Sonntag, 12. März 2017

Woche 14:Vor dem Start ins Trainingslager



Kaum war es am Wochenende warm, wurde es zu Wochenbeginn wieder kalt. Dauerregen am Nachmittag, der aber wieder rechtzeitig zum Bahntraining aufhörte, hatte die Luft auf unter 8 Grad abgekühlt, die Nässe tat ein Übriges, das Kälteempfinden noch ein wenig mehr herauszufordern. Trainer Roman war mal wieder da und erörterte uns das bevorstehende Bahntraining. 6-7 x 600 m gesteigert, dass sollte heißen alle 200 m einen Gang hochzuschalten, bis die letzten 200 kurz unter der Vollgasgrenze gelaufen werden würden. Da der „Captain“ Mathias wieder da war. Georg von der LG Mülheim leistete Ralf und mir heute Gesellschaft. Zu dritt bremsten wir die ersten 200 m, wurden dann den Tacken schneller und gaben im letzten Drittel dann Gas. Das Perfide war, dass das letzte Drittel auf der Gegengeraden weitgehend im Gegenwind stattfand. Dennoch brachten wir es mehrfach gut hinter uns. Ruck zuck hatten wir 4 erledigt und waren bereits beim vorletzten, immer schön in konstanter Geschwindigkeit. 600 Meter sind eigentlich eine schöne Distanz, durch die erneute Unterteilung der 200-Meter-Abschnitte in Gerade und Kurve wird es recht kurzweilig, wie ich finde. Und die Endbelastung bei vorheriger Schonung simuliert recht schön eine längere Tempoeinheit. Die Wiederholungen machten mir nicht viel aus, fast fand ich es schade, dass wir keine 7 mehr schaffen würden, ehe der Captain raketengleich seine 7 absolviert haben würde.
Wir haben wirklich eine schöne Gruppe am Montagabend zusammen. Man motiviert sich gegenseitig, unabhängig von den erheblich unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Denn hier kann ja niemand weiter als 200 m der Gruppe davonlaufen.
Dienstag Stabi-Training, diesmal erneut mit Sigrid. Aber diesmal ohne Übungen, die mich ärgern würden.
Über den Donnerstag, zwei Tage vor dem Abflug ins Trainingslager, muss ich nicht viel sagen. Wir liefen gute 9 Kilometer und machten einige Tempowechsel und viel Lauf-ABC unterwegs. Eine Einheit, mit der ich normalerweise nicht viel anfangen kann, aber die ich in der „Erholungswoche“ zwischen Wettkampf und Trainingslager einmal akzeptiere. Der Schleifer wunderte sich unterwegs schon, warum ich nicht so viel meckern würde. Das hatte ich schon vorher über das erneut nasskalte Wetter erledigt. Ich weiß, dass ich meinen Mitläufern im Moment viel zumute, aber so ist es leider. Ich komme ziemlich genervt aus der Firma quasi direkt zum Training und kann dann nicht so recht schnell umschalten.  Andererseits tut es gut, sich einmal zu verausgaben und danach mental „leer“ zu sein, um die ganzen Belastungen des Berufes nicht im Kopf mit nach Hause zu nehmen. Dazu reichte die Belastung am Donnerstag dann doch nicht aus. Dafür aber die anschließende Belastung vor dem TV-Gerät, als unsere Blauen im deutsch-deutschen Duell der Europa-League im Fußball glücklos gegen die Borussia vom Niederrhein agierten.
Freitag kam ich dann natürlich wieder nicht so pünktlich wie gedacht aus dem Büro, so dass kaum Zeit zum konzentrierten Kofferpacken blieb. Um drei Uhr weckte uns dann das Radio, denn um 4 war das Taxi bei Yvy in Homberg bestellt, dass uns zum Flughafen bringen sollte.
So geht es dann in die Trainingslagerwoche, wo der letzte Feinschliff in der Tempoarbeit bei hoffentlich warmen Temperaturen erfolgen soll. Ich freue mich auf die Woche mit vielen Lauffreunden und wieder einigen neuen Gesichtern, auch wenn der Schleifer-Sven diesmal nicht mit von der Partie ist.

Ich freue mich einfach auf eine Woche des Abschaltens, der Fokussierung auf Erholung und Trainingsbelastung und auf WÄRME!




