Mittwoch, 4. Mai 2016

Riesenbecker Sixdays part III - Stunde der Wahrheit

Der Mettingen Montag war vorüber, die "Etappe der Wahrheit" von Mettingen nach Ibbenbüren-Dickenberg stand an. Für mich war es in all den vergangenen Jahren keine schöne Wahrheit. Bereits beim ersten Mal musste ich kämpfen nach einer Euphorie am Montag, die mich scheinbar fliegend ins Ziel getragen hatte. Aber auch in meinem besten Jahr 2012 hatte ich hier zu kämpfen und hatte hier den Grundstein für meine damalige Top 100 Platzierung gelegt. Und 2014 war es sowieso eine ganz besondere Etappe durch den strömenden Regen, den, wie ich damals schrieb, "kein Hollywood-Regisseur weggelassen haben würde". Ich werde diesen Tag, diesen Start damals nicht vergessen.
Zieleinlauf 2014

Auch in diesem Jahr bei herrlichem Wetter steht Karine nochmals im Mittelpunkt vor der Kirche in Mettingen. Einmal noch in der strahlenden Sonne stehen , in der mir in diesen Minten nicht der kalte Wind eine Gänsehaut verschaffte. Ich kann dast den Regen des Vorjahres spüren. Die französischen Freunde Karines stehen unweit von mir fast an der selben Stelle wie zwei Jahre zuvor. Aus den Lautsprechern klingt Andreas' Gabaliers "Amoi seg ma uns wieder" und ich blicke zur Staute des hl. St. Michael, dessen dunkle Kulisse sich vor mir im Gegenlicht hart vor dem blauen Himmel abzeichnet. Ich habe die Mütze abgenommen und glaube in diesen Momenten, dass uns hier aus dem tiefen Blau mit seinen weißen Wolken jemand zusieht und dabei ist. Eine Frau, die ich nie gekannt und nur kurz gesehen hatte, und die hier doch so omnipräsent erscheint.

Damit ist das Thema durch, nicht vergessen, aber im Sinne von "Das Leben geht weiter" für mich verarbeitet. Kommen wir zurück zum Laufen. Die Etappe hat ihre Tücken und entsprechend verhalten gehen Marco und ich das Ganze an.  Marco hat leichte Knieprobleme wie so jhäufig, wenn er viel durch hügeliges Gelände läuft. Mir geht es blendend, das Beste für mich ist hier wirklich, dass ich keine Zeit habe, mir wirklich über die TorTour de Ruhr Gedanken zu machen. Dieser Lauf nimmt mich im Moment noch völlig ein. Nicht kräftemäßig, ich habe keine Spur von Muskelkater und auch sonst keine Beschwerden, aber mental. Ich laufe hier naturgemäß weiter hinten im Feld und habe die Luft, mich zu unterhalten. Dabei lerne ich viele interessante Leute kennen und respektieren, die ich sonst nie gesehen habe. Denn die alle um mich herum kämpfen sich hier durch, mit viel Herz und Engagement. Sie alle sind stolz auf das, was sie hier bisher leisten oder geleistet haben und das sollen sie auch sein. Denn hier in diesem Lauf ist jeder ein Sieger, der jetzt hier noch im Rennen sein darf.

Ich habe jetzt schon fast Angst, dass ich angesichts der Flut der Highlights in diesem Frühjahr das Ding zu Pfingsten zu leicht nehme. Es sind nur noch 10 Tage bis zu jenen 230 Kilometern von der Ruhrquelle in Winterberg zur Mündung in Duisburg-Ruhrort. Eine Wahnsinnstat, die Claudias und meine Vorhaben seit nunmehr zwei Jahren beeinflussen, die wir da vor haben und nun bereits in wenigen Tagen umsetzen wollen. Wir sind damit nicht alleine, auch hier bei den Sixdays finden sich mit HaWe und Tanja mindestens zwei Teilnehmer. Wir nutzen das hier als Training, ohne damit die Veranstaltung abqualifizieren zu wollen. Und es ist sehr gutes Training, hier in der vorletzten Woche täglich noch einmal Runden von 17-23 Kilometern drehen zu können. Ich werde die vielen netten Gespräche mit den anderen Teilnehmern und die unvergleichlichen Eindrücke dieser Frühlingslandschaft - das Wetter meint es in diesem Jahr besonders gut mit uns - mit an die Ruhr nehmen.

Der Zieleinlauf der 4. Etappe war mir noch nie so leicht gefallen wie an diesem Tage. Frank Sommerkamp wartete wieder auf uns auf seiner "Haus- und Hofstrecke" um die Dickenberger Halde. Ich zog ein wenig an, denn aufgrund meiner frühen Starts in Mettingen und Ibbenbüren ist Marco etwas vor mir in der Ergebnisliste. Die Nettozeiten....aber das ist ja im Grunde völlig egal. Ich bin in diesem Jahr richtig entspannt bei dieser Veranstaltung. Fast denke ich mit Schrecken daran, dass ich mich ab Spätsommer ja wieder auf einen schnellen Marathon vorbereiten möchte. Aber bis dahin ist ja noch viel Zeit.

Montag, 2. Mai 2016

Riesenbecker Sixdays Part II - Gedanken zum Mettinger Montag

Das Glück kann ein ein Arschloch sein. Vor zwei Jahren, bei ebenfalls herrlichem Wetter, hatten wir die Riesenbecker Sixdays -Etappe 3 noch genossen, ich hatte mich damit abgefunden, dass es nicht so laufen konnte wie 2012 und mich mit den Resultaten angefreundet. Da kam die Nachricht vom Tode einer Läuferin, vom Tode von Karine. ( http://laufen-in-dortmund.blogspot.de/2014/05/riesenbecker-sixdays-etappe-der.html ) Und dazu kam der Regen. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet, es Regnete vor dem Start dieser anderen Etappe in Mettingen 2014. Niemals werde ich die Minuten vergessen, in denen wir vor der Kirche in Mettingen am Dienstag standen und in denen Zeiten und Strecke so unwichtig waren, wie nur irgendetwas. Dazu gibt es das eine Foto, auf dem meine Claudia mit ihrem unnachahmlichen Lächeln am Bahnübergang das ganze Glück diese Sports zu genießen schien, dahinter Karine läuft, die bereits wenige Zeit später nicht mehr unter uns weilen sollte. Ich verzichte bewusst darauf, diese Foto hier zu veröffentlichen.
Daran muss ich auch denken als wir mit Marco und Kim in Mettingen - wieder bei herrlichem Wetter - auf dem Kirchplatz, wo gerade das Ziel aufgebaut wurde, eintreffen. In diesem Moment leben wir das Glück der absolvierten Kilometer, freuen uns auf den Lauf. Und morgen kann die Welt eine andere sein. Für Dich, für mich, für jeden von uns.
Der Lauf am gestrigen Tage berauschte mich einfach. Endlich war es mit 18 Grad für die Jahreszeit angemessen warm. Die Abendsonne malt die Fassaden der alten Gebäude in Tecklenburg besonders leuchtend, sie bietet uns beim Weg hinab nach Ledde durch den Forst ein magisches Licht, wenn ihre sichtbaren Lichtstrahlen schräg zwischen den Bäumen auf den Boden ein Muster aus Licht und Schatten projizieren.
Auch lässt sie die Rapsfelder, zwischen denen wir wieder Höhe gewinnen, intensiv duften und leuchten. Genau so muss es vor zwei Jahren gewesen sein.
Als wir im Wald an jener Stelle vorbeikommen, an der Karine Ihre Rennen beenden musste, halte ich kurz inne und bleibe stehen. Kurze Gedanken an die Flüchtigkeit des Glückes, aber auch das intensive Erleben dieses Ortes, an dem so viele ahnungslos vorüber laufen. Vor uns läuft ein Läufer der Gallopins de Guyenne. Er läuft weiter und wird wissen, warum. Mir kommt das Zitat von Herrmann Hesse in den Kopf, welches vor zwei Jahren auf der Homepage der Sixdays zur Unterlegung der Worte, die zur Fortsetzung der Veranstaltung aufriefen, Verwendung fand:

"Jeder Mensch aber ist nicht nur er selber, er ist auch der einmalige, ganz besondere, in jedem Fall wichtige und merkwürdige Punkt, wo die Erscheinungen der Welt sich kreuzen, nur einmal so und nie wieder. Darum ist jedes Menschen Geschichte wichtig, ewig, göttlich, darum ist jeder Mensch solange er irgend lebt und den Willen der Natur erfüllt, wunderbar und jeder Aufmerksamkeit würdig."

