Sonntag, 22. Juni 2014

Ahrathon - Sport und Alkohol, geht das?

Eines vorweg: Ich bin kein großer Trinker alkoholischer Getränke. Wein oder alkoholhaltiges Bier gibt es bei uns zu Hause nur, wenn Besuch da ist und auch dann nicht immer. In Gesellschaft trinke ich gerne mal ein paar Biere oder ein paar Gläser Wein. Bei diesem Thema kommt ja leicht der falsche Eindruck rüber.

Das Video von Frank Pachura vom Ahrathon 2013 hat uns und unsere LAuffreunde von der Ausdauerschule by Bunert aber dermaßen begeistert, dass wir das 2014 auch mal probieren wollten. Sehen wir es mal so: Die einen haben halt einen Kegelclub und fahren ein Wochenende auf Kegeltour, die anderen haben das Laufen zum Hobby auserkoren, laufen in einen "Laufclub" und machen eben auch eine Tour an die Ahr. Marco kannte von einer früheren "echten" Herrentour unsere Unterkunft, ein altes Fachwerkhäuschen mit reichlich Gästebetten, welches wir dann mal komplett anmieteten. Ein großer Teil reiste schon am Freitag an, wir konnten im traumhaften Innenhof einen netten Grillabend veranstalten und bekamen Besuch von Mr. LiDo und Frau Kühlschrankberaterin. Dass unsere niederländischen Freunde gegen Spanien 5-1 gewannen und wir dies auf dem Laptop am Rande mitverfolgen konnten, tat der launigen Stimmung keinen Abbruch.

Samstags reiste dann der Rest der Bande an, nach gemeinsamem Frühstück ging es rüber nach Bad Neuenahr. Zum Lauf selbst ist das meiste in meinem Video zu sehen. Wer keine Lust auf 45 Minuten hat, kann auch einfach mal mitten rein schauen. Die Strecke ist schwer, aber bietet traumhafte Aussichten von den Weinbergen ins Ahrtal.
Ich hatte mir ja fest vorgenommen, ein Glas Wein pro Verpflegungsstand zu mir zu nehmen und das habe ich eingehalten. Das ging bis Kilometer 37 bestens, aber mir war klar, dass da ein Haken dabei sein musste. Sonst würde ja die Weltelite auch Wein an der Eigenverpflegung großer Marathonveranstaltungen deponieren. Tun sie aber seit 1896 nicht mehr. Warum nur?  Der besagte Haken kam dann bei 38 Kilometern. So einen Hammermann habe ich schon lange nicht mehr getroffen. Die flache Strecke entlang der Ahr wollte kein Ende nehmen, ich wollte auf Marco verweisen, dem zu Liebe wir doch langsamer laufen könnten (ach neh.....), aber meine Frau zog gnadenlos. Obwohl ich doch vor lief..... Den letzten V-Punkt ohne Wein ließ ich auf Befehl meiner Claudia aus, dann nur noch ins Ziel, an der Hand meiner Frau hinterhergeschleift. Auf diese entwürdigende Prozedur genehmigte ich mir an der Zielverpflegung erst mal einen Spätburgunder.

Aber nach kurzem Cooldown fühlte ich mich überraschend nüchtern, nur eine bleierne Schwere in meinen Laufwerkzeugen erinnerte mich an die 900 Höhenmeter und die 42,195 Kilometer. Ein gutes Training für den Swissalpine war es allemal. Und was den Alkohol angeht: Es war nicht das Ziel, sich bis zur halbseitigen Gesichtslähmung zu betrinken. Und da sich Laufen so gut auf Saufen reimt, ergeben sich halt mal so Sprüche wie "Dauersaufschule" statt "Ausdauerschule". Sven und Roman mögen mir das verzeihen, aber ein wenig lustig darf es ja auch mal sein.


Zurück in unseren Quartier "Anno dazumal" grillten wir die Reste vom Freitag weg und fuhren dann per Taxi zum Weingut Sonnenberg, wo die "Wein & Rock"-Party mit einer phantastischen Lifeband uns den Abend über in Stimmung hielt. Auch Frank und Marion waren wieder da, ebenso viele Läufer, mit denen man sich unterwegs unterhalten hatte. Ein grandioser Abschluss eines tollen Wochenendes. Übrigens bin ich den Rest des Tages und Abends mit zwei Flaschen Bier ausgekommen...

Samstag, 21. Juni 2014

TorTour de Ruhr - Helfereinsatz beim härtesten Ultra in Nordrhein-Westfalen

TorTour de Ruhr (http://www.tortourderuhr.de)- das hat mich fasziniert, seit ich irgendwann vor zwei oder drei Jahren davon hörte und losen Facebook-Kontakt mit Organisator Jens Vieler bekam. Einen Fluss von der Quelle bis zur Mündung abzulaufen, das ist für mich eine logische Sache. Keine künstlichen Strecken, einfach immer am Fluss entlang bis es nicht mehr geht. Das hat etwas ursprüngliches, man geht einen natürlichen Weg. Während eines Vorbereitungslaufs 2012 zum Frankfurt-Marathon war ich bereits einmal am Ziel des TTdR-Überbrückungs-Laufs vorbeigekommen und hatte kurz mit Jens und dem damaligen zweiten Alois sprechen können. Da war für mich schon klar, dass ich das auch einmal machen wollte.
Also meldeten Claudia und ich uns einfach mal bei Jens als Helfer für die diesjährige TTdR an. Diese zu laufen, sind wir lange noch nicht qualifiziert mit unserer relativ kurzen Ultra-Erfahrung, aber es liefen in diesem Jahr schon so viele Lauffreunde mit, dass wir halt live dabei sein wollten.  Am Dienstag vor Pfingsten, an dem Jens die Helferbesprechung terminiert hatte, machten wir uns vom Büro in Duisburg aus um 16:30 Uhr auf den Weg durch das Ruhrgebiet nach Hagen zu Jens. Wer einmal um diese Zeit das Revier von West nach Ost durchqueren musste weiß, dass das keine gute Idee ist, und so kamen wir nach fast 90 Minuten Fahrt bei Jens in Hagen an. Sein Haus sah im Inneren aus, wie das Zentrallager von Amazon, was nicht am bevorstehenden Unzug sondern an den vielen Utensilien zur Veranstaltung lag. Das gab einen Eindruck davon, was es für eine Arbeit macht, einen solchen Lauf zu organisieren. Man kennt das ja, es fängt klein an und dann wird es immer mehr, es kommen immer mehr Kleinigkeiten dazu und viel wenig gibt ein viel. Ich hatte hier schon einen Höllenrespekt vor dieser Orga-Leistung. Die Einweisung der Helfer gab zu verstehen, dass es sich hier bereits größtenteils um eingespielte Crews handelte. Es wurde ein informativer und netter Abend, zu dem natürlich auch der unvergleichliche Michele Ufer beitrug, der jedes Laufevent durch seine gute Laune bereichert. Unser Job wurde es, den Schreibkram beim Check-In am Start zu organisieren sowie die Helden des Flusses dann am Sonntag im Ziel in Empfang zu nehmen. Da für das Wochenende der Wetterfrosch Sengemann & Söhne mit Temperaturen weit jenseits der 30 Grad angekündigt hatte, organisierte ich noch von Kumpel Dirk einen zweiten Pavillion, den er uns über seine Hausverwaltung (https://www.facebook.com/bfquadrat) gerne zur Verfügung stellte. Den sollten wir am Sonntag dann noch gut gebrauchen können.

Dann wurde es Samstag, um 8:00 Uhr sollte der Start erfolgen, um halb sieben wollten wir in Winterberg an der Ruhrquelle sein. Marcel aus Rheinberg, Veranstalter des Niederrhein-Ultra 2013 und des Rheinberger Empathy-Run 6h-Laufs (www.spendenläufer.de) wollte auch die volle Strecke über 231 km in Angriff nehmen und wir boten an, ihn als Taxi mit zum Start nach Winterberg zu  nehmen. Also ging um 4 Uhr der Wecker. Mit Marcel an Bord ging es diesmal deutlich schneller über unser marodes Autobahnnetzt, jedoch gab auch hier alleine die Fahrzeit einen Eindruck, was unser Mitfahrer sich da vorgenommen hatte.

Die Ruhrquelle gab sich unspektakulär. Ein Stein, ein Rinnsaal und ein aufgebauter Pavillion, wo Jens uns schon mit weiteren Helfern erwartete. Wir bauten unsere Campingmöbel auf und der Check-in war eröffnet. Über 80 Starter abzuhaken, mit "All-Inclusive-Armband" zu versehen, vorher dort drauf die Startnummer zu notieren, Gesundheitszeugnis und Haftungserklärung abzunehmen und zum Fotografen zu schicken hört sich einfach an. Ist es auch, jedoch nicht mehr, wenn 75% der Starter dies in den letzten 20 Minuten tun wollen. Aber wir teilten uns die Arbeit ganz gut auf, zuletzt zu viert und alle Läufer kamen pünktlich an den Quell der Freude.
Ein launiges Briefing von Jens, dann setzte sich der Lindwurm zu den Kängen von Hells Bells in Bewegung. Ganz langsam, aber unaufhaltsam. Wie das Wasser, welches sich hier auf ddie 231 Kilometer lange Reise bis in den Rhein macht. Wir hingegen packten unsere Sachen zusammen und gingen die wenigen Meter zurück zum Parkplatz. Auf der Rückfahrt besuchten wir noch Freunde in Witten, wo wir bereits beim Frühstück auf der Terrasse einen Vorgeschmack von den Wetterbedingungen bekamen, bei denen die Läufer würden heute ihr Werk verrichten müssen. Es war hier im Ruhrtal deutlich schwüler und drückender als an den Hängen des Kahlen Astens. Das merkten wir auch am Nachmittag bei einer kleinen 11,5-Kilometer-Runde zu Hause. Obwohl wir durch den Wald liefen und kein besonders flottes Tempo drauf hatten, war es ein Gefühl wie im Treibhaus. Der Schweiß floss in Strömen und ich war froh, als die Runde beendet war. Danach noch schlappe 220 Kilometer? Zumindest an diesem Tage für mich unvorstellbar.