Sonntag, 5. März 2017

Testwettkampf und Zweifel in der 13. Woche

Die dreizehnte Woche - und darin der Wettkampf, der mich im letzten Jahr mit einer Verletzung fast für Kapstadt aus der Bahn  geworfen hätte. Auch diese Woche stand ja noch im Zechen der "Planänderung mit Vorsicht" "Bahntraining nur, wenn Du Dich wirklich gut fühlst".
Dazu war Rosenmontag, was  mich als traditionellen Karnevals-Abstinenzler nicht so wirklich stört. Dafür jedoch ein freier Tag, denn wir arbeiten an diesem Tage nicht. Gegen Nachmittag setzte dann starker Regen ein, der auch gegen 18:00 Uhr nicht aufhören wollte. "Nur, wenn Du Dich gut fühlst..." Das tat ich jetzt beim Blick aus dem Fenster nicht gerade. Aber das Regenradar zeigte, dass etwa um 19:00 Uhr, also pünktlich zum Trainingsbeginn, der Regen passé sein sollte. Also brachte ich meinen Schweinehund zum Schweigen und machte mich mit Claudia auf die Fahrt nach Duisburg. Der Regen pladderte nur so gegen unsere Autoscheiben
Wer hätte da nicht Lust, zum Bahntraining auszusteigen?
und auch um 18:50 Uhr auf dem Parkplatz vor dem LA-Stadion war kein Ende in Sicht. Dennoch waren 13 unenetwegte Ausdauerschüler zusammen gekommen, um Trainerin Sabines Anweisungen zu lauschen. Und siehe da, pünktlich hörte der Regen auf und wir konnten uns auf die Einlaufrunde machen. Heute wurde wir mit 3 x 1200 m gesteigert (auf den letzten 200 Metern nochmal richtig Vollgas) mit 400 m Trab dazwischen, gefolgt von 3 x 200 m gesteigert mit 200 m Traben malträtiert. Wie eigentlich immer verschwand das etwas steife Gefühl in der Muskulatur beim Einlaufen (dafür macht man das ja wohl) und los ging es. Die Trainingsgruppe vor uns verließ gerade die Anlage wie begossene Pudel und beneidete uns wohl ein wenig für den Trainingsstart im trockenen. Die 1200 gingen ganz ordentlich, auch am Ende hatte ich noch etwas von der Energie, die ich mir auf den ersten 1000 versucht hatte aufzusparen und konnte beschleunigen. Leider musste ich mir nach den ersten 600 Metern einen Schuhe zubinden, so dass die Zeit des ersten nicht repräsentativ sein konnte und ich dann nachher natürlich alleine laufen musste, da meine Gruppe natürlich weg war. Machte aber nix. Es gelang mir immer noch, auf den letzten 200 Metern die Pace um 15 Sekunden hoch zu ziehen. Großen Spaß machten sogar die 200er, auf denen man etwa alle 50 Meter das Tempo anzog. Im letzten wollte Marco sich offensichtlich ein Rennen mit mir liefern, ich merkte schon zu Beginn der letzten 100 Meter, dass er nah am Limit lief, aber mein Turbo wurde ja erst auf den letzten 50 Metern gezündet. Solche Spielchen gehören dazu und machen dann auch mal den Spaß beim Bahntraining aus. War ja auch Rosenmontag.
Dienstag beim Zirkel stand viel Koordination mit Leiter, wackligen Unterlagen, auf denen man stehen und Bälle fangen bzw. werfen musste, auf dem Plan. Machte auch Spaß, nachdem ich zuletzt ja manchmal nicht so beglückt gewirkt hatte. Mittwoch endlich mal wieder einen Tag Pause, denn vor der Winterlaufserie stand keine weitere Einheit an.
Donnerstag dann die üblichen "2x 1000 m Renntempo" in der Ausdauerschule, die bei mir mit gefühlt gebremsten 4:02 natürlich wieder viel zu schnell. 4:02 beim 15er am Samstag.....wäre Selbstmord. Zumal es ja wieder nur ein schneller Trainingslauf werden sollte.
Freitag hatte ich ja dann ein wenig Zeit, zu rekapitulieren. Was wollte ich am Samstag laufen? Referenzlauf ist für mich der Silvesterlauf Werl-Soest. Am 31.12. bin ich eine flache 1:05 auf die 15 Kilometer auf der dortigen relativ welligen Strecke gelaufen, nahe an  meinen damaligen 100%. Ich sollte diese Zeit am Samstag in Duisburg also auch  laufen können, müsste mich dabei aber dann ja deutlich besser fühlen. Das wäre eine Pace zwischen 4:20 und 4:23, die ich auch ansagte, laufen zu wollen, wobei ich im Kopf schon eher die 4:20 hatte. Denn das Training sollte ja nun, zwei Monat später, deutliche Früchte getragen haben. Erwartete ich zumindest. Claudia würde nicht mitlaufen, sie hatte den Plan ja nicht geändert und hatte den 35 Kilometer-Lauf in GAT 1 uf dem Plan. Sie wollte zur Winterlaufserie hin laufen, dort duschen und einfach dann unseren Laufkolleginnen und -kollegen zusehen und ein paar Bilder machen.
Das Wetter versprach gut zu werden. Bis zu 15 Grad und trocken, was will ich "Frierpitter" mehr. Dennoch packte ich mir die Armlinge zum Tanktop ein, zog die aber letztlich nicht an. Auch ärmellos fror ich nach dem Warmlaufen nicht. Andreas wollte mit mir laufen, beim 10er hatte er sich ja auch schon an mich gehängt, er zweifelte ein wenig, ob er 4:20 würde halten können, aber ich sprach ihm Mut zu, mit seiner guter 10er Zeit vor fünf Wochen sollte das gehen. Natürlich nahmen wir uns wieder vor, im ersten Drittel nicht zu schnell zu sein. Los ging es. Der Startschuss nach dem Countdown entfiel irgendwie, war aber ja auch egal. Man ist ja dann gleich in einem gewissen flow und macht mit sich selbst aus, ob man das Tempo nun als zu anstrengend für die nächste Stunde empfindet. Nun, 4:12 für den ersten Kilometer war definitiv zu schnell."Wir müssen langsamer werden". Gesagt, getan. Oder auch nicht. Der zweite Kilometer von der Kruppstraße am Stadion auf die Masurenallee steigt nämlich durchaus ein wenig an, wir vollendeten ihn ebenfalls bei 4:15, also immer noch 5 Sekunden zu schnell. In Summe waren das nun schon 13 Sekunden. Wenn das mal gut geht. Die Strecke beim 15er teilt sich grob in drei Teile. Kilometer 1 - 5 verlaufen relativ eben, von einer leichten Steigung zu Beginn der Masurenallee abgesehen, und auf relativ glattem Asphalt. Ab Kilometer 5 beginnt der Wald um die Sechs-Seen-Platte. Hier geht es, anders als beim 10er, um den Hügel mit dem Aussichtsturm herum, hier wird es schmal und zudem etwas wellig. Ich wusste, dass wir da automatisch Tempo verlieren würden, das wollte ich hinnehmen und nicht dort meine Körner verballern, indem ich meiner Plan-Pace hinterher laufe. Ab Kilometer 11 führt uns der Weg dann wieder drei Kilometer auf dem Radweg der Masurenallee und dem Kameraweg der Regattabahn zurück, hier kann man Tempo machen, wenn man die Kraft nicht zuvor im Wald gelassen hat. Leider merkte ich bereits ab Kilometer 4, dass mir das Bremsen nicht mehr so schwer fiel. Ich sehnte den Wald förmlich herbei, um langsamer werden zu können. Obwohl ich ja weiß, dass das nicht weniger anstrengend wird, dort in 4:30er Pace durch zu laufen. Dazu hatte ich einen elend trockenen Hals. Kein Wunder. Ich hatte gegen 9 Uhr eine Tasse Kaffee zum Frühstück getrunken, Am Freitag Abend auch nichts mehr nach dem Kaffee um 16 Uhr. Meine volle Trinkflasche hatte ich am Rucksack und nicht angrührt. Kommt davon, wenn man vor dem Lauf nur mit anderen Leuten quatscht. Somit war der 5. Kilometer dann schon mal mit 4:22 langsamer als die angepeilten 4:20. Und da war das Geläuf noch gut. Ich sagte Andreas, er solle laufen, ich würde etwas Tempo herausnehmen. Es ging auf den berüchtigten Kilometer 7, der auf und um den Aussichtshügel führt. Mit 4:29 ging der sogar noch gut. Dann, kurz vor dem kurzen, steilen bergab Stück, kam die Angst. Hierb hatte ich mir im letzten Jahr irgendeinen Nerv im Iliosakralgelenkk verklemmt, konnte nur noch langsam ins Ziel humpeln. Irgendwie spürte ich schon wieder ein ziehen, diesmal auf der anderen Oberschenkelrückseite. Einbildung oder nicht, ich war bergab vorsichtig und ließ nicht laufen. Nur den vorderen Fuß nicht zu weit vor dem Körper aufsetzen, vor allem nicht unten in der scharfen Rechtskurve. Dann war der "Berg" hinter mir, Andreas lief nur noch 5 Meter vor mir, ich konnte wieder aufschließen. Kilometer 8 wurde auch wieder eine 4:22, aber schon gefühlt mit einiger Anstrengung. Das Überpacen zu Beginn - rächte es sich? Das durfte eigentlich nicht sein, dann das musste ich wohl drauf haben. Oder nicht?
Ich nahm mir vor, am Getränkestand einen vollen Becher Wasser zu trinken und dafür stehen zu bleiben. Das würde 10-15 Sekunden kosten, dafür hätte ich aber dringend benötigte Flüssigkeit. Ob die auf 6 Kilometern noch was ausrichten würde, wusste ich nicht. Aber ich bildete es mir ein. Andreas war damit natürlich wieder weg. Kilometer 9 mit 4:37 einschließlich Anhalten und Trinken dann wohl auch in der erwarteten Zeit. Aber das Ende des Waldes war wieder in Sicht, die Leute vor mir kamen auch wieder näher. Ich hatte Hoffnung, dass auf der Masurenallee und der Regattabahn wieder die Post abgehen könne, auch wenn meine Beine sich hier nicht so anfühlten. 4:29, 4:26, dann war der Waldbogen mit den welligen Wegen Geschichte und ich trabte wieder auf einem Asphaltierten Radweg dem Ziel entgegen. Auch das psychologische Element, auf dem "Rückweg" zu sein, ist normalerweise nicht zu unterschätzen. Ein glatzköpfiger Laäufer im Vivawest-Shirt lief neben mir und keuchte zum Gotterbarmen. Das ging mir auf den Geist, ich wurde schneller und er bleib zurück. Alles andere hätte mich bei der Geräuschkulisse auch gewundert. 4:18 war auch dann wieder eine gute Kilometer-Zeit, als die Regattabahn näher kam. Aber dort lief es nicht mehr so glatt weiter. Es kostete mich einige Mühe, auf dem Kameraweg, genau dort, wo ich am Donnerstag die zweiten 1000 m im Training noch locker 4:02 gelaufen war, die Pace von 4:21 zu halten. Die Brücke und die kleine Senke am Spielplatz kosteten im 14. Kilometer weitere 3 Sekunden, nur 4:24. Hier, wo ich eigentlich eine Schippe drauf legen wollte.
Ich wollte mich nicht herunterziehen lassen, es war ja nur ein Trainingslauf, und soweit meine Rechenkünste es zuließen, war ich ja noch im Bereich der 1:05. Und scheinbar verlieh mir der letzte Kilometer dann doch wieder Flügel. Schnell war die Friedrich-Alfred-Straße mit ihrem schlechten Asphalt Geschichte, es ging bereits Richtung Stadioneinlauf. Hier standen unsere Freunde aus der Ausdauerschule, auch Trainer Roman feuerte mich noch einmal an. Dann die Tartanbahn, hier werde ich immer automatisch schneller. Es reichte für eine 3:55 auf dem letzten Kilometer. 1:05:23 zeigte meine Uhr. Etwas langsamer als in Soest im Ziel. Gefühlt nicht weniger anstregend. Ziel verfehlt! Das war mein spontaner Gedanke. Ehe ich ihn zu Ende denken konnte, kam Andreas knapp unter 1:06 ins Ziel. Neue Bestzeit, Ziel erreicht und somit meines als Pace erfüllt, auch wenn es im Wald eher von hinter erledigt werden musste, denn erst auf dem Radweg hatte ich ihn wieder.
Nach und nach kamen unsere anderen Lauffreunde ins Ziel, auch Claudia war es gelungen sich hinein zu schmuggeln. Es war schön, sich nicht sofort etwas Warmes anziehen zu müssen. Andreas bedankte sich erst einmal für die Pacerdienste. Aber hatte ich jetzt eine relevante Erkenntnis gewonnen? Ja, ich war am Ende nicht auf der letzten Rille gelaufen, sondern hatte die letzten 4 Kilometer "einfach laufen lassen". Das empfand ich schon als anstrengend, mein starker Wille kam hier aber noch nicht um Einsatz. Insofern wäre eine 1:04er Zeit sicher im Bereich des Möglichen gewesen, wenn ich dann noch den Stillstand von 14 Sekunden am Wasserstand berücksichtige, den ich mir mit ausreichender Hydrierung vor dem Lauf hätte sparen können. Eine 4:10 oder 4:12 hätte ich zwingen können auf dem Kameraweg der Regattabahn. Wirklich? Man weiß es ja nie so genau. Aber meine klare Strategie ist es, mich nicht auf Trainingswettkämpfen völlig "abzuschießen". Insofern wollte ich dann einmal zufrieden sein, zumal viele Läufer über Kreislauf oder Magenprobleme klagten. Es war wohl wieder zu schnell zu warm geworden, ein Problem was in unseren Breiten ja leider häufiger auftreten kann.
Dass ich  ich dann am Samstag Abend mal wieder vorhersehbar über meinen Lieblingsverein ärgern musste, kam erschwerend dazu und hob meine tendenziell mäßige Laune nicht.
Sonntag dann noch einmal 50 Minuten GAT 1. Ich ging mit etwas Skepsis in die Einheit, denn ich hatte mich ja am Samstag schon ein wenig verausgabt und das war gerade 19 Stunden her. Aber als ich den ersten Kilometer gelaufen hatte und auf die Uhr sah, zeigte diese 4:44. Ging relativ gut. Den zweiten Kilometer dann gar in 4:40. Da ich mich für die glatt asphaltierte Runde durch die Vierbaumer Heide entschieden hatte, hatte ich zunächst einen Kilometer seitlichen Rückenwind. Der war dann gleich mal 4:30. Es lief irgendwie. Am Ende standen die 10 Kilometer in 46:02, keine schlechte Zeit für ein GAT 1-Training. Und ich war nicht am Ende, sonder relativ gut durchgelaufen, ohne auf das Halten des Tempos achten zu müssen. Nach der Anstrengung gestern beim 15er kein schlechtes Erlebnis.
 Somit sind beginnende Zweifel erst einmal wieder zerstreut. Aber zurecht? Entwickle ich mich, oder stagniere ich gerade? Bleibt mein beruflicher Stress, den ich jetzt schin fast die gesamte Zeit meines Trainingsplanes parallel habe, irgendwann doch negativ aus? Und ist es weiter richtig, in den Wettkämpfen nicht das letzte herauszuholen, um das Training konsequent auf hohem Niveau halten zu können? Fragen über Fragen, die ich mir im Moment nicht beantworten kann. Eines ist klar. Ich habe mich diesem Trainingsplan verschrieben, eine Korrektur kann und wird es nun nicht mehr geben. Grundsätzlich läuft es ja. Und in einer Woche kann ich im andalusischen Trainingslager endlich einmal völlig abschalten und bei warmem Wetter trainieren. Warten wir das mal ab.


Montag, 27. Februar 2017

Planänderung mit Vorsicht

Die letzte Woche der ersten drei Monate ist angebrochen. Normalerweise entspricht das einer kompletten Marathonvorbereitung. Wir hatten uns dieses Mal für 4 Monate entschieden, einfach, weil es besser in den Trainings- und Kurszyklus der Ausdauerschule passt und mit dem Beginn des Bahntrainings in Duisburg zusammenfiel. Ich hatte am Sonntag in der letzten Woche einige Überlegungen angestellt, da der Trainingsplan nicht mit dem anstehenden 2. Lauf der Winterlaufserie korrespondierte, den ich allerdings auch ursprünglich nicht als Vorbereitungslauf im Plan hatte. Dennoch würde ich den gerne als Tempodauerlauf nutzen, also musste der 35-Kilometer-Long-Jogg und die 70 Minuten GAT 1 an den Wochenenden getauscht werden. Da ich ja kein Diplomierter Sportwisenschaftler bin und Schleifer-Sven sich ja etwas beim Programm gedacht hat, maile ich ihn also an und frage, was ich verändern solle. Die Antwort kam wie gewohnt prompt:
"Hallo Thomas,
dann bitte am Donnerstag den TDL nur in GAT2 (untere Grenze) Laufen und am Sonntag statt der 50min DL lieber 35min REG.

