Montag, 25. August 2014

ALS Ice Bucket Challenge und der Drei-Halden-Lauf

Ja, ich weiß. Es ist der Tag, wo die Challenge nach einer guten Woche beginnt, den meisten auf den Gesit zu gehen. Darum möchte ich das mal aus meiner Sicht schildern. Ich habe das auch erst nur am Rande aus den Medien mitbekommen und für Blödsinn gehalten. Bis zum Samstag morgen. Ich habe seit Jahren keine Zeitung mehr abonniert, stattdessen lese ich morgens beim Frühstück via Laptop die News aus aller Welt. Und Claudia eröffnete mir :"Du bist nominiert" Und tatsächlich, aus dem sauerländischen Marsberg grüßte mich Laufkollege Manfred. Nun, durch das Lauf-As, als das er mich fälschlicherweise bezeichnete geschmeichelt war meine Entscheidung klar. Ich mach's! Aber warum mache ich es? Nun, beim 10 Kilometer Lauf mit meiner Claudia durch den Baerler Busch blieb Zeit, über Sinn und Unsinn meines Tuns nachzudenken, während die kaltgestellten Eiswürfelbereiter die benötigte Zeit zur Produktion der kleinen kalten Dinger hoffentlich nutzen würden.
Die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, ist mir bekannt, seit der damalige Wolfsburger Fußballprofi Krzysztof Nowak Anfang des Jahrtausends daran erkrankte und wenig später daran starb. Ich hatte auch im Kopf, das aufgrund des seltenen Vorkommens dieser Krankheit es sich für die Pharma-Forscher nicht rechnet, jahrelang diese Krankheit zu erforschen. Was das für die wenigen Betroffenen bedeutet, kann jeder bei Wikipedia nachlesen, den es interessiert. Würde ich unter normalen Umständen Geld hierfür spenden, wenn mich jemand dazu auffordert? Nein, ganz sicher nicht. Man kann  nicht für alles spenden, warum dann ausgerechnet dafür?
Ich hatte in diesem Jahr für Carine gespendet, die während der Riesenbecker Sixdays verstorbene Läuferin, damit Ihre Angehörigen nicht noch durch Überführungskosten belastet werden sollten. Es kam bei den Sixdays wohl auch eine ordentliche Summe zusammen. Ich habe auch Ende des Jahres für die Katastrophenopfer auf den Philippinen gespendet. Aber dies auch nur, weil Jörg Bunert kurzfristig einen Spendenlauf in Duisburg initiiert hatte, dem hunderte Läufer mit Ihren Spenden zu einem großen Erfolg verhalfen. Nun also ALS. Gut, manche mögen es Geltungssucht nennen, sich plakativ mit Eiswasser zu übergießen, sich damit im WWW feiern zu lassen und andere Leute mit Nominierungen zu nerven.
Ich sehe das anders. Ja, es gibt mir etwas, das von mir produzierte Video ins Netz zu stellen, ich freue mich über Reaktionen und klicks. Aber ich spende auch eine kleine Summe, denn viel wenig gibt auch ein viel. Und ich denke zu wissen, dass die Leute, deren Nominierung ich mir im Wald vorgenommen hatte, dies auch tun würden. Was bitte spricht dann dagegen? Ja, ich bin in gewisser Weise geltungssüchtig. Na und? Ja, ich mache mich zum Affen und stelle mein Video öffentlich ins Netz. Aber dafür zahle ich Geld und ich bin überzeugt, das Geld wird zumindest dabei helfen, es zumindest versucht zu haben, diese Krankheit in den Griff zu bekommen. Ich habe meinen Spaß, viele meiner Freunde und Bekannten auch und am Folgetag beim Drei-Halden-Lauf würde sich die Gelegenheit bietet, den nominierten Laufkumpel Werner ebenfalls der Challenge zu unterziehen.
Nun, am Sonntag Morgen konnte ich bereits auf Facebook lesen, dass beim Sommerfest des LC Duisburg am Samstag abend auch schon fleißig geschüttet, gespendet und nominiert worden war. Da der LC immer gerne teilnehmerstärkstes Team beim Drei-Halden-Lauf ist, war meine Hoffnung nicht ganz klein, dasss Werner nicht alleine nass werden würde. Vorsichtshalber nahm ich dann mal einen großen Eimer mit.....und meine Claudia dann auch noch mal trockene Sachen!
Und, nach 35 Kilometern im Ziel im Rheinpreußenstadion, löste Werner seine Nominierung ein. Gemeinsam mit Iris vom LC. Auch die beiden nominierten wieder je drei weitere. Claudia war ebenfalls fällig. Ach Michael schützte seine Facebook-Abstinenz hier nicht mehr wirklich, genauso wenig wie Heike. Das kalte Brunnenwasser fand seine Opfer. Auch meinen Großcousin Andre hat es so in Meerbeck erwischt.

Was soll dieser Blödsinn jetzt? Nun, wie bereits oben erwähnt, hätte kaum einer von uns gespendet, wenn einfach nur dazu aufgerufen worden wäre. So aber bot der Aufruf Spaß, Aufmerksamkeit und noch viele Gelegenheiten, davon zu erzählen. Ich finde, damit hat es seinen Sinn erfüllt. Es mag noch viele Dinge geben, für die man spenden kann. Aber alle kann man eben nicht erfüllen. Mein Respekt gilt allen, die sich beteiligt haben. Und allen, die gute Gründe hatten, es nicht zu tun. Wir jedenfalls hatten Spaß...und das ist eben auch keine Sache, für die ich mich schämen müsste.


Jetzt ist es aber auch wieder gut, unser Freundeskreis ist durchnominiert und viele haben mitgemacht. Darüber werden wir noch eine weile sprechen. Und lachen. Und sicher auch nachdenken.....

Sonntag, 24. August 2014

Challenge Day beim Drei-Halden-Lauf

Zeit, mal wieder mehr Kilometer zu machen. Und wo kann man das besser, als beim Drei-Halden-Lauf rund um unser Laufrevier daheim, sozusagen ein echtes Heimspiel. Der Lauf wird vom nun schon 10 Jahre alten Lauftreff "Die Stolperer" aus Moers als Gruppenlauf ohne Zeitnahme und Platzierung vom Rheinpreußen-Stadion in Moers-Meerbeck aus nun schon zum 6.Mal veranstaltet. Er führt zunächst nach Neukirchen-Vluyn, über die Himmelstreppe auf die Halde Norddeutschland. Dann geht es weiter nach Kamp-Lintfort auf die Halde Pattberg, ehe zuletzt unsere Trainingshalde Rheinpreußen auf Moerser Stadtgebiet belaufen wird. Die Gesamtstrecke beträgt knapp 36 Kilometer durch unsere niederrheinische Landschaft. Wir sind bereits zum 5.Mal dabei und haben natürlich auch in der Trainingsgruppe der Ausdauerschule wieder mächtig Werbung gemacht. Leider in diesem Jahr mit überschaubarer Resonanz, aber mit Heike, Michael und Werner waren zumindest drei weitere Bunertonis dabei. Auch wenn Werner sich lange geziert hatte.