Abends dann noch ein 30. Geburtstag (ja, zu so etwas werden auch wir Zombies noch eingeladen) eines früheren Fußballkollegen auf unserer alten Platzanlage, wo mir schon Planungsgedanken an ein hier zu veranstaltendes Laufevent kamen. Und natürlich so die Gedanken, was wir alles in der Zeit geschafft kriegen, in der die anderen Laufen....und laufen....und laufen. In die Nacht. Nun auch mit den 100-Meilen-Startern auf der Strecke. Um 4 Uhr früh würden dann zuletzt die 100-Kilometer-Läufer auf die Piste gelassen.

Wieder war am Sonntag dann relativ früh Tag, denn um 9:30 Uhr hatten wir uns am Ziel in Duisburg-Neuenkamp an der Rampe zur Rheinorange angesagt. Eine an sich hässliche Bramme, so nennt man einen Rohstahlblock, aus dem im weiteren Verfahren dann Bleche und Drähte gewalzt werden. Dem hat man eine Orange Lackschicht verpasst, damit leuchtet das Teil gut Sichtbar über den Rhein Richtung Homberg und Ruhrorter Rheinbrücke, über die wir noch eine Woche zuvor im Rahmen des Rhein-Ruhr-Marathons gelaufen waren. Leider kommt man mit dem PKW nur ca. 1 1/2 Kilometer entfernt zum Parken, so dass wir den Pavilllion und mehrere Liegestühle für die Ankömmlinge auf einem Rollbrett zum Ziel bugsierten.
Das klappte ganz gut, der sichtlich übernächtigte Jens mit dem bereits am Ohr festgewachsenen Handy empfing uns bereits mit dem Materialbus. Schnell bauten wir die Pavillions auf, denn der Himmel begann sich bereits zu zu ziehen. Es waren schon mächtig viele Starter und Starterinnen ausgestiegen, die Hitze des ersten TAges hatte bereits ihren Triut gefordert. Auch Marcel war schon nach knapp 75 Kilometern mit Anzeichen eines Sonnenstichs raus. Im Grunde waren wir aber froh, dass jeder Läufer so vernünftig war, selbst abzubrechen. Ein Abtransport ins Krankenhaus war das letzte, was dieser Lauf gebrauchen konnte. Nach Jens Diktat strich ich die Läufer von der Zieleinlaufliste, denn die Übersicht, wer noch wo ist ist eminent wichtig bei so einem Event. Dann kam bereits Peter Kaminsky mit seiner Crew in Sicht. Finisch nach gut 27 Stunden,, Titel aus 2012 verteidigt. Kaum war Peter versorgt und saß im Liegestuhl, begann das Gewitter. Windböen und ein kurzer, aber heftiger Regenschauer ließ uns gemeinsam mit Peters Crew die Pavillions festhalten. Es gelang uns, diese vor Schaden zu bewahren und der Großteil des Unwetters zog Richtung Norden vorbei.

Ich will jetzt hier gar nicht im Einzelnen auf die Zieleinläufe eingehen. Den Eindruck verschafft sich der Leser am Besten mit dem beigefügten Video.

Ich bemühte mich, jeweils die knapp 400 Meter von den Zelten zum Orangeum mit zu traben und den Zieleinlauf Videotechnisch festzuhalten. Einige Zuschauer versammelten sich, die zumeist bekannte der erwarteten Läufer waren.  Mit fortschreitender Finisherzahl, denn auch die 100-Meiler und die 100-Kilometer-"Bambinis" trafen langsam ein, verlegten wir den Bürotisch ans Orangeum. Die Zeit verging wie im Fluge. Unvergessen die Einläufe Oli Schoiber, von Marcus Kintzel bei seinem ersten 100er, von Alois Wimmer als Sieger der 100 Meilen, von Ricarda Behtke als erster Frau. Und von Lokalmatadorin Anja Tegatz mit toler Begleitung des Kolleginnen des LC Duisburg. Zeit spielt hier keine Rolle. Platzierung eine untergeordnete. Das Schaffen der Distanz ist das, was hier jeden vorantreibt. Man spürt förmlich die Emotion, wenn die Finisher an das orangefarbene Stahlstück klatschen und sich bewusst werden, dass sie im Ziel sind. Einige sehen aus, als fielen sie jeden Moment tot um. Andere, als ob sie gerade eine Runde um den Block getrabt wären. Man kann das schlecht in Worte fassen, man muss es erlebt haben. Man wird Teil des Events, auch wenn man "nur" das weiße Helfershirt trägt.
Auch wir bekamen Besuch von Freunden aus der Ausdauerschule, die sich auch beeindruckt zeigten. Braucht dieser Lauf mehr Publikum am Ziel? Ich sage, nein. Ich glaube auch nach meiner Biel Erfahrung, dass das Erreichen des Ziels etwas ist, was Dich ohnehin im Moment über den Dingen stehen lässt. Mir war es in Biel auch egal, wie viele Leute da applaudierten. Die Linie am Boden war es, die die 100 Kilometer beendete. So wird es den meisten Läufern an jenem Pfingstsonntag auch ergangen sein.

Ich wundere mich heute noch, dass ich mir keinen bösen Sonnenbrand dort am Rheinufer zugezogen habe, aber nachdem alle Urkunden handschriftlich ausgefüllt und die Mehrzahl der Läufer im Ziel waren, waren auch Claudia und ich ziemlich platt. Jens verabschiedete sich bereits ins Hostel, wir wollten noch bis kurz vor Elf bleiben und dann mit dem Shuttle-Bus und den letzten Läufern nachkommen. Alle würden wir nicht mehr erwischen. Um 22 Uhr war offizieller Zielschluss, um kurz vor Elf brachen wir den Rest der Zielversorgung ab. Hört sich brutal an, aber irgendwann ist Schluss und die Läufer wissen das. Wer später ankommt, ist auf seine Crew angewiesen und das klappt in der Regel ja auch. Toll noch der letzte Zieleinlauf von Yvonne Prommesberger, Emotionen pur gemeinsam mit der Crew in völliger Dunkelheit an der Ruhrmündung.  Überglücklich, dass überhaupt noch jemand da war und wohl auch über meine Zusage der Urkunde und Gürtelschnalle im Hostel. Kein strenger Cut-off mehr!

Was hat mir der Tag gegeben? Im Hostel saßen wir noch bei Pommes und Currywurst (Ruhrtypisch eben) in einem Traumhaften Biergarten in Traumhafter Nacht, mit Alois, Birger und Frank an einem Tisch und staunten, wie fit so mancher hier am frühen Montagmorgen noch war. Es war eine ganz eigentümliche, familiäre Atmosphäre, die mich sofort in den Bann zog. Mein Entschluss für 2016 steht, soviel war bereits hier klar.

Nochmal an dieser Stelle meinen höchsten Respekt allen Finishern und gerade auch allen "DNF's". Manchmal gehört mehr Mut und Kraft dazu, seine Grenzen zu erkennen. Auch Danke an Jens Vieler und seine Crew, der so ein gigantisches Event in seiner Freizeit organisiert. Und ein Appell an alle, die nur mal gucken waren: Claudia und ich möchten 2016 laufen, also: Wer vertritt uns als Helfer?





Freitag, 20. Juni 2014

"Ruhewochen" - Rhein-Ruhr-Marathon

Was macht der Thomas, wenn er mal nicht läuft? Gute Frage, stelle ich mir gerade und finde, es ist an der Zeit, nochmal kurz meinen Blog zu füllen.

Freitag Mittag den 30.5.  waren wir zurück von den Sixdays, Samstag dann schon wieder auf der Messe beim Rhein-Ruhr-Marathon, um unsere Startunterlagen abzuholen
Denn Sonntag früh sollte es ja schon weitergehen. Samstag noch schnell ein paar neue Energy Boost zugelegt, denn die alten sind durch und die laufe ich im Moment beim Marathon am liebsten. Ja, ich weiß, ich höre schon Euch Mahner: "Keine neuen Schuhe beim Marathon". Aber das macht mir nichts, denn meine Füße sind in der Beziehung eher unproblematisch und das Modell ist für sie ja nicht neu.

Wir wollten es am Sonntag mit einer privaten 4h-Pacemaker-Gruppe versuchen, Werner, Trainerin Sabine und mit Holger und Michael zwei Marathon-Debütanten wollten mit von der Partie sein. Dazu gesellte sich dann noch Karin aus dem Essener Laufkurs. Ich hatte mir das Finisher-Shirt 2004 mit einem Hinweis auf mein Jubiläum  bedrucken lassen, denn 10 Jahre zuvor hatte ich ebenfalls am ersten Sonntag im Juni auf dieser Strecke mein Marathon-Debüt gegeben. Was hat sich seither nicht alles bei uns verändert?

Zum Marathon ist nicht viel zu sagen. Ich habe es genossen, mal wieder ohne Blick auf die Uhr laufen zu können. Na ja, stimmt nicht ganz. Denn ich musste meine Truppe immer wieder anpfeifen, nicht zu schnell zu werden. Denn die echten 4:00-Stunden Brems-/Zugläufer legten von Beginn an ein zu hohes Tempo vor. Und es war sonnig und relativ warm an diesem 1 Juni. Ich machte mir hier, nach wenigen Kilometern bereits, Sorgen um unsere beiden Debütanten, denn zu Beginn zu schnell zu sein hat sich meistens später gerächt.

So ließ ich die Bande laufen und bremste ab, nutzte dabei die Gelegenheit, zwei Läufern aus Neuss die Schönheiten der Steuerverschwendungen und Bauskandale im Innenhafen näher zu bringen. Stichworte Landesarchiv, Treppe am nie gebauten Eurogate und Stahlskelett am Museum Küppersmühle. Wer mag, darf gerne googelen.

Kurz vor Meiderich hatte ich wieder zu der Bande aufgeschlossen, man wurde also endlich langsamer. Bei km 15 stand ein Kollege von mir und meiner Tochter am Straßenrand mit einem Becher Sekt zur Feier des Tages, ich kippte diesen schnell herunter, bedankte mich und wartete auf die Wirkung. Na ja, für den Ahrathon Mitte des Monats musste ich ja eh trainieren. Die Wirkung blieb jedoch aus, was mich beruhigt Richtung Weinberge an der Ahr blicken ließ.

