Dienstag, 9. Juni 2015

Beckenrookie in Gladbeck

Triathlon - seit meiner Langdistanz 2013 in Köln hatte ich keinen mehr gemacht. Dabei komme ich eigentlich von dieser Sportart, denn ich habe seit 1994 ein wenig Volkstriathlon betrieben, ehe das 2000 eischlief und ich ab 2003 mit dem Laufen begonnen hatte.
Die Vestische Kampfbahn oder einfach "Stadion Gladbeck"
Es fehlte ein wenig der Freundeskreis dazu, denn alleine ist langweilig. Auch für Claudia, die bisher ja keinen Triathlonsport betreibt.
Im letzte Jahr dann fingen einige Freunde aus der Ausdauerschule damit an, wir gingen mal mit ihnen schwimmen, in diesem Jahr machten wir dann mal RTF-Touren mit dem Rad mit. Und meldeten uns mit Marco, Kim, Anja und mir zum Triathlon in Gladbeck an. Udo aus unserer Trainingsgruppe hatte als Mitorganisator immer wieder Reklame dafür gelaufen. Wir trafen frühzeitg in Gladbeck ein, bereits die Parkplatz-Einweisung klappte reibungslos. Dann fanden wir schnell ins "Vestische Stadion", das mich mit seiner denkmalgeschützten Schönheit wirklich beeindruckte. Auf dem Rasen war neben der Wechselzone und dem Zielbereich eine kleine Messe aufgebaut, wo auch Webinero mit Carola vertreten war. Die Anmeldung erfolgte gleich nebenan im Freibad, ebenfalls ein architektonisches Kleinod aus den 30er Jahren, das mit seiner Tribüne neben dem 50-Meter-Becken ein wenig an das Olympiabad in Berlin erinnert, welches ebenfalls um diese Zeit gebaut worden war.
Schwimmen im Becken - für mich trotz meiner 21 Jahre Triathlon-Erfahrung etwas ganz Neues.
Das löste man hier recht elegant, jeder Schwimmer bekam eine andersfarbige Latex-Badehaube und vor jeder Bahn stand ein Helfer mit Klemmbrett, auf dem sauber die Bahnen notiert wurden.
Rad-Check-In, treffen mit Anja, Kim und Marco, die mit mir starten würden, schon war es Zeit, sich umzuziehen und auf den Start um 11 Uhr vorzubereiten. Ich wollte etwas neues probieren und befestige meine Radschuhe gleich an den Click-Pedalen, um dann sofort hereinschlüpfen zu können, denn zum Laufen mit den Dingern erschien mir die Distanz von locker 300 Metern bis hinaus aus dem Stadion dann mal recht weit.
Wettkampfbesprechung mit Udo auf dem Startblock
Auf ging es zum Becken, wo Udo mit der Wettkampfbesrpechung wartete. Irgendwie ist das ja immer ein wenig aufregend, ob man sich denn so alle Sachen richtig zurecht gelegt hat. Ich schwimme mich eine Bahn ein und bin nach fast einem Jahr Schwimmabstinenz mit meiner Wasserlage ganz zufrieden, dann versammeln wir uns schon am Anfang der Bahn mit insgesamt 8 Schwimmerinnen und Schwimmern. Anja und Marco sind auch bei mir dabei, dafür hatte Udo gesorgt. Kim nicht, die wollte auf Bahn 1 Schwimmen - der Leiter beim Ausstieg wegen.
Zwei Frauen fragten unsere Schwimmzeiten ab und sortierten die Startreihenfolge, die schienen das im Becken schon häufiger gemacht zu haben. Fand ich sehr vernünftig, auch wenn ich mich wider erwarten an Position 2 einreihen musste. Aber da ich nur einmal überholt wurde, war das wohl nicht so falsch. Besser hier vernünftig nacheiander, als Chaos beim Positionskampf, der bringt über den ganzen Wettkampf sowieso nichts. Dann ging es los. Ich fand schnell meinen
"Streckenschlag" und brachte Bahn für Bahn hinter mich. Völlig ohne Hektik, denn hier kannst Du wenig Zeit gewinnen und viel Kraft verlieren. Vor den letzten zwei Bahnen wurde als Signal von den Kampfrichterinnen mit den Klemmbrettern eine Schwimmnudel ins Wasser gehalten, so war man sicher, beim nächsten Mal raus zu müssen. Ich schwang mich als dritter der Bahn aus dem Wasser, etwas über 11 Minuten hatte ich gebraucht, damit war ich voll im Plan. Fast hätte ich die Badehaube vergessen, dann lief ich barfuß durch den Tunnel ins Stadion. Am Rad klappte der Wechsel ganz gut. Helm auf und Riemen schließen, vorher natürlich Schwimmbrille ab, Socken an, Radbrille auf und mit dem Rad an der Hand weiter zum gegenüberliegenden Stadionausgang. Hier ist Radfahren noch verboten, erst geht es die Rampe zur Straße hoch. Auf Socken. Dann der große Moment. In den einen am Pedal befindlichen Schuh kam ich gut rein, in den anderen daann irgendwie gar nicht. Also wieder ausklicken, Schuh abrödeln, anziehen, Rad wieder aufnehmen, losfahren. Hat mich gefühlt eine Minute gekostet. Marco war in der Zeit an mir vorbei, ich fuhr ihm hinterher.
Bereits nach einem kurzen Stück ging es 90 Grad rechts Richtung Schloß Wittringen. Leicht bergauf in den Schloßpark auf grottenschlecht geflicktem Asphalt. am Ende eine etwas stärkere Steigung in einer Kurve, dann wieder rechts ab durch ein Gewerbegebiet. Hier konnte man Gas machen, Marco hatte ich wieder überholt. Mein Garmin  zeigte beim Radfahren die Runden irgendwie in Meilen an, also achtete ich nicht weiter auf diesen Tacho sondern trat in die Pedale, was ging. Ab und an kamen ein paar professioneller aussehende Trithlethen an mir vorbeigerauscht, ansonsten hielt ich mich scheinbar gut im Feld. Ich fuhr zumeist mit dem Oberkörper auf dem Aufsatz liegend, das spart am Ende doch Kraft.
Nur in den engen Kurven duch das Wohngebiet zurück um Stadion hielt ich lieber eine Hand an der Bremse und somit am klassischen Rennlenker.Schnell gingen Runden eins und zwei von vieren um, in der dritten kam Marco dann gegen Ende an mir vorbei und gab Gas. Lass ihn mal, denke ich mir und nehme für die letzte Runde schon etwas Tempo raus. Noch einmal den Anstieg mit der schlechten Straße, dann die lange Gerade durch das Gewerbegebiet. mein Gel ist mir beim aufnehmen vom Lenker heruntergefallen, das heißt es geht ohne Stärkung auf die Laufstrecke. Auch egal. Es sind hier an der Radstrecke aufgrund der kurzen Wege sogar einige Zuschauer, die uns gut anfeuern. Dann ist es geschafft, ich halte wieder regelgerecht an der Stopp-Linie. Im Sauseschritt, diesmal mit den Radscguhen an den Füßen, geht es die Rampe hinab zum Stadiontunnel. Ab zur Laufstrecke. Marco hatte am Ende gut 400 m Vorsprung und hockt schon an seinem Rad, ich hänge meines daneben, löse den Helmriemen und tausche Helm gegen Kappe. Schnell die Schuhe an, während Marco schon loszieht. Dann auf meine Paradedisziplin, das Laufen. Es geht zunächst über den Rasen auf die Tartanbahn, dort eine Schleife und vorbei am Verpflegungsstand. Kein Gefühl, wie auf Eiern zu laufen, wie es für die ersten Meter beim Triathlon so typisch war. Es geht gut. Ich schütte mit nur Wasser über die Kappe, denn getrunken hatte ich auf dem Rad und in der Wechselzone. Ich würde trotz der Wärme nicht dehydrieren.
Dann ab aus dem Stadion in den Schloßpark. Zunächst bergauf, ich mache langsam un beschließe, hier nur nach Gefühl zu laufen und keine Pace zu zwingen. Marco sehe ich schon vor mir. Den kriege ich, da bin ich mir sicher. Ich lasse laufen und bin froh, als meine Uhr wieder nach einem Kilometer Laut gibt und mir eine Pace von 4:19 anzeigt. Darauf lässt sich aufbauen. Es kommt einem immer so langsam vor, da der Kopf noch das Tempo vom Rad gespeichert hat. Darauf darf man nicht hereinfallen.Die Schattenrunde durch den herrlich alten Parl schein sich dem Ende entgegen zu neigen, es geht rechts ab, in der Ferne kann ich schon wieder den Abzweig ins Stadion sehen.Hier knallt der Lorenz ganz schön auf die Birne. Kim  kommt mir aus dem Stadion entgegen, sie ist dann wohl gerade vom Rad. Wo ist Anja? Durch den Tunnel auf die Tartanbahn, einmal die Gerade bis zur Kurve, eine 180 Grad Kehre und wieder zurück. Es richt irgendwie nach Gummi in der flimmernden Mittagshitze hier im weiten Oval. Ich bin froh, als ich wieder im Wald bin. Nach dem Anstieg gebe ich Gas. Jetzt ist es egal, noch knapp 2 Kilometer, die kriege ich immer hin. Obwohl ich ich ja nicht ganz kaputtrennen will, denn ich habe ja eine Aufgabe beim Marathon, da sollte ich mich nicht völlig "abschießen". Marco hatte ich längst auf der ersten Runde stehen gelassen, er hat wohl auf dem Rad zuviel Körner verschossen. Dann schon der Tunnel, ich überhole eine, dann noch einen und ziehe auf der Bahn den Sprint an. Mit Entsetzen sehe ich, dass es nicht sofort links ins Ziel geht, wie ich angenommen hatte, sondern noch gut 100 Meter bis zum Scheitelpunkt der Kurve.Dann 180 Grad auf den Rasen, endlich zum Ziel. Der gerade überholte macht keine Anstalten mehr, ich bin im Ziel. 20:35 Min für 4,8 Kilometer ist das einzige, was mich an Zeiten heute wirklich interessiert.
Thomas, "Rookie" Anja, Kim und Marco im Ziel
Und damit bin ich sehr zufrieden. Marco kommt knapp zwei Minuten hinter mir ins Ziel und sieht recht fertig aus. Dann kommt Anja zu ihrem ersten Triathlon-Finish. Auf der Laufstrecke hatte sie Kim noch eingeholt, auf der Radstrecke hatte sie technische Probleme. Dann komplettiert auch Kim unser Team, auch sie schaut recht zufrieden aus. Für uns alle war das hier ein großer Spaß, mit irgendwelchen Zeitambitionen kann man zu Besuch in einer anderen Sportart ja auch nicht wirklich kommen.
Nach einer ausgiebigen Dusche in den bestens in Schuss gehaltenen Räumen des alten Freibades leigen wir bei Carola am Messestand in der Sonne und genießen den Nachmittag. Eis vom Eiswagen, Wurst vom Grill.....ein schönes Finishershirt. was will man mehr an einem schönen Sportfeiertag.