Für uns war es seit Davos vor vier Wochen der erste richtig lange Lauf, aber der würde uns nicht schrecken. Wir freuten uns auch wieder auf ein Treffen mit vielen Lauffreunden und -bekannten. Der LC Duisburg um Marcus Kintzel, der uns alle noch mit einer Startertüte ausstattete (Danke, Marcus), war mit 20 Leuten angerückt. Und auch der TC Kray und der AS Neukirchen-Vluyn waren gut vertreten. Das Wetter meinte es gut mit uns, wir trafen uns bei 14 Grad und strahlendem Sonnenschein, der die Luft rasch erwärmte. Insgesamt sollte die Temperatur aber optimal bleiben. Nach dem üblichen "Hallo" und vielen netten Begrüßungen hielt Burkhard von den Stolperern ein launiges Briefing ab, er mahnt zum Einhalten der 6er Pace. Ebenso bat er uns eindringlich auf Bitte des Regionalverbandes Ruhr, dem der zu durchquerende Baerler Busch untersteht, das Rauchen und Grillen während des durch Laufens zu unterlassen.
Den Lacher hatte der RVR dann mal auch verdient. Während ich noch versuchte, mir vorzustellen, wie wir unterwegs im Wald wohl während einer 6er Pace rauchend den Grill anwerfen würden, war schon der Steiger im Bergmannskostüm mit der Schachtglocke an den Start gewechselt, es hieß aufbrechen. Meerbeck ist ein bäuerliches Dorf von 200 Einwohnern, welches mit Abteufen des Schachtes IV der Zeche Rheinpreußen 1900 in den folgenden 13 Jahren auf über 10.000 Einwohner anwuchs. Dessen Blütezeit dann natürlich mit dem Niedergang derselben ebenso endete, wie der des RSV Meerbeck, der einst in den siebziger Jahren in der Drittklassigkeit der damaligen Oberliga gegen Gegner wie RW Oberhausen, den 1.FC Bocholt und SW Essen mehrere tausend Zuschauer in die nun weitgehend dem Verfall preisgegebe Stadionanlage lockte. 23.000 Zuschauer waren dort früher einmal als Fassungsvermögen angegeben.  Hier spielten seinerzeit der Amateur-Nationalspieler Werner Pfeiffer (bei Alemannia Aachen auch in der Bundesliga am Ball) und der DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock.

Ich hatte hier im Jahre 1984 einmal in den Sommerferien ein Freundschaftsspiel des 1.FC Köln gegen den örtlichen Verein besucht, danach ging ich noch zu einem Nachbarn, wo eine gewisse Claudia aus meiner Jahrgangsstufe gerade zu Besuch war. Diese Claudia lief dann heute mal gemeinsam mit Heike kurz hinter mir aus besagtem Stadion. Wenn ich Ihr damals zur Begrüßung gesagt hätte, dass sie 30 Jahre später als Mutter meiner Töchter hier mit mir einen 36-Kilometer-Lauf machen würde, wäre das wohl später nix geworden mit uns.
Zunächst ging es hinter einem historischen Trecker, ich nehme mal an CO2-Plakettenbefreit, durch die alte Bergmannssiedlung. Hübsch restaurierte und ordentlich angestrichene typische Bergmannshäuser, wie es sie überall im Revier gibt. Vorbei am früheren Lehrlingsheim der Zeche verließen wir die Siedlung, es ging über Naturpfade vorbei am Stadtteil Repelen ins freie Feld Richtung Neukirchen-Vluyn. Schon taucht die Halde Norddeutschland am Horizont auf und mit Ihr das "Hallenhaus", ein hausförmiges Stahlskelett einer niederländischen Künstlergruppe, welches der Halde als Landmarke aufgesetzt worden war. Auf die Halde führt neben mehreren Naturwegen und einer Asphaltstraße auch die "Himmelstreppe", über 350 Stufen in drei Abschnitten direkt hoch zum Haldenplataeu. Die ging es nun im Laufschritt hinauf, denn oben wartete der zweite Verpflegungsstand bei Kilometer 9 auf uns. Die sind immer sehr liebevoll gestaltet und bieten nahezu alles, was das Läuferherz sich wünscht. Obst, Müsliriegel, Obstriegel, Salzgebäck sowie Iso und Wasser, später auch Cola und Weizen Alkoholfrei.

Die beiden Stände sind mobil und fahren dann jeweils wieder vor. Die Aussicht hier über den Niederrhein bis ins Ruhrgebiet ist toll, leider treibt uns die Pfeife des Führungsfahrrades schnell zum weiterlaufen. Ist schließlich keine Fressparty hier. Hinunter geht es in die Felder, dann entlang einer Auskiesungsfläche Richtung Kamp-Lintfort. es ergeben sich viele interessante Gespräche mit Mitläufern und -läuferinnen, jeder hat etwas zu erzählen und lässt sich gerne von Läufen anderer berichten. So vergeht Kilometer um Kilometer und schön steigt der Weg die Halde Pattberg hinauf. Pattberg war die Zeche von Moers-Repelen, einen Dorf mit ähnlicher Expansion wie Meerbeck in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Auch die Zechen von Kamp-Lintfort schütteten hier Bergematerial auf, seit 2012 ist die Kohleförderung auch hier beendet und damit der gesamte Berbau am Niederrhein. Der Pattberg ist eher unspektakulär, die Steigung hat es jedoch auch hier in sich. Oben erwartet uns ein 1991 errichtetes Gipfelkreuz und der gewohnt gut ausgestattete Verpflegungspunkt. Die Aussicht hier ist nicht mehr so gut, da es sich um die älteste Halde handelt, sind die Bäume schon recht hoch und verdecken einiges an Rundumsicht. 17 Kilometer haben wir schon, jetzt ist es ein längeres Stück bis zur letzten Halde.
Jetzt zieht sich unsere Karawane langsam in Richtung unseres Laufreviers, durch die Vierbaumer Heide laufen wir zum Baerler Busch. Wir alle sind begeistert von der abwechslungsreichenn Strecke und der perfekten Versorgung, im Gegensatz zu manchen Vorjahren . Ich freue mich, meinen Laufkollegen unsere Trainingsstrecken auf der Orsoyer Allee vorstellen zu können, ehe wir am Sportplatz in Baerl vorbei Richtung Waldsee laufen. der Waldsee ist eine alte Auskiesungsfläche, welche leider durch das Sickerwasser aus der Halde Rheinpreußen ein wenig vergiftet ist, so dass man hier nicht baden sollte. Noch eine kleine Runde um den See, unterbrochen vom vorletzten Verpflegungsstand, dann geht es über matschige Wehge zum Anstieg. Der hat es in sich, zunächst geht es auf trailähnlichen Pfaden zum unteren Haldenplateau, dann langsam ansteigend auf den Hauptweg und die Auffahrt, welche zunächst recht harmlos sanft ansteigend daher kommt. Ich habe mit Werner das Tempo ein wenig forciert, wir wollen nach knapp 30 Kilometern noch sehen, was geht. Den ersten Platz im Bergsprint werden wir nicht mehr erringen, dennoch kommen wir ganz respektabel und geschafft oben an. Es geht gleich weiter in den Turm des Geleuchts, einer überdimensionalen Grubenlampe, die als Landmarke weithin nicht nur von der A42-Rheinbrücke aus zu sehen ist und die des Nachts in roten und gelben Farben leuchtet. Der verstorbene Künstler Otto Piene hatte diese Anfang des Jahrtausends entworfen. Ein Trompeter steht hier oben, er gehört auch zum Laufveranstalter, und bläst uns den Marsch. Hier oben ist die Aussicht wieder grandios. Wir sehen die bereits bezwungenen Halden, die beiden Baerler Rheinbrücken und weit ins Ruhrgebiet hinein.
Von hier oben ist es nicht mehr weit, dann kehren wir zum Ausgangspunkt des Laufs ins Rheinpreußenstadion zurück. Der morbide Charme der verfallenden Ränge empfängt uns nach unserer Tour über die Nahtstelle zwischen bäuerlichem Niederrhein und und den Kohlerevieren der Ruhr, wo es in Herne-Sodingen oder Essen-Katernberg ähnliche Hinterlassenschaften einer bergbaugeförderten Fussballtradition gibt, die mit dem Förderer unterging. Schönen Gruß nach Wolfsburg und Leverkusen. Auch eine Lauf durch die Vergangenheit unserer Heimat, die sich durch Bergsenkungen und -schäden immer noch in Erinnerung bringt. Die 6er Pace haben wir übrigens als reine Laufzeit nahezu perfekt eingehalten!