Zur Halbmarathonmarke in Duisburg-Homberg waren wir ganz gut in 1:58 unterwegs, aber nun begann es richtig warm zu werden. Werner hatte sich nach vorne abgesetzt, Sabine und ich liefen noch mit Michaael und Holger, die langsam Probleme bekamen, wie es schien. In Rheinhausen mussten erst Michael, später Holger dann  krampfgeplagt Gehpausen einlegen. Sabine und ich teilten uns auf, ich blieb bei Michael und Sabine bei Holger. Da mir meine Zeit relativ latte war, machte ich es mir also dann zur Aufgabe, einen Trainingskollegen ins Ziel zu schleifen. Ich hoffte natürlich, dass ich dabei laufen konnte und nicht gehen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.....denn Michael hatte immer wieder Krämpfe. Zurück über den Rhein wurde es mit dem Gehen zu heftig, ich erinnerte mich an die Worte von Dr. Schohmaker in Riesenbeck beim Vortrag und borge mir am Altenheim an der Karl-Jarres-Straße von zwei netten Omis den Salzstreuer. Leider kam nicht viel heraus, als ich einen Becher Wasser in Salzlösung für Michael verwandeln wollte. Es ging mehr schlecht als recht weiter, Birgit gesellte sich zu uns und wollte mich auf meinem Jubiläumslauf die letzten 10 Kilometer begleiten. Fand ich ganz toll von Birgit und hat mich sehr gefreut.

Da es mit den Krämpfen nach der einen Prise Salz natürlich nicht besser wurde, stürmte ich dann mal das erstbeste Balkan-Restaurant, an dem wir vorbei liefen. Die Bedienung war sehr nett, als ich verschwitzt zwischen den speisenden Gästen nach einer Hand voll Salz fragte. Nach kurzer Erklärung bekam ich dann eine Serviette voll, die ich als kleines Säckchen von da ab in der Hand trug An jedem Wasserstand gab es nun Salzlösung für Michael und es wurde tatsächlich langsam wieder besser. Von Birgit und mir zugequatscht lief er wieder mehr, als er ging. Und wollte wahrscheinlich nur noch ins Ziel, damit er seine Ruhe hatte. Mit einer soliden 4:25 liefen wir am Ende in die MSV-Arena ein. Ich fühlte mich sehr gut, was aber so kurz nach den anstrengenden Sixdays eher daran gelegen haben mag, dass ich in der zweiten Hälfte meine Gehpausen hatte.

Claudia kam kurz nach uns in einer 4:27er Zeit mit ihrem "Schützling" und mit Sabine ins Ziel. Holger ist dann doch wegen seiner Krämpfe ausgestiegen. Schade.



Auf dem sonnigen Rasen der Arena klingt dann ein schöner Lauftag mit einem kühlen KöPi aus. Der Rhein-Ruhr-Marathon hatte uns nach 4 Jahren wieder. Und Michael konnte stolz seinen ersten Marathon feiern. Gibt es was schöneres zum Jubiläum?


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Freitag, 30. Mai 2014

Riesenbecker Sixdays - Schlussetappe Ibbenbüren Aasee - Riesenbeck "Etappe der großen Gefühle"


Es war, bedingt durch Marco und Kims Ankunft und die längere 5. Etappe spät geworden am Mittwochabend. Erst gegen Mitternacht fanden wir in die Betten. Als ich als notorischer Frühaufsteher gegen 7 Uhr erwachte, hörte ich es nach wie vor draußen plätschern und tröpfeln. Wollte der Dauerregen, der uns seit Montagnacht begleitete, denn nie mehr aufhören? Wir alle wünschten uns wohl eine trockene Schlussetappe, die dieser einzigartige Wettkampf wohl verdient gehabt hätte. Marco und Kim waren erst wenige Stunden hier und wohl auch schon vom Geiste dieser Veranstaltung erfasst. Der erneut emotionale Zieleinlauf am Strandbad am Aasee der schlammverkrusteten Läuferinnen und Läufer und das Engagement der Helfer und Zuschauer an der Strecke hatte auch sie beeindruckt. Während des  Frühstücks hörte es langsam auf, der Himmel behielt jedoch sein dunkelgraues Trauerkleid. So ganz wollte der d oben die Veranstaltung wohl noch nicht aus seinen Händen geben. Man hat zwischen den letzten beiden und auch längsten Etappen ja nur 20 Stunden Zeit von  Start zu Start, also hieß es nach dem gemütlichen Frühstück für mich schnell den Bericht zur 5.Etappe zu schreiben. Denn sonst überlagern die neuen Eindrücke des Tages wieder de Erlebnisse, de ich hier ja nicht nur für  Euch sondern besonders für mich selbst aufschreiben möchte.
Es war durch den vielen Regen kalt geworden, das Thermometer zeigte nur noch 13 Grad an, dazu wehte ein unangenehmer Wind, der am Aasee zum Start recht intensiv für durchgängiges frösteln sorgte. Die Stimmung war überraschen gut und gelöst bei allen Teilnehmern, das lag wohl an der Vorfreude, es bald geschafft zu haben. Moderator Michael Brinkmann wies noch einmal auf die Spendenaktion zugunsten der Verstorbenen Karine hin und kündigte erneut die Sängerin Jenny Garcia an, die uns mit einem Karine gewidmeten Song live hier auf die Strecke schicken sollte. Wir wurden gebeten, ein letztes Mal einige Minuten vor dem Start inne zu halten und den Song auf uns wirke zu lassen, vielleicht auch noch einmal über die Ereignisse nachzudenken, ehe uns wieder die großen und kleinen Läuferdramen und Positionsrangeleien beschäftigten. Dazu waren leider viele Laufkolleginnen und Kollegen nicht in der Lage. Während ich den Arm um meine Claudia gelegt hatte und in den wolkenverhangenen Himmel schaute, scherzten einige viele weiter herum, als ob nichts geschehen wäre. Das hat mich sehr gestört. Show must go on, ja klar. Das Rennen und das Leben gehen weiter, persönlich haben wir alle die Verstorbene nicht gekannt. Aber ist es zu viel verlangt, noch ein letztes Mal 3 ½ Minuten zu schweigen? Aus Respekt der Künstlerin und der Toten gegenüber? Als ich dies kurz meinem Nachbarn äußerte, gab er mir Recht. Irgendwie erschreckend, wie schnell die Normalität zurückkehrt. Aber vielleicht ist das auch gut so.

Wir wünschten uns ein gutes Rennen, dann ging es schon los. Ich hatte mich wieder zu weit vorne eingereiht und lies mich den ersten Kilometer entlang des wunderschönen Aasees mitziehen, 4:34 war das Ergebnis. Dann wurde der Weg wieder zum Pfad und führte uns durch ein kleines Wäldchen. Meine Beine fühlten sich schon wieder an wie Blei, alles andere hätte mich auch wundern müssen. Dann stoppte das Feld unvermittelt. Geschlagene 38 Sekunden ging es an einer Ecke nicht mehr weiter. Als ich dann „an der Reihe“ war und um den Busch vor uns herum konnte, sah ich auch, warum. Eine riesige Pfütze von mehreren Metern Länge, nein, eher ein Miniatur-Moor zwischen Zaun und Gebüsch hatte das vordere Feldviertel mal eben völlig ausgebremst. Vor zwei Jahren hätte das bei mir eine mittlere Panikattacke ausgelöst. Heut war es mir ganz Recht, dass mein Puls wieder Gelegenheit bekam, in seine Ausgangsposition zurück zu kehren. Also Reset, es ging weiter. Ein Stück der Groner Allee entlang, welches wir  bereits auf der ersten und zu Beginn der zweiten Etappe in verschiedene Richtungen belaufen hatten, dann auf befestigten Wegen am Ortsrand von Ibbenbüren schön flach weiter. Ich wurde überholt, ich überholte, begann mich aber langsam einzulaufen. Ich halte hier tatsächlich noch eine Pace um die 4:40 über die ersten Kilometer, die bretteben entlang der Aa und durch ein schönes Wohngebiet führen. Danach ist es dann, so bei Kilometer 7-8, endgültig Schluss mit Lustig, dann geht es hinauf in den Teuto. Bereits auf dem leicht ansteigenden Feldweg nahm ich Tempo heraus, kurz darauf konnte ich auf einem flachen Asphaltstück nochmal beschleunigen. „Du schreibst doch immer den tollen Blog“ höre ich von hinten eine Frau, die  gerade an mir vorbei läuft. „Ja, danke, freut mich, wenn’s Spaß macht“. „Schreib weiter, ist super“ und weg ist sie. Hier sind unheimlich viele starke Teilnehmer, die am Berg noch ein unglaubliches Tempo halten können. Auch die blonde Dame aus der W60 geht wieder locker an mir vorbei, als ich beginne, von laufen auf gehen zu wechseln. Der Weg ist morastig, durchzogen von Wurzeln und Steinen. Teilweise sinke ich wieder ein und durch den Riss, den ich am Start an den Leisten meines ON Cloudsurfer-Schuhs entdeckt hatte, dringt Matschwasser ein. Der hat es dann im Ziel auch hinter sich. Er hat mir treue Dienste geleistet, hat mich 2013 in Düsseldorf zu einer 3:11:01 im Marathon getragen und auch durch den Marathonlauf bei der Ironman-Distanz. Na ja, so haben sie einen würdigen letzten Lauf. Wir machen hier gerade wieder 70 Höhenmeter auf 1,2 Kilometern hinauf auf den Kamm des Teutoburger Waldes. Ein älterer Läufer hört neben mir dann auch mit dem Laufschritt auf. Dies uns gibt Gelegenheit, ein paar Worte zu wechseln. „Mir kann heute nix mehr passieren. Der erste M 60 ist 20 Minuten vor mir, der dritte 20 Minuten hinter mir.“ „Klasse, dann kannst Du es ja auch ruhig angehen lassen!“ “Vor zwei Jahren war es noch langweiliger, da hatte ich in der AK ganz schwache Konkurrenz. Über eine Stunde Vorsprung vor der letzten Etappe, das war langweilig“.
Wie sind oben. Ich bewundere diesen erfahrenen AK-Läufer und was der hier mit über 60 noch leistet. Damit ist er hier nicht alleine. Ich gewinne oben dank meines Gehens schnell wieder Tempo und habe schnell die Läufergruppe vor mir wieder eingesammelt und meinen Begleiter abgehängt. Hier oben auf dem Herrmannsweg wird der Weg bessser, es war die richtige Entscheidung, auf die weniger geländegängigen ONs zu setzen und die Trailschuhe zu Hause zu lassen. Denn nun geht es, nach einer ordentliche „Welle“ im Gelände, wieder hinunter an der Südseite des Teuto. 
Dort unten am Postdamm würden Marco und Kim warten, dort gibt es den zweiten Verpflegungsstand und es geht den letzten Berg der Sixdays hinauf. Unten ist die Hölle los, ich komme mit ordentlich Tempo trotz des schlechten Bergweges um die Ecke. Ein kurzes Hallo, einen Becher Cola, die hier erstmalig gereicht wird, und es geht wieder im gehschritt hinauf. Die ebenfalls angebotene Schokolade lasse ich lieber. Wieder überholen mich einige, die ich eben bergab hinter mir gelassen habe. Vor zwei Jahren wusste ich, dass ich noch eine Menge „Tinte auf dem Füller“ hatte und es denen allen auf der Flachetappe auf den letzten 9 Kilometern zeigen konnte. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Das Problem ist weniger der Puls, der sich noch im Bereich GAT 2 bewegt, sondern meine bleischweren Beine. Das hatte ich hier spätestes seit Sonntag täglich. Und das lässt mich zweifeln, dass ich hier wie damals noch viele überholen würde können. Egal, ich habe den letzten Berg geschafft, sogar in 6:08 mit Gehphase. Jetzt lasse ich meine schweren Beine wieder laufen.

