. Somit waren dann der Mittwoch und Donnerstag frei. Freitag dann der vorgezogene Lauf über 80 Minuten. Ich stelle mir da immer die Uhr auf 5 Minuten Intervalle ein, dann piepst die und ich kann die Abschnitte von 10, 20 oder 5 Minuten einfach abzählen. Es lief sehr gut, ich rannte den Deichverteidigungsweg rund um den Orsoyer Rheinbogen. Es war nicht kalt, nur wenig Wind, nur leider alles grau in grau. Die ersten 5 Minuten in einer Pace so um die 4:20 gingen ganz gut, zwanzig Minuten später musste ich bei den zweiten dann schon etwas "knautschen" und war froh, als die vorbei waren. Im letzten Büchsenlich kehrte ich dann nach Hause zurück.
Samstag gab es dann den unseren Haldenlauf mit der FB-Gruppe Revier-Trailrunners.
Wir hatten für Veranstalter Robert Kempf den Kurs in unserem Revier am Lohheider See, dem Baerler Busch und dem Waldsee ausgesucht. Etwa 25 Läuferinnen und Läufer kamen zusammen und ich umrundete mit der 15 km Gruppe den Lohheider See, durchquerte auf Trailpfaden den Baerler Busch und zum Ende ging es auf unsere Halde Rheinpreußen.


Leider war es so diesig geworden, dass die Sicht gleich Null war. Auch das Geleucht hatte außerplanmäßig geschlossen, aber da es ja ehrenamtlich "bemannt" wird, habe ich dafür natürlich Verständnis. Viele wären bei dem Wetter sowieso nicht gekommen.
Sonntag stand dann noch der legendäre Glühweinlauf der Endorphinjunkies Dortmund auf dem Programm, den wir mit unseren Freunden Yvy und Henning traditionell besucht haben. In abgespeckter 16-Kilometer-Variante (der Marathon fand in diesem Jahr nicht statt) ging es gefühlt mehr hinauf als hinab durch den Schwerter Wald. Das Tempo war gemäßigt und auch die berüchtigte "Bergspring-Wertung" am Junkie Hill fand in diesem Jahr nicht statt. Mit ein paar leckeren Schlücken Glühwein - Henning musste fahren - endete die erste Trainingsplanwoche mit zwei außerplanmäßigen Läufen am Wochenende und etwa 70 Kilometern.

Sonntag, 4. Dezember 2016

Ausblick auf 2017 - Vorfreude im Advent?

Es geht am Montag wieder los. Vorbereitung auf den Rotterdam-Marathon und trainieren nach Plan. Ich werde die Lesergemeinde wieder versuchen, regelmäßig auf dem Laufenden zu halten

Das erste Bahntraining der Ausdauerschule in Duisburg. Claudia und ich wollen am Bahntraining teilnehmen. Das soll ja schnell machen und Tempohärte bringen. Hoffentlich bringt es auch ein wenig Spaß dabei. Ich nehme da neben trainingstechnischen Überlegungen auch aus Gründen der Vereinbarkeit von Freizeit und Job teil. Die nächsten 2-3 Monate werde ich von Montag bis Donnerstag nur im Dunklen laufen können. Das geht im GAT 1-Bereich ganz ordentlich mit meiner Stirnlampe auf befestigten Wegen im Wald oder im Feld. Tempoeinheiten sind jedoch immer sehr schwierig. Ich habe da einfach immer Angst, mich auf die Nase zu legen. Und das Tempogefühl ist für mich dann auch schwierig, immer nur mit Blick auf die Uhr macht dann auch nicht wirklich Spaß. Durch das Bahntraining kann ich am Montag unter Flutlicht und am Donnerstag beim regulären Training der Ausdauerschule unter der Beleuchtung der Regattabahn in Duisburg absolvieren. An diesen Tagen bleibe ich länger im Büro und schaffe mir so die Freiräume für den Dienstag oder Mittwoch, um die dritte Einheit nicht ganz so spät loslaufen zu können. Eine weitere Wocheneinheit steht dann nur in GAT 1 auf dem Plan, das geht dann auch mit Stirnlampe.  Ich habe den Trainingsplan mal auf der Basis von geschätzten Kilometerumfängen in derzeitig geschätzten Geschwindigkeiten auf Wochenkilometern umgerechnet. Es ergeben sich bis April folgende Werte: 46,2/50/67,6/55/50,3/73/55,2/41,2/46,7/62,7/47,6/55,6/56/21 + Trainingslager/Trainingslager+19/38 einschl. Test HM/49,5/56,2 einschl. Rotterdam-Marathon. Lange Läufe stehen nicht ganz so viele auf dem Plan, dafür aber oft mit relativ exakten Tempovorgaben.


Das erscheint auch mit von den Kilometerumfängen wenig, auch wenn in der Trainingslager-Woche insgesamt rund 130 Kilometer dazu kommen werden. Aber ich bin bisher gut mit den Pläner der Ausdauerschule gefahren und möchte den weiter vertrauen. Zumal mir mein Körper mit dem verklemmten Nerv im vergangenen Frühjahr bei hohen Umfängen und Tempi die gelbe Karte gezeigt hat. Dafür werden die Intensitäten recht hoch werden.