Mit einer schönen Verlosung und der im Startgeld inbegriffenen Currywurst (sehr lecker) wäre ein schöner Tag zuende gegangen, wenn da nicht die ALS Ice-Bucket-Challenge gewesen wäre, die mich am gestrigen Samstag am Frühstückstisch in Gestalt der Nominierung durch einen sauerländer Laufbekannten ereiilt hatte.

Aber darüber philosophiere ich dann mal am lauffreien Montag.

Dank an die Stolperer für diesen tollen Lauftag, Eurer vielen Arbeit sei Dank. 2015 wären wir wieder am Start, ich hoffe, Ihr macht weiter!

Freitag, 22. August 2014

Auf der Suche nach Zielen.....

Nun ja, das Wetter lässt einen ja schon herbstlich melancholisch werden. Der Targobank-Run ist um, der Wettkampfarme August neigt sich dem Ende entgegen. Zeit für einen ersten Rück- und einen letzten Ausblick auf das Laufjahr. Was habe ich eigentlich geleistet? 10-Kilomter PB im Januar um 2 Sekunden verbessert, Halbmarathon-Bestzeit in Venlo infektionsbedingt nicht angegriffen. Marathon-Bestzeitversuch in Hamburg grandios gescheitert, dafür aber den Swissalpine K78 im Juli als ersten Alpin-Ultra gefinished. Mehr aber auch nicht! Im Juni 10-jähriges Marathon-Jubiläum dergestalt gefeiert, dass ich einen Marathon-Debütanten ins Ziel helfen konnte. Emotionsgeladene Risenbecker Sixdays im Mai mit dem Tod einer Mitläuferin durchlebt im wahrsten Sinne des Wortes, im Kontrast dazu sehr viel Spaß beim Ahrathon im Juni im Rahmen eines tollen Wochenendes mit unseren Lauffreunden aus der Ausdauerschule gehabt. Zum Halbjahr dann noch mit Claudia für sie den ersten Platz in der AK beim Hasetal-Marathon erreicht und eine weitere wunderschöne Laufveranstaltung kennengelernt.
Dennoch bin ich irgendwie hin- und hergerissen. Ein sportlicher Erfolg fehlt mir irgendwie, andersherum wäre es schade um die vielen prägenden Erlebnisse dieses Jahres, die ich bisher im Rahmen dieses wundervollen Sports erfahren durfte.
3-Haldenlauf 2013

Tja, was steht noch an? Jetzt erst einmal der 3-Halden-Lauf am Sonntag, eine liebevoll organisierte Veranstaltung des Lauftreffs "Die Stolperer" aus Moers. 6er Pace, rund 35 Kilometer rund um Moers und auf unsere 3 Landmarken. Ein guter langer Lauf, denn ich muss langsam wieder "auf Strecke" kommen. Das mit dem Tempo klappt ja noch ganz gut, die 4:03er Pace beim Targobank-Run und die zwei Läufe aus dem Büro nach Hause über jeweils 14,5 Kilometer in einer Pace klar unter 5 Minuten stimmen mich da optimistisch. Gestern abend dann 15 x 200 Meter Bergan-Sprints. Gut, es waren vielleicht 5 Höhenmeter auf den zweihundert Metern Brückenrampe in Duisburg-Wedau. Aber dennoch konnte ich mich wieder relativ weit vorne in der Trainingsgruppe bewegen. Und die konstanten Zeiten zwischen 30 und 41 Sekunden fand ich richtig gut. Ja, es hat mir sogar Spaß gemacht. Spaß in der Gruppe, Spaß, mich zu quälen und noch mehr Spaß, als man es hinter sich hatte.  In der nächsten Woche muss ich mich dann schon entscheiden. Beim Empathy-Run in Rheinberg, einem 6h-Lauf, werde ich wohl versuchen, relativ zügig zu laufen und "Meter zu machen". So 70 Kilometer sollten drin sein, hoffe ich. Dies, ohne mich völlig zu verausgaben, denn zwei Wochen später steht der LiDoMa VI im Maisfeld an. Auch den kann ich nur verhalten angehen, denn am 28.9. findet im Rahmen des Ulmer Einstein-Marathons der Sparkassenmarathon 2014 statt, zu dem wir mit 6 Läufern antreten. Dieses Jahr mal wieder über die Halbdistanz, denn die lässt mehr Kraft zum Feiern am Abend. Da möchte ich zumindest im Bereich meiner Bestzeit laufen, dass ich diese nicht knacken werde, ist bei dem Vorprogramm wohl leider klar. Na ja, und dann im Oktober heißt es noch Christian Pflüglers Ruf nach Meppen folgen, wo er den "6h-Lauf Münster goes Trail " ausrichten wird. Quasi als Vorbereitung auf Michele Ufers Traildorado 24h-Trail-Lauf. Vielleicht kann ich ja da noch einen Ultra über 100 km hinkriegen......

Gedanken über Gedanken, Pläne über Pläne. Ich sollte nicht unzufrieden, sondern dankbar sein für die vielen Möglichkeiten, die das Laufjahr mir noch bieten kann. Wie schnell etwas dazwischen kommt, was alles verändert, hat mir das Leben gerade mal wieder im Freundeskreis gezeigt. Aber auch, wie man mit Hilfe unseres Sport auch da wieder besser durchkommt. Also bleibt die Freude, die Erwartung.....und der Ehrgeiz. Denn ohne den, wäre alles auch mal wieder nichts.