Bei Carola gab es dann für Marco und Kim noch ein wenig Compresssport-Ausstattung günstig zu erwerben. Wer auch Bearf hat, schaut bitte unter
http://www.webinero.de.

Triathlon ist ein schöner Sport, wenn man ihn nicht so ernst nimmt wie diejenegen, die ihn ausschließlich betreiben.


Montag, 1. Juni 2015

Flotter Dreier am Wochenende

Nein, nicht was Ihr jetzt bei Lesen der Überschrift wieder denkt - wir haben ein wenig trainiert. Aber der Reihe nach. Am Mittwoch nach dem Vivawest musste ich mir nach Feierabend einfach mal die Füße vertreten und lief eine 9,5 Kilometer-Runde um den Lohheider See und durch den Wald. Allein und recht flott, aber die 5er Pace ging ganz gut. Was am Folgetag beim Bunert-Training nicht unbedingt galt. Es ging ähnlich flott mit Schleifer-Sven durch die Botanik, über Trampelpfade und Pferdespuren. Warum, der Schotterweg verlief doch parallel? Kurz gesagt, es fiel mir schwer, erneut im Gelände die 5:15er Pace zu halten und ich sehnte das Ende der 12,5 Kilometer-Runde im Gebiet der Sechs-Seen-Platte herbei. Irgendwie war ich an dem Abend nicht mehr fürs schnelle Laufen empfänglich. 
Dann lockte das schöne Pfingstwochenende und wollte verplant werden. Meine Claudia hatte sich in den Kopf gesetzt, 100 Kilometer + x an den drei Tagen in Summe zu laufen. Da kam die Einladung von Frank Pachura zur 7. Auflage des RuWel, des "Rund-um-Welver"-Marathons auf der dortigen fest ausgeschilderten Route ganz recht. Freudig sagten wir zu, am Samstag morgen die Runde mal wieder unter die Schuhe zu nehmen. Sonntag lud ich uns dann mal bei Lauffamilie Gietmann in Weeze ein, bei Michael und Lukas stand eh der letzte "Lange" vor dem Rhein-Ruhr-Marathon an und die Gegend wollten wir uns ohnehin einmal wieder ansehen. Das hatten wir schn lange mal auf FB angepeilt, nun war es halt so weit. Und Montag wollten wir dann die "7-Brücken-Challenge" in Köln testen, bei der es alle 7 Kölner Rheinbrücken zu überqueren gilt und wo am Ende rund 30 Kilometer zusammenkommen sollen.

Beim RuWel trafen wir wieder auf die üblichen Verdächtigen. Günther und Arno, mit dem ich bereits am Seilersee ein gutes Stück zusammen gelaufen war.Roland kam fast direkt von der Nachtschicht. Daniela, die sich nach längerer Verletzung wieder langsam heranarbeitet. Insgesamt starteten wir um 10 mit 10 Läufern auf die Runde. Wir wollten nur eine 6:30er Pace laufen und so galt es gleich zu bremsen, das Wochenende würde intensiv genug werden. Frank warnte uns vor, er sei sehr langsam und würde mit 7 kg Gepäck laufen, um sich auf ein noch nicht konkretisiertes Abenteuer vorzubereiten. Günther, Arno und andere waren schnell nach vorne weg. Wir blieben dahinter. Die Sonne meinte es gut mit uns, es war zwar ringsherum bewölkt, aber immer da, wo wir liefen, knallte die Sonne. Irgendwann gesellte sich Arno zu uns, der wegen eines Steins im Schuh den Anschluss nach vorne verloren hatte. Mit netten Gesprächen ging es über den welligen Kurs durch die schattenarme Soester Börde. Marie, Franks "kleine Tochter", hatte den mobilen Verpflegungsstand aufgebaut. Dort trafen wir wieder auf das Führungstrio, die aber dann sofort das Weite suchten. Wir versorgen uns ein wenig und trabten dann weiter "über die Dörfer".
So ab 25 Kilometer wurde es zäh. Arno legte eine Picknickpause ein, wir liefen zu dritt weiter. So bei 32 km wollte Daniela dann Ihre Gehpause. Wir waren zu zweit. Und liefen gleich wieder schneller. Es waren nur noch Günther und Roland vor uns, die wir am Verpflegungsstand 2 bei Kilometer 37 wieder trafen. Gemeinsam wollten wir den Rest laufen, aber plötzlich war Roland weg. Genau wie die Sonne,aber das war jetzt auch egal. Gut einen Kilometer vor dem Ziel blieb dann auch Günther stehen. Und so kamen wir beide dann gemeinsam am Ende doch als erste an der Ziellinie vor der Bördehalle in Welver an, wo Lena, Franks ältere Tochter, bereits mit dem Verpflegungsauto auf uns wartete. In der Reihenfolge des Überholens trudelten alle ein, Daniela vollendete ihren 70. Marathon. Denn der RuWel ist in meiner Zählung ein "offizieller", es gibt eine vermessene Strecke von 42,195 km, mindestens drei Starter und am Ende eine Urkunde. Danke Frank dafür und für die schönen Urkunden. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön, aufgrund der vielen kleinen "Wellen" aber nicht ganz einfach. Auf Frank konnten wir nicht mehr warten, der finishte mit seinem Sturmgepäck erst nach weit über 5 Stunden. Immerhin....
Sonntag dann fuhren wir Richtung Weeze. Nicht, um mit Ryan Air in den Urlaub zu fliegen, sondern um den zweiten Lauf des Dreiers gemeinsam mit Familie Gietmann zu absolvieren. Michael hatte immer wieder schöne Fotos von seinen langen Läufen gepostet und wir waren uns schon länger einig, dass wir da einmal laufen wollten. Und nun war es soweit. Judith Gietmann begleitete uns mit dem Fahrrad. Es ging über Felder und durch den Wald über die Grenze in das wunderschöne Naturschautzgebiet rund um das "Reindersmeer". Bei unseren Nachbar ist es ja umgekehrt, wenn die "Meer" sagen meinen die "See" und wenn die von "Zee" reden, meinen die das Meer. Na ja, so sind sie halt. Leicht wellig ging es über sandige Böden der Maasduinen und durch den Nadelwald, der mich irgendwie schon an Ameland erinnerte, wo wir ja im Dezember wieder laufen wollen.
Das Reindersmeer in den Niederlanden


Nadelwald in den Maasduinen

Dann entlang des "Meer" zurück über die Grenze am 24/7 geöffneten Supermarkt vorbei (nein, wir haben keinen Vanillevla und keinen Kaffee geshoppt) ging es dann zum Airport Weeze. Zwei einsame Maschinen der dort ansässigen irischen Billig-Airlaine standen dort herum und verbreiteten einen Hauch von Reisefieber, die Sandgruben daneben erinnerten mich eher an den Strongman-Run, der hier früher einmal stattfand.
Weeze International Airport
Lukas blieb plötzlich mit seiner Mutter zurück, er hatte das Testgel wohl nicht vertragen. Zumindest wusste er jetzt, was er beim Rhein-Ruhr-Marathon nicht zu sich nehmen sollte. Später kam er aber wieder in einem irrwitzen Tempo hinterher gesprintet, der kurzzeitige Ausfall hatte also keine Auswirkungen gehabt. Ganz wichtig beim letzten "Langen" vor dem großen ersten Marathon. Auch mir reichte es dann nach 30 Kilometern bei strahlendem Sonnenschein dann mal und ich war ganz froh, als wir wieder angekommen waren. Mit einen leckeren alkoholfreien Weizen endete dieser Lauf dann auf der Gietmannschen Terasse. Danke für die Bewirtung und die nette Führung sowie die interessanten Strategiegespräche mit Blick auf den Marathon. Die werden hier aber nicht verraten.

