Samstag, 17. Januar 2015

Tiger & Turtle

Nach dem bereits vollzogenen langen Lauf am Samstag stand ja am Sonntag noch ein Lauf über 40 Minuten REG an. Marco und Kim hatten die Tradition der Haldenläufe wieder aufgenommen, die uns im Jahr 2013 eine Schöne Gruppenläufe auf diverse Halde des Reviers und viele neue Bekannte beschert hatte. Diesmal sollte es auf das Kunstobjekt "Tiger&Turtle" gehen. Zitat Wikipedia:"Tiger and Turtle – Magic Mountain ist eine einer Achterbahn nachempfundene Landmarke auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe im Angerpark in Duisburg-Angerhausen. Die Großskulptur ist ein Kunstwerk von Heike Mutter und Ulrich Genth, das im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 entwickelt wurde."
Auch die Ausdauerschule hatte sich dem Aufruf angeschlossen und so wusste nun niemand, wieviel denn nun zum Treffpunkt am St.Anna-Krankenhaus kommen würden. Nun, am Ende waren es 19 Leutchen, die sich entlang des Angerbachs auf den Weg zur Müllhalde machten. Bis aus der verbotenen Stadt kamen sie angereist, und es wären sicher noch ein paar mehr geworden, wenn nicht das Wetter neben Sturmböen auch heftige Schauer versprochen hätte. Bereits beim Warten auf die Ablaufzeit wurde es ziemlich zugig, einige flüchteten Bereits in den gläsernen Aufzug der U79 Stadtbahn, welche Duisburg noch mit Düsseldorf verbindet.
Wir machten uns in zwei Tempogruppen auf, Marco marschierte in 5:30er PAce ab während ich mich zur Überraschung einiger den "6:30ern" anschloss. Aber es sollte ja nur regenerativ werden. Bereits auf den ersten Metern trafen uns Wind und eisiger Regen von schräg vorne, die Gesichter froren ein und die vielen Gespräche verstummten rapide. Gut, dass es nach wenigen Minuten wieder aufhörte und wir nur noch dem böigen Wind zu trotzen hatten.


Oben angekommen, kurvten die meisten noch ein wenig auf der Treppenkkostruktion herum, wo uns der Wind natürlich noch heftiger um die Ohren pfiff.
Gerade oben, begann es auch wieder zu regnen, so dass leider kein längeres Verweilen möglich war. Zurück am Parkplatz des St.Anna Hospitals hatten Kim und Marco uns noch mit Getränken und Blechkuchen versorgt. Die meisten waren froh, sich in trockene Klamotten gewandet nun wieder in warme Heim begeben zu können.
Ein rundum gelungener Vormittag, den wir mit Marco, Kim und Anja noch um weitere 13 Kilometer Rückweg zu deren Wohnung ergänzten, leider etwas durch Hochwasser an der 6-Seen-Platte behindert.
Am Ende hatte ich trotz einer Pace von "nur" 6:30 die Nase voll, denn die 28,5 km vom Vortag bleiben halt auch nicht in den verschwitzten Klamotten.
Bin gespannt, ob die Tradition der Haldenläufe fortgesetzt wird, ich glaube, da haben wir wieder einmal was in Planung. Aber es sollte nicht der "Road to Vienna" schaden......

Samstag, 10. Januar 2015

Road to Vienna Chapter 6 - "Manchmal läuft's sch......."

Es ist wieder Montag. Als ich das realisiere, läuft der Radiowecker schon 10 Minuten. Und ich denke schon vor dem Aufstehen an meinen Tempowechsellauf, den ich am Abend vorhabe. 2 Minuten GAT 1 und 8 Minuten GAT 2 mit 5 Wiederholungen. Das macht mir eigentlich Spaß, aber ich fühle mich am Morgen noch so schwer. Hat mit Sicherheit etwas damit zu tun, dass ich die 110 Minuten GAT 1 von Samstag auf Sonntag verschoben und noch eine Endbeschleunigung eingebaut hatte. Dafür beschloss ich dann einmal, wirklich eine Stunde früher aus dm Büro nach Hause zu fahren. Mein Überstundenkonto lief eh über, insofern gönnte ich mir zumindest den winterlichen Luxus, den Tempowechsellauf bei Tageslicht zu absolvieren. Das erleichtert mir die Tempokontrolle ungemein, leichter wurde es insgesamt zunächst aber nicht. Bereits das erste Intervall lief ziemlich schwergängig, danach sagte ich mir nur immer "um die 4:30 soll Dein Marathon-Anspruch sein, dass wirst Du hier verdammt nochmal jeweils 8 Minuten durchhalten!". Und mit dieser Form der Eigenmotivation wurde es tatsächlich von Mal zu Mal besser. Ich blieb klar unter 4:30 und es fühlte sich immer "normaler" an. Ziel der Einheit also Erreicht! Dienstag dann Laufpause, dafür wieder Stabi-Training Rumpf- und Rückenmuskulatur mit Nils bei Bunert. Ohne dabei die Lachmuskulatur zu vernachlässigen ging es dennoch ganz gut ab und nach 60 Minuten wussten wir, was wir uns da wieder hatten antun lassen. Aber auch das ist wichtig, man sollte nicht nur an die Beine denken und mit der Truppe dort macht es definitiv mehr Spaß als alleine.
Mittwoch 50 Minuten GAT 1 lief rund und gut auf der gewohnten Winterrunde um den See und durch den Wald, am Donnerstag dann standen die gefürchteten 12 x 400 Meter auf dem Plan.