Sonntag, 17. August 2014

Zu Besuch auf der Sprintstrecke - der Targobank-Run

Lange nichts mehr gebloggt.....aber Urlaub muss sein. Erst dem Ahrathon im Juni( http://www.laufen-in-dortmund.de/stories/2014/ahrathon2.htm ), dem Hasetal-Marathon in Löningen( http://www.laufen-in-dortmund.de/stories/2014/hase.htm ) und dazwischen dem RP-Staffellauf auf Schalke, alles mit WM-Stress, denn mein Bestreben war es, möglichst jedes Spiel zu sehen. Das schränkte auch die Trainingsmöglichkeiten ein. Am Ende des Urlaubs dann der K78 in Davos ( http://www.laufen-in-dortmund.de/stories/2014/davos.htm ), nach dem man ja nie weiß, wieviel Körner der gekostet haben würde. Zwei Mal hatte ich danach Tempo im Training angetestet. 6 Tage danach hatte ich es mit 2 x 2000m in 4:21 - 4:17er PAce relativ ruhig angehen lassen, zwei Wochen danach hatte ich am Baldeneysee wieder mehr als 10 km (15, um genau zu sein) in 5:20er Pace gewagt. Beim Donnerstags-Training mit der Ausdauerschule ging es 13 Tage nach Davos über 3 x 500 m hügelige Tempoläufe, dort hatte ich beim ersten ein paar Probleme, die zweiten und dritten klappten dann sehr gut. Dennoch bleiben Restzweifel. Ich bin dieses Jahr kaum kurze schnelle Dinger gelaufen.

Ich organisiere bei meinem Arbeitgeber ein wenig den Betriebssport im Bereich Laufen, damit versuche ich auch, Jahr für Jahr, über den Targobank-Run, der stets direkt vor unserer Firma stattfindet, möglichst viele Läufer zu begeistern. Ich emfinde diesen Lauf, der von der Targobank und Laufpapst Jörg Bunert nahezu perfekt organisiert wird, als die perfekte "Einstiegsdroge" gerade für junge Leute. Er hat relativ viel Zuschauerzuspruch, führt durch die schönen Ecken der Duisburger Innenstadt und der Zieleinlauf vor dem Stadttheater ist für viele das erste Mal, dass sie Sport vor einer nennenswerten Anzahl von Zuschauern treiben können. Blamieren kann man sich  nicht, denn der Zielschluss für die gut 5,9 Kilometer ist großzügig nach 60 Minuten angesetzt.
Das alles ist mit viel Arbeit verbunden, immer wieder muss man unschlüssige Kolleginnen und Kollegen ansprechen, Mails verschicken und dann viele Fragen beantworten. Dann das Treffen organisieren, denn wir arbeiten ja über das ganze Stadtgebiet von Duisburg und Kamp-Lintfort verteilt. Und natürlich den Druck, den man sich selbst auferlegt, denn man meint ja, einer Erwartungshaltung entsprechen zu müssen. Obwohl die 5 und 10 Kilometer ja nun nicht unsere Hausstrecken sind. Auch Claudia hat den gewissen Druck, ob sie will oder nicht. Denn sie gehört immer zu unseren Top-3 Läuferinnen und damit zum ersten Team. Im letzten Jahr hat es zum 3. Platz bei den Teams gereicht. Aber dazu muss man schnell sen. Würde das gehen nach Davos?
Team Sparkasse Duisburg beim Targobank-Run 2014 - Rekordaufgebot


Gut, dass ich keine Zeit hatte, nervös zu werden.Zunächst stand das Mannschaftsfoto unseres Großaufgebotes, auf das ich schon ein wenig stolz bin, auf dem Programm. Dann noch einen Treffpunkt für "nachher" ausgerufen, ein wenig warmgelaufen und schon standen wir an der Startlinie.
Warmlaufen mit Claudia
Foto: xtranews.de
Ich will wieder mit Esther Laufen. Esther läuft in der W50 und war vor zwei Jahren noch AK-Europameisterin und Vize über 800 bzw. 1500 m. Wir sind schon mehrfach hier zusammen gelaufen, ich bremse sie immer zu Beginn, ab Km 3 konnte sie mich oft noch zu guten Zeiten ziehen.