Der Pfingstmontag begann leider mit Regen. Man kann ja nicht immer Glück mit dem Wetterhaben. Yvy wollte uns auf dem langen Lauf über die sieben Kölner Rheinbrücken begleiten, sie bereitet sich auf den Swissalpine K78 vor, den sie ja im letzten Jahr verletzt verpassen musste. Bereits auf der Autobahn pladderten die Regentropfen an die Frontscheibe. Das konnte heiter werden. Vielleicht sollten wir nur unter den Brücken her laufen? Startpunkt war für uns die Mülheimer Brücke, die nördlichste der "glorreichen Sieben", wo auch immer der Lauftreff der "Runner's-High"-FB-Gruppe startet. Der Vorteil an dieser Route ist ja, dass man immer nur am Fluß entlang muss und sich fast nicht verlaufen kann. Auf der Brücke schlug uns sofort dichter Regen ins Gesicht, der aber schnell nachließ.
Claudia und Yvy das erste Mal auf der Mühllheimer Brücke
Es handelt sich bei der Mülheimer Brücke um eine Hängebrücke mitorthotropem Fahrbahnträger. Das bedeutet, dass die Fahrbahnplatten aus von unten versteiften Metallplatten besteht. Die Brücke wurde 1951 nach Wiederaufbau eröffnet, bis 1927 gab es hier eine "Schwimmbrücke" auf Pontons, die mehrfach täglich für den Schiffsverkehr geöffnet werden musste. Dann ging es auf einem Streckenabschnitt, den ich noch gut von der Triathlon-Laufstrecke aus 2013 kannte, Richtung Niederländer Ufer und Innenstadt. Hier, unter einer dichten Allee, merkten wir kaum etwas vom Regen und schnell war die Zoobrücke mit der darüberlaufenden Seilbahn erreicht. Eine Wendeltreppe führte uns hinauf, dann ging es wieder Richtung "schääl Sick", die "falsche" rechte Rheinseite. Dieser Ansicht schließe ich mich als linker Niederrheiner ja gerne an... 

Auf der Zoobrücke

Die Zoobrücke wurde erst 1966 eröffnet und ist eine unscheinbare Stahlkonstruktion ohne Pylone, dafür aber die weltweit am weitesten gespannte Kastenträgerbrücke. Sie ist die verkehrsreichste Rheinbrücke noch vor der Rodenkirchener Autobahnbrücke. Heute war nicht viel auf ihr los und wir erreichten den Rheinpark. Eine wunderschöne Anlage mit Skaterbahnen, Spielplätzen und einer Miniatureisenbahn. Es handelt sich hier um das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau 1957. Die Seilbahn stammt ebenfalls aus dieser Zeit und wurde wegen des Neubaus der Zoobrücke versetzt. Hier gab es gute, breit asphaltierte Laufwege bis zum Tanzbrunnen, auch diesen Streckenabschnitt kannte ich als Teil der Marathonstrecke beim CTW. Schon hatten wir die nahe Rampe zur Hohenzollernbrücke erreicht. Der Regen machte gerade Pause, als wir die Rampe zur wichtigen Eisenbahnverbindung hinaufliefen. Die Hohenzollernbrücke ersetzt seit 1907 die Vorgängerbrücke und ist einer der wichtigsten Eisenbahnquerungen über den Rhein. Der Blick wandert auf das Hinterteil einer Reiterstatue am nordwestlichen Brückenaufgang. 
Hohenzollernbrücke Nordseite Richtung Westen

Es ist die Bronzeskulptur von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, jenem Monarchen, unter dem die Dombrücke als Vorgängerbau errichtet worden war. So'n Blick auf einen Pferdepopo hat jedenfalls auch etwas, selbst wenn er aus grünspanbeschichteter Bronze besteht. Tausende von Schlössern hängen an den Geländern, auf der Nordseite allerdings noch nicht ganz so viele. Über die Treppe geht es hinab zur Uferpromenade. Ein Flohmarkt ist hier Richtung Konrad-Adenauer-Ufer aufgebaut der wohltuenderweise einmal echten Trödel statt vorderasiatischer Neuware anbietet. Wir wenden uns gen Süden, die Altstadt zur Rechten.
Die Wendeltreppe hinauf zu Deutzer Brücke kenne ich auch bestens, musste ich si doch im Rahmen meiner Langdistanz 2013 drei Mal erklimmen. Die Deutzer Brücke steht an der Stelle der ersten Rheinbrücke, die die Römer bereits vor 2000 Jahren als Holzkonstruktion errichtet hatten und dürfte somit eine der ältesten Brückenstandorte am Rhein sein. Später, im 19.Jahrundert, gab es hier ebenfalls eine Schiffbrücke zwischen dem Heumarkt und der Deutzer Freiheit, ehe 1913 dann die erste Deutzer Hängebrücke eröffnet werden konnte. Diese Brücke brach im Frühjahr 1945 während der provisorischen Reperatur von Bombenschäden zusammen, die Zahl der Toten konnte aufgrund der Kriegswirren nicht ermittelt werden. Die Brücke, die wir nun belaufen, wurde als alse Stahlkastenträgerbrücke ohne Pylone 1947 errichtet und 1976-80 um eine zweite Betonkonstruktion verbreitert. Es handelt sich also eigentlich um zwei Brücken nebeneinander. Wir laufen aber zunächst "auf Stahl", wie es sich für uns "Ruhrgebietsläufer" ja auch gehört. Über ein Baustellenprovisorium (Das war doch 2013 schon da, werden die denn nie fertig?) geht es hinunter ans rechte Ufer und weiter gen Norden über breite Asphaltflächen direkt am Rande des Stroms.
Im Hintergrund die Deutzer Brücke auf der "Schäl Sick"
Die Strecke bietet eine Wunderschöne Aussicht auf die Rheinfront Kölns. Dann mal wieder eine Treppe hinauf, die Severinsbrücke. Wir laufen auf den mächtigen, A-förmigen Pylon der Brücke zu, an dem die Seile des Konstrukts aufgehängt sind. Die Brücke war der erste komplette Neubau nach dem Krieg, auch diese wurde Anfang der 60er Jahre eröffnet, als das Auto und mit ihm der Individualverkehr seinen Siegeszug begann. Die Seilverspannte Balkenbrücke hat übrigens einen Zwilling mit der Oktoberbrücke im russischen Tscherepowez. Rechts sehen wir in alten Lagergebäuden das Deutsche Sport- und Olympiamuseum, wo es unter anderem das Kaffeeservice zu sehen gibt, dass unserer Frauenfußballerinnen 1989 als Siegprämie für den ersten EM-Titel erhielten.
Die Severinsbrücke, links der Rheinaufhafen
Wieder über eine Treppe geht es hinunter, nun zunächst in die falsche >Richtung bis zur kleinen Brücke am Schokoladenmuseum, die uns am Zollturm auf die Rheinauhalbinsel mit dem gleichnamigen stillgelegen Hafen führt. Ursprünglich eine Insel, wurde diese im 19. Jahrhundert an der Südseite mit dem Ufer durch Aufschüttung verbunden. Vorbei an den architektonisch anspruchsvollen Kranhäusern, die wie Umgedrehte "L"s über das Ufer ragen, laufen wir durch den Regen Richtung Südbrücke. Die Runde ist richtig kurzweilig, es gibt immer Neues zu sehen. Dann die Südbrücke. Eine Eisenbahnbrücke, 1910 fertiggestellt um die Hohenzollernbrücke zu entlasten - auch für einen raschen Aufmarsch der Armee gegen Frankreich im Falle eines Krieges. So kam es ja dann im Jahr 1914 dann auch. Ihre Stahkfachwerkbögen und die im gotischen Stil gehaltener Brückentürme stehen unter Denkmalschutz.
Südbrücke
In einem dieser Denkmäler kreiseln wir dann wieder am rechten Ufer hinunter, um auf dem Rheindeich Richtung des letzten Bauwerkes und der Halbzeit unserer Runde zu laufen. Es geht über den Rheindeich, der hier von einer Allee aus alten Bäumen bewachsen ist, die uns auch vor dem immer noch nieselnden Regen schützen. Links liegen die Gärten einiger Häuser, über deren Immobilienpreise wir wild spekulieren. Billig wohnt sich es da mit Blick auf den Rhein sicher nicht. Auch hier schützt uns ein dichtes Laubdach vor dem immer noch währenden Regen, der aber langsam nur noch vor sich hin nieselt.
Am Ende der Allee hätten wir fast den Abzweig zur Rodenkirchener Brücke verpasst. Hier führt die A4 über den Rhein, es handelt sich um eine erdverankerte Kabelhängebrücke, die 1994 um eine Einheit erweitert wurde, so dass seither 3 Seile über die beiden Doppelportalpylone gespannt sind.
Der Doppelpylon der Rodenkirchener
Autobahnbrücke
1940 wurde die Brücke als erste Rheinquerung einer Autobahn im Deutschen Reich eröffnet.
In den neunziger Jahren wurde in einem einzigartigen Verfahren eine zweite Bahn danebengesetzt. Yvy und ich machen ein paar Fotos, dann haben wir den Endpunkt der Strecke hinter und und es geht jeweils an der anderen Uferseite zurück. Am Oberländer Ufer geht es hinab die Uferböschung auf den Leinpfad, da sitzt doch glatt Eli auf der Bank. Sie schien auch laufend unterwegs zu sein und sortierte gerade ihren Trinkrucksack.
Auch sie absolviert ihren letzten Langen Lauf vor dem Rhein-Ruhr-Marathon. Wir laufen ein Stück nordwärts gemeinsam, ehe die Südbrücke uns das zweite Mal zur Rheinquerung einlädt. Der Regen hat endgültig aufgehört, aber es ist diesig und so ist der Dom nur schemenhaft durch die diesige Atmmosphäre zu sehen. Aber der ganze Lauf ist wunderschön. Mich fasziniert die unterschiedlichen Technik des Brückenbaus, die unterschiedlichen Perspektiven der Bauwerke aus Läufersicht machen die Sache Interessant. Vor der Südbrücke trennen wir uns wieder von Eli, die auf der linken Seite bleiben möchte und laufen wieder über die alte Eisenbahnbrücke. Die Brückentürme auf der Westseite sind gesperrt und mit Bauzäunen gesichert, ein  eher trauriges Bild.