400-Meter-Intervalle sind für mich so ziemlich das böseste, was ich mir vorstellen kann. Während 100 und 200 Meter immer irgendwie vorbei gehen, können sich 400 Meter unendlich dahinziehen. Die müssen aber genauso mit Vollgas gelaufen werden, nicht so wie die 800 Meter, die man ja schon mit deutlich moderaterem Tempo angeht. Den ganzen Tag hatte es in Strömen gegossen, meine Lust tendierte also zusätzlich gegen null. Aber Plan ist Plan und gerade hier lernt man Disziplin und Biß, also wieder um 18:30 Uhr im Büro umgezogen und ab zur Regattabahn. Zur Ansprache bat uns Trainer Schleifer-Sven dann noch unter die Tribünentreppe, kündigte aber an, dass es ja um 19:00 Uhr ohnehin aufhören würde. Und was soll ich sagen - er hatte Recht! Wie soll ich noch an den Anweisungen dieses Mannes zweifeln? Wie dem auch sei, ab ging es, nicht an die Regattabahn, sondern auf die Straßen rund um die MSV-Arena (Sorry Sponsor Schauinsland-Reisen, aber die offizielle Bezeichnung ist mir zu lang. Oder spendiert Ihr mir dafür einen Urlaub?). Nach 1,5 Kilometern aufwärmen ging es dann ab Wendehammer Friedrich-Alfred-Straße los. 400 Meter bis zur Rückseite der Gegentribüne. 100 Meter traben bis zum Seehaus, wieder zurück und weiter das ganze. Mensch, schon zwei geschafft, nur noch zehn. Kosta und Thomas laufen vorweg, ansonsten habe ich nur noch einen Laufbegleiter. Zwei weitere Intervalle, Mensch, sind die Trabpausen kurz. Sind wahrscheinlich auch keine 100 Meter. Egal. Wieder zurück. Ich muss als schneller Beschleuniger aufpassen, mich nicht an Kosta und Thomas zu hängen, denn die sind auf der Distanz einfach schneller. Ich will mich ja nicht kaputttrainieren, sondern Form aufbauen. Jetzt schon 4 Intervalle geschafft, das heißt ein Drittel. Aber auch: Noch zwei Drittel! Wieder weiter, wieder zurück. Halbzeit! Mann, bin ich schon platt. Und der Zeitpunkt, wo es unangenehm wird, ist jetzt schon an der "Halbzeit-Schranke". Danach ist es noch ein riesiges Stück, egal in welche Richtung. Wieder geht es los, jetzt aber Schleifer-Sven neben uns. Er lobt sieh gut aus, schön Hacken hoch bis zum Po, gerade bleiben! Flacher Fußaufsatz....diese Hinweise sind immer wertvoll, aber in dem Moment wünscht Du ihn zum Teufel oder sonst wo hin. Er treibt mich auf 87 Sekunden für die 400, 4-5 Sekunden schneller als die anderen Intervalle. Dafür fühle ich mich auch halbtot im Ziel. Und es sind noch fünf! Jetzt erst mal eine Runde wieder fangen.. Des Schleifers Aufforderung "Und die anderen jetzt genauso schnell" ignoriere ich Weichei dann mal geflissentlich. Muss er ja sagen. Aber langsamer als zuvor will ich jetzt ach nicht werden, da hab ich Ehrgeiz. Nr. 8 wird geplant langsamer, bei Intervall 9 nähere ich mich wieder den Werten vor der begleiteten Tour. Ich merke aber auch, dass ich meinen jungen Begleiter immer am Ende "versägen" kann, das macht mir Mut. Nur doof, dass jetzt das Beißen schon nach 100 Metern anfängt und dann 300 Meter dauert.  Nur noch zwei und ich bin alle, aber die schaffe ich jetzt. Ncht eine Sekunde denke ich ans aufgeben. Nochmal 93 und 90 Sekunden, dann ist es geschafft. Lange war ich nicht mehr so froh, dass die Einheit vorbei war. Aber egal, das beste Gefühl hast Du immer, wenn Du ein solches Training hinter Dich gebracht hast. Später, nach dem Posting der Laufdaten auf Facebook, kommentierte jemand dies mit "400 m-Intervalle sind vorsätzliche Körperverletzung". Nun ja, dem könnte man sich währenddessen anschließen.
Freitag nahm ich mir dann mal wieder frei, ich war sozusagen so frei. Denn der Plan sagte ja 40 Minuten Regenerativ. Aber am Sonntag hat Lauffreund Marco nach langer Zeit mal wieder einen Haldenlauf organisiert, diesmal im Duisburger Süden zur Landmarke "Tiger & Turtle". Wir wollen mit Marco und Kim dahin mit dem Auto fahren, dann den Lauf absolvieren und zurück laufen, das wären dann wieder 26 km. Zwar langsam, aber immerhin. Also frei.



Samstag stehen 130 Min GAT 1 auf dem Plan. Ich habe mich mit Kosta verabredet, weil der auch auf dem Standpunkt steht, dass nicht jeder lange Lauf mit 20 bis 30 Sekunden über Renntempo, sondern eher deutlich langsamer gelaufen werden sollte. Gemeinsam wollen wir uns bremsen und dann 4-5 Kilometer Endbeschleunigung einpflegen. Kosta wohnt Luftlinie gar nicht so weit weg, aber es fließt halt der Rhein dazwischen. Und das andere Ufer ist somit quasi "Ausland". Aber es gibt ja in Orsoy die Fähre, wir wohnen beide nicht allzu weit davon weg und haben uns für da verabredet. Ich lief dahin, schon wieder zu schnell. Leider war Kosta noch nicht auf der ankommenden Fähre. Verpasst. Also hieß es, auf dem Zubringerweg ein wenig hin und her zu laufen. So hatte ich dann zu Beginn unseres Laufes gleich mal 5 Kilometer auf der Uhr. Wir laufen zunächst die historischen Wälle Orsoys entland, bei mir zu Hause vorbei in die Vierbaumer Heide. Ein Schwarm Graugänse oder ähnliches Flugzeugs überflog und, plötzlich traf mich schmerzhaft ein Stein im Brustbereich. Es war leider kein Stein, sonder das Produkt des Verdauungsprozesses eines dieser Flugobjekte, die sich frech in Massen auf dem schlammigen Acker neben uns niederließen. Der Vogelkot hatte bis auf die Hose heruntergespritzt und war einfach nur ekelig.
Mit Gras notdürftig gesäubert (kein Tempo dabei, was soll man alles mitschleppen?), die Hände in einer Pfütze gewaschen, ging es weiter richtung Rheinberg. Auch dort entlang des Kattewalls zum Pulverturm, historisch dem armen Kosta von mir genau erklärt. Er ist ja "fremd" hier.Entlang der Fossa Eugenia dann in das weite Rheinvorland Orsoy-Land. Nun folgte die fast 10 Kilometer lange eintönige Strecke über den Deichverteidigungsweg.Der ist immer ein gutes "Kopftraining". Ich hatte mich bewusst für diese Runde entschieden, denn da geht es fast nur über freies Feld und am Rhein entlang. Sehr windanfällige, aber halt relativ sicher vor herabfallenden Ästen. Zunächst kommt der Wind von schräg hinten, es läuft sich fast von alleine. Dann die 90 Grad Rechtskurve, schlagartig ändern sich die Bedingungen. Und hier beginnt die Beschleunigungsstrecke. Ich habe schon einen Halbmarathon unter zwei Stunden hinter mir, und los geht es. Sofort drücken die Böen gegen meinen beschissenen Brustkorb. "Vergiss die Pace" sage ich zu Kosta, wir laufen nach Gefühl. Gesagt, getan. Aber die restlichen gut 4,5 Kilometer bis zum Orsoyer Rheinhafen ziehen sich im Gegenwind. Wir kämpfen, unsere guten und interessanten Gespräche sind verstummt. 4:51, 4:45, 4:31, 4:26 lautet unsere Pace. Und die läuft bei mir ganz gut vom Fuß. Das macht Mut.
Aber eins weiß ich: Diesen Wind könnte ich in Wien nicht verarbeiten! Am Ende lasse ich mich von Claudia an der Fähre abholen. Die Zeit habe ich eh um 20 Minuten überschritten und die 30o Kilometer will ich jetzt nicht mehr voll machen. Denn morgen ist ja auch noch ein Tag! Danke jedenfalls an Kosta für die sinnvolle und nette Begleitung, gerne wieder. Dann aber ohne diesen Wind. Und ohne die Verdauungsprodukte im Grunde unerkannter Flugobjekte.