Der Läufer im Volksbank-Einteiler bleibt endgültig hinter mir, vor mir noch einmal der SV-Teuto und einmal das blaue Hemd der LG Emsdetten. Auch die kommen hier oben auf dem Herrmannsweg wieder näher. Bald muss schon das 10-Kilomter-Schild auftauchen, denn hier sind lediglich die letzten 10 Kilometer der letzten Etappe rückwärts ausgeschildert. Da war es, der Countdown läuft. Ab und zu scheint die Sonne erste Durchbrüche durch die Wolkendecke zu wagen, letztlich sollte sie jedoch nicht durchkommen. Meine Kleidung mit Einteiler und Armlingen wie in Hamburg bewährt sich jedoch bei den ähnlichen Temperaturen hier. Zum Laufen ist es angenehm, Hauptsache jedoch trocken. Kilometer 13, der hier bereits leicht bergab verläuft, schaffe ich bereits wieder mit einer 4:47er Pace, auf Kilometer 14 kann ich es dann wieder richtig laufen lassen. Mit 4:25 geht es den Waldpfad hinunter zur „Millionenbrücke“ über den Mittellandkanal auf seinen ersten Metern. Ich habe den Wald geschafft. Schon kurz vorher höre ich die vielen Zuschauer, deren Anfeuererungsrufe hinauf in den Wald schallen. Gänsehaut. Unten ein Verpflegungsstand, ich danke den Helfern, nehme eine Cola und überquere die Wasserstraße. Hinter der Millionenbrücke geht es sofort hinunter zum Kanalwirtschaftsweg, wo mich sofort die Windkeule von vorne trifft. Egal, wenn es gar nicht mehr geht, einfach locker weiterlaufen. So geht es mir durch den Kopf, als ich am “Nassen Dreieck“ über eine alte Eisenbrücke nun auch den Doofmund-Ems-Kanal überqueren darf. Auch hier wieder viele Beifall spendende Helfer und Zuschauer und deren „Komm, ist nicht mehr weit“ ist nun wirklich einmal kein dummer Spruch, sondern kommt ehrlich bei mir an. Dann sind wir im Golddorf Bevergern angekommen, keine Ahnung, warum das so heißt. Jedenfalls führt die Strecke hier herrlich hinter Gärten an einem kleinen Kanal durch den Ort.  Hier ist dann endlich der Läufer vom SV-Teuto fällig. Kurz darauf überholt mich jedoch auch noch eine Gruppe von vier bis fünf Läufern, ich widerstehe der Versuchung, trotz meiner schweren Beine zu versuchen, mitzuhalten. Die 4:42 für Kilometer 16 sind immer noch mehr, als ich erwartet hatte. Der Läufer von der LG Emsdetten läuft nun unmittelbar vor mir. Wir sind im Ortskern, ein Moderator sagt mich noch einmal an, hier ist sonst außer dem Vorhandensein des vorletzten V-Punktes nichts los. Dann noch einmal hinaus entlang des kleinen Abflusskanals. Die Läufer sehen hier hintereinander aus, wie die Perlen an der Schnur aufgereiht. Ein schönes Bild. Leide sinkt auf dem schmalen, matschigen Weg auch wieder die Pace. Als wir endlich in der Nähe des Wasserschlosses Surenburg das 4-Kilometer-Schild passiert haben, laufe ich neben dem Läufer der LG Emsdetten. Wir tauschen einige Worte aus und laufen dann unverabredet zusammen weiter. Ich glaube, wir sind, so glaube ich nun, beide froh einen Begleiter für die letzten Kilometer zu haben.
Die Allee vor den Schloss zieht sich wunderschön dahin, ich sage „lauf mal, ich mach ruhiger“ aber irgendwie bleiben wir dann doch zusammen. „Ein schönes Schild“ sage ich, als Kilometer zwei in Sicht kommt. Wir überholen noch zwei Läufer, einen vom SV-Teuto und einen von Marathon Steinfurt. Deren Laufstil lässt schließen, dass die gut durch sind. Schnell gewinnen wir beide Abstand.  In meinem Kopfkino laufen die Bilder und Gefühle der vergangenen Teilnahmen noch einmal ab. Vor allem die Euphorie beim letzte Mal 2012. Ich hatte nur noch Läufer eingesammelt und war klar in die Top 100 dieses toll besetzten Wettkampfes gestürmt, habe noch um jeden Platz gekämpft, habe sogar die 9:30 h unterbieten können.  Und heute? Ich bin froh, die Top 200 bzw. das vordere Drittel geschafft zu haben, die Zeit wird wohl die schlechteste seit meiner Premiere 2008 werden, aber sie ist mir wertvoll. Nur noch ein Kilometer, wir sind in einer Wohnsiedlung, wo es ein letztes Mal leicht bergauf geht. So lang hatte ich die Passage nicht auf dem Schirm. Ich lasse die LG Emsdetten mit guten Wünschen ziehen. Hinter mir ist Ruhe. So habe ich den Zieleinlauf für mich alleine. Hier hatte ich im letzten Jahr die Überholorgie abgebrochen und aus den gleichen Gründen den Läufer vor mir ziehen lassen. Endlich bin ich oben, jetzt geht es bergab nach Riesenbeck hinein, immer mehr Zuschauer säumen den Kurs. Dann die linkskurve, die abgesperrte Straße, Zuschauer jubeln mir rechts und links der Absperrgitter zu. Ich nehme die Arme hoch, sehe die Fotografin des SV-Teuto und winke ihr zu. Sie begreift und schießt ein Foto von mir. Ich werde es später wohl unter www.sv-teuto.de  finden. Hier schon mal danke schön vorab.
 Dann geht es zum Ziel. Pure Freude, ich reiße die Arme hoch, brülle mehrmals „Ja, ja, ja“.
Kein Gedanke an schlechte Zeiten, an schwere Beine, sehr wohl aber ein kurzer Moment in Gedanken an diejenige, die genau diese Gefühl hier nicht mehr erleben durfte. In tiefer Dankbarkeit gehe ich in die Hocke und lasse  mir die Medaille umhängen. Ich bin platt. 1:57, zumindest klar unter zwei Stunden geblieben, damit kann ich gut leben. Wir wollen ja immer wieder an die Grenze heran, an die Grenze von Kampf und Duchhalten zum gesundheitsgefährdenden Wahnsinn. Überschreiten wollen wir sie alle nicht. Das habe ich nicht getan. Ich treffe Andre, Birgit und viele andere Freunde und Bekannte. Dieter ist jetzt auch im Ziel, die letzten beiden Tage haben auch ihn geschafft. Erfreut sich mit Birgit über ihren Altersklassensieg und den 4. Gesamtplatz. Auch für Birgit als Sixdays-Neuling eine ganz starke Leistung! Stolz trage ich mein Finisher Shirt, denn dieses habe ich mir wie alle anderen auch hart verdient. Du bekommst es nur, wenn Du alle Etappen beendet hast, das wird genau nach gehalten. Dann kommt Claudia ins Ziel.
Ich versuche noch, ein gutes Bild zu machen, aber sie läuft hinter mehreren anderen herein. Auch sie hat es glücklich wieder geschafft, so sieht sie allerdings auch aus. Sie ist bei Kilometer 11 mit dem Fuß umgeknickt und den Rest mit Schmerzen zu Ende gelaufen. Das ist jetzt wiederum so eine Sache, die für mich auf einem ganz anderen Blatt steht. Schmerzen im Fuß kann man überlaufen, wenn es nicht mehr geht, würde es nicht mehr gehen. Man macht aber in der Regel nicht mehr kaputt, als dann ohnehin kaputt ist.
Nicht, dass ich mir Sorgen gemacht hätte, aber angesichts dieser besonderen Sixdays bin ich doch froh, meine Frau im Ziel relativ gesund und glücklich in die Arme nehmen zu dürfen.
Dass das nicht selbstverständlich ist, haben unsere französischen Läufer hier am dritten Tage erfahren müssen.
Von der tollen Stimmung bei der Siegerehrung im rappel vollen Partyzelt am Abend will ich gar nicht viel Berichten, es war wie immer der würdige Abschluss einer großen Veranstaltung.
Bei einer Tüte Chips und einem Gläschen Wein und Sekt ließen wir nach den traditionellen Pommes-Currywurst nach der Party den Abend, oder besser frühen morgen, mit Marco und Kim in unserem Holzhäuschen ausklingen. Auf der Rückfahrt am Freitag fuhr dann mal meine Frau, denn ich musste ja diesen Blog noch verfassen….
Wir waren eigentlich der Auffassung, die Riesenbecker Sixdays 2016 einmal auszulassen. Ich hatte bereits am zweiten und dritten Tag lernen müssen, dass man die „nicht mal eben so“ läuft, sondern dass ein schneller Marathon und keine gezielte Vorbereitung einen eben immer müder werden lässt. Der ganze Umgang mit den dramatischen Ereignissen hier, insbesondere die Minute Applaus am „Tag danach“ haben mich mit diesem Lauf weiter verbunden. Ich glaube, ich werde 2016 doch wieder da sein. Das Ferienhaus habe ich schon mal reserviert….