Dann bin ich auch mental wieder im Rennen. Denn das Rennen, das Leben ging weiter seit 2014. Und das ist gut so. Auch wenn es manchmal scheint, als seinen wir der Nabel dieser Welt - wirklich eine andere würde sie ohne uns nicht sein.
Jeder von uns ist unendlich wichtig, hat unendlich wichtige Dinge zu tun und zu berichten. Aber die Sonne scheint genauso auf diese Welt wie vor zwei Jahren, die Läuferschlange
bewegt sich genau so durch die hügelige Landschaft. Nichts scheint sich verändert zu haben. Und was haben wir alles in den letzten zwei Jahren getan? Was haben wir erlebt, gesehen, gefühlt?
Und so ist es gut.
Der Mettinger Montag empfängt uns mit aller Euphorie, als wir am Autohaus die Holtkamp-Siedlung nach der letzten Steigung verlassen. Wir laufen berauscht, wir werden schneller, wir lassen andere Läufer hinter uns. Nicht wegen irgendwelcher Ergebnislisten, sondern weil uns im Moment danach ist. Wir können beide schneller laufen, als wir es hier tun und ich hoffe immer, dass die anderen es nicht als Beleidigung empfinden, wenn sie ihre Höchstleistung in dem Moment vollbrigen, in dem ich sie zum dritten Male scheinbar leicht und locker überhole. Marco wird immer schneller. Ich horche intensiv in meinen angeschlagenen Oberschenkel hinein, aber da scheint alles in Ordnung. Wir fliegen scheinbar an den Läufern vor uns vorbei, erreichen Mettingen und hören den Lärm des Zielkorridors. "Glaubst Du nicht, dass 3:38er Pace etwas schnell ist?" rufe ich Marco zu. "Nö" ruft er beschleunigend zurück. Im Vollsprint geht es durch Zuschauer und Cheerleader ins Ziel. Das ist wieder der Laufwettkampf, das Rennen um Zeiten und Resultate. Das war der Moment, in dem Du meinst, dass alle Augen auf Dich gerichtet sind und das Glück kübelweise über Dir ausgeschüttet wird.

Es kann vergänglich sein - aber dieser Moment gehört Dir. Darum laufe ich. Und darum leben wir.
Solange wir dürfen.

Coming home.......Riesenbecker Sixdays part. I

Die Woche nach den 100 Kilometern beim 24h-Lauf vom Seilersee  ( kann man hier nachlesen: http://laufen-in-dortmund.de/gelungener-test-am-seilersee-in-jeder-beziehung/ ) verging wie im Flug auch ohne Lauftraining. Denn ich wollte - bis auf unsere Donnerstags-Übungseinheit mit der Ausdauerschule - wirklich einmal die Füße ruhig halten. Eine Woche kaum laufen, denn 100 km sind 100 km und stecken irgendwo in den Beinen. Hey Mann, ich muss mich hier selbst einmal stoppen: Ich bin 100 Kilometer gelaufen! Das ist etwas, wovon ich noch vor drei Jahren geträumt hattte, es dann im Juni 2013 in Biel tatsächlich umsetzen konnte und nun.....nun ist es quasi "Training" und ich tue es eine Woche vor den Riesenbecker Sixdays. Jener Veranstaltung, die für mich und auch für Claudia eine der schönsten ist, an denen wir bisher teilnehmen durften. Jetzt liegt auch diese Veranstaltung als "Training" für das Mammutprojekt TorTour de Ruhr vor uns ausgebreitet.

Aber ich schweife ab. Ich war beim Training am Donnerstag. Lange Berganläufe standen auf dem Plan, wir trafen uns wieder an der Sportanlage von TuRa 88 am Fuße des Kaiserberges in Duisburg. Das Wetter bleib die ganze Woche mehr als bescheiden und ließ bange Erwartungen an die Sixdays aufkommen. Vor dem Training war es "schweinekalt" und schwarze Wolken drohten am Himmel. Ich hielt meine zusammengepackte Regenjacke in der Hand, wir liefen los. Bereits nach dem ersten Berganlauf, Marco, Claudia und ich und hoffentlich auch Kim in der anderen Trainingsgruppe, liefen mit gebremstem Schaum, begann es zu regnen. Bei Temperaturen um die 7 Grad wirklich nicht schön. Das "Hügelchen hat so 450 Meter Länge und dabei jeweils 35 Höhenmeter. Das ganze dann bei stärker werdendem Regen 8 Mal. Das reicht auch bei gemäßigte Tempo für Dicke Oberschenkel. Ich wollte mal hoffen, dass Die uns nicht am Samstag bei den Riesenbecker Sixdays in Erinnerung bringen würden. Egal, mit 9,5 Kilometern sollte dies als Vorbereitung reichen.

Am Samstag Morgen ging es dann los. Marco und Kim holten uns ab, das schwere Gepäck (was man für eine Woche Laufen nicht alles mitnimmt) wurde von Marco gewohnt akribisch verstaut und dann ging es ab nach Riesenbeck. Unser Häuschen, eine kleines Appartementhaus direkt am "Nassen Dreieck", der Schnittstelle von Mittelland- und Doofmund-Ems-Kanal, gefällt uns schon mal sehr gut. Vom Balkon hat man einen Blick auf fast alle Streckenelemente der Sixdays. Den Kanal, den letzten Höhenzug des Teutoburger Waldes, die schattigen Alleen und die Feldwege entlang der vielen Bauern- und Reiterhöfe, die den unverwechselbaren, aber auch abwechslungsreichen Charme dieser Landschaft ausmachen, die in den Streckenbeschreibungen des Veranstalters gerne einmal als berauschend beschrieben wird. Wir wollen einmal hoffen, dass das Wetter uns auch eine Nutzung dieser schönen Dachterrasse erlauben wird.
Unsere Dachterrasse in der "Villa Wasser"

Am Samstag ist es erst einmal noch "usselig", wie man bei uns am Niederrhein sagt. Bewölkt, knapp zweistellige Temperaturen und stets drohende dunkle Wolkenformationen. Unter diesem Himmel machen wir uns auf nach Ibbenbüren, wo uns die Busse zurück zum Start nach Riesenbeck bringen sollen. Im Bus wieder das Briefing für uns von Michael Brinkmann, dem Vater der Sixdays. Kurz ein wenig Organisatorisches,
Briefing im Bus
eine Streckenbeschreibung und viel guter Laune lassen uns den einsetzenden Regen verdrängen. Der hat bei der Ankunft in Riesenbeck bereits wieder aufgehört. Unsere kleine Truppe sammelt sich wieder. Cousin André ist wieder mit Familie hier, wegen ihm sind wir 2008 das erste Mal gekommen. Er ist bereits das sechste Mal dabei. Volker, der damals bei unserem ersten Mal hier mitlief und nun zurückgekehrt ist. Aber auch viele andere bekannte Gesichter aus den letzten Jahren tauchen auf. Es beginnt nochmals kurz zu regnen, aber pünktlich zum Start hört es auf. Möge es für die kommenden sechst Tage doch bitte dabei bleiben.

Zum Lauf selbst schreibe ich nichts, schaut Euch einfach das Video hier an.
Das Video vom ersten Tag

Es ist für mich  nicht einfach, mein Tempo hier zu zügeln. Man meint immer, man wäre in einem Rechtfertigungszwang, warum man hier so langsam läuft. Aber das ist völliger Blödsinn. Jeder Läufer, der hier die sechs Tage durchhält, ist ein Held, ein Sieger, hat großes geleistet. Vor allem aber hat jeder seine eigene Geschichte. Sein eigenes Umfeld, welches ihm erlaubt, mehr oder weniger zu trainieren. Jeder hat mehr oder halt weniger Talent, hat den Willen, alles zu geben oder einfach nur den Lauf zu genießen. Jeder hat vorher bereits andere Läufe gemacht oder möchte danach noch andere Schwerpunkte setzen.  Lassen wir es doch einmal einfach dabei bewenden und versuchen, nicht auf Tabellen und Ranglisten und die Stoppuhr zu schauen. Den Wert eines Laufes misst nicht allein die Uhr im Ziel und der Dienstleister für Zeitmessung. Den Wert eines Laufes kann im Grunde nur jeder für sich selbst erkennen.
Tag 1 geschafft

Im Ziel in Ibbenbüren freuen wir uns, als alle sechs die Etappe gut bewältigt haben. Ein leckeres Eis haben wir uns verdient, ebenso das gute Abendessen im Hotel Riesenbeck. Vom Abend ist nicht mehr viel übrig, als wir zurück in unserem Domizil am "Nassen Dreieck" sind und ich beile mich, das Video zusammen zu schneiden.

Das Lob am nächsten Tag vor dem Lauf, welches ich von vielen Läufern erhalte, ist mir Motivation, es fortzusetzen. An diesem Zweiten Tag wartet die "Königsetappe" von Ibbenbüren entlang des Hermannswegs ins schöne Tecklenburg auf uns. Eine aufgrund der Höhenmeter anspruchsvolle, aber landschaftlich wunderschöne Etappe. Und das bei "Kaiserwetter", denn die Wolken verziehen sich und die Sonne begleitet uns und taucht das frische Grün der ausschlagenden Bäume in ein wundervolles Licht. Der frische Nordwind sorg dafür, dass es nicht zu warm wird und so ist es angerichtet, ein großes Lauffest zu werden. Leider trickst mich meine Kamera aus, ich hatte so schöne Sequenzen gedreht, um nachher feststellen zu müssen, dass ich versehentlich im Zeitraffer gefilmt hatte . Das lässt sich zwar am PC wieder unter gewissem Qualitätsverlust zurückverwandeln, aber der Ton war über weite Strecken unwiderbringlich verloren. Ich habe mich dann in einer Nachtschicht bemüht, zu retten, was zu retten war und hoffe, es ist mir einiger maßen mit den gegebenen technischen Möglichkeiten gelungen. Auch Marco und Kim waren voll des Lobes über den von mir oben beschriebenen Geist der Veranstaltung, der Schönheit der Strecke und beide haben die Belastung sehr gut weggesteckt.
Claudia, Kim und Frank in Tecklenburg
Beiden geht es nach dem zweiten Tag sehr gut. Auch für uns war das eingeschlagene Tempo wohl richtig, denn die Muskeln und Gelenke halten. Das müssen sie auch.