Sonntag, 4. Januar 2015

Die fünfte Woche - nach der beinahe PB in Soest


Ja, was gibt es nach meinem Silvesterlauf Werl-Soest noch zur Laufwoche zu sagen? Am Montag bin ich nach der Arbeit mit bösem Muskelkater und Stirnlampe sowie den Yaktrax um den teils verschlammten, teils vereisten Lohheider See regenerativ gelaufen. War irgendwie nicht schön, mir taten alle Gräten weh. Dafür bin ich dann wenigstens nicht aus Versehen zu schnell gelaufen. Dienstag auch Stabi-Training-Pause, daher dann mal nichts gemacht. Über den Silvesterlauf von werl nach Soest habe ich ja in einer seoaraten Laufgeschichte( http://laufen-in-dortmund.de/stories/2015/silvester.htm ) berichtet. Dergestalt vollgepumpt mit positiven Endorphinen und in diesem Jahr ohne Silvesterverabredung ging es am Neujahrsmittag bei herrlichem Laufwetter zum Baldeneysee. Unser Lauffreund Werner hatte via Facebook zum zwanglosen Neujahrsläufchen eingeladen und unglaublich viele kamen. Fast 35 Leute, darunter auch Marc und Anja Böhme vom samstaglächen Lauftreff machten sich bei herrlichem Wetter auf eine Runde um den Baldini. Ich wollte nach dem Husarenritt vom Vortag nur regenerativ laufen,


darum verabschiedete ich mich schon kurz nach der "Holzbrücke" aus der vorderen Gruppe, später trabte ich sogar ein wenig zurück. Die große Gruppe hatte sich leider in recht viele Kleingruppen aufgespalten. Am Ende stand eine 6:16er Pace und meine frierende Frau, die deutlich schneller unterwegs war und mir einen kleinen Ansch*** bereitete, wo ich so lange gewesen wäre. ;)  Jedenfalls war es ein schöner Jahresauftakt mit vielen Freunden und bekannten, und das Familien-Raclette am Abend war damit kalorienmäßig abgearbeitet.
Freitag war frei-Tag, wie der Name schon sagt, am Samstag kamn wir erst nach Eibruch der Dämmerung wieder nach Hause und ich beschloss, angesichts des strömenden Regens und der Temperaaturen von 2 Grad die 50 Minuten GAT 1 Einheit, die ich mit dem längeren Lauf getauscht haben wollte, mal schwänzen würde. Der Neujahrslauf war ja zusätzlich, zwar nicht im GAT 1-Bereich, aber dafür länger. Wenn ich dann am Sonntag eine kleine Endeschleunigung einbauen würde, sollte das für die erste Woche reichen.
Der Sonntag belohnte meine Faulheit mit wunderschönem, wenngleich kaltem Sonnenschein. Ich entschied mich für die Runde entlang unserer 3 Seen zum Rheinufer und dort entlang durch die Felder wieder zurück, es sollten etwa 20 Kilometer werden. Die Mindestpace von 5:16 lief sich irgendwie von alleine. Am Anfang des Waldes kreuzte Claudia, die ewtas früher losgeaufen war, kurz vor mir meinen Weg, dann ging es weiter. Ich denke ein wenig über die letzte Woche nach. Es ist in Soest ganz gut gelaufen, nicht weniger, aber sicher auch nicht mehr. Mein Training funktioniert ganz gut, die Mindestpace, die ich mir im Trainingsplan ausgerechnet hatte, habe ich immer locker unterbieten können. Aber ich muss nicht jetzt oder in vier Wochen in Top-verfassung sein, sondern erst am 12.April. Das bereitet mir ein wenig unbehagen. Es sind noch viele Meter zu laufen und ich muss aufpassen, dass ich nicht auf der Stelle trete, aber auch nicht über das Ziel hinaus schieße.

In Soest, im Bus zurück nach Werl, waren ja wieder die Schornsteinfeger zugestiegen, wie im letzten Jahr. Die bringen ja bekanntlich Glück. Nun ja, Yvy, die im Vorjahr auch dabei war und von den Schornsteinfegern zu profitieren hoffte, war fast das ganze Jahr verletzt. Ich habe es in Hamburg ja auch nicht geschafft. Bringen die jetzt Glück? Nur mal so als geistig-moralischer Warnschuss.

Ich bin jetzt wieder am Rhein angelangt. Jetzt geht es zurück. Leider hatte mit das Internet WSW-Wind angekündigt, er kommt aber leider eher aus dem Norden. D.h., meine geplante Endbeschleunigung musste wohl gegen den Wind stattfinden. Aber das gelang ganz gut. Am Ende war es eine 4:54er Pace auf fast 21 Kilometern, eine durchaus akzeptable Leistung. Die letzten  4 Kilometer trotz Gegenwind schneller als 4:45. Montag geht es weiter. Mit einem kleinen Tempowechsekkäufchen. Aber mehr dazu in der nächsten Woche.