Was von der Burganlage am Brückenkopf
übrig blieb
Auf historischen Aufnahmen sieht man hier die Imitation einer kompletten Burganlage, die jedoch den Bomben des letzten Weltkrieges zum Opfer gefallen ist. Rechtsrheinisch setzt sich die Allee auf dem Deich Richtung Norden fort, bis die Deutzer Drehbrücke uns über die alte Hafeneinfahrt des Deutzer Rheinhafens führt. Wieder eine faszinierende Technik des Brückenbaus, eine unterschenklig ausbalancierte Stahlbrückenkonstruktion. Unter einem Steuerhaus auf den Bögen der Brücke überqueren wir die Hafeneinfahrt,
Deutzer Drehbrücke
die Brücke konnte hydraulisch gehoben und dann elektrisch über einem Pfeiler gedreht werden, so dass die Hafeneinfahrt für Schiffe bei jedem Wasserstand passierbar wurde. Wir haben nun den Halbmarathon locker erledigt, als wir wieder über die Severinsbrücke die Seite wechseln. Wieder eine Wendeltreppe und vorbei an der zweiten Drehbrücke zum Rheinauhafen vor dem Schokoladenmuseum, die wir auf dem Hinweg überlaufen hatten, geht es auf der Rheinuferpromedade Richtung Deutzer Brücke. Wieder auf den Spuren des Marathon beim CTW erklimme ich ein zweites Mal die Wendeltreppe, auf der anderen Seite müssen wir um den Landschaftsverband herum laufen, da am Ufer eine Treppenanlage im Bau ist. Über die linke Rampe geht es wieder über die Hohenzollernbrücke, diesmal auf die Seite mit den vielen Liebesschlössern.
Der Klassiker - Hohenzollernbrücke mit Dom
Irgendwo da hängt auch eines meiner Tochter, aber das ist ein anderes Thema. ;) . An der Promenade am Konrad-Adenauer-Ufer ist ein Trödelmarkt im Gange, also laufen wir stadtwärts der Hochwasserschutzmauer, bis uns die Zoobrücke wieder ein letztes und 12. Mal über den Rhein bringt. Dort geht es dann über die Haalbinsel, die den Mülheimer Hafen vom Hauptstrom trennt, hier zelten noch die Teilnehmer irgendeines Pfingstfestivals im Rheinpark bzw. bauen gerade ihre nassen Zelte ab. Auch schön. Dann nocheinmal die steile Rampe der schmucklosen Betonbogenbrücke, die Fußgänger von hier über die Hafeneinfahrt ans Ufer führt. Nach einem langen Lauf und ca. 27 Kilometern bis hierher tut  das den Waden noch einmal richtig gut. Dann ist die Mühlheimer Brücke als Ausgangspunkz unserer 7-Brückenrunde erreicht. Gut 28 Kilometer standen auf dem Tacho, die sich bei vollständiger Nutzung der Brückenrampen anstelle der vielen Treppen sicherlich noch ausweiten ließe. Unter der Brücke trafen wir noch auf ein Läuferpärchen aus der FB Gruppe "Runner's High". Ob das die nach uns ausgeschickten Abfangjäger waren? Wenn ja, haben sie uns erst im Ziel abgefangen.....

Start und Ende - unter der Mühlheimer Brücke
Eine tolle Runde, man sollte sie erstens empfehlen und zweitens bei besserem Wetter wiederholen!


Montag, 25. Mai 2015

Aushilfs-BuZ Beim Vivawest

Nach dem sehr schönen Sparkassen Marathon Westmünsterland in Coesfeld ( http://www.laufen-in-dortmund.de/stories/2015/coesfeld.htm ) war dann in der kurzen Arbeitswoche bis zum Feiertag wieder faulenzen....ähm Regeneration angesagt. Dienstags beim Bunert-Training stand der "Läufer-Biathlon" auf dem Programm. 6 Runden an der 6-Seen-Platte von je rund 800 Metern, dazwischen 5 Maoam-Bonbons in Schuhkartons  und je Fehlwurf eine 50-Meter-Strafrunde zusätzlich, so lautet die duchaus spaßvolle Aufgabe. Ich beließ es beim Marathon-Renntempo vom Samstag und trabte das Ganze relativ locker ab, was natürlich bedeutete, dass ein "Wettkampfspaß" nicht so recht aufkommen wollte. Dafür dann die Information von Trainerin Sabine an Claudia, dass Sie ihren Job als BuZ beim Vivawest-Halbmarathon am Sonntag für die 2 h- Ballons haben könne. Claudia nahm natürlich gerne an und wie es der Teufel wollte bot mir Martin seinen Startplatz an, den er bei Marc Böhmes Weihnachtsverlosung gewonnen hatte. Also konnte ich auch gratis dabei sein und beschloss, die 2h-BuZler dann zu unterstützen, denn es würde sicherlich bei dieser beliebten "Schwellenzeit"eine große Truppe werden.
Somit war das Sonntag dann auch mal gerettet, die HM-Strecke des Vivawest waren wir in diesem Zusammenhang noch nicht gelaufen und der Nordsternpark sowie der Zollverein locken mit schönen Erinnerungen an vergangene Laufveranstaltungen.
Blieb der Vatertag, an dem ich mit Claudia die "Rheinbrückenrunde" lief. Bei schöner Sonne und kühlem Wind über die A42-Brücke, danach den Rheindamm entlang Richtung Ruhrort. Mit einem Blick auf die orange Bramme zur Linken und grausigem Gesang von einer Party auf der Mühlenweide zur Rechten (war das Vatertags-Karaoke oder meinte der das ernst?) wurde der Rhein das zweite Mal gequert. Claudia bekam Durst, blöderweise hatten wir für eine zweistündige Tour nichts zu trinken mitgenommen. Geld hatten wir auch nicht - wann kommen endlich die Zahlungssysteme per Hand flächendeckend zum Einsatz? Na ja, dann eben "trocken" weiter am schöneren linken Rheinufer zurück bis nach Baerl und durch den Wald zurück. Am Lohheider See, knapp einen Kilometer vor dem Ende, bekam Claudia einen Krampf in der Rückenmuskulatur und wir brachen ab. Den letzten Kilometer gingen wir dann nach Hause, etwas über zwanzig Kikometer waren ja gelaufen. Das war dann wohl mal wider das klassische Versorgungsproblem. Waren wir ja selbst schuld.
Samstag hatte ich mir mit unseren Freunden Marco und Kim eine RTF-Tour vorgenommen. Alternativtraining stand also auf dem Plan. Schwelm war vielleicht nicht die richtige Wahl, denn 1000 Höhenmeter bin ich erstens nicht gewohnt und bringen mir zweitens auch gar nix für die eine Triathlon-Kurzdistanz, die ich Anfang Juni in Gladbeck vorhabe. Zumal ich beim bergabfahren ein eher vorsichtiger Typ bin, denn wenn ich die Straße nicht einsehen kann, schneide ich keine Kurven mit Tempo 50. Ob die anderen alle lebensmüde sind? Die Landschaft rund um die Bevertalsperre war jedenfalls ein Traum, aber gelaufen wäre die Strecke schöner gewesen.
Am Sonntag dann der Vivawest-Halbmarathon. 2013 waren Claudia und ich den schon einmal in 4 Stunden als Training für Biel komplett gelaufen. Wir hatten abgesprochen, dass Claudia mit Ihrer BuZ-Kollegin, die wir vorher noch nicht kannten, vorne exakt die Pace laufen sollte und ich so ab Kilometer 13/14 mich etwwas nach hinten fallen lasse und aufpasse, dass keine Lücken entstehen und möglichst viele bei unserer Gruppe bleiben können.
Am Start bereits das erste Problem, denn man hatte alle Nachmelder in den letzten Startblock eingereiht, unabhängig von ihrem potenziellen Tempo. Ich hatte also Mühe, den Ordner zu überzeugen, mich gemeinsam mit meiner Frau in den Block zu lassen. So dauerte es auch so 3-4 Kilometer, ehe sich eine Traube hinter dem Ballon gebildet hatte, die erkennbar aus Läuferinnen und Läufern bestand, die zwei Stunden laufen wollten. Die Stimmung hier im Grenzbereich GE/E war überschaubar, man hatte es kaum geschafft, die Anwohner in nennenswerter Zahl in dieser frühen Morgenstunde vor die Türe zu bekommen. Ein Frühstückstisch vor dem Haus, das war es. Schade. Da hatte Coesfeld das doch ganz anders hinbekommen.
Die Zechhe und Kokerei Zollverein hat ja immer etwas besonderes, die Sonne schien und die Industriekulisse zeigte sich von der besten Seite. Frank war zu uns aufgelaufen, wir kennen uns von Facebook und er hatte beschlossen, bei unserer Gruppe zu bleiben. Mit netten Gesprächen und einigen Scherzen vergingen die Kilometer, hinterm Zollverein ging es auf der alten Erzbahntrasse Richtung Gelsenkirchen. Latent bergauf. Und hier fingen die ersten an zu kämpfen. Unsere Pace stimmte relativ genau, darin war sowohl eine GPS-Ungenauigkeit als auch ein Puffer von 25 Sekunden eingebaut. Das ist auf dieser welligen Strecke nicht ganz einfach einzuhalten.
Johanna und Jana mühten sich ebenfalls, dran zu bleiben, ber es fiel ihnen erkennbar nicht mehr leicht. Ich ging immer wieder ans Ende der Gruppe und mühte mich, die nun deutlich entstehenden Lücken "zuzulaufen". Die Trasse ist schön zu laufen auf glattem Asphalt, aber leider völlig Zuschauerfrei und - wie gesagt - immer in leichtem Anstieg. Ich war ja nicht als BuZ zu erkennen, so hörte ich mir oft an, ob ich nicht gefordert sei, weil ich hier so Scherze machte und das wenige Publikum versuchte anzustacheln. Dann war die Trasse geschafft, ich versuchte, die Gruppe mit der Aussicht auf die gute Stimmung im Nordsternpark aufzuheitern. Leider wusste ich auch, dass es nach einem kurzen Stück gleich wieder einsam werden würde und zunächst einen schönen Anstieg zum Park hinauf gehen würde. Jetzt war es schon ein Einsammeln einzelner Läufer. Zwei Frauen von Adler Langlauf Bottrop mühten sich über die Strecke, zumindest die eine. Ich bemühte mich, die beiden zu motivieren. "Noch 4 Kilometer, kommt!""Wir sind gut in der Zeit". Ich leib an den Kilometerschildern stehen und sagte den vorbeilaufenden, wieviel sie vor der Plan-Durchlaufzeit wären. Ich kann das natürlich immer nur für die sagen, die auch nahe bei uns gestartet waren, aber wer hinter uns losgelaufen wwar, hatte eh noch mehr Puffer. Die anderen kannst Du als BuZ nicht steuern. "Noch drei Kilometer, Tempo halten jetzt!", "Nicht langsamer werden, Ihr ärgert Euch eine ganze Woche dafür, dass es jetzt eine kurze Zeit nicht viel besser geht! Das ist ein Sch***-Deal!" Das schien zu überzeugen. Man muss hier aufpassen, wen man noch antreibt, denn wer wirklich am Ende ist, der schaffte es keine 2 oder drei Kilometer mehr. Hier in GE-Heßler warauch nichts los auf der Straße. Ruhr-Marathon hin oder her, wer es nicht ansatzweise bei der dritten Veranstaltung schafft, die Anwohner ein wenig zu mobilisieren, der hat eigentlich keinen Marathon verdient. Man sollte über eine andere Strecke nachdenken.
Ich motivierte einen einsamen Moderator unter einem einsamen Runnerspoint-Pavillion, unsere kleine "Restantentruppe" ein wenig zu motivieren. Claudia und ihre Kollegin waren so 200 Meter vor uns, ab noch in Sichtweite. Und wir waren noch knapp in der Zeit.
Jetzt wurde ich langsam härter in meinen Ansprachen. Die Läufer hier hatten alle keinen Kopf mehr für schöne Zieleinlaufvisionen. "Los, langsamer ist genauso Sch****, dauert nur länger" ranzte ich Kandidaten an. "Wenn ich das schaffe, darf ich Dich mal drücken, ja?" fragte eine Läuferin, die ich sichtlich abmühte. Ich bot allen an, am letzte V-Punkt Getränke zu bringen und rängte gleichzeitig zur Eile. Dann bogen wir das vorletzte Mal ab. Nur noch gut ein Kilometer. Es würde eng. Ich ließ mich immer wieder fallen, es ging hier noch um 4 oder 5 Leute. Wen man hier verloren hat, der schafft es nicht mehr in unserer Nettozeit. Links standen Leute am Straßenrand, ein Läufer lag dort. Ein anderer kümmerte sich um ihn, zwei weitere standen dabei. Das sah recht professionell aus. Die Läuferin bei mir zögerte und sah nach links. "Weiter, weiter. Der Mann ist versorgt, ihr könnt hier nichts tun!" sagte ich während gerade die Polizei dazu kam. In wenigen Minuten würde die Ambulanz da sein. Eine Menschentraube würde keinem helfen, so hart sich das hier mit Sicherheit anhörte."Los, los,los, es wird eng"Jetzt schrie ich die nachkommenden schon an. Eine letzte Unterführung mit Anstieg, dann endlich links um die Kurve. Noch 45 Sekunden! Wie weit war es genau hinter der Kurve? Ich wusste es nicht. Also trieb ich die beiden Läuferinnen neben mir an. Es war nicht weit. gut 200 Meter. Dann war es geschafft. 1:59:47 h zeigte meine Uhr.
Fast eine Punktlandung und für die mit mir hereinkommenden hieß das, die zwei Stunden waren geschafft.