Mit einem gewissen Bangen gehe ich ja morgen ins Bahntraining. Das ist immer Laufen am Rande der Grenze, in der man sich das Essen nochmal durch den Kopf gehen lassen könnte und wer macht das schon gerne? Aber vielleicht kann ich ja meine Angst vor kurzen Wettkämpfen damit endlich mal in den Griff bekommen, das hat sich nämlich in den letzten Jahren echt blöd entwickelt.

Nochmal zum Wochenplan: Was jetzt Montags beim Bahntraining gemacht wird, ist ja immer eine Überraschung. Das im Plan aufgeführte Training ist die Alternative, falls man nicht zum Bahntraining kommt.
Wer Samstags Lust hat, die Tempowechselläufe mal mit mir gemeinsam zu unternehmen und meint, das Tempo würde passen, kann mir ja gerne eine PN schicken. Freue mich über Abwechslung. Und kein Plan ohne Änderungen: Am Wochenende findet ja der lange geplante Traillauf zur Halde Rheinpreußen und rund um den Waldsee statt (https://www.facebook.com/events/637878363051302/645861618919643/?notif_t=plan_mall_activity&notif_id=1480856285564079) .
Muss mal sehen, wie ich den einbaue. Zumal am Sonntag dann noch der Glühweinlauf der Endorphinjunkies Xmund stattfindet.( https://www.facebook.com/events/291331917932972/?ref=1&action_history=%5B%7B%22surface%22%3A%22permalink%22%2C%22mechanism%22%3A%22surface%22%2C%22extra_data%22%3A%5B%5D%7D%5D) Bin nun in der Überlegung, den TWL am Freitag Nachmittag zusätzlich zu machen, da Halden- und Glühweinlauf ja eher in gemäßigtem Tempo gelaufen werden. Mal sehen, nächste Woche wird berichtet.

Sonntag, 27. November 2016

Rückblick 2016

Der November geht tatsächlich mit ein wenig Ruhe ins Land. Lediglich unser lange geplanter Ausflug zum sehr schönen "Seven-Heuvelen-Loop" nach Nimwegen unterbricht jene wettkampffreie Zeit, die wir uns nach einer Langen und schönen Saison 2016 gönnen wollten und sollten.
Heute, am ersten Advent, verzichten wir sogar auf einen Start bei der 100. Auflage der Bertlicher Straßenläufe und beim Nikolauslauf in Schmachtendorf. Wochen mit unter 30 Trainingskilometern kannten wir schon lange nicht mehr und das Training bestand dann auch nur in lockerem dahintraben. So ganz einstellen mag ich das Laufen auch in dieser Zeit nicht, denn ich brauche es, um den Kopf immer wieder frei zu bekommen.
Das Jahr 2016 stand natürlich irgendwie im Zeichen des Ultras und war irgendwie dann doch besonders. Weil es mal wieder ganz anders war als all die Anderen zuvor. Es begann mit einer Kombination aus schnell und lang, die sich rückblickend wohl nicht bewährt hat und die zu meiner Nervreizung im Februar/März führte, die mich fast um die Teilnahme am Two Oceans Marathon und der TorTour de Ruhr gebracht hätte. Mit einzigartigen Erlebnissen ging es dann mit gebremstem Tempo in Südafrika über eine der schönsten Laufstrecken der Welt, inmitten einer Vielfalt von interessanten Gesprächspartnern und Zuschauern, wie ich sie noch nicht erlebt hatte. Auch Dank der Tatsache, dass ich meiner Verletzung wegen nicht volles Tempo laufen konnte. Dafür bin ich im Nachhinein sehr dankbar. Im Mai dann wunderschöne Riesenbecker Sixdays mit unseren Freunden Marco und Kim, die ich im Rahmen der Vorbereitung auf die TorTour erstmals auch nur gebremst und somit wesentlich bewusster erleben durfte, als bei meinen bisherigen 4 Teilnahmen, bei denen es doch immer nur um Tempo ging. Zu Pfingsten dann die TorTour de Ruhr. Was vor vier Jahren als Hirnsgespinst begann, habe ich tatsächlich und Claudia weitgehend umsetzen können. Ein Lauf immer noch jenseits aller Vorstellungskraft. Begleitet vom Besten Team der Welt hat es für Claudia leider nicht ganz gereicht, für mich aber zu einer tollen Zeit und einer Achterbahn der Emotionen im Ziel.
Dann war das Laufjahr um. mental zumindest irgendwie. Hatte ich beim Atatürk-Lauf in Essen mit Laufkollegen Sven noch wieder Spaß an der Geschwindigkeit über 5000 m gefunden, bei glühender Sonne den Rhein-Ruhr-Marathon als Pacer über 3:45 ohne einen meiner "Schützlinge" zeitgenau beendet, verlief der Sommer dann eher Suboptimal. Den Wünschen meiner Frau nachgebend lief ich mich im Juli und August eher kaputt und hatte dabei dann auch nicht den Spaß, den ich mir im Vorfeld gewünscht hätte. Anstatt langsam Tempo aufzubauen um im Herbst nochmal eine Bestzeit angreifen zu können, tobten wir über 110 km über den Kölnpfad, 47 km durch Micheles "Hilymanjaro" und 78 km durch das östliche Münsterland beim Sternlauf. Für mich insgesamt mit wenig Freude und viel Qual und Frust. Einen wunderschöner Allgäu-Panorama-Ultra auf der Fahrt in den Urlaub erlebte ich bei wunderschönem Wetter und traumhafter Alpenkulisse als extrem anstrengend, die ganze erste Urlaubswoche war danach vom Muskelkater gezeichnet.
Beim Halbmarathon am Wörthersee erhielt ich dann endgültig die dunkel gelbe Karte meines Körpers, als ich  nicht mehr in der Lage war, bei guten Bedingungen dem 1:40-Pacer zu folgen. Eine Leistung, die ich mir eine Woche nach dem Alpin-Ultra durchaus zugetraut hatte und die zur Folge hatte, dass wir den Rest des Urlaubes dann mal ganz auf das Laufen verzichteten.
Zurück am Niederrhein war der August um und der Frankfurt-Marathon nur noch 2 Monate, die zu Jahresbeginn angedachte Bestzeit dort jedoch Lichtjahre entfernt. Im Dialog mit Schleifer-Sven von der Ausdauerschule stellte ich den Trainingsplan noch einmal um und mit dem Schwerpunkt auf Tempo und mit relativ wenigen Wochenkilometern mühte ich mich den ganzen September an der Abarbeitung desselben. Erst nach gut vier Wochen zeigten sich Erfolge, eine harte und anstrengende Zeit mit wenig Spaß am Laufen. Dann ging es aber im wahrsten Wortsinne ganz schnell. Mit dem Lichterlauf und einer noch akzeptablen Zeit von 43 Minuten auf 10 km kam das Tempo zurück und vor allem der Spaß daran. Traildorado mit unserem zufällig zusammen gestellten Team in der 24h-Staffel war schon motivierend für mich. Das Ergebnis vom Rhein-City-Run und vor allem vom Frankfurt-Marathon hat mich durchaus beeindruckt. Diese 3:14:57 h haben mir vor allem den Spaß am Tempo zurückgegeben und vor allem den Glauben an mich selbst. Kein Bestzeit, aber auf dem Weg dahin. So sehe ich mich heute. Und mit Blick auf den Wechsel der AK zu Neujahr bleibt mir nicht mehr all zuviel Zeit dafür.
Rückblick auf ein Jahr ohne Bestzeit - muss man nach langer Zeit auch einmal akzeptieren. Aber mit sehr schönen und wohl auch prägenden Erlebnissen, Enttäuschungen und Erfolgen. Vielleicht mit dem Lauf meines Lebens entlang der alten Lebensader unseres Landes.
Und der dritte Platz bei Deutschen Meisterschaften in der 24h-Trailrunning-Staffel ist ja auch etwas Besonderes.