In der Woche darauf dann Bahntraining nur wenn Du Dich wirklich Fit Fühlst sonst Montag frei und Dienstag 60min DL vor dem Stabi. Am Sonntag nach dem 15km WLS Lauf bitte 50min GAT1.
Alles klar ;-)!
Viele Grüße aus ****
Sven"

Also hieß es basteln. Aber der Montag des Bahntrainings war ja zunächst nicht betroffen. Da der Schleifer ja offensichtlich auf Reisen war, stand Trainerin Sabine am Montag erstmals vor unserer Gruppe am LA-Stadion und verkündete "8-12 mal 400 Meter mit 200 Meter Trabpause!" Nun sind 8-12 eine große Spannweite, sie erklärte dann aber, dass alle aaufhören würden, sobald der erste seine 12 Intervalle absolviert haben würde, das wären für die langsamsten dann halt etwa 8. Ich schaute mit Mark auf Rakete Mathias und wir kamen gemeinsam auf 11, die wir dann wohl schaffen würden. 400 Meter sind für mich ein positives Intervall, man ist ja nach einer Runde bereits fertig. Andererseits werden die auch in hohem Tempo gelaufen. Egal, nach der großen Warmlaufrunde um den Sportpark standen wir auf der Bahn. Sabine wollte uns filmen und uns die Filmchen in super-Zeitlupe zusenden, damit wir auch einmal unseren Laufstil kritisch beäugen könnten. Eine gute Idee, es sind auch schöne Aufnahmen dabei herausgekommen. Aber deshalb waren wir ja nicht da, auch wenn die Oscar-Verleihungen ja demnächst anstehen. Gemeinsam mit Mark einigten wir uns auf ein Mindestziel von 90 Sekunden. Los ging es. Nach 200 Metern waren wir bei 40 Sekunden. Also langsamer, es kamen ja noch ein paar. Irgendwie klappte es nie. Nach dem ersten waren wir bei 83 Sekunden, pendelten uns dann bei 85 Sekunden ein, Mathias war natürlich deutlich schneller, so waren wir tatsächlich nach 11 Intervallen fertig. Claudia schaffte mit Heike und Yvy immerhin 10. Schön war, dass wir am Ende nicht nachließen und den letzten auch noch in 84 Sekunden laufen konnten.



Dienstag stand zum ersten Mal seit den letzten Wochen wieder ein Lauf über 50 Minuten GAT 1 außerhalb der gemeinsamen Trainingseinheiten an. Ich fuhr also endlich mal wieder pünktlich um 16:30 Uhr nach Hause, dann konnte ich um kurz nach 17 Uhr loslaufen. Inzwischen brauche ich keine Stirnlampe mehr, es sollte bis etwa 18 Uhr hell genug sein, so dass ich mal wieder die Waldseerunde wählte. Hier im Wald ist das Geläuf natürlich ein wenig langsamer als auf Asphalt oder guten flachen Schotterwegen. Dennoch wollte ich mal wieder durch den Wald, den ich in der Dunkelheit wegen der Verletzungsgefahr gemieden hatte. Die Sonne schien, senkte sich aber langsam. Die Temperatur war durchaus angenehm, ich hoffe mal, dass der ganz tiefe Winter nun Geschichte ist. Ich lief locker los, war aber bereits nach dem dritten Kilometer wieder bei 4:38er Pace. Je nach Strecke (Autobahnbrücke, matschiger Weg) ging es dann mal auf 4:54 hinunter, um dann wieder bei 4:36 zu landen. So kam es dann, dass ich die 50 Minuten auf der ausgewählten Strecke nicht ganz erreichte, sondern nach 9,7 km und knapp 47 Minuten wieder vor unserer Haustüre stand. Läuft ja scheinbar. Nach dem Abendessen ging es dann nach Duisburg zum Stabi-Training. Trainerin Sigrid getaltete das Programm und brachte mich damit wieder auf die Palme. Was aber definitiv nicht an Sigrid liegt, die stets ein tolles Angebot fachkompetent begleitet. Nur setzt sie halt für meinen Geschmack zu viel auf Sprungkraft und Beinarbeit. Wenn ich aber in der Woche trainiere, tue ich für mich genug für die Beine. Ich möchte hier meinen Rumpf und die Rückenmuskuatur stärken, wie es beispielsweise bei Nils oder Roman auch schwerpunktmäßig auf dem Programm steht. Spätestens beim Hampelmann mit kleinen Gewichten in den Händen wurde ich bockig und machte auf der Matte meinen eigenen Übungen, wenn Übungen mir gegen die Überzeugung gingen. Ich hoffe Sigrid nahm es mit Humor, es ist wirklich nicht gegen sie gerichtet. Ich wünsche mir halt nur andere Schwerpunkte, aber es hindert mich ja keiner, die dann selbst zu setzen.
Donnerstag war Altweiber. In den Karnevalshochburgen bei uns am Rhein Ausnahmezustand, beginn des Straßenkarnevals. Damit hatte ich noch nie viel am Hut, also hieß es auch für mich nach der Arbeit zum Training. Orkantief "Thomas" wütete mit heftigen Windböen, so dass Trainer Roman uns eine Teilnahme frei stellte und auf die Gefahren an der baumumsäumten Regattabahn hinwies. So ganz viele waren wir nicht, was wohl auch am Wetter lag. Mein Namensvetter brachte nämlich auch immer wieder heftige Regenschauer. Für uns stand ein 40 Minuten Tempodauerlauf auf dem Plan, ich sollte ja am unteren Ende GAT 2 bleiben, das wäre so Marathonrenntempo. Also stellte ich mich auf 4:30 ein. Gut, dass der Wind im rechten Winkel quer über die Regattabahn blies.
Als wir nach dem Aufwärmen und kurzer Gymnastik startenen, lief ich zunächst mit Mathias los. Ein Fehler, denn der wurde rasch zu schnell. Ich ließ ihn laufen, was ja die ersten Meter immer das Schlimmste ist, eine bewusste Lücke entstehen zu lassen. 4:25 für den ersten Kilometer war denncoh nicht das untere Ende meines ohnehin engen GAT 2-Bereiches. Nachdem ich mich über 4:24 auf 4:21 im dritten Kilometer gesteigert hatte, bremste der 4. Kilometer dann spätestens auf der zweiten Hälfte im Gegenwind, nein Gegensturm dann doch eher deutlich ab. Nach zwanzig Minuten sollten wir umdrehen, uns so dann nach 40 Minuten wieder einigermaßen gleichzeitig an derselben Stelle enden können. Ich sah aber irgendwie niemanden mehr. Mathias war außer Sicht, hinter mir Trainerfrau Esther und Manuel mit Markus beim Umdrehen nicht zu sehen. Ich muss ein einsames Tempo gelaufen sein. Zurück ging es wieder an die Regattabahn, das kurze Rückenwind-Stück hielt ich mich zur Erholung mal mit ständigem Blick auf die Uhr bei 4:30. Der Trainer riet mir die Zurückhaltung ja nicht umsonst. An der Regattabahn tauchten dann auch vorne wieder die ersten Läufer unserer Truppe auf. Dadurch wird man wieder schneller, denn man hat ja zu überholen. Besonders, wenn man sich schwer tut, die eigene Frau zu überholen. Klappte dann aber doch noch.  4:22, 4:28 und 4:25, dann waren die 40 Minuten schon um. Ich schätze einmal, ich bin so um die 4:25 auf knapp 9 Kilometer gekommen, eine gute, wenngleich etwas zu schnelle Pace.
Samstag stand der 35 Kilometer GAT 1-Lauf auf dem geänderten Plan. Da ich ja dank der Planänderung ziemlich alleine damit war, hatte ich mich mit Ex-Ausdauerschulen-Kollege Kosta verabredet. Der trainiert seit über einem Jahr alleine vor sich hin, aktuell auf den Rennsteig-Supermarathon und ist für lange Läufe immer zu haben. Unser Tempo passt auch. Mark und sein Bruder Lars wollten sich dann auch dazu gesellen, so verabredeten wir uns für 9:30 Uhr an der Rheinfähre Orsoy - Walsum (www.rheinfaehre-walsum.de) . Kosta sollte mir einmal "seine" Rheinseite, den Rheinbogen um Voerde und Dinslaken bis vor die Lippemündung zeigen. Das ist so nah und doch so weit weg. Zunächst fiel mir ein, dass ich ja seit dem Trail des 600 Boitheux keinen Getränkegurt mehr habe. Den hatte ich nämlich da hängen lassen. Ein Schluck Wasser unterwegs wäre bei 35 km jetzt nicht so falsch. also nahm ich mir meine Brooks-Faltflasche mit und befestigte sie an meinem Gurt mit den Flex-Taschen.  Ich habe so etwas über zwei Kilometer bis zur Fähre zu laufen, für einen Euro darf man zu Fuß übersetzen. Leider hatte ich dann schon drei Kilometer auf der Uhr, denn da die Fähre natürlich gerade weg war, musste ich ein wenig hin und her pendeln, wollte ich nicht angeschwitzt im Wind stehen.
Dann trabten wir los. GAT 1 auf dieser Strecke hieß so 5:15-5:10 für mich, man kann aber durch aus langsamer beginnen, denn man wird ja später ohnehin zumeist schneller. Durch Alt-Walsum mit seine dörflichen Charakter ging es über die Römerstraße Richtung Dinslaken-Eppinghoven, dann weiter am STEAG-Kohlekraftwerk vorbei Richtung Voerde. Ich hatte einen nassen Hintern, da meine Faltflasche offensichtlich nicht richtig dicht war. Also musste ich sie in der Hand halten. Mark und Lars mussten etwas früher zurück und bogen kurz vor Fiedrichsfeld wieder Richtung B8 ab, wir setzten unseren Weg bis kurz vor die Lippe fort und bogen dann Richtung Spellen ab. Nun kam der Wind immer von schräg oder ganz vorne, gleichzeitig wurde die Strecke offener. Dennoch wurde ich immer schneller, da Gegenwind ja scheinbar den Charakter formt. Ich trank den letzten Rest und warf die undichte Flasche dann an einer wohl nur 3 Mal täglich anzufahrenden Bushaltestelle kurz hinter Spellen weg. War ja eh undicht. Kosta musste mich immer wieder bremsen, denn ich neigte immer dazu, Richtung 5er Pace zu laufen. Das ist schön, wenn man so fit ist, und das kann. Aber Montag ist bereits wieder Bahntraining und ich sollte mich nicht kaputt laufen. Also bremsten wir wieder. Irgendwie würden wir an der Fähre dann schon 36 Kiometer auf der Uhr haben, also rief ich meine Tochter an, mich von da abzuholen. Denn ich wollte nicht auf knapp unter 40 km kommen. Das ist dann die Zone, in der der Körper unverhältnismäßig länger zum Regenerieren braucht. Ab Kilometer 35, es waren dann doch noch zwei bis zur Fähre, wurden wir dann wirklich langsam und betrieben aktiven Laktatabbau. Auf der Fähre durfte ich mich dann kurz in den Aufenthaltsraum des Kassierers setzen, um nicht im Zug zu stehen. Dann wartete schon mein liebes Töchterchen mit ihrem Auto auf mich. Insgesamt wurden es 37 km im Schnitt von 5:14 mit einschließlich der zwei Kilometer auslaufen. Ich konnte zufrieden sein.
Leider scheint mein Körper diesen längere Dinger dann doch nicht mehr so gewohnt zu sein, denn am Sonntag lief die halbe Stunde regeneratives Laufen nicht so rund. Gut, ich war mit 5:17 auch wieder am oberen Limit meines Regenerationsbereiches, aber irgendwie wollte die richtige Freude unterwegs nicht aufkommen.
Die kilometerreichste Woche mit insgesamt 77 Kilometern der Vorbereitung liegt nun hinter mir, wenn ich einmal vom anstehenden Trainingslager absehe. Das ist nicht viel, wenn man aber das hochintensiver Tempo bedenkt, ist die Belastung für Kopf und Körper schon nicht ohne. Der lange Lauf, nach dem mir doch ein wenig die Gräten schmerzten, zeigt mir wieder, dass ich nicht jünger werde und mein Körper einfach Umfang und Tempo nicht zeitgleich beliebig erhöhen möchte. A die Verletzung im letzten Jahr erinnert, will ich dann mal weiter vorsichtig sein. Nächste Woche, beim 15er der Duisburger Winterlaufserie, war es im vergangenen Jahr passiert. Passen wir also auf!