Die Gruppe zerstreute sich schnell an die gut bestückten Verpflegungsstände. Einige bedankten sich noch bei mir. Es ist ein schönes Gefühl, anderen geholfen zu haben, Ihre Ziele zu erreichen. Auch Johanne und Jan hatten es geschafft.  Wir treffen traditionell viele Bekannte im Ziel und machten uns dann in dem guten Gefühl nach Hause, unseren Job ordentlich erledigt zu haben.

Dann schrieb Frank. Der Läufer, den wir gesehen hatten, war tot!

Donnerstag, 14. Mai 2015

"Dabei"

Nur ein kurzer Blog zur Nachlese des 3./4. Mai 2015:

Am Sonntag Abend verdichteten sich die Anzeichen. Die ersten "dabei" und "ich auch" schreckten aus dem Tal gehört hatte. atort-Schlummer. Was das bedeutete? Jens Vieler hat die Mails verschickt. Der Uneingeweihte wird jetzt fragen, wie ein Jens der aus der Schweiz E-Mails verschickt eine ganze Läufergemeinde in eine Aufregung versetzen kann.

Ich hätte es bis vor gut einem Jahr auch nicht geglaubt, aber dieser Lauf zog mich in seinen Bann, seit ich von ihm das erste Mal hörte. So richtig ins Bewusstsein kam er mir 2012 während eines langen Trainingslaufs. Da fand die TTdR "Zero" statt, also mit Zero Verpflegung, Zero Organisation und so weiter und ich traf auf Alois, der den Lauf gerade beendet hatte sowie Jens, der seine Läufer an der Orange erwartete.

Mein Interesse war geweckt und ich googelte nach, kam dann zu der Übereugung, dass einfach so anmelden ja doch nicht geht und die Jahre zogen ins Land. In Biel, nach meinem ersten hunderter, ein weiterer Plausch mit Jens. Die Ultra-Welt hatte Claudia und mich in den Bann gezogen. Daher beschlossen wir, wenn wir schon nicht so weit laufen wollten - konnten - durften, uns zumindest an der Organistaion zu beteiligen. Darüber konntet Ihr ja bereits im Mai 2014 in diesem Blog lesen. Aber wer bei Start und Ziel so richtig hilft und fast bis zum Ende am Ziel die Stellung hält, der weiß, dass er dort beim nächsten Mal mitlaufen muss. Für mich war das seit Mai 2014 klar.
Aber zu diesem Lauf musst Du eingeladen werden. Und Jens lädt verantwortungsvoll nur den ein, von dem er überzeugt ist, dass er es schaffen kann. Ist er das?

Un nun, an jenem ersten Sonntag im Mai nun die Mails. Wir erhielten noch keine, aber Jens hatte ja geschrieben, dass es bei fast 300 Mails dauern könne. Die Spannung stieg dennoch, denn sicher sein kann man sich ja nie.
Dann war es soweit. Im Büro erreichte mich am Montag Vormittag die erlösende Nachricht von Claudia. Wir waren dabei. Über die Volle Distanz. 230 Kilometer von Winterberg zurück nach Hause. Was tun wir da?

Nun, ich denke nichts unüberlegtes... . Ich hatte das schon mit Jens während unseres 130-Kilometer-24-Stunden-Laufs am Seilersee besprochen. Wir bauen kontinuierlich auf. 2013 100 km in Biel, 2014 erst K78 in Davos, der durchaus mit einem Hunderter gleichzusetzen ist. Dann 105 km beim Traildorado. Nun 130 Kilometer am Seilersee, im August hoffentlich 100 Meilen beim Mauerweglauf in Berlin. Und dann die TorTour? Es hört sich so logisch und einfach an, aber jeder, der auch nur in Ruhe darüber nachdenkt, wird begreifen, dass dies ein zunächst unmöglich erscheinendes Unterfangen sein könnte.

Wir wollen es angehen. Und bereits am Abend begann ich, unsere Crews zusammen zu trommeln. Viele hatten sich bereits im Vorfeld angeboten. Dafür sind wir Euch allen sehr dankbar. Wir bieten nur Ruhm und Ehre, eine schlaflose Nacht, vielleicht auch 2 1/2  und die Freude an einem gemeinsamen Projekt. Und trotzdem sagten alle zu. Jetzt wird geplant. Und gelaufen. Wer ernsthaft noch Teil unseres Projektes werden möchte, sende mir eine Mail. Wir haben für jeden Verwendung! Und wenn es zur Vertretung bei Jens Vieler für unsere ausfallende Hilfe ist. Am Start und im Ziel werden immer Bürokräfte mit Übersicht gebraucht......

Damit ich am 16.5.2015 das metallische Klingen höre, wenn meine Hand auf kalten, orange lackierten Stahl schlägt.