Montag, 31. Oktober 2016

Audere est facere

Festhalle Frankfurt, Sonntag, 29.10.2016. 13:18 Uhr. Ein Läufer mit rot-weißem Oberteil mit dem Aufdruck Ausdauerschule läuft aus dem gleißenden Sonnenlicht des wundervollen Herbsttages in die von bunten Lichtfingern magisch beleuchtete Festhalle in Frankfurt. Ein Blick auf die Uhr, er nimmt Tempo heraus, hebt die Arme und geht langsam die letzten 10 Meter über die Ziellinie. Ein lautes, lang gezogenes „Jaaaaa!“ kämpft gegen die laute, dramatische  Musik und den Applaus der Zuschauer an.  Dann geht er im Ziel erschöpft auf die Knie und vergräbt den Kopf zwischen den Armen.
So hatte ich es mir vorgestellt. Genauso. Und so ist es gekommen. Kann es ein schöneres Geschenk in einem tollen, erlebnisreichen Laufjahr geben?
Den Marathon hatten wir sofort nach unserer Teilnahme 2015 wieder gebucht. Frankfurt ist irgendwie „meine Strecke“, das Gesamtpaket stimmt hier. Die Hotelpreise werden nicht zum Marathon-Wochenende mit Top-Zuschlag versehen wenn man früh genug bucht. Man erhält im Preis inbegriffen einen gut gefüllten Starterbeutel, freies Alkoholfreies auf der gut eingerichteten Marathon-Messe. Dazu ein freies Nudelgericht und noch einmal drei Getränkegutscheine am Samstag und die Festhalle, wo man an vielen Tischen gemütlich andere Läufer treffen und vom Zieleinlauf träumen kann, während im Bühnenprogramm Sportler wie Jan Frodeno oder Arne Gabius ihren Auftritt haben.