In der Startaufstellung treffe ich noch Uwe aus Dortmund. Erstartet für das Riesen-Team von Thyssen-Krupp und sollte mich heute alt aussehen lassen. Egal, Revanche folgt beim LiDoMa VI im Maisfeld!
mit Esther(583) Tempo finden
Foto: xtranews.de
Pünktlich ertönt der Startschuss und 5800 Läufer setzen sich in Bewegung. Wir finden schnell unser Tempo, ich bremse mehrfach ab. In diesem Tempobereich sortiert es sich schnell aus, die völlig wahnsinnigen unerfahrenen Läufer merken das zumeist innerhalb des ersten Kilometers, die Gefahr ist dann nur, dass die vor Dir unvermittelt stehen bleiben. 3:57 sagt mir meine Uhr, ich bremse noch etwas herunter. 4:10 hatten wir uns für die ersten 3 Kilometer im Schnitt vorgenommen, danach ist es dann sowieso egal. "Esther, Thomas" - Christian, mein Arbeitskollege, sitzt auf seinem Balkon und hat uns vorbeilaufen sehen. Wir sind bereits am Museum Küppersmühle. 4:10, der zweite Kilometer wird eine Punktlandung. Ich sehe Ümi vom Ayyo Team vor mir. "Immer die gleiche Gesichter" scherzt sie uns hinterher, als wir unter der A59 an ihr vorbeigehen. Es geht mir noch erstaunlich gut. Andre, mein Cousin, läuft 10 Meter vor mir. Weitere 10 Meter davor Marco aus unserer Ausdauerschule. Um den mache ich mir keine Sorgen, den würde ich noch einholen. Auch Lauffreund Werner hätte ich gerne noch eingeholt, aber ich sehe ihn nicht. Am Verpflegungsstand versuche ich, einen Schluck Wasser zu trinken. Ich verschlucke mich prompt und bereue es schon wieder. Esther ist noch dicht hinter mir, 4:04 für Kilometer 3. Bisher bin ich im Plan und ich habe noch Kraft, den nächsten Kilometer will ich ruhiger angehen lassen, denn der Weg an der alten Stadtmauer und dann auf Kopfsteinpflaster unangenehm bergauf zurück zum Burgplatz wird Körner kosten. Ich laufe auf dem geschotterten Tel die Stadtmauer entlang, die gepflasterte Hälfte des Weges ist aus Bruchkeramik aller Art zusammengesetzt, das empfinde ich als unangenehm zu laufen. Bergauf dann nehme ich Tempo heraus, Esther kommt noch einmal an meine Seite. Auch Cousin Andre kommt nicht weiter weg. Dann sind wir "oben", die Steinsche Gasse nutze ich, um wieder in den Rythmus zu kommen, was mir ganz gut gelingt. Ic h bin heute beindruckt von der Zahl der Zuschauer und der guten Stimmung hier überall an der Strecke, aber nun kommt der einsamere Part. Und auch auf der Strecke wird es leerer. Ich gehe an einigen vorbei, denen wohl der leichte Anstieg den Zahn gezogen hat. Jetzt wird es auch für mich schwerer, aber ich kann noch ganz gut meinen Schritt halten. Andre kommt näher und näher, am Friedrich-Wilhelm-Platz gehe ich vorbei. Sascha aus Dinslaken feuert mich an, das gibt nochmal Schub. Hier müsste Esther jetzt langsam die Führung übernommen haben, sie tut es aber nicht. Ich will mich aber auch nicht umdrehen. Kilomter 4 war mit 4:11 geplant ruhiger, aber jetzt heißt es endgültig "Handbremse lösen", wie unser Schleifer-Sven es immer so schön ausdrücken kann. Und Marco kommt langsam näher. ich wusste es. Auch Werner sehe ich jetzt vor Marco. Die beiden will ich holen. Das ist hier meine Form von Motivation. Ich gönne es jedem, wenn er dann am Ende schneller ist, aber wir sind im Wettkampf und ich will mich nicht den Ausreden in meinem Kopf hingeben. Da versucht nämlich das Teufelchen mir immer einzureden, dass ich ruhiger machen könne, die 80 km von Davos sind schließlich noch nicht so lange her. Wann biegen wir endlich auf die Tonhallenstraße ab? Die ist kurz, dann geht es nur noch über die Königstraße auf die letzten 900 Meter.
Wir sind da und biegen ab. Tolle Stimmung vor dem Casino, ich lasse jetzt laufen. Marco ist jetzt ganz dicht vor mir. Wo ist Esther? Ich drehe mich grundsätzlich nicht um, da muss ich jetzt alleine durch. Gut, dass Werner und Marco vor mir laufen. Ich bleibe kurz hinter Marco, bis wir die Königstraße verlassen. Noch eine Kurve, dann geht es leicht bergab auf den letzten 400 Metern zum Ziel.
Endspurt kurz vor der Ziellinie - Foto xtranews.de
Ich bin an Marco vorbei, aber zu Werner sind es noch 30 Meter. Und der wird auch sprinten. Ich bin am Anfang der Zielgeraden. Viele Zuschauer machen lärm, Musik, der Moderator sagt einige Läufer an.  Jetzt schneller werden, das Gefälle nutzen. Wann kommt endlich der Zielbogen? Die Beine brennen, dennoch zwinge ich mich, Tempo zu machen. Kurz vor dem Ziel habe ich Werner, dann endlich im Ziel. Sofort sinke ich an die Bande, schnell sitzt Marco mit schmerzverzerrtem Gesicht neben mir.
Familienfoto im Ziel  - stolz auf meine Mädels
24:04, damit 14 Sekunden langsamer als im Vorjahr. Dennoch bin ich zufrieden mit meiner guten Renneinteilung. Die 14 Sekunden schiebe ich dann mal auf  Davos. Werner ist im Gewusel verschwunden, denn nun kommen immer mehr Läufer. Jörg Bunert schießt das abgebildete Foto von uns "müden Helden", dann stehe ich auf und warte auf meine Team-Mitglieder, die langsam eintreffen. Esther kam etwa 13 Sekunden nach mir rein, dann Andre. Claudia verliert 46 Sekunden auf das Vorjahr, aber sie ist in Relation zu mir ja auch in Davos schneller gelaufen. Aber sie hat gebissen, obwohl sie keine Lust hatte und ihren Teil zum Team beigetragen.

Bei einem kühlen Radler, einer Bratwurst im Brötchen und dem tollen Feuerwerk über dem Stadttheater geht ein schöner Laufabend zuende. Ich habe bei allen Kolleginnen und Kollegen nur glückliche Gesichter gesehen, insbesondere meiner Tochter. Die war nämlich schneller als ihr Freund.

Zur Verteidigung des 3. Platzes aus dem Vorjahr bei den Frauen hat es dann leider nicht gereicht. Dennoch ärgern sich fast alle, als klar wurde, dass wir als 4. Frauenteam Platz 3 nur um 12 Sekunden verpasst hatten. Aber darauf kam es letztlich nicht an, auch ein 4. Platz von 386 Teams ist eine tolle Leistung.

Welches Fazit darf ich nun ziehen? Nun, nach 5 km war ich bereits im Bereich meiner Bestzeit, auf den letzten 900 Metern konnte ich noch zulegen und eine Pace von 3:47 laufen. Die Form ist noch da. MAl sehen, was der Ultra-September noch bringen wird......
Ich danke www.xtranews.de für die freundlich erteilte Genehmigung zur Verwendung einiger Fotos.


Sonntag, 22. Juni 2014

Ahrathon - Sport und Alkohol, geht das?

Eines vorweg: Ich bin kein großer Trinker alkoholischer Getränke. Wein oder alkoholhaltiges Bier gibt es bei uns zu Hause nur, wenn Besuch da ist und auch dann nicht immer. In Gesellschaft trinke ich gerne mal ein paar Biere oder ein paar Gläser Wein. Bei diesem Thema kommt ja leicht der falsche Eindruck rüber.

Das Video von Frank Pachura vom Ahrathon 2013 hat uns und unsere LAuffreunde von der Ausdauerschule by Bunert aber dermaßen begeistert, dass wir das 2014 auch mal probieren wollten. Sehen wir es mal so: Die einen haben halt einen Kegelclub und fahren ein Wochenende auf Kegeltour, die anderen haben das Laufen zum Hobby auserkoren, laufen in einen "Laufclub" und machen eben auch eine Tour an die Ahr. Marco kannte von einer früheren "echten" Herrentour unsere Unterkunft, ein altes Fachwerkhäuschen mit reichlich Gästebetten, welches wir dann mal komplett anmieteten. Ein großer Teil reiste schon am Freitag an, wir konnten im traumhaften Innenhof einen netten Grillabend veranstalten und bekamen Besuch von Mr. LiDo und Frau Kühlschrankberaterin. Dass unsere niederländischen Freunde gegen Spanien 5-1 gewannen und wir dies auf dem Laptop am Rande mitverfolgen konnten, tat der launigen Stimmung keinen Abbruch.

Samstags reiste dann der Rest der Bande an, nach gemeinsamem Frühstück ging es rüber nach Bad Neuenahr. Zum Lauf selbst ist das meiste in meinem Video zu sehen. Wer keine Lust auf 45 Minuten hat, kann auch einfach mal mitten rein schauen. Die Strecke ist schwer, aber bietet traumhafte Aussichten von den Weinbergen ins Ahrtal.
Ich hatte mir ja fest vorgenommen, ein Glas Wein pro Verpflegungsstand zu mir zu nehmen und das habe ich eingehalten. Das ging bis Kilometer 37 bestens, aber mir war klar, dass da ein Haken dabei sein musste. Sonst würde ja die Weltelite auch Wein an der Eigenverpflegung großer Marathonveranstaltungen deponieren. Tun sie aber seit 1896 nicht mehr. Warum nur?  Der besagte Haken kam dann bei 38 Kilometern. So einen Hammermann habe ich schon lange nicht mehr getroffen. Die flache Strecke entlang der Ahr wollte kein Ende nehmen, ich wollte auf Marco verweisen, dem zu Liebe wir doch langsamer laufen könnten (ach neh.....), aber meine Frau zog gnadenlos. Obwohl ich doch vor lief..... Den letzten V-Punkt ohne Wein ließ ich auf Befehl meiner Claudia aus, dann nur noch ins Ziel, an der Hand meiner Frau hinterhergeschleift. Auf diese entwürdigende Prozedur genehmigte ich mir an der Zielverpflegung erst mal einen Spätburgunder.