Donnerstag, 29. Mai 2014

Riesenbecker Sixdays Dickenberg - Ibbenbüren Aasee - Schlammschlacht im Dauerregen.

"Staunen Sie auf der 5. Etappe über soviel Natur in der größten Stadt des Etappenlaufes - Ibbenbüren und genießen Sie den Zieleinlauf bei untergehender Sonne direkt am Aasee in Ibbenbüren."
So hieß es in der Ausschreibung des SV-Teuto.
Der 5. Tag der Riesenbecker Sixdays beginnt, wie der traurige 4. Tag aufgehört hatte. Mit Dauerregen, der den ganzen Tag nicht nachlassen wollte und der dem nicht unerheblichen Anteil an Waldwegen und Single-Trails an der heutigen Etappe wohl mächtig zusetzen dürfte.
Heute kommen Marco und Kim, unsere Trainingskollegen aus der Ausdauerschule, uns für die letzten zwei Tage besuchen. Das freut uns sehr. Einmal zeigen wir gerne anderen Lauffreunden diese wunderbare Veranstaltung, andererseits lenken uns auch neue Gesprächspartner mal wieder von den schrecklichen Ereignissen der vergangenen Tage ab. Wir haben daher auch etwas mehr Zeit, denn zum Ziel zu fahren und mit den Bussen wieder zurück, wo der Start doch nur 500 m von unserer Unterkunft aufgebaut ist, macht ja irgendwie wenig Sinn. Zurück wollen wir dann mit Marco und Kim fahren.
Leider müssen sich die beiden durch den dichten Feierabendverkehr wühlen und würden es nicht bis um Start schaffen, uns zu treffen. Also schicke ich Ihnen eine Liste mit Adresssen, an denen sie die Strecke gut erreichen können, das erste Mal an der Dickenberger Kirche bei Kilometer 9,5.
Meine Stimmung ist trotz des Regens immer noch verhalten, aber ich kann mich im Gegensatz zu gestern wieder auf das Laufen konzentrieren. Die Liste von der „Karine-Etappe“ habe ich mir noch gar nicht genau angesehen. Aber ich weiß nun, dass das Ergebnis hier für mich nur noch eine untergeordnete Rolle spielen wird, ich will hier jedoch ohne Zeitdruck alles geben, ohne etwas erzwingen zu wollen. Was dann dabei herauskommt, ist in jedem Falle gut.





Wir treffen einige Laufbekannte und schließlich Andre und Familie, machen unsere obligatorischen Startfotos, diesmal in der Pausenhalle. Denn es regnet weiter ohne Unterbrechung. Erst kurz vor 18:00 Uhr begeben wir uns in die Startformation, ich reihe mich diesmal wieder an gewohnter Stelle ein. Dort treffe ich Birgit und Dieter. Ich gebe Birgit noch den Tipp auf den Weg, gleich nach vorne u gehen, denn auf dem ersten Kilometer gibt es zwei Engstellen, an denen es zu Stau kommen kann. Nach der zweiten Engstelle geht es dann einen schmalen Trail entlang, wo schlecht überholt werden kann. Dann geht es los. Ich sehe auch zu, dass ich zunächst wegkomme und schaffe den ersten Kilometer auch in einer Pace von 4:32. Kein Wunder, dass ich mich schon so fertig fühle. Dann geht es um die zweite Engstelle ohne großes Gedränge in den Wald am Uffelner Berg. Meine Schuhe sinken sofort faste bis zur Schnürung ein, viele versehen, den Schlamm zu umlaufen und beginnen dadurch an den schrägen Rändern des Weges zu rutschen. Ich gehe einfach mitten durch. Das Geläuf geht aber sofort in die Waden und wir schaffen bergab nur eine Pace deutlich über 5. Hier konnte ich vor zwei Jahren noch ordentlich Tempo machen, das geht heute nicht. Aber ich will auch nicht durch waghalsige Überholmanöver andere gefährden. Aber mein Kopf ist heute freier. Ich denke ans Laufen, und das ist ein großer Unterschied zum Vortag. Den Dauerregen merke ich unterwegs kaum. Dann endlich der erste befestigte Feldweg. Ich laufe so vor mich hin und wundere mich, dass diese beiden relativ flachen Kilometer mir ein eine Pace von 4:46 bescheren. Dennoch werde ich überholt. Aber ich bin froh, dass ich mich weiterhin von allen Positionskämpfen hier gelöst haben. Ich kann und will es jetzt nicht mehr ändern, ich laufe, was sich ergibt und alle Anderen sind mir nun egal. Es geht stramm bergauf an einem Bauerhof vorbei, hier stehen einige Zuschauer. Die bewundere ich, bei diesem nasskalten Wetter hier zu stehen und uns anzufeuern ist eine tolle Leistung, die ich auch immer  mit einem „Daumen hoch“ oder zumindest einem Dankeschön bedenke.
Und wieder geht es in den Wald, wieder runter, dann hoch. Auf einem Kilometer gewinne ich wieder 60 Höhenmeter, in dem knöcheltiefen Schlamm kein Vergnügen. Trotz meiner Trailschuhe rutsche ich ordentlich, bin aber wieder froh, dass ich die gekauft habe. Es geht eine Treppe hoch, dann wieder eine steile Straße, eine Unterführung unter der Hauptstraße durch Dickenberg, wieder Treppen, dann komme ich an die Kirche. Wir sind hier mal gerade einen Kilometer vom Start entfernt, aber haben schon 9,5 Kilometer um den Uffelner Berg hinter uns. Jetzt wird es erst einmal flacher. An der Kirche befindet sich der zweite Verpflegungsstand, hier stehen auch wieder sehr viele Zuschauer, die uns rythmisch beklatschen. Ich sehe Marcos Auto am Straßenrand parken, dann sehen ich auch Marco und Kim. Ich gehe kurz hin und umarme die beiden, soviel Zeit muss sein Freunde aus der Heimat spornen immer an, ich laufe gleich wieder lockerer weiter. Das Feld hat sich hier schon gut auseinander gezogen, ich laufe wieder mal alleine. Ob es an meinem Deo liegt? Im  oment wechselt die Strecke zwischen welligen Wohngebieten und kurzen, tief verschlammten Waldstücken. Aber das Kohlekraftwerk kommt näher. Steil hinab eine kurze Straße, dann ein Wasserstand. Ich trinke einen Schluck, laufe langsam hinauf. Hier macht ene Nachbarschaft Party vor der Türe, mehre Kinder stehen da, eins mit Megaphon, welches alle Nummern der ankommenden Läufer ausruft. Die anderen klatsche ich ab, die Kinder freuen sich. Es geht immer wieder kurz hoch und kurz hinab, dann erreichen wir die Straße am Kohlekraftwerk Ibbenbüren. Wir laufen vorbei am Stauu der angehaltenen Autos, dann überqueren wir die Straße. Jetzt geht es tendenziell bergab. Christian vom TV Mesum läuft plötzlich neben mir. Er lief auch immer wider mal in meiner Gegend bei den letzten 4 Sixdays-Veranstaltungen.
Wir unterhalten uns während des folgenden Bergab-Kilometers, dann lasse ich ihn laufen. Ich will ich jetzt nicht an jemanden dran hängen und damit wieder etwas zwingen, meine Puls möchte ich schon im Griff behalten. Wieder geht es hoch. „Die letzte Steigung“ ruft mir ein Helfer zu. Noch einmal geht es steil bergab, dann werde ich von den nächsten Helfern frühzeitig gewarnt, denn es geht nun 90 Grad links auf den letzten Trail in den Wald hinauf. “Das letzte Mal hoch“ höre ich den Streckenposten hinter mir. „Das höre ich schon zum 4. Mal“ scherze ich zurück. Irgendwie scheinen die hier eine andere Vorstellung von Steigung zu haben. Matsche, Matsche, Masche. Es geht immer wieder wellig voran. Was mir hier besonders zu schaffen macht, ich, dass die Zweige der Bäume durch die anhaltende Nässe immer recht tief hängen, so dass ich mich bücken muss. Gleichzeitiges Beugen des Oberkörpers, während die Füße nach Halt suchen, stellt an sich schon eine gymnastische Herausforderung da. Das Problem an diesem Trail ist, dass er am Berghang verläuft, ohnehin leicht talwärts abgeschrägt ist und durch den Morast eine echte Gefahr darstellt. Ich habe wenig Lust, da herunter zu rutschen und mir am nächstbesten Baum eine Rippenprellung oder Schlimmeres zu holen. So geht dieser Kilometer leider nur in einer 7er Pace. Dann endlich geht es teil bergab, ich lasse wieder etwas mehr rollen, dann hier könnte ich nach rechts oder links vom Weg ins Lauf ausweichen. Dann endlich die Asphaltstraße, jetzt erst mal rollen lassen. Es fühlt sich schwerfällig an, aber eine 4:34er Pace schaffe ich hier noch. Ich will jetzt nur noch durch den Regen ins Ziel kommen. Es geht nun leicht bergab bis flach, aber die Strecke entlang der Hauptstraße zieht sich. Ein älterer Läufer, geschätzt M70, überhol mich. Ist mir auch egal. Dann geht es endlich nach rechts hinter das Sportzentrum Ost, wo bis 2010 der Zieleinlauf stattfand. Jetzt lotsen mich klatschnasse Helfer am Eingang vorbei über den Parkplatz über die Brücke zum Aasee-Rundweg. Ich höre schon die Samba-Trommeln des Ziels. Weiter, weiter weiter. Die Füße laufen von alleine, aber die Oberschenkel brennen. Dann der Beachclub in Sichtweite, dahinter ist das Ziel. Sprinten will ich nicht, dennoch bin ich schneller. Ein Zielkanal, dicht gesäumt von Zuschauern. Ich werde angesagt.