Das Ursprungsziel war „Bestzeitenangriff“, was für mich eine Zeit unter 3 Stunden und 10 Minuten bedeutet. Der Abstand zur TorTour de Ruhr erschien mir mit 5 ½ Monaten groß genug, um Regeneration und Tempoaufbau integrieren zu können.
Nach dem ungeplant laufintensiven Sommer und meinem Finish mit einer 1:41 beim Wörthersee-Halbmarathon im Urlaub musste ich mich von diesem Projekt verabschieden. 9 Wochen würden nicht reichen, um mir „Ultra-Leiche“ wieder genug Tempo anzuschleifen, um eine Pace unter 4:30 halten zu können. Aber meine letzte „vorzeigbare“ Marathonzeit ist 2 ½ Jahre alt. Mein Ego verträgt es nicht mehr, zu sagen, ich könne eine 3:11 laufen. Ich muss sagen „Ich konnte eine 3:11 laufen“. Ich habe aber Ansprüche und so setzte ich mein Ziel in jenem Sommerurlaub auf 3:15 herab. In großen Zweifeln, ob das realisierbar sei plante ich vorsorglich ein „Ziel B“ ein, welches dann zumindest„unter 3:20“ liegen sollte. So ging ich ins Tempotraining ab Ende August.
Tempotraining macht nun einmal überhaupt keinen Spaß, solange Du kein Tempo hast. So quälte ich mich durch den September. Gehetzt zwischen Büroterminen und Einbruch der Dunkelheit, hinterherlaufend in der schnellen Donnerstags-Trainingsgruppe in der Ausdauerschule und von steigender Demotivation geplagt, denn die Zweifel wurden mit jeder gequälten 4:55er Pace größer. Hier hielt mich wiederum nur die tolle Trainingsgruppe und die siffüsanten Sprüche unseres Trainers Schleifer-Sven bei der Stange, denen man es ja dann doch irgendwie zeigen will. Auf irgendwelchen Quatsch verzichtete ich in dieser Zeit, selbst den LiDoMa VIII auf der Motocrossstrecke brach ich nach 25 km ab und hatte ihn nur als langen Trainingslauf genutzt, was mir auf diesem grandiosen Läuferspielplatz richtig wehgetan hatte.  Dann liest man von all den anderen Facebook-Freunden, die sich in Frankfurt ähnliches vorgenommen haben. Was die so alles machen. Welche tollen Zeiten die auf Unterdistanzen hinlegen. Und die Zweifel werden nicht kleiner, wenngleich kaum einer von denen schon einmal 23 oder 32 Stunden am Stück gelaufen sein dürfte. Ich denke, das stärkt schon irgendwie meinen Charakter und da aufgeben nie meine Sache war, trainierte ich weiter. Knackpunkt war für mich Bunerts Lichterlauf am 24.9. . Die ungeliebteste aller Unterdistanzen, nämlich die 10 km. Ich völlig lustlos, ahnungslos, welches Tempo ich mir zumuten konnte. Als ich mich dann auf der letzten Rille ins Ziel gekämpft hatte, stand die 43:11 Min. auf meiner Uhr. Über 44 hätte ich bei dem Gefühl im Ziel die 3:15 aufgegeben zu diesem Zeitpunkt. Aber die 43:11 ließ zumindest Hoffnung. Und irgendwie lief es fortan besser. Das Tempo kehrte wie von selbst ins Training zurück. Ich konnte mit einem Male ohne große Anstrengung die Pace von 4:40, später sogar 4:35 über längere Strecken im Training allein laufen, ohne mich von der Uhr treiben lassen zu müssen. Gut, 14 Trainingskilometer sind noch nicht die volle Wettkampfdistanz eines Marathonlaufs. Noch zwei Tests standen an. Mein geplantes „Mini-Trainingslager“ mit der 24h-Staffel beim Traildorado endete bekannt erfolgreich, wenn auch hier mit 64 km in 24 h mehr Laufkilometern als geplant absolviert werden mussten. Der erfolgreiche Ausgang nach großem Kampf zeigte aber, was sein kann, wenn man dafür arbeitet. Für den Kopf und das Ego ganz wichtige Erkenntnis drei Wochen vor dem Marathon.  Dafür baute ich dann eigenmächtig Tempoeinheiten aus meinem Plan aus und Ruhetage ein. Ich hatte das Gefühl, dass Regeneration für mich wichtiger war. Dann kam die Generalprobe, der Rhein-City-Run Düsseldorf-Duisburg. Mit viel Lust und ein wenig Bangen ging ich an den Start. Ich wollte Marathon-Tempo von 4:37/38 testen und sehen, wie ich mich m Ziel fühle. Und im Ziel nahm ich als erstes mein Handy, postete mein Zielfoto und die Zeit von 1:36:11 h, was einer 4:32er Pace entsprach und relativ gut lief. Dazu den Satz, dass ich die 3:15 nun angehen werde. Damit setze ich mich öffentlich bewusst unter Druck, denn nun muss ich auf meine Postings auch Taten folgen lassen.