Hier der "Erfolg" meiner Bemühungen, aus Datenmüll noch etwas zu machen:
Das bearbeitete Video vom Tag 2

Ein wenig schade ist es dennoch, dass der alte Zieleinlauf auf der Schloßstraße in Tecklenburg nicht mehr angelaufen werden kann. Der Anstieg zur Freilichtbühne mit anschließendem Zielschuss hatte etwas, ich habe ihn einmal als den schönsten Zieleinlauf, den ich kannte, bezeichnet. Und ich kenne viele. Aber es ist wohl organisatorisch nicht zu machen und der neue hat auch seine Reize.

Der Montag Vormittag vergeht nach ausgiebigem gemeinsamen Frühstück einfach mit Faulenzen. Am Sonntag Abend hatten wir uns mit unserem Laufbekannten Frank in der Pizzeria getroffen und viele Laufgeschichten und Geschichtchen ausgetauscht. Jetzt sitze ich in der Sonne, sehe auf Kanal und den Streckenverlauf des sechsten Tages und schreibe diese Zeilen. Ich wünsche Euch allen weiter viel Spaß. Vielleicht begegnet man sich ja auf der Piste.


Sonntag, 17. April 2016

Vor den Schatten großer Ereignisse


Das Training geht weiter. Nach dem schönen "Rund um Rheinberg" belohnte mich das Wetter am Montag wieder mit einem herrlich sonnigen und relativ warmem Abend. Trotz des vollen Bauchs nach dem Abendessen - langsam gewöhne ich mich daran - ging es gut los. Bei km 1 musste ich kurz geschäftlich an den Baum, zwei andere mir unbekannte Läufer überholten und ich konnte die beiden als Bremse nutzen. Man kam ins Gespräch was man so läuft. Sagt der eine zu dem anderen: "Es gibt wirklich solche Leute, die laufen hier ganz normal rum!" Wir mussten alle drei lachen. Als ich mich bei km 6 am Waldsee von ihnen verabschiedet hatte, muss mich die untergehende Sonne und das Gezwitscher der Vögel wohl besonders motiviert haben.


Jedenfalls war ich plötzlich bei einer 4 vor der Pace. Das wollte ich nun nicht riskieren. Ich hörte in meinen Oberschenkel hinein, denn es lief so gut. Nein, nein, bremsen und vernünftig bleiben. Wenn jetzt etwas passiert, sind Sixdays und TTdR gefährdet. Und ich muss froh sein, wieder so schnell so gut im Training zu sein. Am Ende standen 11 km im Schnitt von 5:34 auf dem Tacho, so war es gut und genug Kilometer waren es auch. Dienstag wie immer nur Stabi-Training mit der Ausdauerschule. Mittwoch dann mal wieder nach dem Abendessen los. Wie gesagt, langsam gewöhnt sich mein voller Magen. Nach etwas mehr als einem km bemerkte ich Schritte von hinten, die schnell aufholten. Es war Michael, früherer Fußballkollege und natürlich auch Läufer. Sonst wäre er ja in diesem Moment nicht da. Wir beschlossen, zusammen weiter zu laufen und ich musste von Kapstadt und dem TOM berichten. Wenn man so quatscht, wird man irgendwie immer schneller. Egal, dachte ich. Es stand eh 40 Minuten GAT 2 auf dem Plan, auch wenn ich kein Tempo machen wollte. Solange die 5 vor der Pace steht, sollte es gehen. Es ging auch. Nach 9 Kilometern - Michael hatte 10, denn er wohnt etwa 500 m weiter - standen 9 Kilometer im 5er Schnitt zu Buche. Trainingsplan des Schleifers ja fast eingehalten. Aber es ging mir gut. Nur halt jetzt nicht übermütig werden und morgen dann mal deutlich langsamer.


Donnerstag stand das erste Training des neuen Sommerlaufkurses der Ausdauerschule by Bunert an. Die beliebten "Laufspiele", Lauf ABC und irgendwelche Ausfallschritte , dazu komische Fangen-Spiele und so etwas. Das wollte ich meiner Muskulatur nicht antun, denn schnelle und unüberlegte Übungen können zum Verhängnis werden, wenn man auf gereizte Nervenstränge achten muss. Ich wollte mich mit Lauffreund Werner auf die 10 Kilometer-Runde hier an der Sechs-Seen-Platte in Duisburg machen, während die anderen ihre "Laufspiele" absolvierten. Werner läuft am Sonntag in Hamburg den Marathon und will Trainerin Sigrid unter 4 Stunden ziehen. Wir sind beide zwei Jahre zuvor in Hamburg gelaufen (http://alt.laufen-in-dortmund.de/stories/2014/hh.htm - Ein harte Kampf in Hamburg), kennen Strecke und deren Tücken. Werner will langsamer angfangen, dann schneller und am Ende wieder ewas langsamer werden Greif-Light-Taktik sozusagen. Ich bin skeptisch, ob es das Richtige ist. Aber Werner ist auch ein erfahrener Marathoni, er und Sigrid, der ich es wirklich wünsche, die 4h zu unterbieten, werden es schon richten. Wir laufen abseits der ausgeschilderten 10er Runde, ich selbst hätte mich wohl verlaufen, aber Werner kennt sich bestens aus. Wir haben genau 10 km auf der Uhr, fast exakt in Werners geplantem Marathon-Renntempo für Hamburg. Mit vielen Guten Wünschen an die "Hamburger" verabschieden wir uns, auch Freund Marco hat sich ja noch kurzfristig einen Startplatz besorgt und ich mahne zur Besonnenheit, denn die Riesenbecker Sixdays sind nur zwei Wochen nach dem Marathon am Sonntag.
Freitag nimmt Claudia mir die Entscheidung ab, ob ich am Nachmittag noch laufen gehen soll. Denn sie hat die Winterreifen von Schwiegermutter geholt, wo wir sie über den Winter einlagern. Also an zwei Fahrzeugen Reifen wechseln statt laufen. Dafür holte mich die Post wieder ins Läuferland zurück. Die Startunterlagen der Riesenbecker Sixdays waren gekommen! Startnummer, Transponder (je einen Einwegtransponder für zwei Tage), Rennzeitung mit Teilnehmerliste, in der auch ich mit zwei Fotos der letzten Veranstaltung abgebildet bin. Streckenbeschreibung.
Ich lese das alles, obwohl ich es kenne. Wir waren ja schon 4 mal da. Aber es nimmt mich sofort in Beschlag. Diese Veranstaltung werde ich wohl nicht mehr los. Ich finde das ganz toll, was Michael Brinkmann und sein Team da über zwei Jahre hineg immer auf die Beine stellt. So ein Etappenrennen ist halt nicht nur ein Wettkampf. Auch wenn ich dieses Mal nur mit gebremstem Schaum laufen kann. Ich habe einmal geschrieben "Ich lebe diesen Lauf", das war 2012, als ich dort mein bestes Ergebnis erzielen konnte. So ist es wohl. Das wird mir zu Hause auf der Couch wieder klar.
Für den Wochenendlauf war ich etwas unschlüssig. Irgendwie juckte es mich in den Füßen, einen der ausgefallenen Trainingsläufe zur TTdR "nachzuholen". So überlegte ich ernsthaft, am Samstag ganz früh zum Baldeneysee hin zu laufen, von uns eine Strecke von 34 Kilometern. Zusammen mit den geplanten 28-30 dort hätte ich einen schönen langen Trainingslauf. Claudia überzeugte mmich davon, es sein zu lassen und vorsichtig zu sein. In Iserlohn am Seilersee wollten wir in der nächsten Woche 100 in der Nacht laufen, zwei solche Wochen hintereinander könnten gefährlich für meinen Oberschenkel werden. Nach reiflicher Überlegung verwarf ich den Plan. Es erscheint mir etwas verwegen, mit drei Marathonläufen, zwei 56-Kilometer-veranstaltungen und einmal 100 km die 230 Kilometer an zu gehen, aber rettet mich da ein 64-Kilometer Training? Oder ist die Gefahr größer, sich "was weg zu holen"? Ich setze auf meine Grundfitness, meine mentale Stärke und die Erfahrung und lasse es sein. Pfingstsonntag weiß ich mehr. Es ist wie es ist. Also diese Woche "nur" 75 Kilometer, nächste wieder deutlich über hundert. Bei den Sixdays dann nochmal 130 in 6 Tagen. Das wars dann mit Training.
Samstag steht ein Schuhtest am Baldeneysee beim Lauftreff von Marc Boehme's Laufsport Bunert Essen an. Der finnische Hersteller Karhu will zurück in den Markt, die Marke gab es wohl in den 80ern bereits. Das erste Paar ist mir zu hart in der Sohle, das zweite fühlt sich nach den Testschritten besser an. Also ab damit auf die erste Runde. Wir unterhalten uns nett mit einer Läuferin der WAZ, die im Zuge der Vorberichterstattung des Essener Firmenlaufs hier einmal mitläuft.