Die letzten 400 Meter gaben noch eine 4:32er Pace. Das ist nichts, aber mit den dicken Beinen von der Schlamm-Tour fand ich mich noch ganz gut. 1:57, knapp unter zwei Stunden für knapp 22,5 Kilometer mit gut 260 Höhenmetern. Die schlimmsten Berge liegen ebenso hinter mir wie 5 Etappen, und heute habe ich wieder ein gutes Gefühl. Und die Ergebnisliste am späten Abend sollte mich bestätigen. Birgit und Andre erwarten mich bereits, sie hatten auch gut zu kämpfen. Aber wer nicht. Ich ziehe mich schnell um und die nassen Sachen aus, dann erwarte ich Claudia. Sie kommt nach 2:13 h ins Ziel und lacht wie immer.
Unfassbar, wie sie das immer hinbekommt. Leider bleibt wenig Zeit, denn es regnet und wir haben nur noch 18 Stunden bis zum Start der letzten und sechsten Etappe. Die Sixdays sind wieder ein Lauf geworden. Die Musik im Ziel spielt wieder wie gewohnt. Das heißt nicht, dass Karine bereits vergessen ist. Aber der Tod lief heute nicht mehr mit. Jedenfalls nicht bei mir. 

Wie ich hörte, soll die 3. Etappe nun künftig nach Ihr benannt werden. Eine tolle Idee, wie ich finde.



Mittwoch, 28. Mai 2014

Riesenbecker Sixdays - "Etappe der Wahrheit" , der Tod lief mit

Die 4. Etappe von Mettingen nach Dickenberg wird gemeinhin als „Etappe der Wahrheit“ bezeichnet. Dieses Jahr stand sie unter anderen Vorzeichen. Gegen Mittag in unserem Ferienhaus erhielt ich Nachricht von einem Freund, der hier vor zwei Jahren mit uns mitgelaufen war. Was denn los sei, Läufer verstorben! Ich ging sofort ins Netz, was in unserem Haus leider nur von einer Dachkammer möglich ist, und war schockiert. Sofort dachte ich an den Läufer, den ich hatte kurz vor dem Ziel in Mettingen liegen gesehen. Aber der war es nicht, wie sich herausstellte. Ich werde hier nicht alle Informationen, die ich habe, niederschreiben. Hier geht es mehr um meine Gefühle, die ich dem Leser mitteilen möchte. Also schreibe ich nur über Dinge, die öffentlich verkündet oder geschrieben wurden. Diese sehe man mir bitte nach.

Wir sind hier unter Läufern und das ist wie eine große Familie. Schon einmal, während des Silvesterlaufes von Werl nach Soest 2011 haben wir am Straßenrand sehen müssen, wie ein Läufer kollabiert war und dann später erfahren, dass er es nicht geschafft hatte. Aber für mich ist es dennoch etwas anderes, ob dies bei einer Tagesveranstaltung mit über 5000 Teilnehmern geschieht oder bei einem familiären Etappenrennen wie hier bei den Sixdays, wo wir mit 600 Leuten an den Start gingen, wo man sich täglich wiedersieht, sei es auf der Strecke, an Start und Ziel oder beim Bustransfer und wo alle irgendwo die gleichen Dinge erleben und erleiden.
Ein Rennabbruch durch den Veranstalter ging mir sofort durch den Kopf und dafür hätte ich Verständnis gehabt. Wenngleich ich es mir selbst nicht gewünscht hätte, bin ich doch der Meinung, dass einem Läufer am meisten Ehre durch das Laufen zuteil wird. Für mich ist es auch die bessere Form der Verarbeitung.  Mit einem Mal wurden schlechter werdende Ergebnisse und meine kleinen mentalen Probleme damit völlig unwichtig. Eine von uns ist nicht mehr!

Wie bestellt setzte nun auch grauer Himmel und Regen ein. Claudia und ich beschlossen unabhängig voneinander, in schwarz zu laufen, um so unsere Anteilnahme zu bekunden, als schnell via Facebook und Homepage des SV-Teuto die Fortsetzung des Laufes verkündet wurde. Es sei der Wunsch der Angehörigen gewesen und es sei so auch im Sinne der Verstorbenen.
Die Abfahrt der Busse fand nur wenige Meter von unserer Unterkunft entfernt statt. Wir saßen wie am Vortag wieder mit Wolfgang zusammen, der den Vorfall aus der Nähe mitbekommen und weitere Dinge berichten konnte. Entsprechend gedrückt war bereits die Stimmung. Dann bestieg Orga-Chef Michael Brinkmann den Bus und berichtete uns im Detail mit bewegter Stimme vom Tod der Läuferin. Es war mucksmäuschenstill. Bereits hier kamen auch mir die ersten Tränen. Er bat uns um einen eine Minute dauernden Applaus vor dem Start, so wie es sich die Angehörigen der Läuferin gewünscht hätte. Heute würde es im Ziel ruhiger zugehen. Aber ab morgen sollten wir wieder ins Rennen kommen und am Donnerstag feiern. So sei es gewollt. Michael genießt in seinem Umgang und seiner Sensibilität hier meinen allergrößten Respekt. Das ist ganz groß, wie er hier damit würdevoll, und doch nach Läuferart damit umgeht.

Claudia und ich waren betroffen. Einige Läufer benahmen sich wie immer, viele waren deutlich ruhiger. Ich möchte das gar nicht werten, jeder geht damit anders um. In Mettingen trafen wir Cousin Andre mit Familie, der auch sehr mitgenommen wirkte. Dann wurden wir in die Startaufstellung gebeten. Eine Erklärung der Angehörigen wurde verlesen. Es handele sich bei der Verstorbenen um eine Läuferin aus der aus Frankreich angereisten Guppe. Sie hieß Karine und lief in der AK W35. Sie war eine durchtrainierte Marathon- und Ultra-Läuferin. Sie litt an keinem Infekt und es ging ihr gut. Und dennoch verstarb sie bei der Ausübung dieses wunderbaren Sports. Die Gruppe würde nun alleine abreisen, versprach aber, in zwei Jahren wieder zu kommen. Karine würde uns von oben zusehen. Anstelle der Schweigeminute begann nun der Applaus. Laut, ansteigend und in einen stakkatoartigen Rhythmus übergehend. Das war der emotionalste Moment, den ich im Rahmen diese Sports erlebt habe. Die Läufer, das Klatschen, die Begleiter von Karine neben Michael Brinkmann, der Dauerregen, den kein Hollywood-Regisseur weggelassen haben würde. Die ehrwürdige Kirche von Mettingen neben uns gab der Szene einen würdevollen Rahmen.
Hier wurde eine von uns verabschiedet. Unwichtig der Countdown und der Startschuss unmittelbar danach. Es war eine große Verabschiedung. und mir war, als spüre ich die Blicke der Verstorbenen, die uns beim Loslaufen zusieht.


Gleich zu Beginn geht es in Mettingen relativ steil bergauf. Ich war ohnehin weiter hinten gestartet, weil ich vor dem Start bei Claudia sein wollte. Ich ging hinauf, dann ein relativ kurzes Straßenstück, ehe die Strecke in einen Wald führte, wo uns Schlamm und Modder erwarteten. Gut, dass ich die Trailschuhe anhatte. Ich ließ es bergab durch die Matsche laufen, immer wieder jedoch die Gedanken im Kopf, dass jemand im Rennen fehlt. Dieter von der LG Mülheim läuft vor mir, auch er flucht über den morastigen Weg. Dann sind wir im Tal und laufen vor „die Wand“. Die gefürchtete 25% Steilsteigung, die uns umso steiler vorkommt, als wir direkt bergab darauf zu laufen. Ich gehe hinauf und wieder kommt mir bei aller Anstrengung der Gedanke, dass ich froh sein muss, hier hinauf laufen zu dürfen.
Das ist nicht mehr jedem Starter hier vergönnt. Der Himmel weint immer noch, oben nehme ich wieder langsamen Laufschritt auf. Eine Asphaltstraße hinab ins Fahlbachtal, dann die nächste Steigung, die aus einer ziegelsteingepflasterten Starße besteht und die sehr rutschig ist. Ich merke, dass mich hier inzwischen Leute überholen, die ich noch nicht wahrgenommen habe, aber das ist mir heute völlig egal. Plätze, Zeiten…..ein Mensch ist tot, mitten aus seinem und dem Leben seiner Lieben gerissen und dieser Mensch läuft unsichtbar immer mit. Zumal ich inzwischen ein Bild von der Läuferin vor Augen habe, das macht es persönlicher. Für Claudia muss es noch schwieriger sein, den sie hat auch noch ihre Stimme im Ohr, da sie mehrfach beieinander gelaufen waren und sich trotz aller Sprachbarrieren verständigt hatten. Die Strecke zieht sich nun über Feldwege immer stetig bergan, unterbrochen von kurzen Bergab-Passagen. Die Gegend hier ist ein Traum, kleine Wäldchen unterbrochen von ausgedehnten Weideflächen und Pferdekoppeln. Dazu der Dauerregen und die fleißigen Helfer an den Abzweigen, die hier ausharren und immer ein paar klatschende Hände für uns erübrigen. Ein paar Pferde laufen in der Koppel ein Stückchen mit mir mit. Es geht wieder einmal bergauf. Die Natur ist berauschend, selbst bei diesem Wetter. Ich bin dankbar, dies zu erleben und laufe irgendwie in einer anderen Welt. Aber der Tod läuft in meinem Kopf mit. Dieser Kontrast, das pralle Leben der laufenden Pferde und Menschen und das Wissen, dass da jemand irgendwo tot liegt und bald begraben werden wird, der eigentlich auch heute hätte hier sein müssen, ist irgendwie unbegreiflich. Ist sie über eine Grenze gegangen? Hatte sie Signale des Körpers übersehen? Übersehen wir immer wider selbst auch einmal welche? Fragen, auf die ich keine Antwort bekommen werde, die aber immer wieder kommen.
Dann eine Hauptstraße, dahinter führt mich mein Weg über eine gelbliche Schlammpiste wieder hinauf Richtung Steinbruch. Eine dicke Planierraupe kreuzt unseren Weg, oben werde ich wieder schneller. Ich sehe noch nicht einmal nach jedem Kilometer auf die Uhr, wenn diese piepst und mir wieder einen gelaufenen Abschnitt anzeigt. Dann bin ich am Buchholzer Waldgebiet, dem letzten Teilstück dieser kürzesten Etappe. Zu Beginn ein Wasserstand, ich trinke mein Dextro-Flüssig und laufe durch die verschlammten Fahrspuren hinein. Hier hat sich eine Läuferkette gebildet, es wird nur noch wenig überholt. Meine Salomon-Trailschuhe geben mir einen guten Halt, auch wenn die neongelbe Farbe immer mehr unter einer Schlammschicht verschwindet. Es geht immer weiter hinab, nicht steil, aber stetig. 60 Höhenmeter auf zwei Kilometern. Ich höre Lärm, die Talsohle ist erreicht, hier steht Traditionell eine Zuschauergruppe von Grün-Weiß Steinbeck, die und hier frenetisch anfeuert. Meinen Respekt, wie die hier im nassen Wald ausharren. Das gibt richtig Kraft und hebt ein wenig die melancholische Stimmung, zu der der Regen und der schwarze Schlamm, der gerade hier besonders ausgebreitet ist, beiträgt. Nun geht es wieder 50 Höhenmeter hinauf, über Single-Trails und Wurzeltreppen, dann ein Stück über eine breite Schlammpiste. Endlich wird es ebener. Dieter kommt wieder an mir vorbei. „Kommt da noch so ein Stück?“ fragt er mich und meint sicher die verschlammten Waldpfade. „Eins noch“ antworte ich ihm und lasse ihm passieren. Ich bin froh, dass ich hier und jetzt noch laufen kann. Ich akzeptiere mein Tempo, das ich hier von alleine laufe und verzichte auf jede gewollte Beschleunigung. Jeder Positionskampf käme mir so unendlich sinnlos vor angesichts des Leides, was unvermittelt über diesen Lauf gekommen ist. Das ist scheinbar meine Art, damit umzugehen. Andere laufen sich in einen Rausch und hämmern alles weg, auch das kann eine Form der Bewältigung sein. Man darf sich da kein Urteil erlauben, jeder fühlt sich anders betroffen. Ich schweife wieder ab zum Partner der Läuferin. Auch ich erwarte meine Frau hinter mir auf der Strecke, ich werde sie im Ziel erwarten. Niemals in Sorge. Und irgendwann kommt dann jemand nicht. Nie mehr.
Wir haben es fast geschafft, die letzten zwei Kilometer führen uns nochmal flach durch einen Wald, dann über die Straße in ein Wohngebiet von Dickenberg. Eine Unterführung unter der Hauptstraße, dann noch zwei Ecken, ich sehe den Schulhof. Dieter und ein weiterer Läufer, die ich bergab zur Unterführung eher zufällig überholt hatte, gehen wieder vorbei.
Ich bin in Gedanken und gehe über die erste Matte zwischen den Zuschauern durch Richtung Ziel. Ich nehme meine Mütze ab als respektvolle Geste, sinke kurz auf die Knie und sehe in den Himmel. Mir stehen wieder Tränen in den Augen und derer schäme ich mich nicht. Ich bin dankbar, dass ich her und heute laufen durfte. Der Zeitverlust ist mir völlig egal, als ich dann sie Ziellinie überschreite. Cousin Andre steht dort, wir umarmen uns. Ich denke, wir fühlen dasselbe.