Aber nach kurzem Cooldown fühlte ich mich überraschend nüchtern, nur eine bleierne Schwere in meinen Laufwerkzeugen erinnerte mich an die 900 Höhenmeter und die 42,195 Kilometer. Ein gutes Training für den Swissalpine war es allemal. Und was den Alkohol angeht: Es war nicht das Ziel, sich bis zur halbseitigen Gesichtslähmung zu betrinken. Und da sich Laufen so gut auf Saufen reimt, ergeben sich halt mal so Sprüche wie "Dauersaufschule" statt "Ausdauerschule". Sven und Roman mögen mir das verzeihen, aber ein wenig lustig darf es ja auch mal sein.


Zurück in unseren Quartier "Anno dazumal" grillten wir die Reste vom Freitag weg und fuhren dann per Taxi zum Weingut Sonnenberg, wo die "Wein & Rock"-Party mit einer phantastischen Lifeband uns den Abend über in Stimmung hielt. Auch Frank und Marion waren wieder da, ebenso viele Läufer, mit denen man sich unterwegs unterhalten hatte. Ein grandioser Abschluss eines tollen Wochenendes. Übrigens bin ich den Rest des Tages und Abends mit zwei Flaschen Bier ausgekommen...

Samstag, 21. Juni 2014

TorTour de Ruhr - Helfereinsatz beim härtesten Ultra in Nordrhein-Westfalen

TorTour de Ruhr (http://www.tortourderuhr.de)- das hat mich fasziniert, seit ich irgendwann vor zwei oder drei Jahren davon hörte und losen Facebook-Kontakt mit Organisator Jens Vieler bekam. Einen Fluss von der Quelle bis zur Mündung abzulaufen, das ist für mich eine logische Sache. Keine künstlichen Strecken, einfach immer am Fluss entlang bis es nicht mehr geht. Das hat etwas ursprüngliches, man geht einen natürlichen Weg. Während eines Vorbereitungslaufs 2012 zum Frankfurt-Marathon war ich bereits einmal am Ziel des TTdR-Überbrückungs-Laufs vorbeigekommen und hatte kurz mit Jens und dem damaligen zweiten Alois sprechen können. Da war für mich schon klar, dass ich das auch einmal machen wollte.
Also meldeten Claudia und ich uns einfach mal bei Jens als Helfer für die diesjährige TTdR an. Diese zu laufen, sind wir lange noch nicht qualifiziert mit unserer relativ kurzen Ultra-Erfahrung, aber es liefen in diesem Jahr schon so viele Lauffreunde mit, dass wir halt live dabei sein wollten.  Am Dienstag vor Pfingsten, an dem Jens die Helferbesprechung terminiert hatte, machten wir uns vom Büro in Duisburg aus um 16:30 Uhr auf den Weg durch das Ruhrgebiet nach Hagen zu Jens. Wer einmal um diese Zeit das Revier von West nach Ost durchqueren musste weiß, dass das keine gute Idee ist, und so kamen wir nach fast 90 Minuten Fahrt bei Jens in Hagen an. Sein Haus sah im Inneren aus, wie das Zentrallager von Amazon, was nicht am bevorstehenden Unzug sondern an den vielen Utensilien zur Veranstaltung lag. Das gab einen Eindruck davon, was es für eine Arbeit macht, einen solchen Lauf zu organisieren. Man kennt das ja, es fängt klein an und dann wird es immer mehr, es kommen immer mehr Kleinigkeiten dazu und viel wenig gibt ein viel. Ich hatte hier schon einen Höllenrespekt vor dieser Orga-Leistung. Die Einweisung der Helfer gab zu verstehen, dass es sich hier bereits größtenteils um eingespielte Crews handelte. Es wurde ein informativer und netter Abend, zu dem natürlich auch der unvergleichliche Michele Ufer beitrug, der jedes Laufevent durch seine gute Laune bereichert. Unser Job wurde es, den Schreibkram beim Check-In am Start zu organisieren sowie die Helden des Flusses dann am Sonntag im Ziel in Empfang zu nehmen. Da für das Wochenende der Wetterfrosch Sengemann & Söhne mit Temperaturen weit jenseits der 30 Grad angekündigt hatte, organisierte ich noch von Kumpel Dirk einen zweiten Pavillion, den er uns über seine Hausverwaltung (https://www.facebook.com/bfquadrat) gerne zur Verfügung stellte. Den sollten wir am Sonntag dann noch gut gebrauchen können.

Dann wurde es Samstag, um 8:00 Uhr sollte der Start erfolgen, um halb sieben wollten wir in Winterberg an der Ruhrquelle sein. Marcel aus Rheinberg, Veranstalter des Niederrhein-Ultra 2013 und des Rheinberger Empathy-Run 6h-Laufs (www.spendenläufer.de) wollte auch die volle Strecke über 231 km in Angriff nehmen und wir boten an, ihn als Taxi mit zum Start nach Winterberg zu  nehmen. Also ging um 4 Uhr der Wecker. Mit Marcel an Bord ging es diesmal deutlich schneller über unser marodes Autobahnnetzt, jedoch gab auch hier alleine die Fahrzeit einen Eindruck, was unser Mitfahrer sich da vorgenommen hatte.

Die Ruhrquelle gab sich unspektakulär. Ein Stein, ein Rinnsaal und ein aufgebauter Pavillion, wo Jens uns schon mit weiteren Helfern erwartete. Wir bauten unsere Campingmöbel auf und der Check-in war eröffnet. Über 80 Starter abzuhaken, mit "All-Inclusive-Armband" zu versehen, vorher dort drauf die Startnummer zu notieren, Gesundheitszeugnis und Haftungserklärung abzunehmen und zum Fotografen zu schicken hört sich einfach an. Ist es auch, jedoch nicht mehr, wenn 75% der Starter dies in den letzten 20 Minuten tun wollen. Aber wir teilten uns die Arbeit ganz gut auf, zuletzt zu viert und alle Läufer kamen pünktlich an den Quell der Freude.
Ein launiges Briefing von Jens, dann setzte sich der Lindwurm zu den Kängen von Hells Bells in Bewegung. Ganz langsam, aber unaufhaltsam. Wie das Wasser, welches sich hier auf ddie 231 Kilometer lange Reise bis in den Rhein macht. Wir hingegen packten unsere Sachen zusammen und gingen die wenigen Meter zurück zum Parkplatz. Auf der Rückfahrt besuchten wir noch Freunde in Witten, wo wir bereits beim Frühstück auf der Terrasse einen Vorgeschmack von den Wetterbedingungen bekamen, bei denen die Läufer würden heute ihr Werk verrichten müssen. Es war hier im Ruhrtal deutlich schwüler und drückender als an den Hängen des Kahlen Astens. Das merkten wir auch am Nachmittag bei einer kleinen 11,5-Kilometer-Runde zu Hause. Obwohl wir durch den Wald liefen und kein besonders flottes Tempo drauf hatten, war es ein Gefühl wie im Treibhaus. Der Schweiß floss in Strömen und ich war froh, als die Runde beendet war. Danach noch schlappe 220 Kilometer? Zumindest an diesem Tage für mich unvorstellbar.