Sonntag, 19. Februar 2017

Tempo, Tempo, Tempo......Woche 11 für Rotterdam

Keine 29 Stunden nach dem Zieleinlauf in Bertlich stehe ich schon wieder vor dem Leichtathletikstadion in Duisburg. Bahntraining - wie jeden Montag. Unsere Gruppe ist heute recht übersichtlich. Von der "Bertlichern" fehlen Mark, Heike, Marinja, Mathias, nur Claudia und ich sind am Start. Insgesamt machen wir uns zu sechst auf, eine "Flachdachpyramide" auf die Tartanbahn zu legen. 400 - 800 - 1200 - 1200 - 800 - 400 lautet unsere von Trainer Roman gestellte Aufgabe, dazwischen kurze 200 Meter Trabpause. Nach 2 Einlaufkilometern im Sportpark geht es los. Claudia kommt irgendwie als erste weg und zieht los. Ich starte etwa 15 Meter dahinter. Ich muss sie doch einholen. Nein, sie kommt nicht näher. Was hat die vor auf den ersten 400 Metern? Erst kurz hinter ihr überquere ich wieder die Ziellinie, ich hätte sie in diesem Intervall beim bestne Willen nicht mehr einholen können. 1:29 eine ganz starke Zeit - für meine Frau. Nun, die nächsten nahm sie sich dann wieder etwas zurück, aber sie fand es halt mal toll, im übersichtlichen Starterfeld einmal die Führende zu sein. Kann ja auch mal beflügeln. Dann die 800 Meter. Manuel hat sich zu mir gesellt, ich bin wenigstens nicht wieder alleine. Gemeinsam gehen wir die 800 Meter an. 3:13, für die schweren Beine aus Bertlich von gestern noch ganz ordentlich. Dann die ungeliebten 1200. Weil man ja über die 800 und die 1000-Meter-Grenze hinweg laufen muss. Am Ende geht Manuel ein wenig von der Fahne, so 5-6 Meter. 4:54 stellt mich aber immer noch zufrieden, ist so eine 4:07er Pace. der zweite 1200er wird sogar eine Sekunde schneller, endlich geht es wieder bergab mit den Distanzen. Noch einmal 3:11 für 800, dann eine 1:25 für die 400 Meter. Die letzten also schneller als die ersten. Ich bin ziemlich kaputt, aber durchaus zufrieden. Jetzt erst einmal zwei Ruhetage mit Stabi-Training am Dienstag, dann Donnerstag wieder Tempo. Hier versammeln sich wieder alle üblichen Verdächtigen. Mark kann seine Revanche für die letzten 5 Kilometer am Sonntag bekommen. Peter, Mathias, Michael und auch Martin, der mit mir Rotterdam laufen wird, sind wieder dabei. Es stehen 7 mal Steigerungsläufe über je eine Minute GAT 1/2/3/WKA auf dem Plan, dass heißt Tempo langsam Hochziehen bis zur K***grenze. Das Tempo wird in dieser Gruppe natürlich mal wieder höher als geplant, aber es tut ja jeweils nur zwei Minuten wirklich weh. GAT3 ziehen wir so um die 4:10, später 4er Pace, WKA dann 3:45-3:55. Das klappt ganz gut. Am Ende machen wir die zwei Minuten Trabpause immer so, dass wir führende Läufer zurück traben, bis die Gruppe wieder zusammen ist. So ziehen wir uns nicht allzu weit auseinander. Leichte Schwierigkeiten bereitet uns allen die Schwelle GAT1/2, wo GAT 2 regelmäßig zu schnell beschleunigt wird, was hinten heraus natürlich Körner kostet. Den letzten zwingen wir in 5:13/4:32/3:50 und 3:38. Da ging also trotz des miesen Gefühls noch etwas. Ich merke bei mir, dass sich die Tempoeinheiten unter 4:30er Pace weiterhin nicht gut anfühlen, aber dennoch schneller werden. Es scheint also zu wirken. Mit Peter unterhalte ich mich während wir gerade in GAT 2 eine 4:27er Pace liefen, dass dies ja unser Marathon-Renntempo sei. Peter konnte sich das in diesem Moment nicht vorstellen, ist aber auch eher der "Kurzstreckler". Ich mir in diesem Moment auch nicht, weiß aber, dass das kommen wird und durchaus im Bereich des Möglichen liegen kann. Das waren in dieser Woche noch nicht viele Kilmeter, insgesamt zwanzig bis Donnerstag. Die aber alle in ziemlich anspruchsvollem Tempo. Es sollte der Samstag folgen, auf dem ein langes Intervall auf dem Plan stand.
Wieder eine Prüfung des Trainingsustandes. Erst 15 Minuten Einlaufen,
Foto Thomas Saurusajtis
dann 15 Minuten 5er Pace, dann 20 Minuten MRT 4:30, dann 10 Minuten GAT 3 (so etwa 4:15-4:20), dann nochmal 10 Minuten MRT statt ausruhen, dann noch 20 Minuten 5er Pace. Ein durchaus anspruchsvolles Programm, welches wieder einmal eine gewisse Ermüdung simulieren soll, über die man hinweg dann noch einmal das Marathonrenntempo laufen soll. Darum sind die zweiten 10 Minuten GAT 2 auch die wichtigsten der Einheit. Ich finde diese Einheiten wirklich wichtig. Und Spaß machen sie auch. Denn sie geben mir die Tempohärte, dass sich 4:30 eben nicht mehr wie 4:30 anfühlen sollen. Später, in Rotterdam halt.
So schön diese Tempowechselläufe auch sind, sich machen einsam. Denn es ist immer schwer, in seinem Tempo Laufpartner zu finden. Von Partnerinnen ganz zu schweigen. Zumal alle in der Ausdauerschule aufgrund persönlicher Ziele und Laufplanungen dies auch nicht immer in derselben Woche auf dem Plan stehen haben. Ich hatte mich am Donnerstag mit Michael verabredet, der mich auch schon vor zwei Wochen am Baldeneysee begleitet hatte.
So ging es dann am Samstag mit Claudia wieder in den Essener Süden. Warum wir so weit fahren, nur um 20 km zu laufen? Nun, Marc Böhme's Lauftreff (#bunertlauftreff #jedensamstagamsee #bunertessenbesticht hat immer durch einen regen Zulauf, oft sind über hundert Leute da. Die Runde um den Baldeneysee, auch wenn sie im Moment maximal 16 Kilometer lang ist, da ja die Brücke in Kupferdreh im Moment ersetzt wird, ist flach und asphaltiert, was gut zur Vorbereitung auf einen Stadtmarathon taugt. Und man findet halt oft Laufpartner, von den "Raketen", die in 4:30er Pace die 14 oder 16 Kilometer abspulen, bis zu Leuten, die dies in 6:30 oder 7er Pace erledigen. Vorher und hinterher ist es recht gesellig, meist gibt es noch einen Iso-Drink oder sogar einen Laufschuhtest verschiedener Hersteller. Da fahre ich gerne zumindest alle 14 Tage ein paar Kilometer, ehe ich mir das Programm von dieser Woche alleine antue.
Unterwegs dann der Schreck in der Morgenstunde. Ich hatte meine Uhr vergessen. Leider erst auf der A3 kurz vor dem Kreuz Kaiserberg gemerkt. Und nur noch 35 Minuten Zeit bis zum Start um 10 Uhr. Ich will umdrehen, denn solch eine Einheit ist ohne Uhr im Prinzip nicht zu laufen. Und da Michael am Donnerstag nach Wadenproblemen aussteigen musste, war ich nicht sicher, ob ich mit ihm würde laufen können. Ein Umsteigen mit auf Runtastic wäre auch schwierig, da ich keine Handy-Tasche im bestand habe, von der ich das Display sehen kann. Ich will Umdrehen, Claudia hat Panik, zu spät zu kommen und Ihre Gruppe zu verpassen. Ich gebe klein bei, plane bereits, nur eine lockere Runde zu laufen und die Tempoeinheit am Sonntag dann alleine zu Hause zu machen. Meine Laune sinkt bereits auf den Nullpunkt. Ich bin im Moment sowieso die ganze Woche extrem gestresst und genieße das Lauftraining als Abschalt- und Ablenkungszone. Nun habe ich da auch Stress, reagiere vielleicht auch über. Nun, unser Streit ist schnell wieder beigelegt, ich fahre ja weiter. Und wenn die Frau Recht bekommt, ist ja alles gut.😉
Foto Thomas Saurusajtis
Am See habe ich dann Glück. Michael ist da und kann es versuchen, auch Peter, Andreas und sogar Esther, des Trainer Romans Gattin und ebenfalls eine gute Läuferin, wollen sich mir anschließen. Zu Beginn ist auch noch Gregor dabei, der verabschiedet sich aber, als wir auf MRT beschleunigen. Ich stellte also mein Handy auf Ansage alle Minute, die nette Dame sollte mir alle Minute die Pace ansagen. Ich war aber skeptisch, das sollte sich ob der jeweils angesagten Pace auch bestätigen. Denn nur die Kilometerangaben waren zu gebrauchen, alle Minute wurde nur der Gesamtduchshnitt als Pace angezeigt, eine Ansage aus dem Bereich "unnützes Wissen" in diesem Training also. Wegen meiner Begleiter konnte ich aber jetzt ja "blind" mitlaufen. Esther zweifelte ein wenig, ob sie die für sie ungewohnte Kilometerzahl und die hohe Pace zwischendurch würde halten können. Ich halte das für Tiefstapelei, immerhin war sie Mitglied der Nationalmannschaft im Orientierungslauf und da recht erfolgreich. So sind wir Läufer halt. Nach einer viertel Stunde ging die Steigerung auf die 5er Pace ganz gut und irgendwie von alleine.
 Es geht auf dem Radweg Richtung Holzbrücke. Michael sagt ganz gut die Pace an, es kommt so aus, dass wir mitten auf der Brücke auf GAT 2 beschleunigen sollen. Wir nehmen die Rampe ans Hardenbergufer,
Mit Gregor und Michael auf Aufholjagd zu Peter, Andreas  und Esther
Foto Thomas Saurusajtis
Andreas, Peter und Esther die Treppe und damit erschleichen sie sich einen kleinen Vorsprung. Das motiviert uns natürlich, Michael, Grgor und ich ziehen hinterher. Die zweifelnde Ester macht bei 4:35 einen guten Eindruck. Langsam kämpfen wir uns mit 4:30er Pace heran und ich mahne zur Vorsicht. Nicht dieses GAT 2-Intervall ist wichtig, sondern das übernächste, nach dem GAT 3-Abschnitt. Dann zeigt sich, wie die GAT 2 in 4:30 laufen. Das Hardenbergufer ist ideal für solche Tempoeinheiten, durch die Kurven und die steilen Hänge liegt es niemals über die ganze Strecke im Wind, zumal ist es flach und mit gutem Straßenbelag versehen. Dann ist es soweit, die 10 Minuten GAT 3 stehen an. Wir beschleunigen nochmal, sind erst etwas zu schnell und pendeln uns dann bei 4:15er Pace ein. Das geht bei mir überraschend gut. Andreas zieht einsam nach vorne weg. GAT 3 ist wohl eher seine Spezialität. Ich lasse mich nicht locken, bin fokussiert auf die nächsten 10 Minuten GAT 2 im Marathonrenntempo. Wir hatten abgesprochen, am Wehr vorbei Richtung Werden zu laufen, wenn es nicht genau auskommen sollte und danach für die GAT 2-Einheit noch einmal umzudrehen. Knapp hinter dem Wehr war es vorbei, wir drehten um. Gregor lief weiter. Jetzt galt es. Und es lief - gut. Ich lief von alleine schneller als die geforderten 4:30. Ich empfand das Tempo dann tatsächlich als Erholung. Irgendwie motivierten Michael und mich auch die entgegenkommenden Gruppen.
Claudias Gruppe, wie immer mit Yvy lachend vorweg
Foto Thomas Saurusajtis
Da will man ja frisch aussehen. Esther, Andreas und Peter blieben ein wenig zurück. Auch diese 10 Minuten gingen gut um. Der Rest war auslaufen, zunächst 20 Minuten in 5er Pace, dann noch einmal 10 Minuten gaaanz langsam Laktat abbauen. Somit hatte ich - dank Michael und den anderen - auch dieses Intervall sogar ohne Uhr gut hinter mich gebracht. Ich fühlte mich super, hätte noch ruhig länger in 4:30er Pace weiterlaufen können. Und das war ja das Ziel.
Sonntag stand dann nur noch eine kleine Lohheider-See-Runde im REG-Tempo an, dann war nun auch Woche 11 mit "nur" knapp 48 Kilometern Geschichte. Die dann allerdings überwiegend sehr schnell. Für die nächste Woche überlege ich ein Vorziehen des 35 km-Laufs, damit ich Anfang März beim 15er der Winterlaufserie starten kann. Mal sehen, was der Trainer dazu sagt.
Unsere tolle Tempogruppe, Michael fehlt