Sonntag, 3. Mai 2015

Herz-Kreislauf im UNESCO Weltkurturerbe Zeche Zollverein

1. Mai 2015:


Es gibt mal wieder einen Charity-Lauf – dieses Mal in Essen. Es geht darum, Geld für die Förderung der Bewegung von Kindern zu sammeln unter anderem um späteren Erkrankungen der Gefäße und des Herz-Kreislaufsystems vorzubeugen. Jörg Bunert mit seiner Athletik-Marketing GmbH hatte sich in die sportliche Organisation eingebraucht und so warb er bereits in Andalusien während des Trainingslagers vehement  bei uns für diesen Lauf. Für mich war klar, dass ich mitmachen würde, wenngleich ich nach dem 24-Stunden-Projekt am Seilersee keine Ambitionen hatte. Ein 5 Kilometer-Lauf geht ja immer, auf den hatte ich im Trainingslager sogar mal Lust, denn im Gegensatz zum kaum langsameren 10er ist der wenigstens schnell vorbei. Claudia war da erheblich lustloser, sie mag diese „Sprintdistanzen“ unterhalb der 15 Kilometer ja überhaupt nicht .
Natürlich schrieb ich den Lauf auch in unserer Betriebssportgemeinschaft aus und zu meiner Überraschung meldeten sich tatsächlich ein Pärchen, die starten wollten. Somit waren wir von der BSG schon mal zu dritt, ich meldete also am letzten Tag der Online-Meldung den 5 Kilometer-Lauf an.
Foto:Catfun.de


Es bahnte sich ohnehin ein großes Bunert-Treffen an, das Wetter versprach ganz ordentlich zu werden und an die Kulisse des Weltkulturerbes Zollverein hatte ich eigentlich nur positive Erinnerungen. Zunächst führte uns der letzte Karstadt-Halbmarathon 2009 durch die historische Stätte. Ebenfalls 2009, zwei Monate später hatten wir dort bei der damaligen Run&Rock-Serie bei glühender Hitze einen recht guten 10,54 Kilometer Viertelmarathon absolvieren wollen, leider war die Strecke mit 9,6 Kilometern dann etwas zu kurz, was meine damalige Top-Zeit von 42 Minuten erklärte. Bereits da war ich von der tollen Kulisse tief beeindruckt. Zurück kehrten wir beim Vivawest 2013 mit einem tollen Durchlauf und dann natürlich im Herbst beim Speed of light-Projekt, wo wir so manchen Trainingsabend und die unvergessliche Performance am 4.10.2013 am Standort verbracht hatten. Mit diesen schönen Erinnerungen im Gepäck machten wir uns am „Tag der Arbeit“ auf nach Essen. Meine Frau hatte sich dann am Morgen noch zur Nachmeldung entschieden, sie wollte für Kim die Pace machen. Ich war untypisch gut gelaunt, hatte nach 4 Tagen Pause und den 100-Meter-Intervallen am Vorabend beim Bunert-Training, die ich wohlweislich nach 12 von 20 eingestellt hatte.
Was sollte auch passieren, ich wollte loslaufen, als wenn es um die Bestzeit ginge und war neugierig, wann ich einbrechen würde. Seit 2012 in Alpen hatte ich keinen schnellen 5er mehr versucht, höchstens als Staffel in der Schalke-Arena. Die zwanzig Minuten sollten irgendwann einmal fallen, aber das schien mir nur fünf Tage nach dem Seilersee doch etwas vermessen.
Angekommen in Essen fanden wir alles gut ausgeschildert, auch Claudias Nachmeldung bei Bärbel Bunert klappte reibungslos. Einziges Hindernis waren die vielen eintreffenden Lauffreude, die begrüßt werden wollten. Wenn ich daran denke, dass wir 2009 in Essen kaum einen Menschen kannten – eine Wahnsinnsentwicklung.
Foto:Catfun.de
Claudia lief mit Kim auch die 5, auf 10 hatten die beiden auch keine Lust. Heike suchte jemanden zum gemeinsamen Einlaufen, ich opferte mich einmal und wir trabten die kleinere erste Runde ab. Dabei bekamen wir bereits einen ersten Eindruck von diesem Streckenteil, der eine kleine Steigung bereit hielt, die durch dir zwei 90-Grad kurven zu Beginn und am Ende ordentlich Pace kosten würde. Wir gabelten noch Marius auf, der sich auch aufwärmte.
Foto:Catfun.de


 Dann ging es schon in die Startaufstellung, irgendwie wollte keiner nach vorne und ruck zuck standen Marco, Marius, Sascha (der einzige, der da zu Recht stand) und Heike in der  ersten Reihe. Ein paar Späße mit Jörg Bunert, der mir einreden wollte, dass ich das gewinnen könne, dann zählte Moderator Andreas Menz schon den Countdown herunter. Los geht es. Ich sehe zu, schnell nach 50 Metern um die erste enge Kurve zu kommen und merke, dass ich sofort langsamer werden muss. Marco und Marius sind vor mir, Sascha auch. 
Foto:Catfun.de

Und Marco und Marius sind ziemlich nah an Sascha dran. Wir sind auf dem Ehrenhof genannten Vorplatz, ich muss Tempo rausnehmen sonst sterbe ich hier gleich einen unehrenvollen Tod. Marco und Marius scheinen wahnsinnig zu sein, aber ich werde sie mir später holen. Zwei oder drei Läufer gehen vorbei, ich lasse sie gewähren. Schon ist der erste Kilometer um. Wir sind nun vor dem Kokerei-Gelände, dorthin werden wir aber erst in der zweiten längeren Runde gelangen. 3:49 für den ersten Kilometer, viel zu schnell und ich bremse nun merklich ab. Noch zwei Läufer kommen an mir vorbei, auch Irek ist dabei. Der ist auch gut drauf im Moment, den halte ich hier nicht. Marius und Marco sind etwa 100 Meter vor mir, Sascha und weitere sind nicht  mehr zu sehen. Schon sind wir wieder am Start.
1.Runde beendet, Kilometer 1,7! Foto:Catfun.de

 „Thomas Kühnen – für den ist das hier eine echte Sprintstrecke. Er ist sonst auf den Marathon- und Ultrastrecken zu Hause“ kündigt Andreas mich an. Wie recht er doch hat. Die vielen Zuschauer verbreiten eine tolle Stimmung für uns Läufer. Wieder laufe ich vor dem Förderturm mit dem Frakturschriftzug  „Zollverein“ vorbei. Kilometer 2 war mit 4:11 deutlich langsamer, Schnitt 4 Minuten. Ich beschließe, einfach nicht mehr auf die Uhr zu gucken, denn die Hälfte habe ich ja schon. Nicht auszudenken, wenn das hier ein 10er wäre! Jetzt einen Kilometer Konsolidieren und dann mal sehen, was noch geht. Irgendwie habe ich mich aber jetzt eingelaufen. Marco und Marius kommen näher, von hinten kommt schon länger keiner mehr. So vorne mit zu laufen ist seltsam, denn man schwimmt nicht in einer Masse mit, sondern muss selbst entscheiden, was man tut. Mit dem Rennausgang habe ich nichts zu tun, aber die Altersklasse könnte gut aussehen. Ich will jetzt kämpfen.  Ich bin jetzt in der Kokerei Zollverein, viele rostige Rohrsysteme über unseren Köpfen, die Gebäude des Architekten Fritz Schupp und  Martin Kremmer aus den frühen 30er Jahren. Kilometer 3 ist erledigt, die Zeit will ich nicht wissen, denn ich fühle mich wieder ganz gut. Gerade noch einmal rechtzeitig abgebremst, das war kurz vor dem Ende der Veranstaltung nach dem flotten ersten Kilometer! Über die Hauptachse der Kokerei geht es durch das Gebäude auf den Weg auf dessen Rückseite. Der ist neu asphaltiert, jeweils ein Schotterstreifen daneben. Herrliche Laufbedingungen herrschen hier. Als wir den Weg 2009 in umgekehrter Richtung bei Run & Rock gelaufen waren, war es ein besserer Trampelpfad.  An Marco bin ich dran. Der ist hinter Marius zurückgefallen. Ich gehe kommentarlos vorbei, um etwas zu sagen oder ihn mit zu ziehen fehlt mir die Luft. „Dein Schuh ist offen!“ Höre ich von ihm von hinten, es ist mir zunächst egal. Meine Schritte bei dem Tempo sind so groß, dass ich nicht Gefahr laufe, auf die Schnürsenkel zu treten. Ich habe Marius, auch er hat nicht mehr den Schritt, mit zu halten. Dann blicke ich an meinem Fuß hinab. Der Knoten unter der Schleife löst sich auch und daran ist eine der beiden Zeitmessschleifen befestigt.  Ich muss ihn zu binden, denn ich weiß nicht, ob mit nur einem Chip am anderen Fuß meine Zeit erfasst werden kann. Also anhalten, Schleife binden, hoch und weiter. Marius ist wieder vorbei, Marco noch nicht. Ich hole mir Marius ein zweites Mal. Hätten die beiden Mal mit mir gebremst, sie würden mich jetzt locker abhängen. Aber die Körner, die zu Beginn verbrannt sind, bekommst Du nicht mehr wieder. Kilometer 4, noch 1000 Meter. Kein Blick mehr zur Uhr, einfach laufen was das Zeug hält. Ich bin auf den Gleisen Richtung Kohlenwäsche und sehe schon wieder den Doppelbock des Förderturms, neben dem das Ziel sich befindet. Die beiden Läufer vor mir sind etwa gleich schnell, die kriege ich nicht mehr. Die Schienen, zwischen denen mit verdichtetem Schotter Wege angelegt sind, führen scheinbar endlos geradeaus, dann endlich die Linkskurve. Jetzt bin ich wieder auf der kleinen Runde, ich mobilisiere die letzten Kräfte.
Foto:Catfun.de

 Den schon höre ich Andreas Moderieren, sehe Zuschauer an den Zäunen rechts und links. Rechtskurve, Linkskurve, Zielgerade. Noch vierzig oder fünfzig Meter, dann bin ich da. Ein Blick auf die Uhr: 20:07 Min. steht da.
 Unglaublich. „Jaaaa!“ schreie ich und setze mich gleich auf meine vier Buchstaben. Ich bin völlig alle und kann es kaum glauben, dass es noch so eine Zeit geworden ist. Das wären 25 Sekunden unter meiner bisherigen Bestzeit aus Alpen 2012. Marius und Marco sind auch im Ziel, wir gratulieren uns und gehen auf die Wiese. Marco legt sich erst mal hin. Ich bin hin und weg und kann es nicht glauben, auch als Karsten Kruck mir sagt, die Strecke sei etwas zu kurz. Das ist mir egal, selbst wenn es 120 Meter waren, für die hätte ich keine 25 Sekunden mehr gebraucht in meinem Endspurttempo Darum geht es heute auch gar nicht. Ich war in der Lage, nach den 131 fünf Tage zuvor und dem enttäuschenden Marathon in Wien vor drei Wochen hier eine Bestzeit auf der Sprintstrecke zu laufen. Physisch wie Psychisch. Und ich hatte auch noch Spaß dabei, auf der sonst ungeliebten Kurzstrecke. Das ist gut für den Kopf, ich kann also auch noch schnell. Ja, ich weiß: Das Teilnehmerfeld war insgesamt nicht stark, die Strecke vielleicht etwas zu kurz. Aber ich will ja nicht in offizielle Ranglisten. Ich will Spaß am Sport. Und den hatte ich! Ist das nicht das wichtigste?