Das Modell, welches ich getestet habe, lief sich über 14 km gut und unauffällig, war relativ leicht. Leider waren nur sehr wenige Größen da, so dass meiner doch eher 1/2 Größe zu klein war. Die Schuhe sind etwas fester in der Dämpfung, geben dafür gewisse Stabilität, was auf langen Strecken nicht unbedingt von Nachteil sein muss.Die Sohle war für wechselnde Beläge geeignet, vielleicht nicht gerade für Hardcore Trails. Bin Wiese, Matsch und Schotte neben dem üblichen Asphalt gelaufen. Kann mir durchaus vorstellen, auch eine längere Strecke damit zu laufen. Design war durch aus in Ordnung, wobei mir das mit dem Großen Bärenkopf an der Seite deutlich besser gefallen hat, der kleine Plastikbär wirkt auf mich eher billig. Ich bin jetzt aber ein eher schlechter Schuhtester, weil meine Füße relativ unproblematisch sind. Gerne würde ich das Modell mal über lange Distanzen testen.
Die erste Runde Baldeneysee war somit recht schnell um, ein halbe Dose finnisches Bier vom Schuhtester getrunken, schon ging es weiter. Da leider nur noch Andreas, Frank und Michael die zweite Runde mit uns laufen wollten, die aber nicht warten wollten, bis Claudia den Testbericht ausgefüllt hatte, ging es weiter. Wir wollten wieder aufholen und wurden immer schneller. Da die drei auch schneller als in 6er Pace unterwegs waren, bedeutete dies für uns 4-5 Kilometer deutlich schnelleres Tempo, in der Spitze durchaus bei 5:10-15 pro Kilometer. Kurz vor der "Holzbrücke" die eigentlich eine Stahlbrücke ist, wegen Ihres Laufbelags aus Holzbohlen aber so genannt wird,hatten wir sie eingeholt und setzten die Runde bei deutlich reduziertem Tempo fort. Unsere Begleiter waren deutlich mitgenommener, Andreas musste einige Kilometer vor dem Ziel auf "Gehen" umschalten. Am Kettwiger Wehr, wo man wegen der Treppen aus dem Rythmus kommt, war auch Michael am Ende. Nach 28 Kilometern - immerhin sein längster Lauf - geht auch er den letzten Kilometer. Mit Frank kommen wir am Auto an. Nicht fertig, aber durchaus gefordert. 29 Kilometer in 5:43er Pace mit einigen schnelleren Zwischenkilometern fanden wir beide ganz ordentlich.

Sonntag blieben dann noch 16 Kilometer. Doch zuerst wollten wir unsere Lauffreunde im Netz und TV beim Hamburg-Marathon zu verfolgen. Die Runde danach führte uns auf dem weitest möglichen Weg um Lohheider See und Waldsee, vorbei an kurzen Schauern und zum Ende in die Sonne. Eine schöne Laufwoche geht zu Ende. Und das Ende der vier wettkampflosen Wochen zwischen Kapstadt und dem Seilersee .Das nächste Wochenende dort wird stressig, aber auch schön. Und dann kommen schon fast die Risenbecker Sixdays. Bloß von dem Megading danach ablenken. Bis bald. 
Ach ja, Freund Marco hat heute in Hamburg beim Marathon seine PB um 7 Minuten verbessert. Drei Wochen nach dem Ultra in Kapstadt. Zwei Wochen vor den Sixdays, die ich mit ihm gemeinsam laufen will. Er ist gut drauf. 




Sonntag, 10. April 2016

Von Südafrika zu "Rund um Rheinberg"

Kapstadt ist gelaufen. Darüber bin ich natürlich sehr glücklich. Einmal, dass ich es überhaupt laufen konnte, wobei hier die Betonung auf "laufen" liegt. Denn es wäre ja auch denkbar gewesen, dass sich die Verletzung zurück gemeldet hätte und ich dann gehend und eventuell sogar noch unter Schmerzen soeben noch das Ziel im Zeitlimit hätte erreichen können. So war es nicht, ich konnte normal laufen mit etwas Achtsamkeit bergab. Den kompletten Bericht könnt Ihr ja unter http://laufen-in-dortmund.de/two-oceans-marathon-kapstadt-rainbow-nation-comes-alive lesen. Es lohnt sich, mehr über diesen wundervollen Lauf in diesem wundervollen Land zu erfahren.

Damit war aber auch klar, dass jetzt das TorTour-Training weiter gehen muss. Denn das Jahr hat nach dem soeben erlebten touristischen Highlight ja auch noch eine sportliche Perspektive. Ich habe noch Zeit bis zum 15.5. und bereits zwei 60-Kilometer-Einheiten verpasst, nämlich den 6-h-Lauf Münster und den Trainingslauf an der Ruhr Ende Februar. jetzt darf man nicht den Fehler machen, und das Versäumte "nachholen" wollen, denn Training kann man nicht nachholen. Es ist wie es ist und nun zu viel zu wollen könnte fatal werden, denn einen neuen verletzungstechnischen Rückschlag würde ich mir nicht mehr erlauben können.

Der "Ausfall" aus dem Monat März, erst am Ende ging es wieder

Was plane ich also? Nun, die Woche nach Kapstadt und Ostern habe ich noch Urlaub. Die wurde dergestalt genutzt, dass ich mich langsam wieder ans regelmäßige Laufen gewöhne. Tempo ist absolut tabu, nur was locker geht, wird gelaufen. Ostermontag ließ ich meine Claudia noch alleine auf die Runde gehen, ab Dienstag war ich wieder für eine 10-Kilometer-Runde dabei. Nach drei Tagen war am Freitag ein Tag pause, ehe am Samstag beim Lauftreff von Laufsport Bunert Essen die erste längere "Kante" in Form von 30 + km anstehen sollte. Verging die erste langsame Runde mit einigen Bekannten und unterhaltsamen Gesprächen noch wie im Flug, so zog sich die zweite Runde relativ zäh dahin, als ich mit Claudia unterwegs war. So ganz viel hat man nach zwei komplett gemeinsam verbrachten Urlaubswochen eben nicht mehr zu erzählen. Zudem hatten wir nichts zu trinken mitgenommen, der halbe Pappbecher Dextro, den Mark Böhme ja immer gerne zur Verfügung stellt, war wohl für 30+ bei Sonnenschein doch etwas wenig. Aber so ist es jetzt halt, trainieren wir halt den Körper, mit wenig auszukommen. Am Ende waren es dann nach zwei Runden knapp 34,5 Kilometer in einem Tempo von 5:53 pro Minute, etwas zu schnell obendrein also. Mit dem netten Lauf bei erneut schönem Sonnenschein um das Binsheimer Feld am Sonntag endete die erste richtige Trainingswoche mit gut 78 Kilometern und einem langen Lauf. Das ist mir eigentlich zu wenig, aber ich möchte auch nicht zu schnell zu viel machen. Vorsicht halt.

In der letzten Woche dann eine etwas andere Planung. Sven hatte in den Trainingsplan schon 6 Einheiten eingepflegt. Über die Umfänge kann man streiten, aber uns ist eh klar, dass wir das Ultratraining nicht nach Trainingsplan der Ausdauerschule absolvieren können. Daher werde ich ab nun auch auf die Veröffentlichung der Pläne verzichten und nur noch das "Ist" abbilden. Dafür ist Ultra zu speziell, das soll hier auch keine Kritik an der Ausdauerschule sein. Ultras wissen, wovon wir reden. Auf den Two Oceans hatte ich mich, solange ich fit war, optimal mit gezieltem Aufbau einer gewissen Grundgeschwindigkeit über längere Distanzen vorbereitet. Jetzt geht es ans Kilometer sammeln und den Körper an Belastungen zu gewöhnen.
Also ging es am Montag abend erstmal alleine los. Da man am ersten Tag nach 2 1/2 Wochen Urlaub selten pünktlich aus dem Büro kommt, startete ich gleich nach dem Abendessen. Mit vollem Bauch läuft sich nicht gut, aber auch das will ja trainiert werden und es lief dafür relativ gut. Bei angenehmen Temperaturen von 17 Grad, eine herrlichen Sonnenuntergang lief es sich auch um diese Zeit hervorragend. Es ist toll, wenn auf einer spiegelglatten
Abendstimmung am Lohheider See
Wasseroberfläche sich das Licht in der Dämmerung minütlich völlig verändert, wenn das Abendrot ein magisches Glühen an die Stämme der Bäume zaubert, zwischen denen das Wasser und der sich darin spiegelnde Himmel zu sehen ist. Was schert da Tempo oder irgendetwas? Einfach mal laufen lassen und sich freuen, dass es geht. Eien Stunde mit vollem Bauch in 5:32er PAce ist ja auch nicht sooo schlecht. Dienstag lies ich das Laufen aus, mit dem Stabi-Training am Abend in Duisburg ist mir das zu eng. Dafür ging es am Mittwoch wieder alleine los, die ersten Meter schien es zu regnen zu beginnen, also ließ ich mir noch schnell meine Regenjacke geben. Um dann fest zu stellen, dass es aufhörte und das Ding im Gund zu warm war. Egal, es hielt wenigstens den kräftigen Gegenwind ab, der mir auf der gewählten Feldrunde besonders entgegen blies. Dank des Gegenwindes ging es noch deutlich flotter als am Montag, denn man versucht ja immer, dagegen an zu kämpfen. Das Tempo von 5:16 konnte ich aber eine Stunde lang gut halten. Ist zwar im Grunde zu schnell, beruhigt aber dergestalt, dass die Grundgeschwindigkeit nicht ganz weg ist.
Donnerstag war noch trainingsfrei, und wie wir in der Vorwoche dann mal am Lauftreff vom Runnerspoint im Forum Mülheim mit Marcus Kintzel teilgenommen hatten,