Das mag nicht jedermanns Sache sein, mein Mittel ist es. Indem ich ein Ziel ausgebe und öffentlich mache, bin ich dann zumindest den ernsthaften Versuch schuldig. Ausreden gibt es immer genug. Aber ein Scheitern ist für mich dann keine Schande, wenn man etwas gewagt hat.  Facebook-Freunde prophezeiten mit eine 3:20 – 3:25 auf dieses Statement. Das finde ich nicht schlimm und auch nicht böse gemeint. Eine bekannte aus dem Ayyo-Team hat sich noch am Samstagabend auf der Messe bei mir entschuldigend geäußert, dass sie nicht an die 3:15 glaubt. Vielleicht 3:18 oder so. Das sehe ich positiv. Denn es setzte letztendlich positive Energien frei, es „denen“ zu zeigen. Nicht böse gemeint, aber sie doch lächelnd zu widerlegen. Auch das ist Motivation. Das ist mir lieber als ein daher gesagtes „Du schaffst das schon“, das nicht von echtem Glauben unterlegt ist, sondern nur aufmunternd wirken soll.
Unser Trainer Roman hatte um diese Zeit auf der FB-Seite der Ausdauerschule eine Posting verfasst, in dem es genau darum ging. An sich und seine Stärken zu glauben. Und auch ich glaubte nun und wollte etwas wagen. Ich zweifelte schon, ob es gelingen könnte. Aber es waren keine „Angstzweifel“ sondern eher „Neugierzweifel“. Und damit war für mich die Belastung weg. Ich freute mich auf Frankfurt, auf viele bekannte Gesichter. Auf unsere Freunde von der Ausdauerschule, und auf die Strecke. Ich wusste, dass ich im Tempo dieses Halbmarathons noch bis km 30 hätte weiterlaufen können. Etwas langsamer dann vielleicht sogar bis 32 oder 35. Und den Rest würde mein starker Wille erledigen. Gepaart mit dem tollen Publikum in Frankfurt auf den letzten 3 ½ Kilometern. Hier ist nämlich nicht kurz vor dem Ziel „tote Hose“, wie in Duisburg auf dem Kalkweg, Hamburg zwischen Außenalster und Dammtor oder selbst in Berlin (zwischen Gendarmenmarkt und Pariser Platz ist der Zuschauerzuspruch bei uns damals eher dürftig gewesen).
Das sind für mich Dinge, die im Vorfeld ganz wichtig waren. Die Strecke zu kennen und zu mögen. Eine positive Einstellung aufgrund vieler positiver Läufer dort zu Frankfurt zu haben. Noch nie ist dort einer unserer 4 Starts danebengegangen. Immer habe ich meine Ziele erreicht oder übertroffen.  In Hamburg beispielsweise ist das anders. Dort bin ich zweimal mehr oder weniger gescheitert. Ich werde diesen Lauf nie lieben, auch wenn er großartig ist.
Die letzten Einheiten verwunderten mich, dann statt Tapering standen noch einmal recht anspruchsvolle Läufe bis zum Dienstag vor dem Rennen auf meinem Plan. Aber die gingen in der geschilderten Stimmung gut, meine tiefe Überzeugung wuchs weiter.
In Frankfurt dann wurde ich selbst am Vorabend nicht wirklich nervös. Ich schlief sehr gut, erst etwas 90 Minuten vor dem Start überkam mich dann auch die Anspannung.
Aber dergestalt, dass ich am liebsten sofort losgelaufen wäre. Ich war heiß wie Frittenfett, jetzt auch abzuliefern. Früh verabschiedete ich mich vor dem Start von meiner Claudia und den anderen, dann ging ich in meinen Startblock 2. Konzentration. Start. Das Ergebnis leitete meinen Bericht ein. Es kam tatsächlich, wie erträumt. Über den Lauf werde ich eine Laufgeschichte verfassen.
Ich möchte hier mit diesem Bericht Mut machen. Mut, weiter zu machen, auch wenn es einmal nicht läuft. Selbstbewusst sich auf seine Stärken zu besinnen, an den Schwächen zu arbeiten. Sich nicht verrückt zu machen, was andere tun. Die haben eine eigene Geschichte. Und die passt niemals 1:1 zu einem selbst.