Samstag, 18. Februar 2017

9 1/2 Wochen - Höhepunkt in Bertlich

Es geht in die zehnte Woche des Trainingsplans für Rotterdam und es wird wieder Winter. Der Plan mit dem Höhepunkt des 30-Kilometer-Crescendo-Laufes im Rahmen der Bertlicher Straßenläufe am Sonntag sieht dann mal so aus:
9 1/2 Wochen - das ist der Titel eines Filmes aus dem Jahre 1986 mit Mickey Rourke und Kim Basinger, der allerdings den Schwerpunkt auf andere Arten der körperlichen Betätigung setzt.
Beide lernen sich kennen und lassen sich auf eine  Beziehung ein, in der sie immer neue, anregendere Spielarten bis hin zu solchen mit sadomasochistischer Natur praktizieren. Man testet dabei immer neue Grenzen aus, kann bzw. will sich aber nicht auf eine emotionale Beziehung einlassen. Nun ja, so ähnlich ist das bei mir mit dem Tempotraining auch nach 9 Wochen noch. Anregende Spielarten mit sadomasochistischer Natur habe ich montags bereits kennengelernt. So auch in dieser Woche. 3 x 1200 m mit nur 200 m Trabpause dazwischen. Hört sich nicht viel an, ist aber im Grunde nichts anderes als ein 5er unter Vollast mit 200 Metern Rabatt. Bei 5 Grad und fiesem Wind durchaus als Sadomasochismus zu bezeichnen. Es ging immer in etwa in 4er Pace. Das ist ein Tempo, was mich in der fiesen dritten Runde regelmäßig an meine Trainingsgrenze bringt. Warum 1200 m so fies sind? Man muss halt drei volle Runden Vollgas gehen, dabei die "800-Meter-Grenze" und auch noch die "1000-Meter-Grenze", die der Kopf gerne mal als Ziel solcher Intervalle ansieht, überlaufen und weiter ziehen. Leider musste ich dies am Montag auch noch alleine machen, denn weder Thomas noch Ralf, die in etwa mein Tempo laufen, waren dabei. Michael und Mathias sind hier zu schnell für mich. Und alleine ist es halt schwieriger. Aber ich schaffte es, das Tempo alle 4 Intervalle zu halten. Für 5 km unter 20 Minuten fehlen dann noch das Weglassen der Trabpausen, aber es war ja nur Training und obendrein kalt. 
Dienstag gab es wieder Trainer Nils mit einem ansprechenden und lustigen Stabi Training. Koordination an der "Leiter" und anschließend eine Übungsreihe mit großen Bällen -passt ja auch irgendwie in 9 1/2 Wochen.
Mittwoch fand unser traditionelles Jahresessen mit alten Baerler Schulfreunden statt, ich verschob also die 60 Minuten Laufen auf Freitag oder Samstag. Wäre eh nicht rechtzeitig aus dem Büro gekommen. 
Donnerstag dann der zweite Sado-Maso-Akt der Woche. Na ja, Akt eher nicht, denn dafür war es mit 0-1 Grad etwas zu kühl. Trainer Roman wählte de Kameraweg an der Regattabahn aus, um uns mit der körperlich anregenden Spielart der 800 Meter zu reizen, das ganze dann 7 Mal und im dunklen, damit es sich auch gemütlich wird.. Unsere Gruppenrakete Mathias bekam diesmal die Order, nicht schneller als ich zu kaufen. Wenn ich zu was tauge, dann wenigstens als Bremse. Ist das jetzt schon eine neue Dimension der Erkenntnis? 

Ich habe immer seit unserem ersten eigenen Trainingsplan aus dem Jahre 2010 im Kopf, der besagte, man solle die 800 Meter in Minuten und Sekunden so schnell absolvieren, wie man den Marathon in Stunden und Minuten laufen will. Das wäre also 3:09 für 800 Meter. Nach ausführlichem "Vorspiel" in Gestalt von 2 km Warmlaufen mit einigen gymnastischen Übungen ging es also los. Wir liefen bei wieder einmal eisigen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt lieber dann gleich zügig los. Irgendwie war ich zu Beginn immer vorne. Liegt daran, dass ich immer sofort auf Tempo bin, andere brauchen etwas mehr Anlauf, 3:04, der erste. Etwas zu schnell, merke ich an. In die andere Richtung geht der nächste dann in 3:02. Wieder zu schnell. "Jetzt aber langsamer, Jungs, es sind noch ein paar!" 2:59, hat ja gut geklappt. Je häufiger wir langsamer werden wollen, desto schlechter klappt es. Peter behauptet, ich wäre schnell geworden. "Das täuscht und beschränkt sich auf 800 m" entgegnete ich.2:58, 3:00. Das klappte ja mit "langsamer". 2:59, der vorletzte. Langsam gingen die letzten Meter ans eingemachte. Nun noch einmal Richtung Regattatribüne. Das hat den Vorteil, dass der dunkle Weg erst vor den letzten 200 Metern einen kleinen Bogen macht. Dann sieht man das Ziel, die beleuchtete Brücke, erst recht spät. Peter zog weg, er wollte wohl sehen, was noch geht auf 800. Ich ließ die Lücke zu. Mathias ging auch einige Meter vor. Kurz hinter ihm ging ich ins Ziel des 7. 800ers. 2:54. Alter Schwede! Aber was sollte ich sagen, ich habe 7 800er Intervalle in gutem Tempo relativ gut überstanden. Kein Vergleich zu den 800 m-Runden Anfang Dezember auf dem MSV-Parkplatz. 