ging es nun zum Lauftreff von Laufsport Bunert Duisburg und Karsten Kruck. Gab es in der Vorwoche bei Marcus einen Salomon-Schuhtest, so stand hier Adidas Pure Boost im Testangebot. Aber da es ein Frauenschuh ist, war ich raus aus der Nummer. So'n bisschen war ich eh raus, denn da ich beim Einpacken meiner Sporttasche Laufhose mit Oberteil verwechselt hatte und dies erst beim Umziehen im Büro bemerkte, als Claudia schon unterwegs war, ging es halt klassisch im Trainingsanzug los. Na ja, mit 6er Pace sollte es gehen. Nach Hinweg durch den Duisburger Wald ging es einmal um die Regattabahn, wo wir noch auf Werner, Svenja und Marinja trafen, die zu üblicher Trainingszeit zusammen ihre Intervalle absolvierten. Deutlich entspannter ging es bei uns zu, mit lockeren Gesprächen kamen aber auch wir auf gut 10,5 Kilometer. Für Samstag hatten wir einen langen Lauf geplant, da nichts in der Gegend stattfand und uns "Rund um Solingen" für meine Verletzung mit den vielen Bergabpassagen zu gefährlich ist, schrieb ich einfach einmal einen Trainingslauf "Rund um Rheinberg" aus. Einmal unsere Stadt zu umrunden, erschien mir eine gute Strecke und Vermessungen auf Gpsies ergaben ca. 57 Kilometer. Uns war klar, dass auf meine Ausschreibung nur eine Woche vorher bei dem Alternativprogramm an diesem Wochenende nicht viele melden würden. Einige Laufkolleginnen oder -kollegen müssen halt auch am Samstag arbeiten. Das ist sehr schade, aber wir möchten einfach den Sonntag in aller Ruhe verbringen, nicht zu früh aufstehen müssen und vor allem nicht gleich nach der Rückkehr von solch einem langen Lauf die Arbeitswoche vor der Brust haben. Wir würden in jedem Fall laufen, auch zu zweit. Yvy und Henning wollten uns zumindest auf einer Teilstrecke begleiten, kurzfristig kam auch noch Alois dazu. So konnten wir bei herrlichem Wetter pünktlich um 10 Uhr in Orsoy am Rheinufer starten.
Start zu Fünft
Um und durch den großen Orsoyer Rheinbogen ging es nach Rheinberg, das über die historischen Wallanlagen umlaufen wurde. Kurz vor den Solvay-Werken ging es entlang der Fossa Eugenia Richtung Ossenberg wieder an den Rheindeich. Wir hatten viel Spaß unterwegs, zwischen Schafherden, gerissenen Enten und wunderschöner Natur im Rheinbogen. Kurz hinter Ossenberg verabschiedeten sich Yvy und Henning und Claudia, Alois und ich setzten unseren Weg alleine fort. Über Wallach, Niederwallach und Wesel-Büderich orientierten wir uns dann am Salzbergwerk vorbei wieder Richtung Westen und Borth. Hier müssen wir leider durch den Ort, denn echte Umgehungsfeldwege gibt es hier nicht.
Naturschutzgebiet Orsoyer Rheinbogen

Verdientes Hefeweizen mit Alois und Claudia in Orsoy
Den Schlenker zum Bergwerk verpasste ich vorher, denn im strahlenden Sonnenschein war mein Handy-Display kaum zu lesen. Borth wurde rasch durchlaufen, dann über den Alpener Ortsteil Drüpt über die alte Römerstraße nach Millingen. dieser Streckenteil war gerade nicht so schön. Über Alpsray ging es dann auf Kamp-Lintforter Stadtgebiet, um die Müllverbrennung Asdonkshof herum, ehe es dann an der Grenze zu Moers am "Kohlenhuck" wieder grüner und ländlicher wird. AN einem kurzen Straßenstück wurden wir fast noch Zeugen oder gar Opfer eines übermütigen Rasers, der auf der Rad- und gehweglosen Straße fast doppelt so schnell wie erlaubt unterwegs war und in der Doppelkurve direkt vor uns beinahe die Beherrschung über sein Fahrzeug verloren hätte. Es trudelte bereits, er konnte es aber gerade noch abfangen. Uns wäre nur der Hechtspung in den Straßengraben geblieben, der junge Raser wäre sich mehrfach überschlagend in den Feldern gelandet. Alois, der hinter mir und vor Claudia lief, war bereits drauf und dran, mit Claudia unterm Arm in den Straßengraben zu hechten. So ein Idiot. Wenn die sich nur selbst zerlegen, sei es drum. Aber wäre Gegenverkehr gekommen oder hätte er uns mitgenommen.....lassen wir das. Tempo 50 gilt da nicht umsonst. Auf den Schreck bogen wir dann mal in Vierbaum wieder Richtung Lohheider See ab. Unsere Idee, am Biergarten im alten Kreisbahnhof uns ein Weizen zu gönnen, erwies sich als undurchführbar, denn bei schönstem Wetter hatte der am Samstag Nachmittag zu. Er scheint es ja nicht nötig zu haben, Spaziergänger waren genug unterwegs. Unser Bier bekamen wir dann im Ziel in Orsoy. Insgesamt hatten wir drei dann 56 Kilometer absolviert, ein wenig kürzer als geplant, aber genug für uns. Mit Alois war es sehr unterhaltsam, die Chemie zwischen uns dreien stimmte einfach. Auch wenn ich immer das Gefühl habe, Alois zu unterfordern. Die gelaufene Pace lag bei 6:06, was für diese Strecke durchaus achtbar ist. Sonntag liefen wir dann noch 12,5 km umd Wald- und Lohheider See aus, wieder Glück mit sonnigem Wetter.
Im Grund läuft das Training ja wieder. knapp 110 km in dieser Woche sind ganz ordentlich, die 56 km konnten ich ohne große Schwierigkeiten absolvieren, ich hätte durchaus weiter laufen können. Und das bei Dauersonne, nur Wasser und einer Salztablette, einem Dextro-Riegel, ein paar Gummibärchen und einem Tütchen Trockenobst aus Südafrika. Dafür haute das Weizen umso mehr rein, das merkte ich auf dem 2 Kilometer langen Weg zurück zu unserer Wohnung. Der Lauf Rund um Rheinberg schreit jedenfalls einmal nach Wiederholung, die Strecke ist nun erkundet und kann mit kleinen Variationen beibehalten werden.
Jetzt eine zwei Wochen regelmäßig trainieren, vielleicht am Wochenende zwei nicht ganz so lange Läufe, dann taucht bereits der 24h-Lauf am Seilersee am Horizont auf.
Ich freue mich erst einmal, dass ich wieder Umfänge laufen kann, das beschwerdefrei. Ich werde nichts riskieren und jetzt irgendwelche Experimente mit Tempo oder zu großen Umfängen machen.
Die TorTour werde ich jetzt schaffen. Egal, wie lange ich dafür brauche.