„Audere est facere“ steht unter dem Wappen der Tottenham Hotsspurs auf der Hose, die ich immer beim Stabi trage. Und auf dem dazugehörigen Trikot aus Klinsmanns Zeiten bei diesem Londoner Verein. „To dare ist to do“, die englische Übersetzung, ziert die Wände des Nachwuchszentrums der „Spurs“ in London, wie ich in einem Bericht in der FAZ gelesen hatte. Etwas zu wagen heißt, es einfach zu tun. Dann aber auch selbstbewusst damit umgehen, wenn es nicht geklappt hat. Geht aber nur, wenn man sich unterwegs nicht selbst betrogen hat. Auch dazu bietet ein Marathon genug Gelegenheiten. Ich habe gewagt. Und alles gewonnen. 

Danke dafür. Wem auch immer.


Freitag, 21. Oktober 2016

Unchain My Heart - endlich wie befreit

Heute war ich mal im Wald. Einfach so.Laufen. regeneratives Laufen sollte es werden, aber ohne Brustgurt. Freitags habe ich früh Feierabend, dann kann ich auch im kommenden Winter noch bei Tageslicht laufen. Montag, Mittwoch und gestern hatte ich die wohl letzten flotten bzw. Intervalleinheiten vor Frankfurt trainiert.
Unterwegs gehe ich das Programm der letzten Wochen einmal durch. Mitte August, nach dem Allgäu-Panorama-Ultra war ich durch. Eine Woche später reichte es beim Wörthersee-Halbmarathon nicht für eine Zeit unter 4:40. Es ging einfach nicht. Eine Woche absolute Laufpause, dann war der August herum und mir bleiben noch gut 8 Wochen. 8 Wochen, in denen ich mich zurück ins Tempo gekämpft habe. Nach vier Wochen hatte ich wenig Hoffnung. Zu quälend waren die Tempoeinheiten, wie mühsam war es, eine 4:45er Pace über auch nur 10 Kilometer zu halten. Wochen mit wenigen Einheiten, an deren Ende stand der Lichterlauf. 10 Kilometer. Es grauste mir vor der Distanz. Ich bin sie gelaufen. Ohne auf die Uhr zu sehen, nur gegen den virtuellen Läufer auf meiner Uhr. Wenn da keine Zeit deutlich unter 45 Minuten heraus gekommen wäre, hatte ich meine Frankfurt-Pläne wohl deutlich zurückschrauben müssen. Aber es ging eine 43:11. Keine Offenbarung, ein Ergebnis, das Mut machte. Also wurde dosiert weiter trainiert. Ich habe gemerkt, dass mein Körper nach den ganzen Belastungen in diesem Jahr Pausen braucht. Aber plötzlich am das Tempo im Training zurück. Ich hatte es nicht gezwungen, bin teilweise lustlos und voller Angst vor der Trainingseinheit los gelaufen, und dann ging es besser als gedacht. Die Pace unter 5 Minuten ging immer besser. Das machte etwas Mut. Aber über die 4:38er Pace in Frankfurt dachte ich gar nicht nach. Die Sicherheit kam am Sonntag beim Rhein-City-Run. Ich lief ihn gut in einer Pace von 4:32, habe mich nicht wirklich gequält und hätte das Tempo eine ganze Weile weiter laufen können.
Wie das konnte? Ich weiß es nicht. Eine physisch und psychisch, weil stets mit Selbstzweifeln durchsetzte, anstrengende Vorbereitung entwickelt sich zäh....und plötzlich platzt der Knoten. Laufen ist doch in jedem Falle Kopfsache. Wahrscheinlich habe ich nicht aufgegeben, weil ich das weiß.
Nach dem Lauf habe ich mich noch im Zielbereich via Facebook geoutet. Ich will die 3:15 in Frankfurt angehen. Ich will etwas riskieren. Einige Kommentare, die mir eine 3:25 und 3:22 prophezeien, motivieren mich zusätzlich. Denn ich weiß, dass man das bei mir nicht so ohne weiteres von einer Zehner- oder Halbmarathonzeit hochrechnen kann. Und die Leute kennen mich und meine aktuelle Situation nicht. Die Ratschläge sind gut gemeint und rechnerisch richtig, aber ich will diesmal nicht rechnen. Ich will etwas wagen, was im Normalfall nicht mit 60 bis 70 Wochenkilometern gehen kann.
Aber ich bin kein Hasadeur.
Montag danach war mir nicht nach erneuten 60 Minuten. Ich lief erst nach dem Abendessen, mit Stirnlampe. Und nur 6 Kilometer. Aber die taten gut. Am Mittwoch dann noch einmal 50 Minuten laufen nach Gefühl. 4:35er Pace, gefühlt locker. Das Tempo von Sonntag war wieder da. Auch die 200-Meter-Intervalle am Donnerstag liefen gut. All das bestätigt mich weiter, dass ich eine Chance habe, mein Ziel zu erreichen.
Dann ist es Frankfurt. Mittlerweile mein "Haus- und Hofmarathon". Mein 5.Start dort. Jeder Start war toll. 2011 mit einer frischen PB aus München und dem ersten Marathon unter 3:20 lief ich mit Daniela und Marion eine Zeit knapp unter 4 Stunden und lernte die Strecke kennen. 2012 dann meine noch heute gültige PB. ich wollte 3:15 und mir gelang eine 3:10:50. Bis heute unerreicht. Es lief so gut wie nie davor und nie mehr danach. 2013 dann mein Marathon eine Woche vor dem New York City Marathon. Mit Arbeits- und Laufkollegen Markus ging es in 5:25 ins Ziel. Stunden, nicht Pace. Markus war glücklich, ich war glücklich. Einen Freund zu seinem Traum verholfen. Auch das war ein Erlebnis, unterwegs und im Ziel. 2014 einmal nicht dabei, mit den vielen Bekannten am PC gefiebert und beschlossen, 2015 wieder dabei sein u wollen. Gesagt, getan. 10 Wochen nach unseren ersten 100 Meilen in Berlin wollte ich Dominik auf 3:25 ziehen. Bei Kilometer 30 musste er verletzt Tempo reduzieren, ich lief allein weiter und in eine Euphorie hinein. Eine 3:22 war die Belohnung für einen 12 Kilometer Endspurt.
Was fasziniert mich an Frankfurt? Ich weiß es nicht. aber es ist so. Ich liebe die Festhalle, der Zieleinlauf ist für mich der schönste. Ich will wieder dieses Gefühl von 2012, als ich auf dem Boden kniete und mit beiden Fäusten auf den Teppich getrommelt hatte. Wenige Sekunden Gänsehaut.
Dafür werde ich hart kämpfen müssen. Aber mit der Leidenschaft, die ich für den Marathon empfinde, kann es gelingen. Wenn es hart wird, schrecken mich 7 oder 8 Kilometer nicht mehr. Die Euphorie des Vorjahres auf der sonst als langweilig verschrienen Mainzer Landstraße kann  mir helfen, wenn die Kraft nachlässt. Und das Vertrauen in die 3:15 Pacer.
Meine Situation ist eine andere als 2012. Ich bin inzwischen im Beruf deutlich mehr belastet, arbeite mehr, intensiver und habe den Kopf nicht mehr so frei. Es ist schwer, sich im Büro abzuhetzen, damit das Training noch zwischen Arbeit und Abendessen mit der Familie passt. Und man läuft nicht so befreit los, wenn man nur schnell in die Laufklamotten springt und sofort wieder raus muss. Umso mehr brauche ich diese sportliche Herausforderung. Ich bin nun gestandener Ultraläufer, habe die 100 Meilen unter 24 Stunden und die 230 Kilometer in 32 Stunden absolviert, die 100 Kilometer, eine Triathlon-Langdistanz. Das kostet Sustanz, gibt aber auch grenzenloses Vertrauen in die eigene Ausdauer. Da kann man 7 oder 8 Kilometer schon einmal laufen, auch wenn es eigentlich nicht mehr geht. Darauf setze ich. Und das gibt mir die Überzeugung, es schaffen zu können.
Fast hatte ich meine Waldrunde beendet.So in Gedanken klang gerade Joe Cocker in meinem Kopfhörer. "Unchain my hear". Ein leidenschaftlicher Song. Befreie mein Herz. So fühlte ich ich heute. Der Druck ist abgefallen. Er wird zurückkehren, wenn ich im Schatten des "Hammering Man" unter dem Messeturm in Frankfurt stehen werde. Aber nicht vorher. Ich war gefühlt regenerativ eine Pace von 4:58 über 9,5 Kilometer gelaufen. Die Vorbereitung ist gelaufen.
Es kann  nun klappen.Oder auch nicht. Dann spielt es aber keine Rolle. Bestzeit wäre es sowieso nicht. Ich habe es dann versucht. Aber warum sollte es nicht klappen?