Erledigt und glücklich im Ziel Foto:Catfun.de

Der Verpflegungsstand war super gut bestückt. Frisches Obst mit extrem leckeren Äpfeln, Streuselkuchen, diverse Getränke standen ausreichend zur Verfügung.  Dann kam auch Claudia mit Kim ins Ziel, etwas über 26 Minuten und eine tolle neue Bestzeit für Kim, die von Claudia ins Ziel getrieben wurde. Für Marco war es natürlich auch eine Bestzeit, aber er ist am Ende halt ziemlich eingegangen und ihm war auch klar, welchen Blödsinn er da auf den ersten zwei Kilometern gemacht hatte.
Anfeuren beim 10er

Karin als fleißige Helderin - Dankeschön!
Claudia treibt Kim ins Ziel  Foto:Catfun,de
Auch beim anschließenden Zehner, den wir als Zuschauer verfolgten, wurden tolle Zeiten gelaufen, auch wenn hier die Strecke ein klein wenig zu kurz gewesen sein sollte. Alles in allem eine Top-Veranstaltung, die mit insgesamt 750 Teilnehmern für eine Premiere im Laufreichen Mai sehr gut besucht war. Das Wetter spielte toll mit, alles klappte reibungslos und fast alle waren gut gelaunt und hatten Spaß. Die Strecke ist, bis auf die kleine Steigung, durchaus als schnell zu bezeichnen, wenn es nicht zu voll wird. Und der Nachzielbereich könnte ebenso gut bei Regen in die Halle verlegt werden, wo die Startunterlagen ausgegeben worden waren. Der Industriepark bot eine tolle Kulisse, irgendwie haben diese Industrieruinen etwas. Auch wenn man sich nicht vorstellen mag, dass hier einmal tausende von Menschen Lohn und Brot fanden, sozial abgesichert und anständig entlohnt für schwere Arbeit. Auch daran kann man am 1.Mai in unserer "Geiz-ist-geil-Dienstleistungswirtschaft" einmal denken.
unsere Lichtinstallation bei "Speed-of-Light" 2013, gleich neben dem Ziel
Nicht nur tolle Erinnerungen an vergangene Laufevents, auch die Architektur und eben das „Ruhrgebietsgefühl“, von dem ich mich als Niederrheiner ja auch ein wenig zugehörig fühlen darf. Auch mein Großvater diente als Heizer auf Kohlezügen der Zeche Rheinpreussen…
Ich denke, 2016 werden wir bei der 2. Auflage dabei sein. Und das kann ich dem Leser auch empfehlen. Es wird sich lohnen – auch für den guten Zweck!


Fotos:

Danke an Wolfgang Steeg 


für die tollen Bilder! Dort findet Ihr noch mehr.

Freitag, 1. Mai 2015

Jetzt ist Ultra.....

Eintauchen in die Welt des Ultralaufes - über unvorstellbare 100 Meilen im August zu den völlig weit entfernten 231 km bei der TTdR 2016, welche ich mir vorgenommen habe. Das hatte ich ab Kilometer 25 in Wien mental bereits vollzogen und das wollte ich nun konsequent fortführen. Aber was heißt das? Nun ja, erst einmal ist ja nach der Belastung des Marathon Regeneration angesagt. Erst in Wien noch zwei Mal zwei Kilometer den Streak mit Claudia gelaufen, dann am Donnerstag der erste Trainingstermin bei Bunert im Sommerkurs. Laufspiele - das heißt ein wenig Lauf ABC mit wenigen Kilometern, genau das Richtige im Moment. Letzten Samstag wollte ich es dann wissen: Während Claudia schon wieder 17 Kilometer unter die Schuhe nahm, beließ ich es bei 6 Kilometern. Die ließ ich einfach laufen, kam in einer 4:36er Pace heim und hatte ein wenig Wien-Frust weggelaufen. Das Tempo war also noch nicht weg!
Es ist ja immer schwer, nach so einem Marathon die Füße ruhig zu halten. Besonders, wenn man halt keinen Erfolg hatte, auf dem sich gut ausruhen lässt. Die Trainer wissen das und schreiben ja gerne mal Alternativsport auf den Trainingsplan. Marco und Kim hatten da eine Idee, am Sonntag danach an einer RTF-Tour teilzunehmen und sich so schon einmal auf den Gladbecker Triathlon einzustimmen, der für uns im Juni ansteht. Selbst meine Claudia ließ sich von Freundin Kim überreden, sie auf der kleinen 42-Kilometer-Runde zu begleiten. Anschließend ließen wir den sonnigen, aber kühlen Sonntag bei Freunden mit viel Kuchen in der Sonne ausklingen.

Die nächsten Tage machten sich allerdings dann schon meine Oberschenkel bemerkbar, die ungewohnte Belastung auf dem Rad forderte offensichtlich auch ihren Tribut. Vielleicht hätte es die 42 km-Runde ja auch getan? Aber dafür auf's Rad?

Training am Donnerstag dann mit der Ausdauerschule. 8 x 500 Meter standen auf dem Plan. "Ich werde die schnelle Gruppe jetzt mal auf links drehen" verabschiedete sich Schleifer-Sven mit uns armen Würstchen ab in den Wald um die sechs Seen. Ich wollte eigentlich bei einer 4er Pace Schluss machen, aber man kennt ja diese gruppendynamischen Prozesse. Am Ende waren es dann doch immer so um die 3:40-3:45, die letzte sogar in 3:32er Pace und die Frage, wie sinnvoll das für den anstehenden Ultra am Wochenende sein würde, stellte sich mir deutlich.

Samstag ging es dann kurz nach acht Uhr los Richtung Iserlohn. Wir hatten von Organisator Bernd Nuß umfangreiche Informationen einschließlich einen Parkausweis für den speziellen Ultra-Parkplatz direkt an der Strecke erhalten. Da diese vor Ort auch kontrolliert wurden, fanden wir gut zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn auch noch einen Parkplatz. Dort trafen wir gleich Jens, den Tortour-Organisator. Der riet uns, am Sportsplatz anstatt hier auf den Wiesen direkt an der Strecke unser Lager zu errichten. Dort kämen nur Läufer hin während hier am Parkplatz ja öffentliches Gelände sei. Klang logisch, also Klamotten zum Sportplatz geschleppt. Unser neues 4-Mann-Zelt hatte ich erst einmal im Wohnzimmer aufgebaut, dennoch bekamen wir es wieder schnell aufgestellt. Gut, dass es trocken blieb, denn der Wetterbericht verhieß nichts Gutes für die nächsten 24 Stunden.
Unser Domizil

Organisation und Startnummernausgabe klappten perfekt und ohne Wartezeiten, wir tranken mit unseren Zeltnachbarn, zwei Ultra-Debütanten aus dem Raum Koblenz, erst einmal einen Kaffee und waren sofort in das gesellige Völkchen der Ultra-Läufer wieder eingetaucht.

Ich möchte hier jetzt gar nicht auf den Lauf eingehen, den könnt Ihr in meinem Video ganz gut nach verfolgen, wie ich denke.
https://www.youtube.com/watch?v=nEeIdCfnkX0

Eher einmal die Fragen stellen: Was machen wir hier? Wie sinnvoll ist ein 24-Stunden-Lauf auf einen kleinen Rundkurs?

Zunächst ist so ein Stunden-Lauf ja auch ein geselliges Event, alleine schon das Zusammentreffen mit vielen Gleichgesinnten . Wenn Du einen Marathon auf einer großen Runde mit 50 Teilnehmern läufst, bist Du recht schnell allein. Das ist hier anders. Es lässt sich gar nicht vermeiden, immer wieder neben anderen Läufern her zu laufen, dann unterhält man sich und findet ganz unterschiedliche Dinge, die man gemeinsam hat oder die einen unterscheiden. Das liegt im Wesentlichen am Tempo, denn je länger die Strecke, desto eher kann man sich beim Laufen noch unterhalten.

Für uns war es eine wichtige Standortbestimmung vor dem 100-Meilen-Lauf in Berlin im August. Könne wir das wirklich? Was kommt nach den 100 Kilometern, die wir beide ja schon zwei Mal absoviert hatten. Wie ernährt man sich, reicht die Verpflegung des Veranstalters aus? Welche Ruhepausen machen Sinn? Das waren die Fragen, die ich mir selbst heute beantworten wollte und meiner Claudia ging es wohl ähnlich.
Mit Günter unterwegs

Die ersten Stunden lief ich mit Günter und Arno, zwei Laufbekannten mit nicht ganz so weiter Anreise. Zu Anfang auch mit Jens, der hier tatsächlich auch 24 Stunden laufen wollte. Da ich beim Start gefilmt hatte, waren Henning, Yvy und Claudia irgendwie weg. Ich lief ja mit Arno und Günter, tatsächlich ergab es sich, dass wir uns die ganzen ersten sechs Stunden nicht getroffen haben. Lag wohl am annähernd gleichen Tempo. Mir ging es bereits nach drei Stunden nicht mehr so gut, meine Zehen begannen an den verstärkten Kappen meiner Glide Boost ATR anzustoßen und ich wechselte bereits da zum neuen Ultra Boost. Damit hörte das Drücken am Zeh sofort auf. Erste Sache richtig gemacht. Meine Ernährung sollte sich zunächst einmal nur auf die angebotenen Sachen beschränken, ich trank sofort Iso statt Wasser, um einem erneuten Krampfproblem vorzubeugen, dazu ein wenig Salzgebäck in jeder zweiten Runde. Krämpfe hatte ich keine, wohl aber ziemlich schwere Oberschenkelrückseiten. Die 80-Kilometer Rennrad und die 500-Meter Intervalle aus den letzten Tagen waren am "Anstieg" dann doch deutlicher und deutlicher zu spüren.