Freitag oder Samstag wollte ich die 60 Minuten GAT 1 nachholen. Wieder mal spät aus dem Büro entschied ich mich für Samstag, es sollte ein Fehler sein. Oder auch nicht. Denn noch im Halbschlaf erhielt ich ein Video meiner Tochter, die bereits auf dem Weg zur Uni war. Alles verschneit draußen! Der Blick aus dem Fenster bestätigte die Großwetterlage. Es schneite. Während unseres Frühstücks hörte es dann auf. Also was hilft es, nach dem Aufwärmen durch das Freischaufeln des Hofes zog ich meine Gore-Tex-Trail-Schuhe an und machte mich ohne große Tempoerwartung auf ins Binsheimer Feld. Irgendwie hat Schnee ja etwas faszinierendes. Er bedeckt das Land, deckt allen Schmutz und alle Unebenheiten mit reinem Weiß zu. Irgendwie aber auch den Verstand der Menschen, wie mir schien. Sehr nett der Autofahrer, der neben mir Richtung Rhein nicht langsamer oder etwas weiter weg durch den Schneematsch fahren musste. Spritzt ja gar nicht. Hatte auch gar nicht angezeigt, dass er langsamer fahren solle. Nett auch die Rentner-Wandertruppe, die den Leinpfad am Rhein komplett angemietet hatten und nur Zentimeter Platz machten, auch wenn man von vorne zwei Mal um Vorsicht bittet. Und zuletzt am Lohheider See bergab die zwei Familien, die mit Hund, Kinderwagen und Kleinkindern den komplette Weg zustellen und mit erstaunt beim näherkommen zusehen, ohne auch nur einen Meter Platz zu machen.
Ich glaube, die haben sich alle etwas Schnee durch die Nase hochgezogen.... Am Ende war es wieder eine 4:44er Pace auf knapp 13 Kilometern. Job well done, würde ich sagen. 










Sonntag dann Bertlich. 9 1/2 Wochen sind ja um es sind ja nun volle 10. Der Schleifer hatte uns auf den Trainingsplan 30 km mit ansteigender Pace geschrieben. Runde 1 4:50-5:00, Runde 2 in 4:40 - 4:50 und Runde 3 in 4:30 - 4:40. Ich war mit Sven, meinem Begleiter auch in Rotterdam, mit Mark und seinem Bruder Lars verabredet. Wir wollten das Ganze zusammen angehen. Mir war dabei vor allem die letzte Runde wichtig, hier sollte ich die Pace von etwa 4:30 halten können, das wäre ein gutes Signal Richtung Marathon. Die erste Runde zeigte Bertlich sich einmal gleich von seinem bekannten Gesicht. Gegenwind! Gut, dass dieser nur auf den ersten 5 Kilometern der Runde uns entgegen blies, die zweite Hälfte der Runde uns aber von hinten anschieben würde. Zunächst waren wir bemüht, zu bremsen. Außer Mark, der immer wieder das Tempo forcieren wollte und von Sven und mir eingebremst werden musste. Dennoch blieben wir mit Kilometerzeiten um die 4:50 immer am unteren, schnelleren Ende der vorgegebenen Bandbreite. Die zweite Runde bedeutete dann die Beschleunigung auf 4:40-4:50. Natürlich kurz bevor wir wieder auf die Felder in den Gegenwind abbiegen mussten, aber das war ja klar. In Bertlich, so scheint es, werden die allgegenwärtigen Windräder nicht stromerzeugend vom Wind angetrieben sondern verursachen stromangetrieben als große Ventilatoren zusätzlichen Wind. Wir liefen auf die führende Frau im Marathon auf, der wir mit Mark, Sven und mir erst einmal 4 Kilometer Windschatten spenden durften, den sie auch denkbar annahm.
Auch hier bewegten wir uns mit einer Pace von 4:40, teilweise knapp darunter, am unteren Rande des Trainingsziels. Lars wurde schon ruhiger, je länger die Runde dauerte. Mark war noch nicht zu bremsen und Sven hielt natürlich noch gut mit. Dann entließen wir die Dame vom Marathon wieder auf ihre letzten 2 Kilometer Gegenwind der Marathon-Zusatzschleife, als wir aus dem Wind abbiegen und uns zum zweiten Male auf den Rückweg machen durften. Den letzten Kilometer der Runde, der vorbei am Zielsportplatz leicht bergab führt, verlangsamten wir noch einmal bewusst, dann ab Kilometer 20 sollte es mit der Pace auf 4:30 und damit im gegenwind ans "Eingemachte" gehen. Diese Einheiten sind sehr wichtig in der Marathon-Vorbereitung, denn die Vorermüdung ist durch die zügigen 20 Kilometer gut simuliert. Dann ist es wichtig, das Marathon-Renntempo gut laufen zu können. Mark und ich zogen stufenlos auf 4:30 an, dabei verloren wir Mark und Sven bereits, die schnell 15 Meter hinter uns und damit "weg" waren. Aber so ist das in der Gruppe. War auch nicht schlimm, würde Sven oder mir in Rotterdam auch so gehen können. 

Im Wind war es wirklich hart. Mark und ich hatten uns vorgenommen, die ersten 5 Kilometer der Runde nicht auf Biegen und Brechen die 4:30 laufen zu wollen, sondern eher die zweite Hälfte forcieren zu wollen, wenn es denn sein müsste. Die ersten beiden Kilometer liefen noch gut, über die Bahnbrücke mussten wir ein wenig Sekunden lassen und kassierten eine 4:40, danach standen wir erst einmal die letzten 3 Kilometer im kalten Gegenwind. Dazu geht es hier ganz leicht bergan. Wir kämpften gemeinsam bis zum VP bei Kilometer 24, dann ging es auf die letzten knapp 1,5 Gegenwind-Kilometer. Plötzlich war Mark weg. Meine 4:35 und 4:34 gegen den Wind ging er nicht mehr mit. Also gut, vielleicht kommt er ja noch.
Normalerweise versägt er mich auf allen Intervallen, aber in der Langdistanz scheine ich tatsächlich stärker zu sein. Egal, es geht um mich. Mit Seitenwind ging es gleich leichter, schon liefen die beiden Kilometer problemlos in 4:24. Dann mit Rückenwind und gefühlt auf den letzten Metern ging es sogar unter 4:20, ehe ich mich selbst zurück pfiff. Das Bahntraining am Montag war nur noch 29 Stunden entfernt. Ich will mich nicht kaputt trainieren, sondern sinnvoll Tempo aufbauen. Dennoch überholte ich nur noch. Einer fragte mich nach meiner Altersklasse, als ich "M50" zurückrief, kam ein "Hau ab!" hinterher. Das sind die kleinen Schmunzler, die das Laufen auch so schön machen.
Am Ende hat jeder gewonnen. gegen sich selbst.

Ich verbot mir den echten Endspurt, war auf der Aschenbahn am Sportplatz, die weniger matschig war, als ich befürchtet hatte und war im Ziel. 2:21:00, eine neue Bestzeit für mich auf 30 Kilometer, die ich allerdings nur hier in Bertlich und immer nur nach Trainingsvorgaben gelaufen war. 
Laufkollege Mathias war gerade nach seinem ersten Marathon im Ziel, es gab gleich ein großes "Hallo". Mark kam erst knapp 3 Minuten nach mir, er war doch am Ende leicht eingebrochen. Schade für ihn, der die ersten 2 1/2 Runden schön das Tempo hoch gehalten hatte. Trotzdem schön, ihn einmal geschlagen zu haben, auch wenn alles nur Spaß ist. Sven kam kurz danach, er hatte sich auf der letzten Runde am oberen Ende der Bandbreite bewegt, war damit aber auch gut durchgekommen.
Nur Lars musste leider einen totalen Einbruch erleben, hatte aber auch am Vortag eine Menge gemacht gehabt. Er kam erst 8 Minuten nach mir ins Ziel, das ist auf 10 Kilometer ein odentlicher Zeitverlust. Dennoch hat er die ersten beiden Runden gut mitgezogen, aber scheinbar war das an diesem Tag zu schnell. Die Rache kommt dann oft jenseits der 25 km, wenn die Kohlenhydrate alle sind. Mein ultragestählter Kadaver kennt das wohl etwas besser und lässt sich nicht mehr überraschen.

Dann kam unsere "Frauen-Mannschaft". Zuerst Claudia mit Marinja im Schlepptau, gewohnt lächelnd, wenige Sekunden danach Heike. Allesamt gute 2:43er Zeiten, sie waren am Ende sogar unter 5er Pace und damit über 10 Sekunden zu schnell gewesen. Top-Leistung, die mit dem Mannschaftssieg belohnt wurde. Gut, es war sonst keine Frauen-Mannschaft am Start. Mit der Zeit hätte die abwesende Konkurrenz aber schon stark auffahren müssen. 


Fazit der ersten "9 1/2 Wochen": Das ganze Sado-Maso-Tempo-Zeugs scheint echt zu helfen. Claudia und ich fühlen uns gut. der Aufwand ist überschaubar und hinten heraus geht immer noch so einiges.
Damit erübrigt sich für mich auch die Diskussion, ob man sich im Wettkampf zurückhalten darf oder nicht. Ja. Denn der Wettkampf ist am 9.4..Davor ist alles irgendwo Training. Und das darf man dosieren. 
Bei Kaffee und /(vorher reserviertem) Kuchen ist es in bertlich nachher immer recht gemütlich.
Man sitzt gemütlich beieinander in der Veranstaltungshalle, erzählt ein wenig, klopft große Sprüche und hat einfach Spaß. Das macht diese Veranstaltung trotz der einsamen und unspektakulären Strecke immer wieder schön. Nach dem Silvesterlauf  und dem 10er bei der Winterlaufserie ist die dritte Kontrolleinheit super verlaufen. Die 10. Woche ist um. Onderweeg naar Rotterdam.....



Sonntag, 5. Februar 2017

Tempoverschärfung - die neunte Woche

Die neunte Woche der Vorbereitung ist bereits vorbei. Eine Woche mit nur 4 Einheiten, drei davon jedoch recht tempointensiv. Und endlich eine frostlose (nict aber trostlose) Woche, aber das soll sich ja schon in ein paar Tagen wieder ändern. Schade, war gerade wieder angenehm zum Laufen.