Ich habe dem Trainingsplan der Ausdauerschule misstraut. Und ihn auch einige Male zu meinem Vorteil abgeändert. Aber er scheint mich dennoch dahin geführt zu haben, wo ich hinkommen konnte.

Damit endet mein knapper Bericht über die Herbstsaison. Mir war nicht oft nach Schreiben. Aber ich komme langsam wieder mit mir und dem Laufen ins reine. Ich hoffe, über Rotterdam 2017 wird es mehr zu berichten geben.

Samstag, 15. Oktober 2016

Training für Frankfurt - der Wahnsinn hat gewisse Methode

Es war ruhig geworden in meinem Blog. Geistig und körperlich leer, in vielerlei Beziehung gestresst lief die ganze Vorbereitung auf Frankfurt nicht so wie geplant. Das "auf Tempo kommen" gestaltete sich äußerst schwierig, mit den vorgegebenen Terminen. 3-Halden-Lauf, Trail des 600 Boitheux, LiDoMa VIII auf der Motocross-Strecke in Werl ließ sich die Vorbereitung nicht so planen, wie ich es gerne gehabt hätte und es auch nötig gewesen wären. Auch das stresst mich, der ich Ansprüche in jeder Beziehung an mich selbst habe.

Noch einmal: Meine letzte "vorzeigbare" Marathonzeit datiert von Mai 2014 in Hamburg - eine 3:11:36. Aber ich muss mich selbst einmal am Riemen reißen. Die Fehler des Sommers stecken in meinem Körper. Dennoch lebt der Traum von einer 3:15 in Frankfurt, so unvernünftig er auch erscheinen mag. Ob er weiter lebt, wird morgen entschieden. Morgen findet die Premiere des Rhein-City-Runs, eines Halbmarathonlaufs von Düsseldorf nach Duisburg statt. 14 Tage vor dem Showdown des Laufjahres in Frankfurt. Einen ernsthaften Tempotest habe ich mit dem Lichterlauf über 10 km bei uns in Duisburg Ende September hinter mir.

Vor diesem Lauf war ich nervöser als vor der Tor Tour de Ruhr. Warum? Es war doch nur ein 10er? Nun, diese Distanz bin ich seit mehr als einem Jahr nicht mehr im Wettkampf gelaufen und ich hasse sie im Grunde. Ich wusste nicht, wie ich ihn angehen sollte, hatte aber den Anspruch, zumindest eine 43er Zeit zu laufen. Meine PB liegt irgendwo knapp unter 41:30, aber davon bin ich weit entfernt. Ich plante mal, mit einer 4:20er Pace los zu laufen. Der erste Kilometer war zu schnell, 4:05. Ups,aber ich fühlte mich ganz gut. Dennoch wusste ich, dass ich mein Tempo schnell reduzieren muss. Das tat ich auch, 4:17 war dann schon näher an dem, was ich mir vorgenommen hatte. Das Wetter war fast optimal, nicht zu warm und nicht zu kalt. Die Strecke kannte ich aus dem Training auswendig und ich wusste, dass ab km 3 ruhiges und kontinuierliches Laufen ohne viele Kurven, Brücken oder sonstige Schweinereien erst einmal möglich war. Bis zum Ende der ersten Runde lief ich meinen Stiefel ziemlich konstant herunter immer so um die 4:20, niemals langsamer. Einige Läufer hatte ich wieder überholt. Die hell erleuchtete Zielgerade und die vielen Leute, die meinen Namen Eingang der zweiten Runde riefen, motivierten für den anstrengenderen zweiten Teil des ganzen, somit wurde dieser Kilometer mit erneut 4:05 wieder viel zu schnell. Egal, das gab Puffer. Es waren nur noch 4 Kilometer. Was sind 4 Kilometer für einen Ultra? Unvorstellbar, das länger als 10 Kilometer zu laufen. Aber egal, da musste ich durch. Schon war das Startende der Regattabahn erreicht und es ging endgültig zurück. Markus lief zu mir auf, der Kollege aus der Ausdauerschule ist ungefähr meine momentane Kragenweite. Ein Stück laufen wir gemeinsam, dann kann ich ihn nicht mehr halten 4:24 für Kilometer 8, war es das schon? Nein Thomas, so leicht kommst Du nicht aus der Nummer. Auch wenn Markus weg war, da waren noch zwei weitere Läufer vor mir, an denen ich mich "festsaugen" konnte. Und das tat ich, auch wenn es weh tat. Kilometer 9 lief wieder in 4:17, auf dem 10. Kilometer konnte ich die "4" erreichen. Ein langer Endspurt, ich war im Ziel. Fertig wie lange nicht mehr. Ich traute mich kaum auf meine Uhr zu sehen. Stünde da nun eine hohe 44 oder so, hätte mich das weit herunter gezogen. Aber nein, eine 43:11 stand zu Buche. Ich freute mich verhalten. Mein Ziel war klar erreicht worden, fast ärgerte ich mich ein wenig, nicht an Markus dran geblieben zu sein, denn der hatte die 42:59 erreicht. Diese 10er-zeit ist keine Offenbarung gemessen an meinem Marathon-Traum von der 3:15, aber ich konnte zumindest ein gewisses Niveau zeigen. Und meine 10er Zeit stand noch nie in irgendwelchen Rechenrelationen zur Marathonzeit, die war immer zu langsam dafür. Ich durfte also weiter träumen und arbeiten.