Viel mehr gibt es nicht zu berichten von dieser anderen Etappe. Als Claudia ins Ziel kommt, schließe ich auch sie erst mal in die Arme und bin froh, dass wir uns haben.
Morgen ist ein neuer Tag. Die Sixdays gehen weiter. Es sind nicht mehr dieselben, aber irgendwie sind sie es doch.  Ich werde diesen Tag nicht mehr vergessen.

Für Karine....





Dienstag, 27. Mai 2014

Riesenbecker Sixdays - "Mettinger Montag" - mit trauriger Entwicklung

Es ist Montag – der „Mettinger Montag“ mit seiner unvergleichliche Zieleinkunft nach 2 Kilometern Zielschuss im netten Dorfkern. Ich bin ja schon etwas enttäuscht nach dem Zeit und Kraftverlust gestern auf der zweiten Etappe. Ich wurde auch auf Platz 132 durchgereicht. Der Tag ging um mit dem Schreiben meines Blogs, das ich auch immer nutze, meine Gedanken zu sortieren und den Vortag Revue passieren zu lassen. Fangen wir mit dem positiven der zweiten Etappe an. Ich habe es zeitweilig genießen können und mich unterwegs nicht unter Zeitdruck gesetzt. Das heißt ja nicht, dass ich nicht so schnell laufe, wie ich es meine zu können. Ich lies mich jedoch von der Uhr oder einer Vorgabe in ein höheres Tempo drängen, weil ich meine, diese nun laufen zu müssen. Landschaft, Wald und Berge mit und ohne Aussicht habe ich sehr wohl wahrgenommen. Ebenso habe ich für die vielen Zuschauer und Helfer ein „Dankeschön“ oder „Ihr seid super“ übrig gehabt.

Dennoch ist die Zeit für mich enttäuschend gewesen, zumal ich nahe am gefühlten Limit gelaufen bin. Heute geht es in die dritte Etappe, die Michael Brinkmann immer als „die schönste“ bezeichnet. Nun, dies kann nur von Läufer kommen, denen Höhenmeter nichts ausmachen. Ich als Niederrheiner empfinde die ständigen Anstiege als anstrengend. Es warten so schöne Abschnitte wie die „Adlersteige“, die „Schleppbahn“ und das „Gründkenliet“ auf uns. Aber auch ein Bahnübergang, wo ein Zug ab und an das Läuferfeld teilt. Dies wird Michael Brinkmann auch nicht müde, im Streckenbriefing auf der Busfahrt nach Tecklenburg zu erwähnen. Wer hier durch die Halbschranke läuft, wenn diese geschlossen ist, wird erbarmungslos gemeldet und disqualifiziert. Dies ist auch richtig, denn ein Bahnunfall wäre das Ende der Sixdays auf dieser unvermeidbaren Strecke.
Im Bus setzt sich Wolfgang zu uns, der ist vor vier Jahren öfter in meiner Gegend und vor zwei Jahren öfter mal mit Claudia gelaufen. Wir erzählen über unsere Ultra-Erlebnisse, er hat den Zugspitz-Ultra-Trail absolviert und von dort auch spannendes zu berichten. So vergeht dann die Busfahrt zum Start recht zügig. Dunkle Gewitterwolken sind aufgezogen, es ist aber noch durchaus zwanzig Grad warm und ziemlich schwül. Hoffentlich bleibt es zu Beginn trocken, sonst hätte ich mich in meiner Schuhwahl verzockt. Ich trage den Cloudsurfer von ON, ein flotter Schuh und gut zum bergablaufen, leider mit nicht viel Grip unter den Sohlen, wenn es ins Gelände geht. Matsch bergab würde Tempo kosten. Aber es bleibt trocken.
In Tecklenburg haben wir dann nicht mehr viel Zeit, es ist eng und voll in der malerischen Altstadt hoch oben auf dem Berg und wir knipsen nur eben mit Andre das traditionelle „Drei“-Startfoto, dann geht es in die Startaufstellung.


Hier ist es wichtig, schnell relativ vorne zu sein, denn nach knapp einem Kilometer geht es durch der Sunderner Waldgebiet auf einem schmalen Singletrail hinab. Es staut sich dort regelmäßig am Eingang und wer da zu spät kommt, kann dann bergab nicht überholen, was gerade schnelle Bergabläufer wie mich richtig Zeit kosten würde. Es geht los, durch die winkeligen Gassen geht es zunächst eine stramme Steigung hinauf zum Parkplatz, dann hinab zum Waldeingang. Bereits am ersten kleinen Anstieg ist mein Puls im GAT 1-Bereich, es füht sich aber bereits an wie das Maximum. Meine Beine wollen schin nach wenigen Metern nicht so richtig, der gleiche Mist wie am zweiten Tag also. Dabei wollte ich es doch heute mal ruhig laufen lassen. Aber noch sehe ich Chancen, wenigstens die zehn Stunden zu halten. Ich schaffe es recht gut in den Waldweg und lasse bergab „rollen“. Es ist bereits etwas modderig, das schaffe ich mit meinem Profil so gerade, ohne groß bremsen zu müssen. Den zweiten Kilometer durchgängig bergab schaffe ich in 4:21, aber ich merke schon an den Überholern, dass das nicht so schnell ist, wie ich gehofft hatte. Kilometer drei wird dann flacher, wir kommen aus dem Sundern-Wald durch den Ort Ledde, wo wir während unserer ersten Sixdays gewohnt hatten. Viele Zuschauer säumen hier den Weg. „da ist unsere Gruppe von gestern wieder, Duisburg ist auch dabei“ höre ich von hinten. Einige Läufer gehen an mir vorbei, ich wünsche ihnen einen guten Weg. Mitgehen versuche ich nicht. Dann geht es über die Hauptstraße auf Feldwege, hier beginnt dann der permanente Anstieg über die nächsten 11 Kilometer. Ich nehme bereits hier Tempo heraus, denn ich will heute ja konsolidieren. Dabei hoffe ich ja, dass es sich von alleine wieder einläuft. Anfangs scheint das auch so zu sein. Selbst den leichten bergauf-Kilometer 4 schaffe ich in 4:51. Dann kommt der erste Verpflegungsstand in Sicht, ich trinke kurz im Stehen einen Becher Wasser, denn durch die schwüle Luft bin ich bereits völlig nassgeschwitzt.  Der berüchtigte Bahnübergang ist in Sichtweite, neben mir ärgern sich zwei Läufer von Marathon Ibbenbüren, dass gerade Rot ist. „Der 18:26er hat wohl Verspätung“. „Aha, die haben Fahrpläne studiert“, denke ich. Macht ja auch Sinn. Ich bin froh, dass die Schranken gerade dicht waren, denn bis wir die 300 Meter absolviert haben, sind sie wieder offen. Glück gehabt. Nun führt uns der Weg wieder durch einen kleinen Wald, wieder bergauf. Ich gehe dann mal wieder und lasse mich überholen. Stefans Vater kommt vorbei mit den Worten „Du kommst gleich eh wieder an“ . Das verneine ich, denn mein Puls im oberen GAT 3-Bereich lässt mich pessimistisch auf mein Tempo ausblicken. Immerhin noch 5:43 auf diesem Kilometer, der 40 Meter Anstieg für uns bereit hielt. Die blonde Frau im roten Dress von gestern. „0ben angekommen“ wird es nicht besser. Es geht einen grasbewachsenen Feldweg entlang, man muss auf seine Füße achten. Claudia berichtete mir später, dass ihr hier ständig ihr Sturz vor einigen Wochen in den Sinn kam, der neben einer blauen Wangen und einer aufgeschürften Schulter- und Kniepartie eine schmerzhafte Rippenprellung zur Folge hatte, die immer noch nicht ganz abgeklungen ist.
Endlich sind wir wieder auf einem abschüssigen Stück Hauptstraße, die netten Helfer halten für uns den Verkehr an. Auch dafür gibt es von mir ein Danke im vorbeilaufen. Die Läuferin, die gestern in Rot mehrmals an mir vorbeiging und die ich erst am „Himmelreich“ letzmalig überholt hatte, läuft ein Stück neben mir. „Diesmal spiele ich nicht mehr mit“ murmele ich vor mich hin, sie hört es aber nicht. Macht auch nix. Denn nun kommt die „Adlersteige“. Ich liebe diese „legendären“ Streckenabschnitte mit den spektakulären Namen, auch wenn sie anstrengen, machen sie doch das Flair diese einzigartigen Laufes aus. Auf dem Aspahlt stehen mit Kreide die Namen der Läufer, am Rande klatschen überall Zuschauergruppen, während ich meine 85 Kilo im Gehschritt stramm nach oben wuchte. „Halbzeit“ steht da auf der Straße. Stimmt, etwas über 9 Kilometer sind schon geschafft. Das heißt auch, dass am Ende der endlosen Adlersteige dann die meisten Höhenmeter des Tages Geschichte sind. Endlich biegen wir links ab und es wird wieder flach. Der nächste Getränkestand wartet, dann geht es ins durch ein kleines Wäldchen ins Gründkenliet. Ein U-förmig ausgeschnittenes Wiesental, rechts und links bewundern grasende Kühe unser tun und es geht länger bergab. Eine blonde Läuferin vor mir, die bergauf immer Abstand gewinnt, kommt wieder näher. Ich überhole mal wieder einige Läufer, darunter auch einen im roten Shirt von irgendeinem Alpin-Ultra, dessen Rückseite die Schrift „45,195“ ziert An der Adlersteige war er im Laufschritt fast so schnell wie ich im Gehen, oben war ich dann schnell wieder dran. Aber die blonde Frau vor mir hole ich nicht mehr ein. Hier genieße ich mal wieder und lasse es rollen. Dennoch lässt mich das Gefühl des Frustes nicht völlig los. 4:27 für diese Bergab-Stück? Das ist zu langsam. Aber es will einfach nicht schneller gehen. Auch hier stehen immer wieder mal Zuschauergruppen, die klatschen, Rasseln benutzen oder auch nur zwei volle Bierflaschen aneinander schlagen. Prost!