So war ich froh, dass die sechst Stunden und damit der erste Teil des Wettbewerbs endlich rum waren, ich zog mir eine Jacke über und ging noch eine Runde, in der Hoffnung, Claudia zu finden, wenn Sie mit Yvy auf deren "Vermessung" wartete. Aber Yvy wartete alleine. In Goldfolie gewickelt. Die gab es vom Sanitäter. Auch ein toller Service für frierende Läufer. Danach gingen wir trafen wir am Verpflegungsstand endlich Claudia und es ging gemeinsam zum Nudeln essen. Ich hatte mit trockene Sachen angezogen und eigentlich eine zweistündige Pause eingeplant, etwa wie beim Traildorado. Aber Claudia hatte keie Ruhe, sie wollte weiter. Nachdem wir Yvy und Henning nach Yvys Siegerehrung - sie hatte den 3. Platz in der Gesamtwertung der 6-h-Konkurrenz belegt,
Ich hätte mich jetzt erst einmal eine halbe Stunde hingelegt, aber da Claudia weiter wollte, blieb mir keine Wahl. Wir hatten jetzt knapp 55 Kilometer, zwanzig sollten es noch werden. Dann ein wenig hinlegen und schlafen und ab 2 Uhr durch die tiefste Nacht wieder weiter bis zum Frühstück. So langsam gingen die Kilometer schwerer, aber wir drehten nun gemeinsam Runde um Runde. Kurz vor zehn hatten wir die 75 Kilometer und beschlossen, uns hinzulegen.
73 Mal daran vorbeigelaufen!

Das geht beim Mauerweglauf so natürlich nicht.Oder höchstens auf einer Parkbank, wenn dar Radbegleiter ne Decke dabei hat(guter Ansatz, wieder was gelernt!). Mit Schlafen war leider nix. So schön es war, dass auf dem Sportplatz keine Nichtläufer an die Zelte kamen, so hall brannte leider die Nacht durch das Flutlicht von allen sechs Masten. Und die Live Band spielte noch eine Stunde, danach der DJ noch eine halbe, ehe der Sound direkt hinter unserem Zelt dann verstummte. Dann war es fast Mitternacht - und Jens hatte Geburtstag. Da Jens nun mal bekannt ist wie ein bunter Hund, viel die Gratulationsrunde entsprechend groß und geräuschvoll aus. Also beschlossen wir, um ein Uhr wieder weiter zu laufen. Eine kurze Gratulationsvisite bei Jens - den angebotenen Huge verschmähten wir sicherheitshalber - und es ging weiter durch die Nacht, Der See war nun traumhaft schön beleuchtet, dennoch lagen 4 1/2  Stunden vor uns, die wir leider recht schnell nur noch marschierend zurücklegen konnten.
Nachts, wenn alles schläft....
Wir packten uns die 25 Kilometer, die wir schaffen wollten, in handliche kleine 5-Kilometer Päckchen, die wir eines nach dem anderen abarbeiteten. Dabei ging es uns beiden ganz gut, wir überholten marschierend sogar einzelne laufende Mitstreiter. Geschwindigkeit ist ja so etwas von relativ.... Dennoch freut man sich, wenn man dann endlich die 100 Kilometer voll hat und sich noch einmal hinlegen darf. Auch wenn es bis zum Frühstück um sieben nicht lange ist, die Pausen bisher hatten gut getan und für Claudias Knie wurde es Zeit. Diesmal war es bedeutend ruhiger und wir schliefen schnell für eine Stunde ein. Wach wurden wir mit dem Gedanken, ab halb sieben bis zum Frühstück noch einmal zwei Runden zu machen, aber der auf unser Zelt prasselnde Regen ließ uns noch 15 Minuten liegen bleiben, ehe wir uns zum Frühstück fertig machten. Minimalziel 100 km war erreicht, nach dem Frühstück blieben 4 1/2 Stunden für die von mir angepeilten 30 Kilometer. Das sollte gehen. Und es ging wieder wirklich gut. Na ja, gut heißt halt eine Pace von über 7 Minuten, aber wir liefen. Und die anderen waren mit wenigen Ausnahmen auch nicht schneller. Wieder mit den bewährten 5-Kilometer-Päckchen arbeiteten wir uns vor. Die 110 km kamen gefühlt recht fix, dann wurde es zäher. Den "Berg" gingen wir jetzt immer, auch die kleineren Anstiege. Claudias Knie schmerzte wider zunehmend, jetzt leider auch im Gehen. Aber wir zogen Runde um Runde um den See.
Hier fand mittlerweile der "Walkind dead" statt, vile schlurften und schleppten sich in seltsam verkrümmten Körperhaltungen oder in leicht humpelndem Schritt um das Wasser, wir hingegen bekamen von vielen gesagt, wie gut wir noch aussähen. Muss am Schönheitsschlaf von einer guten Stunde gelegen haben.
Uns, mir immer mehr als Claudia, war jedoch klar, dass die 130 heute möglich sein würden und die fehlenden 30 in Berlin dann auch noch irgendwie gehen sollten.
Und dann war es soweit. Kurz vor den 125 konnte Claudia nur noch gehen, wir verabredeten, dass ich weiterlaufen solle, denn gehen wären mir nun schwerer gefallen. Ich hatte irgendwie den "flow" gefunden, jenen rätselhaften Zustand beim Ultralauf, wo zwar alles mögliche weh tut, aber die Beine ihre nun lang genug einstudierte Laufbewegung von alleine ableisten und kaum noch Antrieb aus der Schaltzentrale unterm Pony beötigen. Das wollte ich ausnutzen. Immerhin schaffte ich eine Pace von 7:35. Das ist eigentlich zum kaputtlachen, aber nach 125 km lachst Du da nicht mehr drüber. Höchstens irre. Ich bekam das Fähnchen mit dem 125er Aufdruck und dementsprechend euphorisiert konnte ich nochmal ein "Höllentempo" vorlegen. So kam es mir vor, diese weitere Runde zum "Triple-Marathon". Das sind bekanntlich 3 Marathondistanzen, innerhalt von 23 Stunden ganz ordentlich, wie ich fand. Mir schien, als flog ich über die Strecke, begleitet von diversen Glückwünschen der überholten Mitläufer, die  mein Fähnchen sahen. Pieep - mein Garmin holte mich mit Kilometer 126 auf den Boden der Tatsachen zurück: Ich war mit stolzer 6:14er Pace über die Strecke "geflogen", es war mir fast vorgekommen wie mein Marathon-Renntempo aus der ersten Hälfte in Wien. Aber so ist das, alles ist halt relativ. Entschlossen, die Runde zum Triple noch zu laufen, drehte ich das Tempo wieder auf die "normalen" 7:20 pro Kilometer herunter. Dann war der Triple geschafft, wieder eine Fahne. Und noch eine gute Stunde für 3,5 Kilometer. Das schaffe ich. Irgendwann ging ich, mich nett mit einem Mitläufer - oder war es ein Wiedergänger (Achtung - Wortwitz!) unterhaltend und ich hatte die 130. Noch gut 800 Meter bis zum Zelt, dann die Klappstühle aufgestellt und hin gesetzt. Endlich! Nicht mehr aufstehen müssen, das Messrad würde in einer viertel Stunde losrollen.
Claudia kam dann auch und setzte sich auf ihren Stuhl, der einen Meter weiter in Laufrichtung stand. Und überholte mich damit noch, denn auch ihr war noch dieselbe Rundenzahl gelungen. Das hat sie verdient, denn für eine Frau ist die Leistung immer höher zu bewerten.
mit Claudia und Ricarda Bethke

Mein Dank gilt hier wirklich den Organisatoren um Bernd Nuß, die hier bereits zum achten Male eine solch magische Nacht auf die Beine gestellt haben. Irgendwas macht das Ultra-Laufen mit einem, irgendetwas, was nur der verstehen wird, der deutlich mehr als den Marathon und durch die Nacht gelaufen ist. Jeder Wunsch wurde einem von den Augen abgelesen, eine Top-Verpflegung lag bereit und viele viele ehrenamtliche Helfer, teilweise Jugendliche, haben sich für uns grenzdebile Individuen die Nacht um die Ohren gehauen. Ganz dickes Lob. Aber auch für den einmaligen Sportsgeist, der auf solchen Veranstaltungen herrscht. Es gibt kein Konkurrenzdenken, nur ein wundervolles Miteinander. Man hilft sich, man lobt sich, man gratuliert sich und man leidet auch einfach gemeinsam, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Entweder Du läufst, Du gehst oder Du hörst auf. So einfach kann der Sport sein.

Ach ja, Jens hat die 100 Meilen geschafft, mit heftigsten Schmerzen und zueletzt im Schneckentempo hat er es durchgezogen. Und dann aufgehört. Obwohl noch Zeit war. Auch das ist Größe und Vernunft. Günter hat die 100 Meilen auch geschafft.

Wir wissen nun, dass wir die 100 Meilen in Berlin schaffen können. Können, nicht müssen. Denn auch 31 Restkilometer können noch weit sein.....