Sonntag, 13. März 2016

Zu früh gefreut.....oder das harte Kommissbrot von Münster


Es gibt das Wort Katastrophe, dass mir im Zusammenhang mit meiner Verletzung nun mehrfach über die Lippen gekommen ist. Das Wort ist natürlich völlig überzogen, es impliziert Tod, Vernichtung, Zerstörung und unermessliches Leid, den dauerhaften Verlust von Leben, Eigentum oder Gesundheit. Eine Katastrophe ist das, was sich in Syrien und an unseren Grenzen abspielt. Nicht die Verletzung, die einen daran hindern könnte, im Rahmen einer nicht ganz billigen Reise einen unvergesslichen Lauf am anderen Ende der Welt zu verpassen. Damit möchte ich zunächst einmal relativieren, wir benutzen oft vergleiche, die hinken. Ich habe eine intakte Familie mit zwei wunderbaren Töchtern, zu denen das Verhältnis immer in Ordnung ist und war. Ich bin im 25. Jahr mit einer tollen Frau verheiratet, mit der ich inzwischen schon über die Hälfte dieser Zeit ein wundervolles Hobby teile, das sicherlich auch unsere Beziehung bereichert hat und es immer noch tut. Ich habe einen relativ sicheren Job mit einem guten Einkommen, dass uns einen gewissen Lebensstandard ermöglicht und für unsere Töchter gute Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Zukunft zu schaffen erlaubt. Nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger. Aber auch ich lebe in einer Welt, die sich immer rasanter verändert. Anspruchsvolle Führungsaufgaben im Job, mehr hierfür nötige Energie, die fehlende Perspektive, dass alles wieder so wird wie noch vor ein paar Jahren lassen auch  mich nicht unberührt. Zumal ich in einem Alter bin, wo gemeinhin die gefürchtete "Midlife-Crisis" lauert. Wo viele Beziehungen zerbrechen, viele berufliche Wege eine entscheidende Wendung in die eine oder andere Richtung erhalten. Bei mir hat sie eine unerwartete Wendung in eine Richtung genommen, die Spaß macht, monetär leider wenig Zugewinn bringt, aber ungleich mehr Energie absaugt, als dies noch vor zwei Jahren der Fall war. Umso wichtiger wird für mich das Laufen. Es gibt mir Ruhe und Ausgeglichenheit, es gibt mit Struktur, es gibt unserer Beziehung einen festen Kitt. Und in diesem Bereich haben wir große Ziele. Das eine ist bald gekommen. Unsere um ein halbes Jahr vorgezogene Silberhochzeitsreise nach Kapstadt mit dem Two Oceans Marathon über 56 km. Eine Traumreise in ein interessantes Land, nicht ganz billig und für uns neben der New York Tour vor drei Jahren etwas, was man sich nicht alle Tage leisten kann. Diese wesentliche Säule meines Lebens, zu der ich das Laufen seit nunmehr fast 13 Jahren zähle, hat nun Risse bekommen. Wer kann einem da die Angst absprechen, dass das gesamte Gebäude welche zeigen könnte? Es wäre eine persönliche Katastrophe, und da ist das relativierte Wort wieder. Aber darf ich mich beschweren, wenn ich dies wundervolle relativ sorgenfreie Leben nun seit 13 fast verletzungsfreien Jahren führen durfte und nun halt einmal etwas zur Unzeit dazwischen kommen könnte?
Aber berichte ich erst einmal der Reihe nach, ehe ich ins Philosophieren abgleite.
Meine Verletzung von der Winterlaufsserie erschien auskuriert, ich hatte wieder langsam mit dem Training begonnen und dies auch - für mich langsam - steigern können. Am letzten Montag, nach dem 13-Kilometer-Lauf in einer Pace von 4:39 mit einzelnen 500-Meter-Abschnitten in einer Pace um die 4:10 wähnte ich mich wieder voll im Soll. Es lief super, auch wenn ich euphorisch anstelle GAT 1 mit 500-m--GAT 2-Abschnitten das ganze mal auf GAT2/3 unabsichtlich erhöht hatte, zumindest von der Pace her. Aber ist es nicht herrlich, wenn es wieder läuft? Mittwoch unspektakuläre 40 Minuten, leider zu schnell und nur wieder gebremst, dass ich einen walkenden früheren Fußballkollegen am See traf und den dann die letzten 2 Kilometer stramm marschierend begleitete. Dann kam der Donnerstag, das Training der Ausdauerschule mit auf dem Plan stehendem Läuferbiathlon. Läuferbiathlon heißt, eine 1,1 Kilometer lange Runde um die MSV-Arena zu laufen und hinter der Haupttribüne am "Schießstand" 5 MAOAM-Bonbons aus 2-3 Meter Entfernung in Schuhkartons zu werfen. Pro Fehlwurf steht dann eine Strafrunde von 50-60 Metern auf dem Programm, das ganze dann insgesamt vier Mal Laufen, also drei Mal dazwischen werfen. Los ging es mit Mark und Peter lief ich gleich vorne weg, wobei ich mit Mark gleich bremsen wollte, denn zu schnell sollte es noch nicht sein. Zumindest schafften wir es, nicht schneller als 4:10er Pace zu laufen. Das ging die erste Runde gut, dann verwarf ich einmal, musste auf die Strafrunde und war alleine, denn Mark und Peter waren fehlerfrei geblieben. Alleine fällt das Bremsen schwerer, unbewusst will man die in der Ferne laufenden Kollegen wieder einholen. Also war ich wohl etwas schneller, ohne sie einzuholen. Das zweite Werfen ging fehlerfrei, ich ging zum dritten mal auf die 1100 m - Runde. Nach wenigen hundert Metern war es soweit. Erst wieder dieses "Muskelkater-Gefühl" im linken Oberschenkel, dann spürte ich den Nerv und der Muskel begann, zu zu machen. Ich blieb sofort stehen, dehnte und merkte beim Gehen, dass es wieder da war. Claudia kam vorbeigelaufen und sah sofort, was los war, sie schickte mich gleich zum Auto und nach Hause. Ich hatte nur etwa dreihundert Meter zu gehen und sortierte sofort meine Gedanken. Vier Punkte stellte ich im Geiste auf:
1. Es hatte sich nicht so schlimm angefühlt wie vor drei Wochen, ich hatte sofort aufgehört und musste nicht 7 Kilometer zu Ende laufen.
2. Bis zum Two Oceans waren es noch 16 Tage, ich hatte 9 Tage gebraucht, bis ich wieder zu laufen beginnen konnte und konnte am 16. Tag wieder die 13 Kilometer beschwerdefrei in 4:39er Pace laufen. Das wäre das Äußerste, was ich in Kapstadt abschnittsweise laufen müsste.
3. Samstag in Münster beim 6h-Lauf würde ich ohnehin ganz langsam laufen wollen, das hatte nach der Winterlaufserie am Sonntag ja auch noch geklappt.
4.Zur Not könnte ich in Kapstadt auch mit einer 5er oder gar 5:30er Pace leben.
Auf der Rückfahrt nach Hause dachte ich dann schon einmal, was ich noch tun könnte. Bis zum Abflug hatte ich Kassenpatient noch 4 Arbeitstage, allzu viele Fehlzeiten könnte ich mir davon im Büro aufgrund der vielen Arbeit nicht leisten. Ich wollte mal den Physio anrufen, wo ich vor 14 Tagen gewesen war.
Als Claudia nach Hause kam, hatte ich schon geduscht. Ich schaute noch ein wenig Fußball, schlief dabei ein und vermied so sinnlose Gedankenspiele. Leider erinnerte mich das Muskelkatergefühl beim Aufstehen gleich an das Malheur vom Vorabend und entsprechend gelaunt muss ich wohl im Büro erschienen sein. Meine Serviceassistentin merkte mir das gleich an, wir sprachen kurz darüber und dabei kam dann heraus, dass Ihr Cousin ein Orthopäde und Sportmediziner ist und sie versprach, mir umgehend einen Termin zu besorgen. Das klappte aufgrund seiner Abwesenheit leider nicht mehr am Freitag, aber am Montag darf ich zum Ende der Sprechstunde kommen. Ich soll meine Laufschuhe und wenn es geht eine Video-Laufanalyse mitbringen. Immerhin, er soll als Sportmediziner durchaus Laufaffin sein. Dafür bin ich schon mal sehr dankbar, so eine Möglichkeit ist leider nicht mehr selbstverständlich. Ich solle keine Wunderdinge erwarten - tue ich auch nicht - aber er täte, was er könne. Ich habe ja leider keinen Arzt meines Vertrauens, denn wenn man nie etwas hat, hat man auch keinen Arzt, zu dem man Vertrauen fassen kann. Mein alter Hausarzt, der hätte was in die Wege geleitet. Aber der lebt leider nicht mehr und war auch schon seit Jahren in Rente. Und der Physio war natürlich leider gerade zwei Wochen im Urlaub. Es sei ihm gegönnt, hilft aber im Moment nicht weiter.
Gut, dass der Tag schnell mit viel Arbeit um ging, am Abend hieß es schon Tasche packen für Münster. Der 6h-Lauf stand an, zu dem wir es erstmalig schaffen würden, waren wir doch in den letzten Jahren immer im Trainingslager gewesen, wenn der in einer der vielen Kasernen in Münster stattfand.
Ich hatte mich jetzt sortiert, gehen ging gegen Abend schon wieder sehr gut, vielleicht könnte ich ja ganz langsam loslaufen und es würde sich sukzessive bessern. Ich packte also ganz normal die Tasche, dann ging es um halb sieben am Samstag ins schöne Münster. Die Sonne ging über einem eisblauen Himmel auf. Leider verschwand diese bei der letzten Ausfahrt vor Münster hinter dichten Wolken. Das sollte ein Menetekel für den Rest des Tages werden, in jeder Beziehung.
Der 6h-Lauf 2016 fand in der Speicherstadt statt, Das ehemalige Heeresverpflegungsamt wurde 1936-39 für die damalige Wehrmacht errichtet, eine Hauptzweck war die Großbäckerei, in der uns ein opulentes Frühstücksbüffet erwartete. Christian Pflühgler hattte sich als Organisator wieder einmal selbst übertroffen. Hier wurden einst die Kommissbrote für die Norddeutschen Wehrmachtseinheiten gebacken, später für die britische Rheinarmee, deren Soldaten hier nach den ersten 1000 Jahren einrückten und bis in die 90er Jahre bleiben. Wir bekamen natürlich (noch) kein Kommissbrot sondern leckere Brötchen in verschiedenen Sorten. Inzwischen ist das Gelände ein Bürokomplex und Gewerbegebiet, der geschlossene Baucharakter und die Architektur ergeben ein tolles Ambiente.
Leider ergibt die von Eisenbahnschienen - Brot und Getreide sollte direkt an den Speichern an bzw. ausgeliefert werden können - ein eher suboptimales Geläuf. Ich war aber mental auf Laufen eingestellt und freute mich mit Claudia über viele Freunde und Bekannte, die wir bereits beim Frühstück trafen. Die Verletzung hatte ich fast verdrängt, als wir gegen 10 Uhr mit über 400 weiteren in der doch leider schneidenden Kälte in der Startaufstellung standen. Ich reihte mich recht weit hinten ein und wollte ganz langsam auf die etwa 2,2 km lange Runde um die Speichergebäude gehen. Los ging es, ich hatte keine Wahl, es musste hier zunächst langsam gelaufen werden.