Freitag, 2. Januar 2015

Ruhewoche mit Eulenkopf im Schnee

Um die Weihnachtstage hatte ich ja nicht viel auf dem Trainingsplan stehen. Für den Heiligabend war ein nettes 40 Minütiges GAT 2-Läufchen, d. h. in dieser Dauer am Rande der K****grenze. Den brachte ich einen Tag zu früh relativ erfolgreich und leicht hinter mich. 4:30er Pace 45 Minuten lang - es kam so aus. Das ist erst mein für Wien geplantes Marathon-Renntempo, besser mal noch nicht darüber nachdenken. Heiligabend war dann mal lauffrei im Hause Kühnen, am ersten Weihnachtstag feiere ich traditionsgemäß meinen Geburtstag. Da war am Morgen noch Zeit für eine lockere Runde mit Claudia um "unseren" Lohheider See, Geburtstagskuchenvorbeugungslauf sozusagen und außertrainingsplanmäßig absolviert. Ich musste ja testen, ob der um ein Jahr gealterte Kadaver seinen Dienst noch zu leisten gewillt ist.  Der zweite Weihnachtstag sah mich dann mein Trainingsplanpensum von 30 Minuten regenerativ mal eben auf 60  Minuten verlängernd, da meine Claudia ja gerne die 3500 Kilometer im Jahre 2014 noch vollmachen wollte,
Kann ja nichts schaden und schön war es ja auch mal wieder, gemeinsam ein längeres Stück durch unsere Botanik zu traben.
Der trainingsfreie Samstag begann mit einem Blick auf's Handy. Noch im Bett liegend blickte ich auf die WhatsApp Nachricht einer Lauffreundin aus Rheinhausen, die ein Foto vom Schneebedeckten Rasen postete. Rheinhausen ist jetzt nicht sooo weit weg, ein Blick aus dem Fenster bestätigte meine Befürchtung. Weißer Puderzucker hatte sich über die Botanik auch unseres Gartens gelegt, wobei Puderzucker der nicht ganz korrekte Ausdruck sein sollte. Eher schwerer, nasser Schnee, wie er hier am Niederrhein bei der fast automatisch zu jedem Schneefall eintretenden Erwärmung der Luft üblich ist und das ganze schnell in tauenden Matsch verwandeln würde. Das konnte ja morgen auf den Höhen Wuppertals heiter werden beim Eulenkopf-Marathon.
Den war ich im Vorjahr mit dem Fahrrad abgefahren, während Claudia mit Henning und Yvy en damals bei regnerischen und morastigen Bedingungen gelaufen war. Ich hatte damals meine Hamburg-Vorbereitung damit nicht belasten wollen, das Ergebnis ist ja bekannt. Claudia lief PB, ich "versagte". Also muss ich dieses Jahr wohl mitlaufen, dies erschien mir allein daher besser, als ich nach der Fahrradtour im Vorjahr fertiger war als Claudia.
Am Sonntag dann die Frage nach der Kleidung, das Wetter meinte es mit Sonnenschein zwar gut mit uns, jedoch waren die für Wuppertals Höhen prognostizierten -6 Grad bei zusätzlichem Windchill geeignet, mir Ehrfurcht einzuflößen. Ich entschied mich für ein Langarm-Unterhemd, ein Langarm-Laufshirt und die gute alte Softshell-Jacke (wegen des Windchills). Angekommen in W-Cronenberg im Vereinsraum des beheizten Freibades trafen wir wieder einmal auf die üblichen Verdächtigen. Stefan, Birger, Tanja, Conny, Jens und all die Anderen, die jeder Normalläufer angesichts Ihres Pensums als grenzdebil bezeichnen würde. Das feiern auf meine bei etwa Kilometer 4 erreichten 3000 Kilometer konnte ich mir in dieser Gesellschaft wohl ersparen, aber wer läuft auch mal eben einen Marathon bei diesen Witterungsverhältnissen mit 900 HM?
Ich spielte für uns dann auch gleich mal den Packesel mit Trinkrucksack, darin vorsichtshalber mal Regenjacken, Notfallrationen und Goldfolie. Es ist zwar ein geführter Gruppenlauf und kein Wettkampf, aber man weiß ja nie. Im letzten Jahr hatte sich auch eine größere Gruppe ziemlich verlaufen... Zusätzlich hatte ich unsere Yaktrax eingepackt, die Schneeketten für den Läufer. Die ahtten uns in vergangenen harten Wintern vor einigen Jahren gute Dienste geleistet und harrten seither im Schrank in Bereitschaft.
Los ging es zunächst über eine alte Bahntrasse, davon gibt es rund um Solingen und Wuppertal genug. Hier hatte der Winter voll zugeschlagen, angesichts der Kälte war der Schnee hier wirklich wie Puderzucker, lag 5-10 cm hoch und da, wo er plattgetreten war, war es vereist. Teilweise durch herrlich verschneite Wälder, dann auch kurz durch die Stadt unter der Schwebebahn entlang, die dann auch wie zur Begrüßung stilecht kurz vorbeischwebte. Und dann natürlich wieder hoch. Am ersten V-Punkt nach etwa 11 Kilometern beging ich den ersten Fehler. Ich zog meine angeschwitzten Handschuhe aus, um den warmen Tee zu trinken. Ei Schwedenfeuer spendete zusätzlich Wärme, denn wir vom Anstieg angeschwitzten Läufer wurden schnell kalt. Das ist der Haken bei den Temperaturen, Stehenbleiben ist meist nicht gut. Mit Kapuze über meiner angeschwitzten Laufmütze versuche ich, ein auskühlen zu verhindern und ziehe diese erst bei Erreichen der Laufbetriebstemperatur nach einigen hundert Metern wieder ab. Mit meinen Handschuhen klappt das leider nicht.
Als ich sie aus der Jackentasche holte stellte ich fest, dass sie kalt und klamm geworden waren. Das übertrug sich schnell auf meine Finger, die schmerzhaft erkalteten. Handgymnastik half nicht viel, erst als ich aus den Fingern der Handschuhe glitt und in den Handflächen Fäuste machte, wurde es langsam besser. Gerade ging der Weg auch in 250 Meter ü.nN. über ein freies, windanfälliges Feld und es war saukalt. Aber eine herrliche Landschaft, die von der Sonne in ein zauberhaftes Licht getaucht wurde. Herrlich auch die Gesichter der Sonntagsspaziergänger, als jeweils ca. 200 Verrückte im Gänsemarsch an ihnen vorbezogen und der indwurm der funktionsfasergewandeten Gestalten nicht aufhören wollte. Immerhin bewegen die sich auch durch die Landschaft, es müssen ja nicht immer 42,195 Kilometer sein. Verstehen können so etwas sowieso nur angehörige unserer Spezies.
Ich will mich jetzt hier nicht in pittoresken Landschaftsbildern verlieren, dafür gibt es ja die Fotos, aber es folgten immer rutschigere Passagen. Einmal glitt ich im Wald dann auch aus und landete auf nur dünn mit Schnee bedeckter unebener vereister Matsche. Nach diesem schmerzhaften Ausrutscher, den ich unbeschadet überstand, entschied ich mich, nun Gebrauch von meinen Yaktrax zu machen. Claudia wollte nicht, sie hatte schon wieder Probleme mit ihrer verhärteten Wade und trabt schon mal mit der Truppe weiter. Ich hielt an und legte die Dinger an, was gut 3 Minuten in Anspruch nahm. In dieser Zeit war das Feld aber auch komplett vorbei, so dass ich mich sputen musste, nicht den Anschluss zu verlieren. Noch vor den Schlussradlern bog ich wieder auf die Piste und schaltete mal bergab den Turbo ein. Wo ich vorher noch vorsichtig auftrat, konnte ich es nun rollenlassen, denn die "Schneeketten" sorgen sogar auf Eis für relativ sicherem Halt. So hatte ich das Feld bei der erste Steigung am Kaiser-Denkmal wieder erreicht.
Kurz vor VP 2 etwa an der HM-Marke hatte ich auch meine Frau wieder eingeholt, diesen "Spurt" legte ich relativ unangestrengt und locker hin. Bei den Bedingungen nicht selbstverständlich, aber es spiegelte mir positiv meine doch schon erreichte Fitness wieder. Auch am 2. VP das gleiche Problem: Man wurde schnell kalt. Claudia lag allerdings die teilgefrorene Cola vom ersten VP schwer im Magen, Ihr wurde mit zunehmender Strecke immer übler. Das zogen wir durch bis zum VP 3, zu dem wir nach durchlaufen des Düsseltals und dem Aufstieg entlang des alten Steinbruchs und Durchquerung eines Waldes gelangten. Unterwegs sprach ich kurz mit Stefab über den Mauerweglauf und die dort wohl vorhandenen schwierigen Laufuntergründe, wie zum Beispiel eine Menge Kopfsteinpflaster. Zur Schwierigkeit meinte Stefan nur „Alles über 100 Kilometer wird schwierig. Bis hundert kannst Du dich immer irgendwie durchmogeln, danach wird es hart!“ Ah ja, eine interessante Erkenntnis, die manchem geneigten Leser hier wohl an unserem Verstand zweifeln lassen könnte. Diesmal erreichten wir – im gegnsatz zum Vorjahr, den VP 3 ohne uns zu verlaufen. Dort stand Claudia dann schon ziemlich neben sich, als es weiter ging musste sie sich übergeben, aber da war nix. Die netten Scouts boten an, die 500 m zum VP 3 zurück zu gehen und sich ins Ziel mitnehmen zu lassen, aber so geht das mit Claudia nicht. Kurz gesagt, mehr schlecht als recht zogen wir es weitgehend marschierend über die letzten 8 Kilometer durch. Zuerst hatte ich einen gewissen Zorn auf meine Frau, dass sie es unbedingt durchziehen wollte und mich damit definitiv vom Laufen abhielt. Denn ich konnte sie ja schlecht alleine marschieren lassen. Und mir wurde dabei sofort wieder kalt.