Ich reiße ab und zu die Arme hoch, grüße zurück und versuche, mit denen zu kommunizieren. Das lenkt mich ab und bereitet mir Spaß. Schon haben wir wieder die Hauptsraße erreicht, es geht rechts über den Radweg, dann ein kurzes, steiles Stück duch ein Wäldchen bergauf. Dann die Schleppbahn, an deren Ende der scharfe Anstieg zur Holtkampsiedlung folgen wird. Auch hier relativ viele Zuschauer. An der Schleppbahn wird es etwas ruhiger, dafür ist am Steilanstieg zur Siedlung dann wieder der Bär los. Unter den Rufen der Zuschauer quäle ich mich den Anstieg hoch, 35 Höhenmeter auf knapp 400 Metern Strecke. Dann geht es durch die Siedlung, hier stehen auch viele Anwohner vor den Häusern. Ein älteres Ehepaar klatsch „Ihr seid Spitze“ rufe ich ihnen zu. „der ist sogar aus Duisburg“ höre ich hinter mir, als ich vorbei bin und meine Rückenaufschrift für sie lesbar wird lesbar wird. Der Riesenrespekt, der uns hier von allen Zuschauern entgegengebracht wird, ist schon etwas Besonderes. Das sollte ich, bei aller Unzufriedenheit über mein Tempo, hier nicht vergessen. Ein bisschen stolz wird man trotzdem, ich denke auch zu Recht. Dann kommt bereits das Autohaus mit dem letzten Getränkestand in Sicht, jetzt nur noch knapp 5 Kilometer, davon 2,5 bergab. Das geht jetzt! Mein Gel habe ich bereits auf der Schleppbahn getrunken, jetzt bin ich gespannt, was auf der folgenden Flachstrecke für ein Tempo geht. Leider enttäusche ich mich wieder. Geht Kilometer 14 noch in 4:51, schaffe ich auf Kilometer 15 nur noch 5:01 und 16 trotz Bergab-Passage“nur“ eine 4:41. Das Tempo ist weg. Und es scheint auch nicht mehr wieder zu kommen während dieser Sixdays. Zu sehr saugen mir die Anstiege, die ich nicht trainiert habe, die Kraft aus den Waden. Zu sehr nagt noch der Kräfteverbrauch aus Hamburg an meinen Reserve. Zusätzlich habe ich einen „Stein im Bauch“, der Resi mit den drei Brocken geschnetzeltem vom Mitagessen liegt mir im Magen. Ich könnte so rechts ins Kornfeld und mich kurz erbrechen, verzichte aber mit Blick auf die Zeit, die das koste würde, darauf. Die letzte Steigung liegt hinter mir, jetzt der Zielschuss nach Mettingen. Hier hatte ich vor 6 Jahren im strömenden Regen meinen Runners High! Zu Beginn überholt mich ein weiterer Läufer im Finisher-Shirt 2012. Nein! Den hole ich mir. Ich ziehe an und habe ihn schnell wieder. Was soll das? Warum tu ich das? Ich  bin so schrecklich ehrgeizig, dass ich hier dennoch um jeden Platz kämpfe. Einfach so dahinlaufen kann ich auf dieser Veranstaltung nicht. Claudia kann das gut uns sie ist umgerechnet hier sogar besser als ich.
Aber was nicht geht, geht eben nicht. Vor uns ein Krankenwagen mit Blaulicht, ich höre ein weiteres Martinshorn in der Ferne. Da liegt ein Läufer in Goldfolie gewickelt in der stabilen Seitenlage, zwei Sanitäter kümmern sich um ihn. Kein schöner Anblick. Er scheint bewusstlos und rührt sich nicht. Das relativiert für mich wieder den ganzen Ehrgeiz und die Quälerei. So möchte ich nicht aus dem Rennen gehen! Hoffentlich ist es nichts ernstes, es sah jedenfalls böse aus.
Show must go on, es geht weiter. Hört sich hart an, entspricht aber zunächst den Tatsachen. Wieder nur 4:21 im „Zielschuss“ ich erreiche Mettingen. Kurz über eine Straße, denn beginnt bereits der Zielkorridor voller Zuschauer. Gänsehautfeeling. Ich sprinte, oder was ich dafür halte. Immerhin 4:05er Pace auf den letzten 600 Metern flach. Im Ziel jubele ich, obwohl mich die Zeit wieder enttäuscht. 1:32:28, wieder schlechter sogar als vor 4 Jahren, damals gut 2 ½ Minuten schneller. Hinter mir kommen Mario und Christian ins Ziel, alte Weggefährten aus den ersten beiden Sixdays-Teilnahmen. Auch die habe ich damit schon m Nacken. Andre ist sofort bei mir und beglückwünscht mich, er war auch wieder schneller. Ihm gönne ich es wirklich, nach seinen vielen Problemen in  den letzten Jahren. Auch Birgit aus der Ausdauerschule ist wieder super gelaufen, mit einer 1:25er Zeit hat sie ihren Status als 4. Frau gesamt untermauert. Wir quatschen ein wenig mit Andre, Birgit und Mario und dann hole ich die Taschen. Schon steht meine Frau am Verpflegungsstand. Mit einer 1:41:11 war sie wieder ziemlich flott unterwegs. Wir müssen uns mit dem Zielfoto ein wenig beeilen, denn so trocken es unterwegs war, so stürmisch wird es plötzlich und der Himmel hat sich rapide verdunkelt.
Vom Winde verwehtes Zielfoto

Sobald das Foto im Kasten ist, ziehen wir uns etwas über. Auch Birgit aus unserer Hotel-Fahrgemeinschaft ist schon da. Leider verlaufen wir uns ein wenig auf dem Rückweg zum Auto, so dass wir ein wenig suchen müssen. Aber der Regen lässt auf sich warten und zieht dann doch vorbei. Glück gehabt. Nach der ersten Abendetappe nochmal kurz in die Hotelsauna und vor allem die Beine ins kalte Wasser gehangen, dann einen Teller Hühnersuppe und Vollkornbrot mit einem schönen Fruchtquark hinterher.

Die Ergebnisliste will auch noch studiert werden, ich bin auf 182 hereingekommen und wurde in der Gesamtliste auf 148 durchgereicht. Claudia hat sich schon auf Platz 37 bei den Frauen und auf 12 der AK vorgearbeitet. Bei ihr läuft es super. Was will ich jetzt noch damit? Warum laufe ich jetzt nicht einfach gemütlich? Weil ich für meine Zufriedenheit……….

Abbruch – während ich dies hier schreibe und mir Gedanken über Nichtigkeiten mache, lese ich, dass gestern ein Laufkollege aus der AK 35(!) kollabiert und verstorben ist. Der Tod hat zugegriffen. Wahllos und mitten unter uns hat er zugegriffen und einen jungen Sportler abberufen. Es muss entsetzlich für alle Angehörigen und Freunde sein, ihn bei einer Sportveranstaltung zu wissen und dann zu realisieren, dass er niemals zurückkehren wird. Während wir über Anstiege geflucht oder uns in einzelnen Positionskämpfchen verstrickt haben, starb einer von uns. Das ist schwer zu fassen.
Meine Gedanken werden heute bei dem unbekannten(?) Laufkollegen sein, vor allem aber bei seinen Angehörigen. Und es ist für mich kein Ausdruck der Missachtung, wenn der Lauf dann doch fortgesetzt wird. So ist es wohl im Sinne der Angehörigen, wie Organisationschef Michael Brinkmann gerade auf der Homepage verkündet. Es wird eine andere Etappe werden.....

In diesem Sinne zitiere ich den Song, der uns 2012 so emotional auf die Schlußetappe geschickt hat:

When you walk through a storm,Hold your head up high,And don't be afraid of the dark.At the end of a storm,There's a golden sky,And a sweet silver song of a lark. Walk on through the wind,Walk on through the rain,Though your dreams be tossed and blown... Walk On! Walk On! With hope in your heart,And you'll never walk alone... You'll never walk alone