Die Woche darauf stand ein 28 km GAT 1-Lauf an, der letzte wirklich lange Lauf meiner Vorbereitung, die ja mehr den Fokus auf Tempo haben sollte. Das Wetter war regnerisch, windig. Herbst halt. Nach den schönen Septembertagen für mich eher negativ, ich laufe gerne in Sonne und Wärme. Ich war gespannt, was dieser Lauf bringen würde. Ich spielte ein wenig mit dem Gedanken einer Endbeschleunigung, wollte aber erst einmal sehen, was so von alleine geht. Die Rheinuferrunde hatte ich mir ausgedacht, also ging es durch das Feld zum Rheinufer gegenüber der Alsumer Halde, dann Richtung Homberg. Trotz des strammen Windes, der nie so richtig von hinten zu kommen schien, blieb ich immer knapp unter der 5er Pace. Bei Baerl traf ich unsere Trainerin Sabine, die von ihrer Tochter auf dem Rad begleiet wurde. Wir liefen die nächsten Kilometer gemeinsam, was ihr zu einer ungewollten Endbeschleunigung verhalf und mich daher nicht wirklich ausbremste. Aber gut, das musste eigentlich auch gehen. Langsame Lange hatte ich genug gelaufen in den letzten Monaten. Irgendwie packte mich dann, als Sabine sich in Homberg nach Hause veranbschiedet hatte, der Wahnsinn. Ich unterlief die Ruhrorter Rheinbrücke und steuerte noch auf die A40-Brücke in Essenberg zu. Das ist zunächst einmal nicht so weit, der Rückweg hat es aber in sich, da die Ruhrmündung umlaufen werden muss. Mein Tempo erhöhte sich sogar noch, Beflügelt vom umgekehrten belaufen meiner letzten Meter bei der Tor Tour de Ruhr war sogar ein 4:37er Kilometer darunter. Richtung Ruhrort und Hafenpromenade traf mich aber dann der volle Gegenwind, der sich auf dem Deich bei Laar und Beeckerwerth noch steigerte. Dennoch blieb ich hier klar unter 5er Pace, es war nur halt keine Endbeschleunigung, sonder ein Tempo halten im Gegenwind. Im Endeffekt aber derselbe Effekt. Als ich merkte, dass ich am Fußer der A42-Rheinbrücke bereits 28 Kilometer auf dem Tacho haben würde und damit das gesteckte Trainingsziel erreicht, ließ ich mich am anderen Ufer abholen. Es wären sonst gut 34 Kilometer geworden, dafür war es dann doch etwas schnell. Fazit des entscheidenden langen Laufes: Pace von 4:52 auf 29 Kilometern ganz gut gehalten, trotz des strammen Windes und der weitgehenden Einsamkeit auf der Strecke. Frankfurt könnte klappen.

Mein Mini-Trainingslager beim Traildorado wird in der Geschichte auf  http://laufen-in-dortmund.de/nicht-lange-quatschen-laufen-traildorado-staffel-2016/ beschrieben. Auch wenn es durch Jans Ausfall mehr Kilometer als geplant wurden, war ich auch hier zufrieden. Pace spielt keine Rolle.

Morgen also nun die Generalprobe über die Halbmarathon-Distanz. Die laufe ich eigentlich ganz gerne. Ich darf sie auch nur noch im geplanten Marathon-Renntempo angehen, das wäre eine Pace von 4:38. Im Training am Mittwoch bin ich 12,5 Kilometer problemlos in 4:41er Pace gelaufen, ohne groß auf die Uhr zu sehen. Das macht mich optimistisch. Mit Startnummer vor dem Bauch geht es ja immer etwas leichter.

Im Ziel werde ich dann entscheiden. Habe ich es gepackt und fühle mich gut, versuche ich den Wahnsinn in Frankfurt. Komme ich "auf dem Zahnfleisch" ins Ziel oder schaffe diese Pace gar nicht, muss ich dem Laufjahr wohl den verdienten Tribut zollen. Dann wird umgeplant.