Der Zorn verrauchte aber, ohne dass ich ihn mir anmerken ließ (hoffe ich jetzt mal), so war es halt ein langer Trainingslauf mit anschließender Wanderung, für meine Wien-Vorbereitung wohl eher besser. Damit konnte ich gut leben. Wir genossen den wieder zunehmend verschneiten Wald, stürmten dann nochmal die 120 Höhenmeter ins Tal der Wupper hinunter. Hier konnte Claudia nochmal laufen, unten war aber wieder Ende damit. Die 180 Höhenmeter hinauf auf den letzten 3 Kilometer bewältigten wir stramm marschierend und gut gelaunt, ich ließ es mir nicht nehmen, den letzten Anstieg hoch zu sprinten. Auch dabei gaben mir die Yaktrax auf dem plattgetretenen Schnee bei 20% Anstieg wieder super Halt.
Oben angekommen konnte ich dann noch ein schönes Foto schießen, wie Claudia unter dem Winken einer Formel-Eins-Zielfahne ebenfalls den Lauf beendete.  Das anschließende Ausschwimmen im knapp 30 Grad warmem, vom Müll-Heizkraftwerk nebenan erwärmten Wasser des Freibades hatte im Schnee schon seinen Reiz.


 Dennoch brachen wir es schnell ab, da Claudia selbst im warmen Becken ziemlich mit den Zähnen klapperte. Mir ging es gut, ich hatte nicht mal schwere Beine. Das sollte sich am nächsten Morgen desaströs ändern. Die vielen kleinen Ausgleichsbewegungen auf rutschigem Grund und die mal wieder ungewohnten Höhenmeter verursachten gnadenlosen Muskelkater in meinen rückwärtigen Muskeln. Das Aufstehen vom Schreibtisch erwies sich in den Folgetagen als Qual. Das konnte was werden beim Silvesterlauf  Werl-Soest. Aber den möchte ich zum Gegenstand einer separaten Geschichte machen. http://laufen-in-dortmund.de/stories/2015/silvester.htm



Sonntag, 21. Dezember 2014

Weihnachten steht vor der Tür....