Abends dann noch ein 30. Geburtstag (ja, zu so etwas werden auch wir Zombies noch eingeladen) eines früheren Fußballkollegen auf unserer alten Platzanlage, wo mir schon Planungsgedanken an ein hier zu veranstaltendes Laufevent kamen. Und natürlich so die Gedanken, was wir alles in der Zeit geschafft kriegen, in der die anderen Laufen....und laufen....und laufen. In die Nacht. Nun auch mit den 100-Meilen-Startern auf der Strecke. Um 4 Uhr früh würden dann zuletzt die 100-Kilometer-Läufer auf die Piste gelassen.

Wieder war am Sonntag dann relativ früh Tag, denn um 9:30 Uhr hatten wir uns am Ziel in Duisburg-Neuenkamp an der Rampe zur Rheinorange angesagt. Eine an sich hässliche Bramme, so nennt man einen Rohstahlblock, aus dem im weiteren Verfahren dann Bleche und Drähte gewalzt werden. Dem hat man eine Orange Lackschicht verpasst, damit leuchtet das Teil gut Sichtbar über den Rhein Richtung Homberg und Ruhrorter Rheinbrücke, über die wir noch eine Woche zuvor im Rahmen des Rhein-Ruhr-Marathons gelaufen waren. Leider kommt man mit dem PKW nur ca. 1 1/2 Kilometer entfernt zum Parken, so dass wir den Pavilllion und mehrere Liegestühle für die Ankömmlinge auf einem Rollbrett zum Ziel bugsierten.
Das klappte ganz gut, der sichtlich übernächtigte Jens mit dem bereits am Ohr festgewachsenen Handy empfing uns bereits mit dem Materialbus. Schnell bauten wir die Pavillions auf, denn der Himmel begann sich bereits zu zu ziehen. Es waren schon mächtig viele Starter und Starterinnen ausgestiegen, die Hitze des ersten TAges hatte bereits ihren Triut gefordert. Auch Marcel war schon nach knapp 75 Kilometern mit Anzeichen eines Sonnenstichs raus. Im Grunde waren wir aber froh, dass jeder Läufer so vernünftig war, selbst abzubrechen. Ein Abtransport ins Krankenhaus war das letzte, was dieser Lauf gebrauchen konnte. Nach Jens Diktat strich ich die Läufer von der Zieleinlaufliste, denn die Übersicht, wer noch wo ist ist eminent wichtig bei so einem Event. Dann kam bereits Peter Kaminsky mit seiner Crew in Sicht. Finisch nach gut 27 Stunden,, Titel aus 2012 verteidigt. Kaum war Peter versorgt und saß im Liegestuhl, begann das Gewitter. Windböen und ein kurzer, aber heftiger Regenschauer ließ uns gemeinsam mit Peters Crew die Pavillions festhalten. Es gelang uns, diese vor Schaden zu bewahren und der Großteil des Unwetters zog Richtung Norden vorbei.

Ich will jetzt hier gar nicht im Einzelnen auf die Zieleinläufe eingehen. Den Eindruck verschafft sich der Leser am Besten mit dem beigefügten Video.

Ich bemühte mich, jeweils die knapp 400 Meter von den Zelten zum Orangeum mit zu traben und den Zieleinlauf Videotechnisch festzuhalten. Einige Zuschauer versammelten sich, die zumeist bekannte der erwarteten Läufer waren.  Mit fortschreitender Finisherzahl, denn auch die 100-Meiler und die 100-Kilometer-"Bambinis" trafen langsam ein, verlegten wir den Bürotisch ans Orangeum. Die Zeit verging wie im Fluge. Unvergessen die Einläufe Oli Schoiber, von Marcus Kintzel bei seinem ersten 100er, von Alois Wimmer als Sieger der 100 Meilen, von Ricarda Behtke als erster Frau. Und von Lokalmatadorin Anja Tegatz mit toler Begleitung des Kolleginnen des LC Duisburg. Zeit spielt hier keine Rolle. Platzierung eine untergeordnete. Das Schaffen der Distanz ist das, was hier jeden vorantreibt. Man spürt förmlich die Emotion, wenn die Finisher an das orangefarbene Stahlstück klatschen und sich bewusst werden, dass sie im Ziel sind. Einige sehen aus, als fielen sie jeden Moment tot um. Andere, als ob sie gerade eine Runde um den Block getrabt wären. Man kann das schlecht in Worte fassen, man muss es erlebt haben. Man wird Teil des Events, auch wenn man "nur" das weiße Helfershirt trägt.
Auch wir bekamen Besuch von Freunden aus der Ausdauerschule, die sich auch beeindruckt zeigten. Braucht dieser Lauf mehr Publikum am Ziel? Ich sage, nein. Ich glaube auch nach meiner Biel Erfahrung, dass das Erreichen des Ziels etwas ist, was Dich ohnehin im Moment über den Dingen stehen lässt. Mir war es in Biel auch egal, wie viele Leute da applaudierten. Die Linie am Boden war es, die die 100 Kilometer beendete. So wird es den meisten Läufern an jenem Pfingstsonntag auch ergangen sein.

Ich wundere mich heute noch, dass ich mir keinen bösen Sonnenbrand dort am Rheinufer zugezogen habe, aber nachdem alle Urkunden handschriftlich ausgefüllt und die Mehrzahl der Läufer im Ziel waren, waren auch Claudia und ich ziemlich platt. Jens verabschiedete sich bereits ins Hostel, wir wollten noch bis kurz vor Elf bleiben und dann mit dem Shuttle-Bus und den letzten Läufern nachkommen. Alle würden wir nicht mehr erwischen. Um 22 Uhr war offizieller Zielschluss, um kurz vor Elf brachen wir den Rest der Zielversorgung ab. Hört sich brutal an, aber irgendwann ist Schluss und die Läufer wissen das. Wer später ankommt, ist auf seine Crew angewiesen und das klappt in der Regel ja auch. Toll noch der letzte Zieleinlauf von Yvonne Prommesberger, Emotionen pur gemeinsam mit der Crew in völliger Dunkelheit an der Ruhrmündung.  Überglücklich, dass überhaupt noch jemand da war und wohl auch über meine Zusage der Urkunde und Gürtelschnalle im Hostel. Kein strenger Cut-off mehr!