Am Montag wieder zum Bahntraining. Dachte ich, nach dem harten Zehner am Samstag ginge es hier gemächlich zu, wurde ich schnell eines besseren belehrt. Trainer Roman wollte von uns, dass wir die Geraden Vollgas liefen, die Kurven dann zügig, aber deutlich langsamer. Das Ganze dann 22 Minuten, dann sollten wir etwa 5 Kilometer geschafft haben. Erst hatte er 20 Minuten gesagt, aber dann sollten es wohl zumindest in etwa 5 km werde, er sah wohl ein, dass das für die meisten von uns sonst wohl eine neue 5er-Bestzeit geworden wäre. Also los. Die 100 Meter wurden dann immer so in 3:40er Pace abgespult, in den Kurven fiel aber dann doch das "Erhohlungstempo" von 4:30 auf knapp unter 5er Pace. Die Gegengerade zeichnete sich dau durch fiesen, böigen Gegenwind aus. Für mich war nach zwanzig Minuten Schluss, die letzte Runde machte ich nicht mehr. Dafür hatte ich Vollgas gegeben, wo der Trainer uns "Samstags-Wettkampf-Läufern" freigestellt hatte, etwas ruhiger zu machen, es wurden 11 Runden in knapp 20 Minuten. Das sollte mir für den Monat genügen.
Dienstag und Mittwoch stand nichts auf meinem Plan, also ging es mit zum Stabi-Training, wo Trainerin Sigrid einen anspruchsvollen Zirkel vorbereitet hatte. Hat aber dennoch Spaß gemacht.
Donnerstag schaffte ich es so gerade vom letzten Kundentermin an die Regattabahn. Schnell die Trainingshose und -jacke abgelegt, schon waren wir unterwegs. Die Aufgabe lautete "10 x 2 Minuten GAT 1/ 2 Minuten GAT 2. Also so 5er Pace gefolgt von 4:30er Pace oder etwas schneller. Sollten nicht ganz zwei Runden um die Regattabahn werden. Es war trocken, nicht allzu kalt und windig. Unsere Gruppe mit Mark, Ralf, Martin und Mathias lief eine schöne, dynamische Runde. Mark kommandierte netterweise die Zwischenzeiten. Das Bremsen in den GAT 1-Einheiten auf so um die knapp unter 5er PAce klappte ganz gut, die GAT 2-Einheiten wurden immer flotter. Von 4:25 über 4:20er PAce wurde es auf der zweiten Hälfte eher 4:15, der letzte sogar 4:09er Pace. War dann zwar nicht mehr GAT 2, dafür aber Gruppendynamik. Das ist ja das schöne an unserer Trainingstruppe. Man ist eigentlich immer motiviert, ein Tempo zu halten und sport sich gegenseitig ohne Worte oder gehässigen Konkurrenzkampf an. Alleine wäre das um ein vielfaches schwieriger.
Samstag dann die nächste Runde. Wir hatten uns für den Baldeneysee entschieden, der glatten Piste und der vielen Mitläufer bei Bunert Essen's Samstagslauftreff wegen.
Ich hatte am Mittwoch mal nachgefragt, wer denn so mit mir meinen Tempowechsellauf machen wolle. Aber irgendwie bleibt die Resonanz in diesem Jahr bescheiden. Muss wohl am Deo liegen.
Claudia hatte sich mit Yvy und Heike verabredet, also fuhren wir mit Yvy dann mal zu dritt nach Essen. Michael erbarmte sich dann meiner, er hat im Moment ja keinen festen Plan und schnell genug ist er auch. Da wir gleich als erste gestartet waren, überholten uns dann nach ein paar hundert Metern die "Raketengruppe", danach noch eine weitere, das war es dann aber auch. Wir hatten nach 10 Minuten langsamer Steigerung unser GAT 1-Tempo von 4:50 erreicht, dass wir nun für 20 Minuten auch weitgehend einhielten. Genau hinter der Brücke ans Südufer gingen dann die ersten 10 Minuten GAT 2 los, die in etwa dem Marathonrennempo entsprechen sollten, also bei mir so um die 4:29. Das gelang auch ganz gut und ohne echte Schmerzen. Selbst bei 4:50 erholten wir uns schnell wieder, die zweite Gas-Einheit liefen wir dann in umgekehrter Richtung, weil wir schon wieder am Wehr in Kettwig angekommen waren und uns die Runde über die Kettwiger Brücke zu hügelig für Tempo war. Nun kamen uns all die vielen anderen Gruppen entgegen, denn der Lauftreff war mit etwa 120 Leuten extrem gut besucht.
Michael war versucht, immer schneller zu werden, wenn uns unsere Lauffreunde entgegen kamen. Dabei hatten wir uns irgendwie verzählt, denn eigentlich hätten wir nur zwei GAT 2-Abschnitte laufen müssen. Aber irgendwie waren wir auf drei fixiert, also drehten wir nach den ersten letzten GAT 1-10-Minuten (alles klar?) wieder um und kamen mit der letzten GAT 2-Einheit, die wir eigentlich nicht mehr hätten laufen müssen, wieder am Wehr an. Dabei packte uns zum Ende noch der Ehrgeiz, die Halbmarathon-Distanz, die zufällig fast genau am Ende GAT 2 ausgekommen war, noch unter 1:40 zu packen. Das gelang zwar nicht ganz, aber dafür hatten wir die letzten 10 Minuten eine 4:20er Pace auf's Parkett gelegt. Danke, Michael, für Deinen immerwährenden Ehrgeiz, wozu auch immer. Einen Grund findest Du. Immer.

Das letzte Stück über das Wehr zum Parkplatz am Regattaturm  trabten wir dann locker aus. 22,5 Kilomter waren ein guter Wert.

 Zusammen mit dem sonntäglichen 40 Minuten-Läufchen komme ich damit in der Woche wieder auf etwas über 50 Kilometer. Das ist nicht viel für eine Marathon-Vorbereitung und unsere Tempo-Ambitionen. Es ist halt ein anderes Konzept. Ich habe diese Woche vielleicht 50 km in hohen Intensitäten gelaufen, aber dieser Trainingsplan ist auf meine individuelle Situation vom Schleifer-Sven für mich so geschrieben. Ich esse auch normal und ohne Überlegung, was ich esse. Nur Alkohol findet sehr wenig bis gar nicht statt. Tatsache ist aber, dass ich mit diesen Konzepten 3 x eine 3:10 oder 3:11 und einmal eine 3:14 gelaufen bin. Was nicht heißt, dass andere das damit auch gelaufen wären. Hätte aber sein können. Da ich bisher damit gut gefahren bin,bleibe ich dabei und mache also ENTWEDER Tempo oder UMFÄNGE. Als ich im letzten Januar/Februar beides zugleich gemacht habe, war ich das einzige Mal in 13 Jahren vom Laufen verletzt. Ich würde etwas ändern, wenn ich mehrfach krachend scheitern würde, wie vor zwei Jahren in Wien, als mich Krämpfe ab Kilometer 25 "aus dem Rennen" nahmen. 
Claudias und mein Plan geht davon aus, dass die Distanz nicht das Problem ist. Es gilt, die Grenze des "Wohlfühltempos" zu verschieben. Daran arbeiten wir. Sind ja noch ein paar Wochen. 


Sonntag, 29. Januar 2017

Theorie und echte Praxis - Spiro und der "Zehner"