...darum mal keine ausführlichen Laufberichte des eher unspektakulären "Road to Vienna"-Abschitts dieser Woche. Gesteigerter DL am Montag abend ganz o.k., konnte von 5:45er Startpace alle 5 Minuten 10 Sekunden bis auf 4:15er Pace beschleunigen. Nach Stabi-Training ausschließlich auf dem Gymnastikball am Dienstag am Mittwoch eine grenzwertige einstündige Einheit im Nieselregen und im dunklen Wald. Das Training am Donnerstag verdient eine nähere Betrachtung. Eine neue Einheit, die ich so in 3 Jahren noch nicht auf dem Plan hatte, stand an. Nach dem Aufwärmen 5 Minuten GAT 3, vom Schleifer-Sven definiert als "10km-Renntempo", danach 2 Minuten Trabpause, dann 20(!) Minuten GAT 2 ("Halbmarathon-Renntempo"), wieder 2 Minuten Trabpause. Zum guten Ende dann wieder die 5 Minuten im ungeliebten 10km-Renntempo GAT 3. Damit war meine im Plan errechnete Pace von 4:16/4:41 mal wieder Makulatur. Los ging es, Thomas und Kosta wie immer vorneweg, dann muss man auf die Uhr sehen  und nicht überpacen. Gut, dass sich Peter mir anschloss. Peter kenne ich seit unserer ersten AIDA-Lauftour 2009, ein sehr guter Läufer. Er war allerdings in der letzten Zeit häufig verletzt. Auf "kurz" war er immer eine andere Kragenweite, aber er bleib hier bei mir und wir absolvierten die ersten 5 Minuten in 4:06er Tempo. Zwei Minuten Trabpause können verdammt kurz sein, ehe man sich versieht, sind es nur noch 40 Sekunden und schpn geht es wieder los. Wir laufen so um die 4:25er Pace, werden jedoch zum Ende hin immer schneller, so dass eine 4:20 für den 20-Minuten-Abschntt dasteht. Ich musste ein wenig ziehen, aber es war ein machbares Tempo trotz der stürmischen Windböen, die uns zwar vor Regen bewahrt hatte, aber dafür stets aus wechselnden Richtungen wehten. Dann der finale Akt. 5 Minuten Tempoverschärfung. Mehrfach schien es mir, als ob Peter sich nach vorne absetzen würde, aber ich biss und blieb dran. Ihm ging es wohl genauso, als 4 der 5 Minuten um waren zeigte die Durchsnittspace 4:03. Dann die letzte Minute. Wir konnten nochmal zulegen und beendeten die 5 Minuten mit einem Gesamtschnitt von 3:58! DAs hätte ich nicht erwartet und alleine auch niemals geschafft. Von hier aus ein Danke an Peter, zusammen geht halt alles besser.
Freitag nochmal viel zu tun im Büro, aber mit der Aussicht, danach eine Woche am Stück frei zu haben, das erste Mal seit Juli. Und Samstag der Weihnachtslauf der Ausdauerschule. Hatte "nur" 15 km GAT 1 auf dem Plan, geplante 5:16er Pace. Ich schloss mich dennoch Marc Böhme und der 5er Pace Gruppe an, wohl wissend, dass es eh wieder schneller werden würde. Werner kam dazu, mit Mühe ließen wir die 5er-Pace-Gruppe nach vorne ziehen. Am Ende stand eine 4:47er Pace mit ca. 400 m Rückstand auf die "5er"-Gruppe.....failed, lieber Marc.
Zur Belohnung gab es einen Schokonikolaus und - bereits vor dem Lauf - eine Tombola (weiß jetzt nicht genau, ob nur Laufsport Bunert Essen oder auch die Ausdauerschule die Preise gestiftet hat), jeden falls gab es für Claudia eine Laufkappe und für mich einen Freistart einschl. T-Shirt im Team für den Essener Firmenlauf.  Wie das ohne Firma geht - na ja, ich bin gespannt. Jedenfalls Dank für die nette Idee und das Engagement beim Zusammenstellen.
Damit geht es jetzt in eine ruhigere Weihnachswoche.

Ich wünsche allen Lesern ein frohes, stressfreies und glückliches Weihnachtsfest. Lasst Euch nicht von überzogenen Erwartungen unter Druck setzen, gönnt Euch ruhige Tage im Kreise der Familie und lasst das Jahr revue passieren.....

Samstag, 13. Dezember 2014

Laufen kann auch bilden - die zweite Woche der "Road to Vienna"

Woche 2 der "Road to Vienna", jenes Trainingsplans, der mich nun endlich über die Schwelle der 3:10er Marathon-Zeit führen soll. Und da das nunmal kein Zusckerschlecken ist und ich die letzte Woche so optimistisch beendet hatte, musste es ja nicht so schön weitergehen. Ging es dann auch.

Montag hatte ich mir einen Tag frei genommen, um ihn mit meiner Claudia zu verbringen, denn am Montag waren es 30 Jahre seit jener Kellerparty am 8.12.1984, auf der wir endlich zusammen kamen. Das hieß aber nicht, dass mein Trainingsplan darunter leide, also hieß es direkt nach dem Frühstück um 7 Uhr raus an den See. Es war schweinekalt und windig und als meine Stirnlampe die Grasflächen rechts und links des Weges in ein trübes Licht tauchte, glänzte flächendeckender Raureif fast wie der erste Schnee. Prost Mahlzeit. Dazu wollte meine Uhr das eingestellte Tempo von 4:41, welches ich für 45 Minuten laufen sollte, irgendwie nicht automatisch überschreiten. Im Gegenteil, ich musste mich schon auf dem ersten Kilometer quälen, die Pace zu halten. Lag es am Gegenwind? Oder an der frühen Morgenstunde? Nun, keiner der folgenden Kilometer sollte besser werden, aber ich biss und zog es durch. Der Gedanke vom folgenden schönen Tag im Mediterrana in Bergisch-Gladbach half dabei ungemein. Am Ende war es mit Mühe und Not eine Pace von 4:39, eine zu Hohe Herzfrequenz(permanannet GAT 3 statt GAT 2) und die Erkenntnis, dass eine gute Auftaktwoche noch keine gute Vorbereitung macht. 