Etwa ein Läufer pro 4 Meter Laufstrecke mussten sich halt erst einmal verteilen, was aber erfahrungsgemäß recht schnell geht. Ich lief locker los, spürte aber sofort wieder den "Muskelkater" im linken Bein. Während ich mit Frank Sommerkamp, dem Laufbekloppten aus der Ecke, wo die Riesenbecker Sixdays stattfinden, quatschte, merkte ich aber schnell, dass sich auch der auslösende Nerv wieder meldete. Das war es. Während Frank von dannen ziehen musste, war ich raus. Nach gerade 1500 Metern langsamster Pace. Jetzt stieg plötzlich Panik in mir hoch. 14 Tage bis zum Lauf, auf den ich ich seit über zwei Jahren gefreut hatte. Auch der wichtige Trainingslauf für die TorTour - dahin. Wirre Gedanken schwirrten in mir und meine so logischen Punkte 1-4 vom Donnerstag schienen sich in Panik aufzulösen. Nur eines war klar: Für heute war hier Ende. Dennoch ging ich die letzten 500 Meter und überschritt einmal die Zählmatte, damit war ich zumindest gelistet und war Teilnehmer an diesem Weltrekordlauf mit der höchsten Teilnehmerzahl eines 6h-Laufes. Irgendwie war ich nun mental völlig leer. Ich hielt es nicht an der Laufstrecke aus und ging sofort durch die Backhalle zu meinem Auto, um mir etwas über zu ziehen. Eine Erkältung brauchte ich nicht noch dazu, wenn es am Donnerstag schon nach Südafrika ginge.
Mir fielen die Hinweise auf den Massagedienst im Keller auf. Stimmt, den hatte ich beim Toilettenbesuch bereits gesehen. Vielleicht kann das ja schon mal helfen. Für einen angemessenen Obolus konnte man sich hier physiotherapeutisch behandeln lassen. Ich fragte an und konnte als erster Kunde auf der Bank Platz nehmen. Gute 20 Minuten nahm sich ein Physio Zeit, stellte zumindest keinen tastbaren Schaden am Muskel fest und massierte alles wieder locker. Ich überlegte, was ich  nun hier 5 1/2 Stunden machen sollte. Es ist mehr als bitter, innerhalb von zwei Wochen bereits die zweite Laufveranstaltung nur als Zuschauer verfolgen zu müssen. Ich hatte überlegt, in die Stadt zu fahren und nach ein paar Besorgungen für den Urlaub Ausschau zu halten, aber da ich feststellen musste, dass ich mein Portemonnaie zu Hause gelassen hatte, hatte sich das ohne Geld und Karte schnell erledigt. Gut, dass ich in Claudias Geldbörse genug für den Massagedienst fand, Bargeld ist bei uns nämlich immer recht knapp. Das Muskelkatergefühl war trotz Massage nicht weg. Ich hätte heulen können. Was, wenn ich in Kapstadt nicht würde laufen können? Das würde mich wirklich herunterziehen, hätte auch Auswirkungen auf alle Bereiche meines Lebens. Es wäre ein riesiges Stück mentale Arbeit nötig, so etwas zu verarbeiten. Das klingt jetzt in Verbindung zum ersten Abschnitt wieder überzogen, aber wie gesagt: Es geht hier um die manchmal gar nicht so kleinen persönlichen Dramen, die die fragile Work-Life-Balance zum abkippen bringen können. Das ging nicht, Ablenkung musste her. Den ganzen Tag nur anderen beim Laufen zu zu sehen, ist irgendwie Höchststrafe für mich. Ich ging erst einmal eine Runde auf die Suche, nach schönen Fotomotiven. Am Start kam Claudia an, als sie mich im Trainingsanzug sah, wusste sie natürlich sofort, was los war.
Wir umarmten uns kurz, dann schickte ich sie wieder auf die Strecke. Auch ohen große Worte waren es diese drei Sekunden, die mir wieder Energie gaben. DA weißt Du, was ein Mensch in Deinem Leben für Dich bedeutet.
Es war schneidend kalt, die Wolken hatten die Sonne komplett im Griff. Aber dennoch bot die Architektonische Schönheit, die gelungene Symbiose aus Zweckarchitektur der 30er Jahre mit modernen Umbauten aus Glas- und Metallelementen eine Fülle an interessanten Perspektiven.
Es tat einerseits gut, wenn mich fast jeder dritte Läufer fragte, was denn los sei und im Vorbeilaufen sein Bedauern ausdrückte oder aufmunternde Worte fand. Aber irgendwie war das jetzt nicht gut für mich. Nachdem ich die Runde beendet hatte, bot ich mich kurz im Verpflegungszelt zur Hilfe an, aber hier bleiben die Läufer stehen und man kam ins Gespräch. Das war noch schlimmer für mich. Ich hätte hier gerne geholfen, verabschiedete mich aber aus diesem Grunde.
In der Kantine gegenüber der Backhalle wärmte sich gerade Cora mit Ihrer kleinen Tochter und Regina auf. Ich gesllte mich dazu und Cora erzählte von Ihrem Neuseeland-Aufenthalt, von dem sie mit Jesko erst am Montag zurückgekehrt waren. Dazu war das süße Kinderlächeln der Kleinen das, was ich nun brauchte. Wir begannen dann, die "Pokale" - kleine Kommissbrote aus Salzteig - mit Schildern zu bekleben, denn das hatte Christian nur noch zum Teil geschafft. Was für eine Arbeit! Eine Tolle Idee, im Akkord und zu sechst schafften wir das Bekleben mit Aufklebern, Plastikschildchen und Heißklebepistole schneller als gedacht und ich konnte mich weiter nützlich machen. Die Gespräche dabei drehten sich mal nicht um das Laufen, das tat auch mal gut.
Als ich wieder raus ging, waren schon fast vier Stunden vorbei. Ich machte nochmal Fotorunden, unterhielt mich mit dem Moderator und freute mich, wie locker Claudia trotz des harten Geläufes immer noch ihre Runden drehte. Dann waren noch die Sandsäckchen zu sortieren, mit denen die Läufer und Läuferinnen(schreckliche Formulieren, sie trieft so vor scheinheiliger "political correchtness"), ach nee, andersherum ja, die letzte Teilrunde bis zur Schlusssirene Markierten. Dann war es vorbei. Claudia hatte über 61 Kilometer geschafft und damit eine neue PB im 6h-Lauf aufgestellt. Eine gute Nachricht. Ich reichte Ihr gleich die warme Jacke an, damit auch sie sich nicht erkälten mag. Ein tolles Nudelbüffet in der Backhalle verkürzte uns die Wartezeit auf die Siegerehrung. Ich hatte Christian nochmal die Fotos auf einen Stick gespielt, sie sollten allen Läufern zur Verfügung gestellt werden können. Auch dort nochmal ein Tiefschlag für mich, denn mit 120 Kilometern hätten wir die Ehepaarwertung gewonnen. Bei Claudias 61 und einer ähnlichen Leistung von mir, die unter normalen Umständen drin gewesen wäre, hätte wir die schöne Plexiglasbrücke mit dem Vorhängeschloss in Empfang nehmen dürfen, die erstmals hier vergeben wurde. Ein gemeinsamer Titel, könnte es schöneres geben? Aber das mit mir und den Pokalen hatte ja schon in Bertlich nicht funktioniert, es soll wohl irgendwie nicht sein. Pokalallergie oder so, nun ja, zumindest bekam ich ja eines der schönen Kommisbrote als Erinnerung an diese für mich sehr schwierige Veranstaltung. Hartes Brot halt....
So hatte ich den Tag einigermaßen überstanden. Dennoch kommen natürlich gerade jetzt immer wieder die Angst machenden Gedanken. Ich brauche dringend die  nun folgende Auszeit in Südafrika, freuue mich riesig auf das Land und die Reise mit unseren Freunden. Ich will dort nicht den Zweifler geben, nicht anderen die Stimmung verhageln, weil es bei  mir vielleicht wirklich nicht laufen sollte. Man darf einerseits keinen Plan B haben, weil man sich ja auf Plan A fokussieren soll. Aber was, wenn es nicht klappt?
Zuhause beschloss ich, mit Mecki den letzten Joker zu ziehen un ihn anzuschreiben. Mecki war unser Teamchef beim fast legendären 24h-Lauf im Stadion Rote Erde, wo ich 2011 und 2012 die Kontakte in die Ultra-Welt geknüpft hatte. Er ist als Physio für die LGO Dortmund tätig, genießt als "Kneter" einen schon legendären Ruf. Ich weiß, dass er unzählige Läufer kennt und viel um die Ohren hat, aber ich wollte jeden Joker nutzen, den ich noch aus dem Stapel ziehen konnte. Vielleicht könnte er mir helfen. Heute Morgen dann hatte er mir auch tatsächlich geantwortet, wir haben telefoniert und allein die relativ klare Telefondiagnose - bei allen Vorbehalten - hat mir neue Energie gegeben und Mut gemacht. Ich habe auch bei ihm noch einen Termin in Dortmund - hier schreibe ich diesen Namen sogar - bekommen. Ich erhielt einige Anweisungen für die Blackroll und die Verabredung, am Montag nach dem Arztbesuch zu telefonieren. Ich hoffe nun, dass sich dieses Licht am Ende des Tunnels nicht als der entgegenkommende Zug erweisen wird. Nein, ich gehe davon aus. Die Zeit in Kapstadt ist mir jetzt egal, jedes Training bis dahin ist passé, aber damit kann ich gut leben, aber danach muss ja weitergehen. Das Projekt TTdR steht nur 6 Wochen später an. Sich in Kapstadt für diesen Traum kaputt zu laufen würde bedeuten, den nächsten zu zerstören. Auch dieses Projekt hat die Einmaligkeit, etwas gemeinsam erstmals erreichen zu können. Ich mag mir die Leere nicht vorstellen, wenn das auch ausfallen würden. Aber vielleicht muss ich mich auf so eine Entscheidung einstellen.
Komme ich also mit diesen nachdenklich-optimistischen Tönen auf den Beginn dieses etwas längeren Artikels zurück. Ja, Katastrophe ist etwas ganz anderes, als in Südafrika nicht laufen zu können. Zumal ich vermutlich nicht der einzige in der Reisegruppe sein würde. Unvergessliche Eindrücke würden mir erhalten bleiben, ich würde mir Mühe geben, die Gruppe nicht durch Miesepeterei herunter zu ziehen. Das geht nur mit dem unerschütterlichen Glauben, dass es klappen wird.
Alles andere überdenke ich morgen. Oder übermorgen. Lassen wir die Kirche also im Dorf.
Wie gesagt, 13 fast verletzungsfreie Jahre sind ein Grund für Dankbarkeit. Und eine Reise nach Südafrika ist kein Grund zum Jammern. Halten wir also die Ohren steif. Und nochmal: Vielen vielen Dank allen, die mir alles Gute wünschen. Ich weiß das wirklich zu schätzen und denke auch, dass das ja irgendwem auffallen muss, der das dann regeln wird. Die unerwartete Hilfe, die mir schon widerfährt, werte ich als Zeichen.