Die 8. Woche - nach wie beschrieben durchwachsener 7. Woche - versprach ein wenig erholsam zu werden, denn an deren Ende stand der erste Lauf der Winterlaufserie an. Nach dem Silvesterlauf Werl-Soest und dem Langen Lauf beim Kevelaer-Marathon der nächste echte Testpunkt auf meinem Weg Richtung neue Marathon-PB in Rotterdam. Außerdem war es an der Zeit, die Trainingsfortschritte einmal anhand einer weiteren Leistungsdiagnostik überprüfen zu lassen. Hier war dann mal eine Spiroergometrie angesagt. Aber der Reihe nach, Zunächst stand erst einmal das Bahntraining auf dem Plan. Trainer Roman hatte für uns am Montag 6 x 500 Meter mit allerdings nur 100 Metern Trabpause herausgesucht. Das klingt nicht viel, aber 3 km absolutes Vollgas mit kurzen Erholungen ist auch nicht wenig, wenn mal einmal genau darüber nachdenkt. Mein Mitläufer Thomas war wieder dabei, was für mich gut war, denn Rotterdam-Begleiter Martin ist für mich auf den Kurzdistanzen schlichtweg zu schnell. Wir schafften alle 500er in Zeiten um die 1:50/1:51 Min.,was einer Pace so um die 3:30 entspricht. Hart, aber am Ende ganz gut machbar. Das tückische an 500 Metern ist halt, dass man eine Gerade immer doppelt läuft und das dann für den Kopf jedes Mal eine gewisse Herausforderung ist. 
Dienstag ging es zur Spiro. Hier wollte ich meine Daten dann einmal überprüfen lassen, denn meine Pulswerte vom Laktattest Ende November passen ja irgendwie nicht zum Lauftempo, das seinerzeit dazu ermittelt wurde. Was zur Folge hatte, dass ich eher "gefühls- und tempoorientiert" trainiert hatte, damit aber bisher auf einem guten Weg zu sein scheine. In Absprache ersetzte die Spiro auf dem Laufband dann mal die 45 Minuten GAT 1, die ansonsten auf dem Plan gestanden hätten. Das ganze fängt dann an, dass man in etwa auf 7er Pace beginnt und dann alle 30 Sekunden um 0,2 km/h das Tempo des Laufbandes erhöht bekommt. Mittels einer Gesichtsmaske mit Atemgasanalysegerät werden neben den Herzfrequenzen per Brustgurt nun auch die Sauerstoffanteile der ein- und ausgeatmeten Luft gemessen. Daraus macht Kollege Computer mit zarten, fachkundigen Eingriffen des behandelnden Diplom-Sportwissenschaftlers meine neuen Geschwindikkeitsbereiche. Bei einer Pace von 3:36 strich ich dann nach 20 Minuten die Segel, um noch weitere 5 Minuten auszulaufen. Wen meine neuen Tempobereiche interessieren - hier sind sie. Im Wesentlichen weichen sie nicht ab.
Auszug aus dem Ergebnis meiner Spiro der Ausdauerschule by bunert
Mit einer Pace unter 5:11 bin ich also im GAT 1-Bereich, damit kann ich leben, auch wenn der bis runter zu 4;33 recht großzügig bemessen zu sein scheint. Das heißt aber auch dass ich mich für meine angepeilten 4:29 Minuten pro Kilometer in Rotterdam durchaus schon fast in Schwellenbereich GAT 1/2 befinde, wo diese auch hin gehören. Ich habe mich noch länger mit dem Schleifer nachher darüber unterhalten. Er würde mich im Moment auf 3:15-3:20 einschätzen, was meine aktuell mögliche Marathonzeit betrifft. Da diese aber kein reines Rechenexempel, sondern eine Sammlung vieler Faktoren ist, ist uns beiden klar, dass ich mit Erfahrung und meiner mentalen Stärke da unter Umständen am Ende noch würde eine das entscheidende Sekündchen herausholen können. Gut, dass man den Marathon nicht auf dem Reisbrett planen kann. Sonst wäre es ja langweilig. Aber so eine Messsung, die bestätigt, dass man auf dem richtigen Weg ist, macht auch den Kopf wieder etwas stärker.
Die Messung erklärte auch wohl meine unterschiedlichen Empfindungen, was das GAT-1-Tempo betrifft. Der Schleifer bezeichnete es als indifferenten Bereich. An guten Tagen (kein Stress, guter Biorhytmus) empfinde ich 4:40er Pace als durchaus angenehem, manchmal aber eine 4:50er PAce als kurz vor dem Zusammenbruch stehend, wenn ich sie eine Stunde gelaufen bin. Wenn es dabei noch dunkel ist und ich gehetzt aus dem Büro in die Laufklamotten steige, erklärt das einiges, was ja irgendwie auch sowieso klar ist. 
Wie sehr mir der Test Auftrieb gibt, das würde ich beim 10er-Rennen am Samstag im Rahmen der Winterlaufserie dann zu beweisen haben. Folgerichtig standen am Donnerstag wie immer vor solchen Wettkämpfen nur 2 x 1000 m im geplanten Renntempo auf dem Plan beim gemeinsamen Training der Ausdauerschule. Die absolvierte ich in glatten 4 Minuten, wobei es mir auf dem stockfinsteren Kameraweg der Regattabahn doch recht schwer file, mein Tempo einzuschätzen. Gut einschätzen konnte ich jedoch am Ende der 1000 Meter, dass ich dieses Tempo nicht würde über die zehnfache Distanz halten können. Aber eine Bestzeit auf 10 Kilometer, die dann unter 41:30 liegen müsste, stand auch nicht auf meinem Plan. Dass die Woche mit knapp 40 relativ wenig Laufkilometer haben würde, entlockte dem Trainer am Donnerstag nur ein "Ja, und?" Erholung vor einer Belastung ist halt auch wichtig, viele vergessen das.
Der Samstag versprach mit Temperaturen deutlich im positiven Bereich zudem auch noch gutes Laufwetter, zum ersten Mal seit langen Wochen der Temperaturen um den Gefrierpunkt. Ich bin  ja ohnehin eher der Wärmeläufer.
Und so stand ich dann in der Startformation des 10-Kilometer Feldes hinter der Arena und wartete auf den Startschuss. Keine Musik in den Ohren, mittelmäßig konzentriert, aber dafür wieder einmal übermäßig nervös. Ich wollte eine Pace von 4:20 mindestens laufen, zumindest auf der ersten Hälfte. Danach konnte man "die Handbremse lösen", wie Schleifer-Sven  immer so schön sagt. Einen Pacer hatte ich nicht, irgendwie finde ich selten jemand, der men Tempo laufen möchte. Dass Dr.Martin mir zu schnell sein würde, war klar. Er hat die sub40 auf 10 km drauf, ich nun einmal nicht. Ist ja auch ein wenig jünger. Also los.
Der erste Kilometer fühlte sich recht gut an, war aber mit 4:10 deutlich zu schnell geraten. Also Tempo raus, sonst würde das später ungemütlich werden.
Über die Kruppstraße steigt der Weg leicht an auf die Masurenallee, wo zudem der Wind leicht von vorne blies. Ich lies bewusst eine kleine Lück zu der Gruppe vor mir entstehen, um tatsächlich langsamer zu werden. Denn auch Kilometer 2 lag bei 4:17, 3 und 4 dann schon wieder bei 4:13. Aber mir ging es gut und über ein Drittel waren schon geschafft. Der Wald am Ende der ersten 5 kilometer war bereits zu sehen, als mir Karol Grunenberg als führender Läufer entgegen kam. Für ein paar anfeuernde Worte hatte ich die Luft, also ging es ja. Da im Wald ja bekanntlich die Räuber sind, welche der Pace schon einmal die eine oder andere Sekunde rauben, plante ich für Kilometer 6 auf den engen, Kurvenreichen Waldwegen etwas mehr Zeit ein und beendete diesen dann auch in 4:24. Ich vermied riskante Überholmanöver und blieb hinter meinen Vorläufern. Zurück auf dem Radweg der Masurenallee lief es dann aber von alleine wieder. Fast erschrak ich vor mir selbst, als ich Kilometer 7 wieder mit einer 4:09 absolviert hatte, ohne das Gefühl, schneller geworden zu sein. Für eine Bestzeit hätte ich jetzt alles in die Waagschale werfen können, aber das wollte ich aus bestimmten Gründen auf keinen Fall. Also weiter disziplinieren. Immer wider hörte ich aus dem Hauptfeld auf der Straße meinen Namen, Viele Laugkollegen erkannten mich und feuerten mich an. Das ist wirklich schön und half unheimlich, auch wenn ich ohne Brille keinen erkennen konnte. Scharf sehen ist bei mir dann leider auf Entfernung nicht mehr so toll. Für die Kilometerschilder reicht es, aber auf diesem Kurs kenn ich eh die Stellen fast auswendig, wo die stehen. Bei Kilometer 8 war ich zurück auf dem Kameraweg der Regattabahn, hier hatten wir vor 40 Stunden noch die 1000 Meter Renntempo trainiert. 4:15 hatte ich soeben dafür gebraucht. Ich überholte und wurde kaum noch überholt, wusste, dass ich meinen Rennplan im Sack hatte. Auch wenn der 9. Kilometer noch einmal eine Brücke, ein Waldstück mit den berühmten Pace.Räubern und die "Spielplatzsenke" für kich bremsend bereit hielt. Dennoch zeigte meine Uhr mir danach eine 4:13. Der letzte Kilometer lief dann von alleine. Was hatte ich vor zehn Tagen noch auf der Friedrich-Alfred-Straße mit der 4:13er Pace bei den 3 x 2,5 Kilometern GAT 3 im Training gekämpft und sie nicht erreicht, hier ging sie von allein. Im Stadion setzte ich auf der Bahn, die seit zwei Monaten nun ja auch meine Trainingsbahn genannt werden darf, zum Endspurt an. Mit einer 3:58 auf dem letzten Kilometern und einer 42:13 war ich mehr als zufrieden im Ziel. Die Herzfrequenz - im Schnitt bei 154, laut Spiro sollte sie über 148 liegen. Lag sie ja dann. Die Pace lag allerdings nicht bei 3:53 - aber das wäre ja auch nur in der Spitze und noch nicht für 10 Kilometer gerechnet. Mit den 3:58 auf dem Schlusskilometer kann ich arbeiten.
Im Ziel wartete Trainer Roman auf uns Ausdauerschüler. Er hatte zuvor knapp den zweiten Platz der kleinen Serie geholt. Auch er schien mit meiner Zeit zufrieden. Ich war eine Minute schneller als bei meinem letzten 10er im Rahmen des Lichterlaufs und der Franfurt-Vorbereitung Ende September. Damals waren die 43:11 die Wende zum besseren, ich konnte mein Ziel in Frankfurt ja auch erreichen. Aber ich war fertig ohne Ende damals nur zwei Straßenecken weiter auf der Kruppstraße. Heute ging es mir recht schnell wieder gut und richtig schlecht hatte ich mich unterwegs niemals gefühlt. Hat der "Zehner" damit für mich seinen Schrecken verloren?
Das Warten auf Claudia zog sich länger als erwartet. Ich hätte fest mit einer flache 48er Zeit gerechnet, wenn nicht sogar eine hohe 47 (ihre PB liegt bei 46:46), denn sie hatte in den letzten Wochen nur Lob vom Schleifer kassiert. Leider kam sie erst kurz vor 50 Minuten ins Ziel. Ihre Achllessehne machte ab Kilometer 3 Probleme und sie konnte nur mit Schmerzen und damit langsamer zu Ende laufen.
Aber sich ist eine große Kämpferin, dafür ist die Zeit immer noch sehr gut. Sie hat häufiger damit zu kämpfen, das ist halt das Problem beim Tempotraining. Zufrieden ging es nach Hause, der für mich härteste Wettkampf der Vorbereitung war gut geschafft. Natürlich diskutiert man nach so einem Lauf viel auf Facebook mit seinen Laufkollegen und -bekannten. Das macht mir Spaß, es ist schön, Glückwünsche zu lesen und selbst auszusprechen.

Ich hatte meine Aufzeichnung gepostet und geschrieben, dass ich nicht mehr alles herausgeholt hatte. Denn Montag sei wieder Bahntraining.

Ein erfahrener "alter Hase" schrieb mir folgendes: "Zu meiner Zeit wurde sich im Wettkampf nicht für ein Bahntraining geschont. Es gibt kein besseres Training als Wettkampf, dagegen ist Bahntraining die reinste Erholung (Smiley)"


So etwas sehe ich durchaus als ernst gemeinten Hinweis und fühle mich dadurch auch in keiner weise angegriffen. Denn auch das macht das soziale Netzwerk aus. Andere Meinungen äußern, lesen und darüber nachdenken. Nur ein "Toll, super gemacht!" bringt einen nicht weiter. Nun, in diesem Falle hatte ich geantwortet;
"Ich denke, diese Leute gab es auch zu Deiner Zeit, (...). Eine 10er Zeit ist mir relativ egal, ich hasse diese Distanz. Ich brauchte diese Verbesserung im Vergleich zum Lichterlauf, um den weiteren Sinn meines Trainings zu verinnerlichen, ansonsten muss ich am 9.4. eine 4:29er Pace aufs Parkett legen und keine 4:15er. Darum sehe ich keinen Sinn, mich im Vorfeld mental (das vor allem) kaputt zu laufen, wenn es z.B. im weiterem Rennverlauf einen Einbruch gegeben hätte. Zu Deiner Zeit hat z.B. auch Jörg Bunert alles geknallt, was ging. An jedem Wochenende - und sagt selbst, dass er sich damit vielleicht noch bessere Marathonzeiten verscherzt hat. Ich schätze dennoch Deine spitze Bemerkung, weil ich solche Diskussionen auf dem gegebene sachlichen Niveau liebe. Vielleicht ist es ja so, dass ich unter 3:10 eher schaffe, wenn ich die 10er auch in höherer Anzahl durchballere. Aber davon bin ich nicht überzeugt. Und da sich die Langstrecke und das Training dafür vor allem zwischen den Ohren abspielt, bleibe ich bei meinem Plan, der auch von den Trainern der Ausdauerschule so unterstützt und geplant ist. In Bertlich werde ich in 14 Tagen beim 30er einen Crescendo-Lauf machen und jede 10er Runde die Pace um 10 Sekunden erhöhen. Da schone ich mich dann ja auch für das weitere Training. Ich habe einen Plan, und den habe ich in der Vergangenheit zumeist gut umsetzen können. Aber nochmal - danke für Deinen Denkanstoß."
Mit diesem Eigenzitat schließe ich die achte Trainingswoche. Ach ja, ausgelaufen bin ich heute mit Claudia locker in 5:45er Pace eine Runde um den See. Jetzt geht es in die 9. Woche. Ich freu mich drauf.