Dienstag dann zur Abwechselung mal nur Stabi-Training, diesmal mit Nils. Das ist grundsätzlich weniger erholsam als mit unserem gewohnten Trainer Roman, aber sicher sehr effektiv. Das Problem ist bei Nils immer die schnelle Frequenz der Übungen, so dass zwischendurch durch die ganzen doofen Sprüche und Bemerkungen wenig Zeit und Kraft bleibt. Egal, lustig war es trotzdem wieder.
Mittwoch abend hatte ich mich gerade so pünktlich aus dem Büro verabschiedet und wollte zuhause los, da piepte mir meine Hightech-Garmin "Akku-Schwach" entgegen. Nun ja, dann reicht es so gerade einen Kilometer. Also ab ans Netz mit dem Ding und knapp 20 Minuten smalltalk mit Claudia auf der Couch gehalten, dann mit guter Hoffnung auf ausreichedes Ladevolumen  ab in die Nacht. Diesmal hatte ich meine nagelneuen Adidas Glide Boost ATR als Bereifung gewählt, denn es hatte viel geregnet und im dunkel patscht man immer in irgendeine Pfütze rein. Die sind zwar etwas schwerer, liefen sich aber erwartet gut. GAT 1 ist so meine Wohlfühl-Lieblingseinheit, da gehe ich gleich mit einer anderen Einstellung auf die Piste, um den Bürokram aus dem Kopf zu bekommen.
Daher war ich mal wieder zu schnell unterwegs, fast jeder Kilometer unterhalb der magischer 5er-Pace-Grenze, wo ich mir doch 5:16 so ausgedacht hatte, um im ersten Monat der Vorbereitung mal wieder so "ins Tempo zu kommen". Aber es fällt mir im finsteren Wald doch immer wieder schwer, das Tempo zu kontrollieren, auch wenn ich die Strecke nun schon fast auswendig kenne. Ach ja, das leuchtende Flutlicht eines Sportplatzes kann selbst auf 500 Meter Waldstrecke gewaltig blenden, wie ich auf der Buchenallee angesichts des Trainingsabends bei meinem Fußball-Stammverein TuS Baerl feststellen musste. Promt kam auch bereits 2,5 Kilometer vom Ende des Laufes das "Akku schwach", aber die Uhr hielt durch. Gut informiert vom Westblick und den Wirtschaftsnachrichten auf WDR 5 auf meinen Ohren kam ich nach exakt 50 Minuten und einer Sekunde vor meiner Haustüre an. Was für ein Timing! Wer jetzt gedacht hatte, das wäre es mit dem Schwitzen für den Tag gewesen, der hat vergessen, dass meine "Blauen" ja noch beim NK Maribor spielten und ich, gequält von den unsäglichen Redeschwällen des Belá Rethy, in den letzten 10 Minuten leider reichlich Angstschweiß verlieren musste, ehe der Einzug unter die letzten 16 der Champions-Legue perfekt war. Nun ja, die Woche begann besser zun werden.
Der Donnerstag ist ja immer etwas speziell, da ich nach langem Arbeitstag immer direkt aus dem Büro zur Regattabahn komme, wo die Ausdauerschule by Bunert sich zum gemeinsamen Training trifft. Mit der Einheit wusste ich ich nicht so recht etwas anzufagen, 6 x 4 Min. GAT 3 standen auf dem Plan. Während sich die Läuferschar sammelte, fror ich hundserbärmlich, so dass ich Weichei mein Unterhemd noch gegen ein Langarm-Shirt tauschte. Gut, dass zumndest der Regen pausierte. Dann ging es mit Schleifer-Sven los, der uns verkündete, dass aufgrund des Dauerregens an der Regattabahn zuviele Pfützen wären und wir rund ums Stadion laufen würden. Damit hatte ich mich mit den Brooks Pure Connect 3 für die richtigen Schuhe entschieden. Schnell, aber schwach profiliert hätte ich an der Regattabahn nasse Füße bekommen. Los ging es, ich hatte GAT 3 mt 4:16er Pace aus dem letzten Laktattest definiert bekommen und bemühte mich, das Tempo zu halten. Hinter der Haupttribüne, vorbei am LA-Stadion und links ab an der Sportschule, dann war der knappe Kilometer schon vorbei und in einer 4:08er Pace ganz gut im Plan gelaufen. 2 Minuten lockeres Traben, schon rief der Schleifer zur nächsten Einheit. Ging wieder ganz gut, ich musste zu Beginn wieder bremsen und am Ende stand noch ohne große Qual sogar die 4:02er Pace. Schnell waren auch die Runden 3, 4 und 5 erledigt, ich lief inzwischen ziemlich alleine. Michael noch kurz hinter mir, Kosta, Thomas und Mark immer mit einer deutlichen Pace unter 4 vor mir. Das wollte ich noch nicht zwingen. Warum eigentlich nicht? Weil ich kein Sprinter und kurzstrecker, sondern Marathonläufer in einer geplanten vorbereitung bin. Das versuche ich lieber mal im Wettkampf. Die letzte Einheit absolvierten wir mit einer Wende an der Regattabahn, da der Rückweg zum Trefpunkt sonst zu weit geworden wäre. Ich zog noch einmal und schaffte eine glatte 4er Pace. Mit dieser Einheit war ich mehr als zufrieden. Zumal meine Herzfrequenz auch den geforderten GAT 3-Bereich im Schnitt nicht großartig verlassen hatte, war ich deutlich über meinem veranschlagten Mindesttempo 4:16/km geblieben.
Die 40 Minuten regeneratives Laufen am Freitag klemmte ich mir dann mal und verbrachte die Zeit ein wenig länger im Büro. Es regnete ohnehin und der "außerplanmäßige" Glühweinlauf  am Sonntag bot ja noch 16 Kilometer Spaß, so dass das Projekt 3000 nicht gefährdet werden würde.




Ich lud mir ein wenig Musik auf mein Handy, dazu zur Abwechselung zwei "Zeitzeichen" aus der WDR-Mediathek. Als Musik wählte ich vorwiegend die unplugged-Auftritte diverser Künstler aus dem ARD-Morgenmagazin, weil die nicht so schnell gespielt sind und ein wenig bremsen. Ab und zu ein paar Wortbeiträge können nicht schaden, denn laufen soll ja auch bilden, bilde ich mir ein.
Es bleib trocken und nicht allzu windig, auch wenn ich das Duell mit einem zu Tal fahrenden Rheinschiff klar verlor, lief ich ein flottes Tempo fast von alleine und mühelos. Stets zu schnell war ich dann am Ende, während das Leben und Wirken des Sozialdemokraten Philipp Scheidemann in meinen Ohren klang und mir doch ein wenig mehr Respekt vor diesem Politiker verschaffte (ich bin bekanntermaßen kein Sozialdemokrat!) an einem Abzweig am Rhein zu gewagt und bog noch zum inzwischen eingeebneten Weiler Woltershof ab. Das bedeutete, dass ich am Ende dann doch 8 Minuten zu lange unterwegs war. Und mit einem Schnitt von 4:59 statt 5:16 auch zu schnell.
Zu den immer wieder faszinierenden Gitarrenklängen des "Going Home" von Mark Knopfler trabte ich zufrieden vor meiner Haustüre an. Meine Claudia öffnete mir -bereits auf dem Wege in die Wanne- mit einem Handtuch bekleidet die Wohnungstüre....es gibt härtere Schicksale. ;)

Samstag, 6. Dezember 2014

On the road again....