Nkosi sikelel’ iAfrika

Montag, 7. März 2016

Er ist wieder da...

Die Ruhewoche neigt sich dem Ende entgegen. Und pünktlich wird das bisher trockene Winterwetter wieder schmuddelig. Ich bin 9 Tage nicht gelaufen, so lange am Stück habe ich schon ein paar Jahre keine Pause gemacht. Und es hat mir erstaunlich wenig ausgemacht. Klar, es juckte in den Füßen, insbesondere am Sonntag, als Claudia beim Testlauf für die TorTour de Ruhr unterwegs war. Es war zwar kalt, dennoch war das Wetter herrlich. Was sollte ich da den ganzen Tag? Ich bin halt mit dem Auto mit gefahren, habe damit gleich mal den Taschentransport für die Lauf erledigt und habe mich als Fotograf und Kameramann für diesen Vidoebericht betätigt. 
Das lenkt ab.Meine muskulären Probleme schienen erledigt, aber dann wollte ich nicht zu früh wieder einsteigen, sondern bewusst die zu Beginn vorgenommene Pause einhalten, um gerade im Zusammenhang mit der anstehenden Kapstadt-Reise nichts zu riskieren. Was ist passiert? Nichts. Ich lebe noch. Es fehlte etwas. Gut, dass im Büro genug Arbeit war, dann bleibt man eben ein wenig länger.
Jedenfalls war es nun Mittwoch, ich machte früh Dienstschluss und war um 16:45 Uhr pünktlich zu Hause. Nur eine Runde um den See.“Wenn es gut läuft, hänge ich noch eine Waldrunde dran“. „Lass es lieber!“ mahnte Claudia mich zur Vorsicht und mit diesen Worten im Ohr trabte ich dann mal los auf meine Hausrunde. Ich musste mein Tempo regelmäßig zügeln, horchte natürlich immer wieder in meinen linken Oberschenkel. Realistisch betrachtet war da aber nichts. Meine Hüfte merkte ich ein wenig, dass schien aber eher vom Rücken zu kommen und könnte daran gelegen haben, dass ich eben diese Laufpause gemacht hatte. Meine Bandscheibe ist neunmal vorgeschädigt und deshalb hatte ich ja damals mit dem regelmäßigen Laufen überhaupt angefangen. Ich schaffte es, mir die extra Waldrunde zu verkneifen, was aber auch daran gelegen haben könnte, dass es beim Abzweig gerade einmal kurz, aber heftig schauerte.

Ich sollte zufrieden sein, mit einer Pace von 5:15 war ich 6 Kilometer gelaufen.Und objektiv betrachtet auch beschwerdefrei.
Donnerstag Abend wieder das Training mit der Ausdauerschule, 4 x 5 Minuten GAT 2-3 standen auf dem Plan und ich nahm mir vor, nicht mit der schnellen, sondern nur mit der mittleren Tempogruppe zu laufen. Gerade beim Tempo war es ja passiert und damit sollte ich langsam anfangen. In diesem Kurs wird die mittlere Gruppe aber von Schleifer-Sven geleitet, das sollte mal wieder für Qualität bürgen. Schon das Warmhäusern war relativ zügig, dann würden für die ersten 5 Minuten so 5er Pace ausgerufen, was mir ja entgegen gekommen wäre. De facto würde es dann eine 4:40er Pace. Die ging ganz gut, die nächsten beiden sollten wir dann auf Geheiß des Schleifers etwas zügiger angehen. Die ersten zwei Drittel bleib ich bei der durchaus schnellen Gruppe, danach setzte ich mich ein wenig nach vorne ab. 4:20er Pace. Lief auch ordentlich, ich spürte keine nennenswerten Beschwerden.
Im dritten Intervall ging es dann richtig zur Sache, mit einer Pace von 4:09 war ich nach diesen 5 Minuten nur 20 Meter vor den nächsten der Gruppe. So groß waren die Unterschiede nicht.Claudia musste zwischendurch ein wenig raus nehmen, denn sie hatte Probleme an Achillessehne und Wade. Was aber nach den 57 km am Sonntag durchaus mal möglich sein könnte.
Auch zu Hause auf der Couch spürte ich nicht, dass sich ein Rückschlag eingestellt haben könnte. Noch ein wenig Blackroll nachgearbeitet, dann ging ich relativ zufrieden ins Bett.
Für den Freitag entschied ich mich, dass 50-Minuten-GAT 1 Training noch einmal auszusetzen, denn am Samstag wollten wir „Afrikaner“, also die Kapstadt-Fahrer, mit einigen noch die Oefte-Spezial-Bergrunde mit einer Runde Baldeneysee laufen.
Samstag geht es also dann um 10 Uhr zum See. Andreas und Simone wollten die Seerunde vor uns laufen, dass war uns definitiv zu früh. Marc Boehme war schon auf dem Weg ins Trainingslager nach Andalusien, wo wir auch die letzten beiden Jahre eine wunderschöne Woche verbracht hatten. Dieses Jahr fällt es ja „leider“ Kapstadt zum Opfer. Seine Frau Anja ist da und teilt die Tempogruppen ein. Ich biete dann noch dazu die „Bergruppe“ an und zwei unbekannte Lauftreffteilnehmer  schließen sich uns ebenfalls an. Dann ziehen wir los über das Stauwehr Richtung Kettwig, wo uns der zwei Kilometer lange Anstieg erwartet.
Es läuft bei mir relativ gut, was mir bestätigt, dass ich in der Laufpause nicht viel verloren habe.
Die Oefte-Spezial-Runde hat es wirklich in sich, denn man ist irgendwie bis kurz vor Schluss nie „oben“. Es geht permanent hoch und runter, darunter einige durchaus anspruchsvoll Steigngen. Wir hatten ausgemacht, am Ende einer jeden Steigung aufeinander zu warten und das klappte auch recht gut. Am Ende zeigte unsere Laufreff-Mitläuferin noch einen neuen, schönen Weg den Berg entlang hinunter nach Kettwig.
Wir beschlossen, die Seerunde ausfallen zu lassen. Es kam zunächst von Claudia und Yvy, aber Marco und ich hatten nichts dagegen. Die Steigungen reichten mir und da ich noch relativ beschwerdefrei war, wollte ich es nicht drauf ankommen lassen.
Im Fußball sagt man, dass man genau so langen zum fit werden braucht, wie auch die Verletzungspause gedauert hat. Fasse ich mich also in Geduld.
Mit guten und lockeren 10 Kilometern komme ich in der ersten Woche nun wieder auf 48 Kilometer. Ich denke, für den Einstieg reicht das. Ab Montag läuft der Trainingsplan wieder, beim Two Oceans werde ich dann sehen, wie es läuft. Am anderen Ende der Welt….