Was hat mir der Tag gegeben? Im Hostel saßen wir noch bei Pommes und Currywurst (Ruhrtypisch eben) in einem Traumhaften Biergarten in Traumhafter Nacht, mit Alois, Birger und Frank an einem Tisch und staunten, wie fit so mancher hier am frühen Montagmorgen noch war. Es war eine ganz eigentümliche, familiäre Atmosphäre, die mich sofort in den Bann zog. Mein Entschluss für 2016 steht, soviel war bereits hier klar.

Nochmal an dieser Stelle meinen höchsten Respekt allen Finishern und gerade auch allen "DNF's". Manchmal gehört mehr Mut und Kraft dazu, seine Grenzen zu erkennen. Auch Danke an Jens Vieler und seine Crew, der so ein gigantisches Event in seiner Freizeit organisiert. Und ein Appell an alle, die nur mal gucken waren: Claudia und ich möchten 2016 laufen, also: Wer vertritt uns als Helfer?





Freitag, 20. Juni 2014

"Ruhewochen" - Rhein-Ruhr-Marathon

Was macht der Thomas, wenn er mal nicht läuft? Gute Frage, stelle ich mir gerade und finde, es ist an der Zeit, nochmal kurz meinen Blog zu füllen.

Freitag Mittag den 30.5.  waren wir zurück von den Sixdays, Samstag dann schon wieder auf der Messe beim Rhein-Ruhr-Marathon, um unsere Startunterlagen abzuholen
Denn Sonntag früh sollte es ja schon weitergehen. Samstag noch schnell ein paar neue Energy Boost zugelegt, denn die alten sind durch und die laufe ich im Moment beim Marathon am liebsten. Ja, ich weiß, ich höre schon Euch Mahner: "Keine neuen Schuhe beim Marathon". Aber das macht mir nichts, denn meine Füße sind in der Beziehung eher unproblematisch und das Modell ist für sie ja nicht neu.

Wir wollten es am Sonntag mit einer privaten 4h-Pacemaker-Gruppe versuchen, Werner, Trainerin Sabine und mit Holger und Michael zwei Marathon-Debütanten wollten mit von der Partie sein. Dazu gesellte sich dann noch Karin aus dem Essener Laufkurs. Ich hatte mir das Finisher-Shirt 2004 mit einem Hinweis auf mein Jubiläum  bedrucken lassen, denn 10 Jahre zuvor hatte ich ebenfalls am ersten Sonntag im Juni auf dieser Strecke mein Marathon-Debüt gegeben. Was hat sich seither nicht alles bei uns verändert?

Zum Marathon ist nicht viel zu sagen. Ich habe es genossen, mal wieder ohne Blick auf die Uhr laufen zu können. Na ja, stimmt nicht ganz. Denn ich musste meine Truppe immer wieder anpfeifen, nicht zu schnell zu werden. Denn die echten 4:00-Stunden Brems-/Zugläufer legten von Beginn an ein zu hohes Tempo vor. Und es war sonnig und relativ warm an diesem 1 Juni. Ich machte mir hier, nach wenigen Kilometern bereits, Sorgen um unsere beiden Debütanten, denn zu Beginn zu schnell zu sein hat sich meistens später gerächt.

So ließ ich die Bande laufen und bremste ab, nutzte dabei die Gelegenheit, zwei Läufern aus Neuss die Schönheiten der Steuerverschwendungen und Bauskandale im Innenhafen näher zu bringen. Stichworte Landesarchiv, Treppe am nie gebauten Eurogate und Stahlskelett am Museum Küppersmühle. Wer mag, darf gerne googelen.

Kurz vor Meiderich hatte ich wieder zu der Bande aufgeschlossen, man wurde also endlich langsamer. Bei km 15 stand ein Kollege von mir und meiner Tochter am Straßenrand mit einem Becher Sekt zur Feier des Tages, ich kippte diesen schnell herunter, bedankte mich und wartete auf die Wirkung. Na ja, für den Ahrathon Mitte des Monats musste ich ja eh trainieren. Die Wirkung blieb jedoch aus, was mich beruhigt Richtung Weinberge an der Ahr blicken ließ.

Zur Halbmarathonmarke in Duisburg-Homberg waren wir ganz gut in 1:58 unterwegs, aber nun begann es richtig warm zu werden. Werner hatte sich nach vorne abgesetzt, Sabine und ich liefen noch mit Michaael und Holger, die langsam Probleme bekamen, wie es schien. In Rheinhausen mussten erst Michael, später Holger dann  krampfgeplagt Gehpausen einlegen. Sabine und ich teilten uns auf, ich blieb bei Michael und Sabine bei Holger. Da mir meine Zeit relativ latte war, machte ich es mir also dann zur Aufgabe, einen Trainingskollegen ins Ziel zu schleifen. Ich hoffte natürlich, dass ich dabei laufen konnte und nicht gehen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.....denn Michael hatte immer wieder Krämpfe. Zurück über den Rhein wurde es mit dem Gehen zu heftig, ich erinnerte mich an die Worte von Dr. Schohmaker in Riesenbeck beim Vortrag und borge mir am Altenheim an der Karl-Jarres-Straße von zwei netten Omis den Salzstreuer. Leider kam nicht viel heraus, als ich einen Becher Wasser in Salzlösung für Michael verwandeln wollte. Es ging mehr schlecht als recht weiter, Birgit gesellte sich zu uns und wollte mich auf meinem Jubiläumslauf die letzten 10 Kilometer begleiten. Fand ich ganz toll von Birgit und hat mich sehr gefreut.

Da es mit den Krämpfen nach der einen Prise Salz natürlich nicht besser wurde, stürmte ich dann mal das erstbeste Balkan-Restaurant, an dem wir vorbei liefen. Die Bedienung war sehr nett, als ich verschwitzt zwischen den speisenden Gästen nach einer Hand voll Salz fragte. Nach kurzer Erklärung bekam ich dann eine Serviette voll, die ich als kleines Säckchen von da ab in der Hand trug An jedem Wasserstand gab es nun Salzlösung für Michael und es wurde tatsächlich langsam wieder besser. Von Birgit und mir zugequatscht lief er wieder mehr, als er ging. Und wollte wahrscheinlich nur noch ins Ziel, damit er seine Ruhe hatte. Mit einer soliden 4:25 liefen wir am Ende in die MSV-Arena ein. Ich fühlte mich sehr gut, was aber so kurz nach den anstrengenden Sixdays eher daran gelegen haben mag, dass ich in der zweiten Hälfte meine Gehpausen hatte.

Claudia kam kurz nach uns in einer 4:27er Zeit mit ihrem "Schützling" und mit Sabine ins Ziel. Holger ist dann doch wegen seiner Krämpfe ausgestiegen. Schade.



Auf dem sonnigen Rasen der Arena klingt dann ein schöner Lauftag mit einem kühlen KöPi aus. Der Rhein-Ruhr-Marathon hatte uns nach 4 Jahren wieder. Und Michael konnte stolz seinen ersten Marathon feiern. Gibt es was schöneres zum Jubiläum?


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