.....on the Road to Vienna. Unter dieses Motto stelle ich die nächsten 4 Monate und zwei Wochen. Trainieren nach Plan, nicht sklavisch, aber relativ genau. Keine Spaßläufe ohne Sinn und Verstand mehr. Das hat gute und schlechte Seiten, aber man bekommt es hin, wie ich es ja bereits im letzten Jahr durchexerziert hatte.
Was soll aus einer Woche werden, die an einem Montag anfängt, genau wie mein Trainingsplan. 40 Minuten Tempowechsellauf GAT 1/2 je 2 Minuten stand auf dem Plan, ich hatte auf Basis des Laktattest aus dem September 4:41er PAce als GAT 2-Tempo und 5:16er Pace als GAt 1- Tempo definiert. Ich also nach der Arbeit um 17:20 los, ab um den dunkle See, ergänzt durch einige Waldmeter auf den einzig im dunklen gefahrlos zu belaufenden, weil eben geschotterten und ausgebauten, Wegen Orsoyer Allee bzw. Buchenallee. Runden sind mir zu geährlich, die Verbindungswege sind eben echte Waldwege und Wurzeln und Löcher sieht man mit Stirnlampe so schlecht. Es war gleich dann mal schwierig, das Tempo überhaut zu treffen. Aber es fühlte sich gut an, es machte Spaß, die Musik auf dem Ohr war gut. Auch wenn es am Ende statt der 4:55-5:00er klar schneller war, der erste Schritt war trotz Dunkelheit und Kälte getan.

Dienstag dann Ruhe, Stabi fiel dank einer Geburtstagsfeier beim Nachbar aus. Mittwoch dann die "ruhigen" 60 Minuten GAT 1. Die Kälte war , wie immer zu Beginn des Winters, schwer einzuschätzen, -0,5 Grad hatte das Autothermometer gezeigt. Zunächst am See ging es, hier hatte ich nur zu Beginn leichte Probleme, mich in einem Tempo "einzurollen", aber bei gleichbleibender Geschwindigkeit ist das deutlich leichter als bei 2-Minuten Intervallen. Als ich den See halb umrundet hatte und die Richtung wechselte, kam der Ostwind nun von vorne und lehre mich den "Windchill" kennen. Die Gefühlten -5 Grad waren nicht übertrieben, vor allem meine rechte Hand wurde immer kälter. Hinauf in den Baerler Busch, zunächst wieder entspannung dank des Rückenwindes, aber sobald ich am Wendepunkt war, zerstop die Hoffnung, die Bäume würden den Wind abhalten. Nach zwei Kilometern war meine rechte Hand trotz Handschuh taub und die linke auf dem Weg dahin. Dennoch ansonsten auch wieder ein schöner Lauf von 60 Minuten, zurück auf der Couc schmerzte es richtig, als meine Hände sich wieder mit warmem Blut und Gefühl zu füllen begannen.

Der Donnerstag ist immer etwas speziell. Umziehen gegen 18:30 noch im Büro, dann sofort zur Regattabahn. Der erste Kurstag des neuen Winterlaufkurses mit der Ausdauerschule. Das heißt neben der Masse an altbekannten Gesichtern und Dauergästen einige lange nicht gesehene und neue Gesichter. Schleifer-Sven teil die drei Tempogruppen nach den Ergebnissen der Laktattest ein und los geht es mit einem "Fahrtspiel" . Zum Glück war es etwas wärmer als am Vorabend, die HAndschuhe konnten aus bleiben. Ich hatte mir die Pace im Trainingsplan manuell reingerechnet und mit
3 Min GAT 1, 2 Min GAT 2 und 3 Minuten GAT 3 gerechnet. Das Resultat war ernüchternd. Das von Schleifer-Sven vorgegebene Tempo war deutlich höher. Auch war die Ansage eine andere: REG, dann zügig, dann sehr zügig. Das ganze 5 Mal während zweier kleiner Runden um die beleuchtete Regattabahn des Sportparks in Duisburg. Ich lief weitgehend alleine, beim ersten schnellen Intervall lief Schleifer-Sven meine Laufhaltumg korrigierend neben mir. "Kiehub, Thomas!" "Warum?" "Damit Du ein wenig von dem Laufstil in den Marathon rettest, dann klaptt's auch mit den 3:05". Da war sie wieder, die Zielvorgabe."Ich werde darauf nicht laufen und damit mein Ziel 3:09 gefährden". Pace in diesem Intervall: 4:00. Ohne Worte.
Gegen Ende konnte ich mich in der Trainingsgruppe noch wieder ganz gut platzieren, mein Stehvermögen kommt da wieder durch. Auch diese harte Einheit hat Spaß gemacht, hier möchte ich mich einfach nicht immer an PAce-Vorgaben halten, denn das Laufen in der Trainingsgruppe hilft nunmal immer, die Reserven raus zu kitzeln und das schadet einmal die Woche bestimmt nicht.
Die 40 Min REG habe ich mir am Freitag wegen weiterer Überstunden dann mal geklemmt und auf den Sonntag verschoben, Samstag entschieden Claudia und ich, dann doch zum Baldeneysee zu fahren, wo Marc Böhme's Lauftreff "Einjähriges" feiert und man immer einen bekannten oder unbekannten Trainingspartner in seinem Tempo findet, denn knapp 26 Kilometer alleine können sich ziehen. Ich wollte mich aber nicht wieder von der schnellen Truppe in die Pace unter 5 ziehen lassen, dann darin sehe ich einen Kardinlfehler der letzten beiden Jahre, wo ich in Düsseldorf und Hamburg "gescheitert" bin. Sicherheitshalber schrieb ich Sven von der TTG Wittten an, mit dem ich einige lange Läufe zusammen absolvieren wollte. Und er sagte zu. So ging es gleich wieder zu schnell los, hinter Marc Böhmes 5er Truppe. Schnell bremsten wir uns aber planmäßig herunter, auch wenn unser GRüppchen dann auf 3 Läufer zusammenschmolz. Aber wir wollten ja auch mehr als eine große Runde laufen. Mit Claudia verabredete ich, dass wir eine Runde laufen würden und dann die 140 Min.mit einem Wendestück vollmachen würden. Das Laufen ging auch in diesem Tempo bei mir völlig problemlos, wir führten interessante Gespräche über Trainingsprogramme und Erfahrungen aus vergangenen Läufen. Unser "Dritter Mann" wurde zusehends ruhiger und zog es vor, über das Wehr abzukürzen. Wir wählten planmäßig den Weg via Werden und kamen nach 18 Kilometern am Regattaturm, dem Ausgangspunkt an. Dann nochmal 23 Minuten weiter, drehen und zurück. Sven scheint bereits etwas weniger motiviert, so dass wir zu früh umdrehen. Aber der will ja am Nachmittag noch einen 10er in Herdecke laufen. So hören wir bereits nach 2:17 h auf, mit dem Resultat, dass meine leibe Frau tatsächlich mal wieder ein paar hundert Meter weiter gelaufen ist. DA hätte sie auch mitkommen können.......